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Grgan der konstitutionellen Partei.

Sonntag, 3. März 1850. J\g 1 Ot>* Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täßücb zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt beigegeben. Die Morgen Ausgabe wird von/211 bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kaffel von 5 bis 7 Uhr erpedirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur'Abends, Sonntags nur Morgens. Man gbonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Luckbardt'schen und Vollmann'schen Buch - und Kunsthandlung. Der Äbonncmentspreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 THIr. 15 Sgr., wofür alle kurhessischen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 Sgr. für den Naum einer Petitzeile berechnet.

Wenn der unsaubere geist von dem Menschen auSfähret, so durchwandelt er dürre statte, suchet ruhe, und findet ihrer nicht, so spricht er: Ich wil wieder umkehren in mein, Haus, daraus ich gegangen bin."

Und wenn er kommt, so findet crs mit bcscmen gekehret und geschmücket."

Dann gehet er hin, und nimt sieben geister zu sich, die ärger sind, denn er selbst; und wenn sie hincinkvmmcn, wohnen sie da, und wird hernach mit demselbigen Menschen ärger, denn vorhin."

Luc« 11, V. 24, 25, 26.

Was hier der Evangelist vom Menschen sagt, das kann man leider gegenwärtig von unserem geplagten Lande be­haupten.

Der Geist, welcher einst in ihm umging und durch sein finsteres Treiben es zum Gerede machte, weit und breit, wel­cher kann von ihm ausgefahren und für immer gebannt schien, der böse, der unsaubere Geist, er hat dürre Stätten kurch- wandelt, er hat nirgends Ruhe gesund« n und siche, eines Morgens fällt es ihm ein, wieder umzukehrcn in sein Haus, daraus er gegangen war.

Aber das Haus ist rein und sauber geworden, während er fern war. In den Staatszimmern, in den Kammern ist cs wie mit Besen gekehrt". Nirgends mehr stolpert und fällt man wie früher über so manchen Schmutz, darin sonst ein unsauberer Geist mit Leichtigkeit nisten konnte, nir­gends liegen allerlei Werkzeuge und Geräthc im Wege, wo­mit der unsaubere Geist seine Werke verrichten konnte. Aber geschmückt ist das Haus, geschmückt mit den Werken eines neuen, eines guten Geistes, des Geistes der Freiheit und des edlen Bürgerthums. Geschmückt ist es mit Gesetzen und Rechten und Bürgschaften, in denen sich gut und sicher wohnt, geschmückt ist es mit stolzen Gesinnungen, welche den unsau­beren Geist verlachen und ihm die Thür weisen.

Da gehet er hin und holt sichsieben Geister, die ärger sind, denn er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie da." Freilich, freilich. Das Haus kann er nicht auf einmal Umstürzen und Alles umkehren. Da würde man ihn zum Hause gar unsäuberlich hinauswerfen. Deßhalb stellt er sich vorerst fein säuberlich im Hause an, und dreht sich und wendet sich, und verwindet den Grimm und thut freundlich, als ob ihm alles recht und genehm wäre.

Aber fachte, sachte geht er hin undnimmt sieben Geister", einen nach kein ankeren, zu sich. Mit ankeren Worten, er rührt die Gesetze und Freiheiten nicht an; aber kie Menschen, die Personen, die jagt er fort, und sucht sich seine Leute. "Uno wenn sie hinein kommen, wohnen sie da." Ja wohl. Und wenn ihrer erst sieben zusammen wohnen, von neuen jeder wieder ausgehtund nimmt sieben Geister zu sich"; kann ist die rechte Zeit für den unsauberen Geist, ken Teu- ielsspuk anzufangen; dann beginnt ihr Werk, dann fahre bin, Du edler Schmuck des Hauses, eswird hernach mit dem- selbigen ärger, denn vorhin."

Darum, leide es nicht, und wehre Dich und brauche Deine verfassungsmäßigen Rechte, Du freies Land, gegen den Geist, der sich Dir aufkrängen und wieder einziehcn will in

Dein reines und schon geschmücktes Haus. Wenn Du sie ruhig dahinnimmst, kiese Schmach, wenn Du ihn aufnimmst, ken bösen Geist, und wenn die anderen Geister erst mit ihm alle tingezogen sind, dann, wahrlich! könnte es leicht wahr werken, was der Evangelist sagt:und es wird hernach mit demselbigen (Lanke) ärger denn vorhin."

Deutschland.

* Kassel, 2. März. Nach einem hier für zuverlässig

gehaltenen Gerüchte ist Hr. Bolimar aus Eschwege hierher

berufen worken, um Referent des Hrn. Hassenpflug zu werden.

§ Kassel, 2. März. Herr Hassenpflug hat, wie ich aus guter Quelle mutheilcn kann, Sr. Majestät in Berlin ver­sprochen, die Minister sind von der ganzen Affaire gar nicht unterrichtet worden er werde die auswärtige Politik ganz i in S i n ii t des Ministeriums Eberhard fort- führen. Mit dieser Versicherung stehen aber die ersten Hand­lungen des Ministeriums und die dem Vernehmen nach ins­geheim eingeleiteten, aber keiiieswegs überall verborgen geblie­benen Pläne im schreienden Widerspruche, und es sollen hier­aus bereits dem Herrn Hassenpflug in Berlin die ernstesten Verwickelungen erwachsen sein. Aus Neuvorpommern schreibt man uns, wie die Stellung des Herrn Hassenpflug dort eine nach allen Seiten hin sehr unbehagliche geworden und wie man kort ganz erstaunt sei, denselben hier plötzlich als Mini­sterpräsidenten auftauchen zu sehen.

Berlin, 26. Februar. (Der Austritt Hannovers und Sachsens aus dem Bündniß vom 26. Mai.) Ich beeile mich Ihnen die außerordentlich wichtige Nachricht mit- zuthcilen, daß seit gestern die beiden Königreiche Hannover und Sachsen auch formell aufgehört haben, Mitglieder des Bündnisses vom 26. Mai zu sein. Es ist Namens der bei­den Regierungen dem hiesigen Kabinette die Note zugestellt worden, durch welche sie ihren sofortigen Rücktritt anzeigen. Es heißt in dieser Note, daß in Erwägung, daß die defini­tive Feststellung des Einberufungsterminrs für das Erfurter Parlament nach dem Protokolle des Verwaltungsratbs vom 13. Februar einstimmig gefaßt sei, hiernach also die beiden Regierungen von Sachsen und Hannover selbstredend als nicht mehr im Verwaltungsrathe vertreten betrachtet würden, in fernerer Erwägung, daß die Verfassung vom 28. Mai für ganz Deutschland mit Ausnahme Oesterreichs entworfen ge­wesen sei, durch die Einberufung des Reichstags, ehe diese Gültigkeit für das ganze übrige Deutschland festgestellt wäre, also dem Wortlaut und Sinne des Büuvnisies vom 26. Mai selbst widersprochen werde, betrachteten sich die Regierungen von Sachsen und Hannover ihrer Verpflichtungen, die aus diesem Bündnisse entsprungen seien, für enthoben, wobei sie jedoch die Hoffnung auszusprechen nicht unterlassen wollten, daß durch diese Erklärung die buudesfreundlichrn Beziehungen zu Preußen nicht gestört werden würden. Durch den ©reifen Knyphausen ist diese Note gestern übergeben, Hr. v. Könneritz wollte sie heute überreichen. (Wes. Z.)

Glaubwürdiger Versicherung nach würde des Herrn v. Radvwitz Stelle in der Centralbundeskommission für jetzt nicht