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Neue Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

Donnerstag, 28. Februar 1850. ^F 1OO» Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt beigcgcben. Die Morgen Ausgabe wird von '/211 bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr erpedirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur'Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Luckkardt'schen und Vollmaun'schen Buch - und Kunsthandlung. Der AbonnementSpreiS beträgt halbjährlich 3 Thir., vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., wofür alle kurhessischen Postämter daS Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 Sgr. für den Raum einer Pctitzeilc berechnet.

Zur Ruchricht!!

Wir haben die Einrichtung getroffen, daß für Kassel Abonnements aus die Neue Hessische Zeitung pro März mit 15 Sgr. in den Buchhandlungen von Luckhardt und Bollmann an­genommen werden. ' Die Expedition der N. Hess. Zeitung.

Deutschland.

* Kassel, 27. Februar. (Die öffentliche Mei­nung in Deutsch and über das Ereigni ß in Kur- Hessen.) Die Deutsche Zeitung begleitet die erste kurze Nachricht dieses Ereignisses mit der richtigen Bemerkung, es sei nicht bloß überraschend, cs sei überwältigend und in sei­nen Folgen nicht zu berechnen, (UebrigenS ist ein Berichter­statter Vieser Zeitung im Irrthum , welcher behauptet, eine Meinungsverschiedenheit rücksichtlich ter Besetzung des Staa­tenhauses sei der ostensible Vorwand zur Entlassung gewesen. Vielmehr ist diese ohne jeglichen Anlaß, wie später eröffnet ward, lediglich deßhalb geschehen, weil die Bildung eines neuen Kabincts bereits im Gange gewesen. Schon seit vier Monaten sollen hinter dem Rücken der seitherigen Minister die deßhalbigen Verhandlungen gepflogen sein, namentlich auf unablässiges Betreiben eines hiesigen in das neue Ministerium natürlich mit eingetretenen Parteigängers der Neuen preußi­schen Zeitung. Man soll anfangs gegen die Berufung des mit vielem Eklat und unter ärgerlichen Nebenumständen hier ausgefchiedcnen Hrn. Hassenpflug, welcherselbst Kurfürst sein wolle", lebhaftes Bedenken geäußert haben, dasselbe jedoch all­mählich der Betrachtung gewichen sein, daß sich eben kein an­derer zu solchem Zwecke geeigneter Mann ausfinden lasse. Hr. Haffenpflug bat übrigens lange gezögert und ist erst auf viel­faches Audrängen unter Bedingungen ringetrcten, worüber man sich im Publikum viel Merkwürdiges erzählt.)

Die Weser-Zeitung sieht sich zu dem Ausrufe gedrungen, in den wir aus tiefster Seele einstimmen r Hoffentlich ist der so plötzlich gefallene und sicher lange und wohl bedachte Streich nicht im Einverständnisse mit der preußischen Regierung er­folgt; das wolle Gott nicht, daß so etwas sein könnte! Wäre man in Berlin im Stande, die treuesten, entschiedensten, beharrlichsten Bundesgenossen so zu behandeln, könnte Herr v. Manteuffel das Ministerium Eberhard, den Abgott des Volkes, so fallen, so vertauschen lassen; dann wahrlich möchte und müßte gar Mancher irre werden, der sich bis jetzt durch keinen Schein uuv kein Geschrei in der Anhänglichkeit und in dem Glauben an die preußisch-deutschen Bestrebungen für die Einigung und die Freiheit Deutschlands wankend machen ließ. Möge uns ein befriedigendes Wort von Berlin herabklingen.

Von den Berliner Blättern theilt die (ministerielle) Deut­sche Reform die Artikel der N. Hess. Zeitung bis jetzt ohne Kommentar mit. Die Konst. Zeitung meint, der Kurfürst von Hessen habe durch die Entlassung dieses treuen und vielbe- währten Ministeriums Deutschland in Erstaunen gesetzt. Man müsse die Ueberraschungen liehen, um heutzutage ein Ministe­rium Hassenpflug instaUiren zu können. Hoffentlich werde die deutsche Treue des kurhessischen Staatsoberhauptes am Bun­

desstaate nicht darunter leiden, wenn auch manches Andere darunter leiden werde.

Die Kreuzzeitung zeigt an, daß ihre bereits vor vier Ta­gen von einem frommen Bruder aus Kassel über das Mini­sterium Hassenpflug empfangene Nachricht jetzt wirklich bestä­tigt worden.

Den Hamburger Nachrichten und der Deutschen ReichS- zcitung wirb aus Berlin geschrieben, Hassenpflug sei vom König, welcher bettlägerig gewesen, empfangen worden und habe versprochen d u r ch z u g r e i f e n ", zunächst aufzu- räUmen. Doch bezweifelt der geistreiche ^L Korrespondent der Hamb. Nachrichten, ob es einem Mann selbst von der Willenskraft des Hrn. Haffenpflug gelingen werde, ohne Be­amte und Armee zu regieren. (Dieser allerdings sehr unter­richtete Mann scheint die übrigen Mitglieder des Kabincts nicht als Beamte in Anschlag zu bringen.) Hassenpflug gelte als ein Schwarzweißer; doch dafür gelte auch V. A. Huber. Herr Haffenpflug sei kürzlich auch in Hannover gewesen, wo die Sache abgekartet zu sein und mit der dortigen Minister- krise in Verbindung zu stehen scheine. Auch behaupten die Hamb. Nachr. bei dieser Gelegenheit und wollen es verbür­gen, es seien etwa 2 Jahre her, daß sich eine hohe Person aus Kassel beim Bundestage bemüht habedie Landesverfas­sung umwerfen zu dürfen". Der Bundestag habe die^Sache abgcwicsen und selbst Metternich eine Abmahnung erlassen.

ch Kassel, 27. Febr. Dem Vernehmen nach ist das Mitglied des Verwaltungsraths der Vcreinsstaatcn, Hr. Ober- steuerdirektor Pfeiffer, aus Berlin abberufen. Diese Maßregel ist zu wichtig, als daß sie Lcgationsralh v. Baumbach ohne Vorwissen des Hrn. Haffenpflug hätte vornehmen können. Hr. Haffenpflugräumt auf", undbeteiligt" sichauf das eif­rigste" an dcnin Erfurt sich eröffnenden umfassenden Be­rathungen".

* Kassel, 27. Febr. Auch Hr. Vilmar aus Marburg ist gestern vabier eingetroffen. Man glaubt, er werde das kleine Häuflein seiner politischen Freunde abmahnen, nicht thörichter und unbefugter Weise nach weltlicher Herrschaft, Portcfcuillcs und dergleichen niedrigen Eitelkeiten zu streben, deren er dieliberalen Wichte" seither in seinemVolkS- frcunde" bezichtigte.

* Kassel, 27. Febr. Heute fand in hiesiger Stadt eine Feierlichkeit Statt, welche an imponircnder Einfachheit wohl ihres Gleichen suchen dürfte. Eine zahlreiche Bevölkerung drängte sich um 2% Uhr auf dem Königsplatze ^und in den Straßen der Neustadt, und inmitten derselben zog ein Zug von cc. 2000 meist schwarz gekleideten Burgern, unter dem Vor­tritt ihrer Magistrate, von dem Versammlungsorte auf dem- nigöplane durch die Köllnische, die Friedrich-Wilhelms-, die Wil-