Nene MwdK Zeitung.
Organ der kon^itutioneUen Partei.
Montag, 4. Vtâ'rz 1850. «yV^ H^6* Morgen Ausgabe.
Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt betgegeben. Die Morgen Ausgabe wird von 7,11 bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr expedirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur'Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Luckbardt'schen und Dollmaun'schen Buch. und Kunsthandlung. Der Äbonnemcntsprcis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., wofür alle turhessischcn Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 Sgr. für den Raum einer Petitzeile berechnet.
Deutschland.
tt Kagel, 2. März. Für die Richtung, welche das jetzige Ministerium cinzuschlagen gedenkt, ist die Hast und Unschicklichkeit des Verfahrens sehr bezeichnend, welches bei der Abberufung des Ober-Steucrvirektors Pfeiffer aus dem Verwaltungsrathe beobachtet sein soll. Man erzählt, daß die te- legrapische Depesche, durch welche die Abberufung erfolgte, zugleich die Weisung zur sofortigen Einstellung jeder weiteren amtlichen Thätigkeit enthielt und bereits am Nachmittage des 23. Februars, dem Tage des Eintritts des neuen Ministeriums, in Berlin war. Sie soll an den Legationesckrclär v. Dörnberg, einen bekannten eifrigen Gegner der Bestrebungen des Herrn Pfeiffer, so wie des Ministeriums Eberhard *), gerichtet gewesen, von diesem aber dem Herrn Pfeiffer lediglich durch ein Billet mitgciheilt worden sein.
Kassel, 3. März. Des Hrn. Ministers Hastcnpflng Reise nach Berlin, welche wir gestern als bereits geschehen mitlheil- ten, scheint sich verzögert zu haben. Hr. Hasscnpflua befand sich heute Morgen noch hier. UcbrigcnS lagen unserer Mittheilung glaubhafte Nachrichten und gewisse Wahrscheinlichkeiten zu Grunde, welche seitdem nur gewachsen sind. Bringt doch auch die Kass. Allg. Zlg. heute diese und ankere Nachrichten, übereinstimmend mit der N. Hess. Ztg., und ganz selbstständig, da sich eine Quelle nicht angegeben findet.
Hr. Staatsrath Vollmar hat die ihm angetragene Rese- renlenstelle im Ministerium des Innern, wie es heißt, abgelehnt.
Unterhalten wird cs vielleicht unsere Leser, zu vernehmen, dâß sich unter den diis minorum gentium auch der bekannte Jordansche Dränger, Polizeiwachtmeister Schmidt, vulgo Eisenschmidt, bereits hier eingcfundcn hat.
chNinteln, 2. März. Nachdem Heinrich v. Gagern die hier auf ihn gefallene Wahl zum Abgeordneten nach Erfurt abgelehnt hat, ist jetzt weiterer Wahltag aus den 9. März anberaumt worden. Wie wir zu unserer Freude hören, werden die niederhessischen Wähler von Karlshafcn, Hofgeismar k. nunmehr ebenfalls für Herrn Wippermann stimmen, so daß dessen Wahl wohl als gesichert angesehen werden sann.
^ Äanan, 23. Februar. Unter denen, welchen die Einheit Deutschlands als die Grundbedingung alles Heils für unser theures Vaterland gilt, hat auch hier die Nachricht, daß der Verwaltungsrath, und zwar einstimmig, nunmehr definitiv den Beginn des vereinbarenden Reichstags auf den 20. März d. J. anberauml hat, eine wahre Freude erregt. Denn wer die Ereignisse und Begebenheiten der jüngsten Vergangenheit mit historischem Blicke würdigt, der kann cs sich nicht verbergen, daß dieser Reichstag der letzte Versuch zur Verwirklichung der großen Idee eines einigen, freien und mächtigen Deutschlands auf dem Wege friedlicher Entwickelung und Gestaltung ist. Scheitert derselbe, dann drohen namen- loscö Elend und unsägliche Schmach dem deutschen Volke,
. ) v. Dörnberg ist derselbe, welcher während der letzten Ministerkrisis im August v. I. einige Tage im Schlosse zu Wilhelmshöhe wohnte. Herr Hassenpflug soll auf seiner Durchreise durch Berlin fast ausschließlich mit ihm verkehrt haben. D. Red.
und ob es sich daraus cmporzuringcn je wieder Kraft und Gelegenheit finden wird, das ruht in der Zukunft dunkelem Schoße. Höchst unangenehm hat uns dagegen die Nachricht von einem Manöver überrascht, welches die ultraradikale Presse der linken Seile unserer Ständekammer oktroyiern zu wollen scheint. Die Hornisse verlangt nämlich von den Männern der Linken, daß sie durch ihre Nichtanwesenhcit im Ständesaal die Vornahme der Wahl der von der Ständeversammlung zum Staatenhause abzuvrdncnden Deputaten unmöglich zu machen versuchen sollen. UnS erscheint diese Aufforderung selbst ein Versuch, die Linke zu Etwas zu bewegen, wozu diese selbst nicht einmal Lust hat. Heißt es doch selbst in jenem Artikel, es sei eine Verlegenheit für die Linke. Nun hat aber derselbe Korrespondent aus Kassel, der im Frankfurter Journal so oft berichtete, cs sei keine Ministerkrisis gemeldet, die Linke gehe wirklich damit um, fragliches Manöver zu machen. Wir aber hallen auch dies wieder für ein Manöver und glauben nicht, daß man von linker Seite sich zu diesem Schritte wird hinreißen lassen. Hat sich diese Seite doch selbst in der jüngsten Zeit für die Hüterin der Verfassung und der Gesetze erklärt, und sie sollte die Vollziehung eines verfassungsmäßig zu Stande gekommenen Gesetzes durch eine wider den Wortlaut eines anderen Gesetzes laufende Handlungsweise zu verhindern suchen 111 Daß das Wahlgesetz für den Reichstag aber verfassungsgemäß erlassen ist, wird doch wohl Niemand bestreiten, und im §. 18 ter landständischcn Geschäftsordnung heißt es wörtlich: „Jedes der a n w e s e n d e n Mitglieder ist verbunden, den Sitzungen b e izuw oh n en. " Will man etwa auch bei uns die Regierung zu Oktroyirungen nöthigen? Wird die Auflösung der Ständeversammlung, wozu sich die Staatsrc. gierung, wenn das angebeutete Verfahren konsequent durchgeführt würde, gezwungen sähe, zum Vortheile des Volkes, von welchem die Linke so viel spricht, gereichen? Wollen die Herren von der Linken cs verantworten, wenn hierdurch das Erscheinen vieler schon so lange und so sehnlich erwarteten Gesetze, von welchen wir nur das Strafgesetzbuch nennen, dadurch verspätet und vielleicht wieder auf lange Zeit vertagt wird? Oder wollen die Herren vielleicht den Beweis füh^ ren, daß sie der Ansicht seien, die Gesetze. seien nur für Andere, nicht für sie da? Wir glauben dieß bis jetzt noch nicht. *)
Berlin, 27. Februar. Bei Gelegenheit der Vereidigung der Mitglieder des Kammergerichts erklärte der Obergerichts- assessor Herr Graf v. Schliessen, daß er den Eid nicht leisten könne, weil er mit dcr Verfassung nicht einverstanden sei, und hat demgemäß sofort auf seine Stelle verzichtet.
Berlin, 27. Febr. England wird und muß einer ächt- deutschen Politik endlich dieHanv bieten. Selbst die ,,^imes" findet in einem der neuesten Artikel über die Waffcnstillstands- Konvention vom 10. Juli, cs sei an der Zeit, ein englisches Geschwader in die Ostsee zu schicken, um durch eine energische Demonstration die Kalamität einer dritten Blokade zu verhin-
*) Sind wir recht berichtet, so wird das befürchtete Verfahren nicht zu besorgen sein. D. Red.