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minister Dr. Zschinsky beantwortete heute die Interpellation des Abg. Wigand in Betreff der Anwesenheit österreichischer Kommissare bei den vor dem Kriminalamte zu Leipzig mit den bet den Maiereignissen beteiligten Personen abgehaltenen Verhören und sagte, daß hierbei nur das aus den Reciproci- tätSverhältnissen befreundeter Staaten entspringende gewöhn­liche Requisitionsvcrfahrcn, jedoch mit dem Unterschiede zu Grunde liege, daß an die Stelle der sonst üblichen schrift­lichen Kommunikation die mündliche getreten sei. Der Jn- terveUant bedauerte hierauf, daß er durch die Antwort des Staatsministers nicht zufriedengestellt worden sei, indem für ihn darin der Vorwurf liege, als habe er bei der Motivirung seiner Interpellation mehr gesagt als begründet sei. Er be­halte sich deßhalb die Einbringung anderweiter Anträge vor. Die nächste Sitzung ist auf den 2. März anberaumt und die Berathung de/ Berichts über das deutsche Verfassungswerk auf die Tagesordnung gebracht worden.

Wiesbaden, 25. Febr. Laut Ministerialrcskripts sind die am 4. März 1848 aus dem Zeughausc abgegebenen Ge­wehre von der Bürgerwehr des Kreises Wiesbaden alsbald wieder dahin abzuliefern. Ein Gerücht besagt, daß das nas­sauische Militär nach Preußen verlegt und dagegen preußische und braunschweigische Truppen nach Nassau rücken würden.

Frankfurt, 24. Februar. Je mehr in den hiesigen di­plomatischen Kreisen von dem Inhalte der österreichischen Vor­schläge bekannt wird, desto zuversichtlicher treten die Anhänger des Bundesstaates auf. Andererseits erscheint man besorgt. Eine durch Stellung und Einsicht ausgezeichnete Person, deren Sympathieen Oesterreich zugewandt sind, konnte sich gestern nicht enthalten, ziemlich offen zu erklären, daß das Wien- Münchener Projekt sowohl die Regierungen wie die Völker abstoßen werde, da es den Rechten und Erwartungen Beider in gleicher Weise zuwiderlaufe. Wir glauben diese sehr be­zeichnende Aeußerung des hochgeachteten Staatsmanns erwäh­nen zu dürfen, ohne uns dem Vorwurf der Indiskretion auS- zusetzen. Unter solchen Umständen hat hier der Miuistcrwech- sel in Hessen-Kassel keine nachhaltige Besorgniß erwecken kön­nen. ((K. 3 )

Darmstadt, 1. März. Die hier und in Frankfurt ver­breiteten , und jetzt auch von mehreren Blättern mitgetheilten Gerüchte, daß auch hier eine MinisterkrisiS bestehe u. dergl. entbehren aller und jeder Begründung. (O.P.Z.)

Main; , 25. Februar. Heute wurde im Gemeinde, athe den Mitgliedern die ministerielle Verordnung vorgelegt, die Wahlen nach Erfurt zu veranlassen. Durch das Loos wur­den die dazu zu Beauftragenden gezogen. Die Getroffenen lehnten aber ab, und 11 Mitglieder gaben die Erklä­rung: „daß sie jede Betheiligung bei den Wahloperationen zum Erfurter Parlament als eine Verfassungsverletzung be­trachten , demnach eben so wohl der vorbereitenden Schritte zur Bildung der Wahlkommission re. sich enthalten, als auch wenn das Loos sie zu dieser Kommission bestimmen sollte, jede Mitwirkung zu solchem gesetzwidrigen Beginnen verweigern würden."

Stuttgart, 25. Febr. Der StaatSanzeiger erklärt sich „durch ganz zuverlässige Quellen in den Stand gesetzt, zu versichern, daß sowohl ein neuer österreichischer Verfassungs- entwurf für Deutschland, als die in demselben angeblich ent­haltene Zusammensetzung des Direktoriums aus 5 Stimmen nicht existirt."

Oesterreich.

Wien, 22. Februar. Vor einigen Tagen wurde in einer Brodyer Familie Haustheater gespielt. Man gab das bekannte Kotzebuesche Stück: „Die Leiden der Ortenbergischen Familie". Natürlich fiel es Niemanden ein, daß es hierzu einer polizei­lichen Bewilligung bedürfe. Indessen zog sich der Hausherr wegen dieser Unterlassung eine förmliche Rüge des Lemberger f. k. Generalkommando zu, und ein öffentlich angeschlagenes Plakat belehrte, daß man ohne vorhergegangene polizeiliche Erlaubniß nicht Haustheater spielen dürfe, und daß überdem das betreffende Stück erst dem Platzkommando zur Censur vor- gelegt werden müsse. " (Lloyd.)

Wien , 24. Febr. Die schon oft wiederholte Nachricht, daß der Kriegsminister Graf Gyulai aus dem Kabinet scheide, bestätigt sich. Hr. v. Degenfeld übernimmt provisorisch die Leitung der Geschäfte, und es ist wahrscheinlich, daß ihm de­finitiv das Porteseuille des Krieges übertragen wird.

— Wiederum bringt die „Wiener Zeitung" einen langen Bericht von neuerdings in Ungarn vollzogenen Verurtheilun- gen zum Strange und Begnadigungen zu Pulver und Blei. — Der „Agramer Zeitung" entnehmen wir folgende Mit­theilung : „Von der bosnischen Gränze, 12! Febr. In türkisch Kroatien bereitet sich abermals ein Kampf vor, ja er ist bereits dem Ausbruche nahe! Von Banialuka bis an die österreichische Gränze ist Alles im Aufstande. In Banialuka ist die türkische Besatzung, in Pridor und Novi die Muselime (Capitani) nicht verjagt. Die Krainaer Türken, die Matadore der Revolution gegen die kaiserlichen, oder wie man zu sagen pflegt, gegen die vecirlichen Anordnungen in vollkommenster Renitenz, im offenen Ausstande!

Wien, 26. Februar. Die heutige Wiener Zeitung theilt folgende telegraphische Depesche des österreichischen Gesandten in Athen an den Minister des Aeußern, datirt Athen, 19. Februar, 6 Uhr Abends, mit: „Die französische Post vom 7. bringt so eben die Nachricht von der angenommenen Ver­mittelung Frankreichs. Die Gewaltmaßregeln haben hiernach unmittelbar im Vollständigen aufzuhören. Hierüber noch keine Aeußerung des englischen Gesandten. Fortwährende Ruhe und standhafte Beharrlichkeit der griechischen Nation und Re­gierung bis zur Stunde."

Wien, 27. Febr. Heutigen Berichten aus Athen zufolge ist jede Zwangsmaßregel gegen Griechenland von Seite Eng­lands eingestellt, und die Blokade am 20. b. aufgehoben wor- oen sein. Die Börse war auf diese Nachricht günstiger ge­stimmt. (A. A. Z.)

Großbritannien.

London, 27. Februar. Im Unterhause fragte heute Hr. Anstey an, ob die Minister gesonnen seien, die dem Ad­miral Parker ertheilten Instruktionen und besonders den Ge- beimenraths-Befehl wegen Blockirung der griechischen Häfen dem Hause vorzulegen? Lord Palmerston begnügte sich, dar­auf zu antworten, daß Admiral Parker seine Instruktionen von der Admiralität erhalten habe und daß es nicht üblich sei, wegen einer solchen Angelegenheit einen Geheimenraths- Befehl zu erlassen. Die fernere Frage des Herrn Anstey, ob nicht ein Geheimeraths-Befebl zur Legalisirung solcher Repres­salien nöthig sei, beantwortete der Minister verneinend.

Frankreich.

Paris, 28. Februar. Die Legislative beschäftigte sich heute mit dem Gesetzentwürfe über die Eisenbahn von Paris nach Lyon. Die Regierung will einer Eisenbahnbau- Gesell­schaft die Koncession ertheilen. Von anderer Seite will man aber Koncessionirung zweier Gesellschaften, oder Uebernahme des Baues und der Verwaltung der Bahn durch den Staat. Der Plan der Regierung fand wenig Beifall. Die Debat­ten, welche sich zu einer bedeutenden Länge auszuspinnen schei­nen, führten zu keinem Resultat.

— Die verwiltwele Großherzogin Stephanie von Baden, geb. Beauharnais, Tante Louis Napoleons, ist gestern hier kingetroffen. — Lucian Murat, außerordentlicher französischer Gesandter in Turin, hat vom Minister der auswärtigen An­gelegenheiten einen Urlaub erhalten, um auf einige Tage nach Paris kommen und an den Berathungen der Nationalver­sammlung Theil nehmen zu können.

Paris, 28. Febr. Der „Moniteur" bringt heute fol­gende Erklärung: „Die beunruhigenden Gerüchte, welche man seit zwei Tagen zu Paris über die äußere Lage zu verbreiten gesucht, haben heute neuen Bestand gewonnen. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß dieselben jedweder Begründung entbehren. Das Gouvernement hat heute selbst Depeschen aus Rußland, Oesterreich und Preußen empfangen; diese er­lauben uns zu versichern, daß der Friede Europa's nie ge­sicherter gewesen. Die Nachricht des EinrückenS des sranzö- sischen Heeres und der preußischen und österreichischen Heere