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Neue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Freitag, 8. März 1850. ^§ 11Ä. Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Untcrhaltunqsblatt deigcgebcn. Die Morgen-Ausgabe wird von 7,11 bis 12 Uhr. die Abend - Ausgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr crpcdirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur'Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Lttckkardt schen und DoÜmann'schen Buch« und Kunsthandlung. Der AbonnementSpreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thir. 15 Sgr., wofür alle kurhessischen Postämter daS Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeige« werden mit 1 Sgr. sur den Naum einer Petitzeile berechnet.

Wer mediatisirt uns?

Unter den Ursachen und Beweggründen, nach denen die erstaunte Welt fragte, als sie die plötzliche Entfernung deS Ministeriums Eberhard erfuhr, hat man, außer allerlei frem­den und einheimischen Ränken, nur Einen Grund von we­sentlicher und stichhaltiger Art vernommen. Gerade dieser Eine Grund ist auch, wie man sagt, am allerhöchsten Orte ausgesprochen worden. Er lautet: durch die Politik des März­ministeriums werde Kurhessen mediatisirt.

Dieser Gedanke, sonderbar wie er ist, hat eine sehr ein­fache Geschichte. Er ist erst wenige Monate alt, wo es di­plomatischen Anstrengungen gelang, ihn am hiesigen Hofe ein- zuschwärzen. Durch künstliche Mittel, im Düster der Intri­gue, mit Hülfe österreichischer Trugbilder und baierischer Or­den, ja selbst mit Hülfleistung derHornisse", welche in die­sem Falle nicht zu schlecht gewesen ist, um als Bundcsgcnos- sin zu dienen, konnte unausgesetzte Ohrenbläsern diesem Ge­danken endlich einen gewissen Eingang verschaffen, freilich zu einer Zeit, wo er dem einfachen Verstände am unbegreiflich­sten erscheinen mußte.

Wäre es noch zu jener Zeit gewesen, wo die Meviatisi- rungen auf der Tagesordnung standen; wo den Verfassungs- Ausschuß der deutschen Nationalversammlung diese Frage wo­chenlang in Anspruch nahm; zu jener Zeit, wo die Zusam­menlegung beider Hessen unter dem allgemein beliebten Lud­wig hohe Staatsmänner Deutschlands ernstlich beschäftigte! Warum hat man sich damals nicht vor der Meviatisirungs- Politik unserer Märzminister gefürchtet? Gehörten diese doch damals, eingedenk ihrer deutschen Pflicht und geleitet von dem Gefühle politischer Nothwendigkeit, zu den treuesten Anhängern der Nationalversammlung. Aber man vertraute damals dem turhessischen Patriotismus dieser Männer, weil man ihn nö­thig hatte, diesen^Patriotismus, weil man ihn lebendig em­pfand , weil er Tag und Nacht als treuer Hüter vor dem Throne stand und weil noch kein Sendling es wagen durste, ihn zu verdächtigen.

Auch damals hätte man allenfalls von Mediatisirung re­den können, als die frankfurter Verfassung beschlossen und von unserer Regierung anerkannt wurde. Diese Verfassung weiß nichts von einem Fürstenkollegium, nichts von einem Reichsrath, nichts von den Beschränkungen Dy Reichsgewalt, nichts von allen jenen Garantien, die der berliner Entwurf den Fürsten bietet. Aber auch damals hörte man nichts von einer Mediatisirungspolitik des Ministeriums Eberhard. Denn auch damals fühlte man zu gut, daß gerade dieses Ministe­rium den Kurstaat vor dem Schicksale Badens, d. h. vor ei­nem Zustande bewahren werde, welcher noch schlimmer als Mediatisirung ist.

Von Mediatisirung hätte endlich vielleicht gefabelt werden können, als sich die kurhessische Regierung dem Dreikönigs- bündniß anzuschließen im Begriffe stand, als sie, um auch dieses Mittel deutscher Einigung zu versuchen, den Weg des Verfassungsentwurfes vom 28. Mai eben betreten wollte. Denn dieser Verfassungsentwurf ist es doch, von dem man etzt, lange nach geschehenem Anschluß, behaupten zu wollen 'cheint, er führe zur Mediatisirung. Damals, erinnern wir

uns, waren es nur die Demokraten, welche dergleichen be­haupteten. Von anderer Seite war man weit entfernt, solche Befürchtungen zu hegen. Im Gegentheile, die Märzminister wurden eifrig gedrängt und ihre allseitige patriotische Erwä­gung möglicher Bedenken konnte man gar nicht rasch genug zur Entscheidung bringen.

Aber freilich, damals ging den österreichischen Diplomaten noch der Athem aus, der baierische Komthur war noch unter­wegs, und im Bundesstaate glaubte man noch das beste Mit­tel gefunden zu haben, um sich eben vor der Mediatisirung zu assekurircn.

Und jetzt, seit einigen Monaten, wo sich in der Politik des Märzministeriums nichts geändert hatte, als daß sic kon­servativer geworden und mehr als je für die Erhaltung Kur­hessens, seiner Selbstständigkeit und der Rechte seines Für­sten bedacht gewesen war, jetzt sollte man ihnen Mediatisirung vorwerfen können?

Ja, cs ist wahr und nie war es uns deutlicher als jetzt, auch Kurhessen wird der Mediatisirung anhcimfaUen. Aber wahrhaftig nicht durch die Schuld der Märzminister, sondern durch den Frevel ganz anderer Leute. Wenn es eine Mög­lichkeit gab, der Mediatisirung zu entgehen gerade das Ministerium Eberhard hat diese Möglichkeit mit einigem Er­folg versucht. Mit seiner Beseitigung und mit dem Schicksal, welches jetzt über Kurhessen so übermüthig heraufbeschworen warb, ist jede solche Möglichkeit verschwunden.

Sehen wir doch einmal zu, wer denn eigentlich die Me­diatisirung der kleinen deutschen Staaten fort und fort begehrt und durch welche Ursachen diese Katastrophe als unausweich­lich immer näher heranrückt?

Die Mediatisirung wird verlangt von den österreichischen, von Den baierischcn, von ken hannöverschen ofsiciellen und nicht ofsiciellen Regierungsorganen. W^e konfus, wie wider­sprechend, wie unfruchtbar auch sonst ihre Vorbringen sind, in Der Einen Betrachtung stimmen sie alle wunderbar über­ein: Die kleinen Staaten haben aufgehört, lebensfähig zu sein. Die kleinen Staaten haben keinen Willen, die kleinen Staa­ten haben sich ihrer Existenz selbst entäußert, die kleinen Staa­ten sind Heerde Der Revolution, die kleinen Staaten sind Spielbälle der Demokratie, die kleinen Staaten sind morsch, die kleinen Staaten sind faul und werben Die großen vergif­ten, wenn man sie nicht bei Zeiten unlersteckt. Daö ist das­selbe Lied, welches der österreichische Minister in Der sel. Frank­furter Zeitung, der hannöversche in der Hannoverschen, Der baierische in der Neuen Münchener, Der Augsburger Postzei­tung rc., welches Herr v. BlitterSdorff in Der Ober-Post- Amts-Zeitung seit Monaten wohl Tag für Tag mit merk­würdiger Einstimmigkeit intoniren. Ja wir erinnern uns, dasselbe auch aus dem Blatte unseres neucnHcrrn, des Der# maligen Herrn Ministerialreferenten Vilmar mehr als ein Mal vernommen zu haben.

Dasselbe ist aber auch in den resp, diplomatischen Noten in und zwischen Den Zeilen leicht zu lesen. Auch liegt cs allen jenen Gruppen und Neichskreisen zu Grunde, in Die man auf jener Seite Deutschland cinzutheilen beliebt. In einer Der letzten Einteilungen hatte man dieß fällt uns beiläufig