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Neue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Montag, 25. Februar 1850. ^^ 94« Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt beigegeben. Die Morgen-Ausgabe wird von 7all bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr erpedirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur'Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonniit bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der yiicfbarbffcben und Dollmann'schen Buch - und Kunsthandlung. Der Äbonnementspreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thir. 15 Sgr., wofür alle kurhessischen Postämter das Blatt ohne Ausschlag liefern. Anzeige« werden mit 1 Sgr. für den Naum einer Petitzeile berechnet.

Zur Nachricht!!

Wir haben die Einrichtung getroffen, daß für Kassel Abonnements auf die Neue Hessische Zeitung pro März mit 15 Sgr. in den Buchhandlungen von Luckhardt und Vollmann an­genommen werden. Die Expedition der N. Hess. Zeitung.

Kassel, 25. Februar.

Das Ministerium Hassenpflug ist mit dem von ihm zu er­wartenden Programme seiner neuen Regierungsgrundsätze bis jetzt noch nicht vor die Oeffentlichkeit getreten und es scheint, als ob man sich damit bis zur nächsten Stänvesitzung werde zu geduldigen haben. Man wird hiernach sich vorläufig an Dasjenige halten müssen, was aus dem seitherigen Berhalten der Mitglieder des neuen Ministeriums und insbesondere sei­nes Führers, des Ministerpräsidenten Hassenpflug, bekannt ge­worden ist. Man wird hierzu um so mehr berechtigt sein, als die Entstehungsgeschichte dieses Ministeriums doch wahr­lich nicht der Art ist, um von demselben eine gute Meinung im Lande zu erwecken.

Der Eintritt dieses Ministeriums ist vorbereitet und auS- geführt worden zu einer Zeit, wo keinerlei politische Verhält­nisse einen Ministerwechsel bedingten oder auch nur gestatteten! Nichts von alle dem, was sonst Jedermann zu überlegen pflegt, ehe er sich zu einem so großen und wichtigen politi­schen Schritte herbeilassen kann, nichts von Allem kann den Sturz der Minister, welche dem Ministerium Hassenpflug haben Platz machen müssen, auch nur erklären, viel weniger recht­fertigen. Im Gegentheile, noch vor wenigen Monaten haben selbst solche Leute, welche sich wahrlich nicht von konstitutio­nellen Anschauungen leiten lassen, sich vielfach zu der unum­wundenen Erklärung veranlaßt gesehen, deren man sich an gewissen Orten noch wohl erinnern wird daß es eine un­leugbare Lanveskalamität sein würde, wenn die Män­ner von der Regierung entfernt werden sollten, welche in einem beifpullo|en Maße das Vertrauen ihrer Mitbürger genossen und denen allein die schwierige, nirgends sonst gelöste Aufgabe gelingen könne, die erforderliche Entwickelung des engeren und des allgemein deutschen Staatslebens im Sinne der Ordnung und der vernünftigen Freiheit zu leiten und zu för­dern. Die politische Lage unseres Landes hat sich seitdem bekanntlich nicht wesentlich verändert; sie ist sogar noch schwie­riger als sonst geworden. Gleichwohl war cs dem Ministe­rium Eberhard gelungen, fort und fort das Land im Geleise einer gesunden und wahrhaft konservativen Politik zu erhalten. Deß sind noch die letzten der Ständeversammlung vorgelegten, zum Theil bereits genehmigten Gesetze, deß ist das ungestörte Einvernehmen Zeuge, mit welchem Volk und Volksvertretung den Forderungen und Wünschen der Minister entgegengekommen ist.

Da, in einem Augenblicke, wo man es im Hinblick auf die schweren Gewitterwolken, welche rings den politischen Hori­zont umziehen, gewiß am wenigsten erwarten durfte, da wird uns die Grundbedingung unserer Hoffnungen, die starke, weil geachtete und geliebte, Regierung plötzlich, unerwar­tet hinweggerissen. Doch nicht genug, ein Name wird

uns zum Ersatz geboten, dessen bloße Erinnerung hinreicht- die schwer besiegten Furien des Hasses auf's Neue zu entflammen. Der gute Geist, der Geist des Vertrauens und der Hoffnung, der sich mühselig heraufzuarbeiten begann, sieht sich, kaum geboren, durch einen tödtlichen Schlag dahin­gestreckt. Die Geschicke des theuren Vaterlandes, mit namen­loser Anstrengung dem Hafen näher gebracht, werden mitten in einen Sturm hineingeschleudert, dessen AuSgang kein Sterb­licher zu ermessen vermag. Wahrlich, wer zu dieser That ge­rathen, wer sie befördert, wer sich selbst dabei beteiligt hat, dem ist vor der Zukunft dieses Landes eine Verantwortlichkeit erwachsen, die wir nicht mit ihm theilen möchten.

Der Hr. Ministerpräsident Hassenpflug und seine Kollegen scheinen aber ihren Regierungsantritt für konstitutionell zu halten. Wenigstens geht dieses aus den Erklärungen her­vor, die Hr. Hassenpflug verschiedenen Personen gemacht ha­ben soll (s. unsere Kasseler Korrespondenz) und worin er ein aufrichtiger Konstitutioneller zu sein behauptet. Allerdings hat Hr. Hassenpflug durch die Uebernahme der Portefeuilles keine Verfassungsbestimmung verletzt, nirgends in ter Verfassung ist es verboten, sich als Minister an die Spitze der Regierung zu stellen, auch wenn man sich der allgemeinen Antipathie selbst bewußt ist, auch wenn man nicht auf die Majoritäten, ja nicht einmal auf Eine einzige Stimme zählen kann. Auch wird Herr Hassenpflug ohne Zweifel öffentlich versprechen, die Verfassung nicht verletzen zu wollen. Aber, wir fragen, ist das konstitu­tionell, wenn man bloß keine Staatsstreiche und Jnterpreta- tionsmaßregeln, d. h. keine offenen oder versuchten Verbrechen begeht? Dann wäre ja wohl ein Jeder konstitutionell, von Hrn. v. Gerlach bis zu Hrn. Waldeck, von Scheffer bis Bayr- boffer. Denn sie alle sind gehalten, die Verfassung zu be­folgen.

Aber man kann die Grundsätze der Moral tausendfach verletzen, man kann unmoralisch sein, ohne ein geschriebenes Gesetz zu überschreiten.

Man kann das Vaterland unglücklich machen, man kann Fürst und Volk ruiniren, ohne ein Haar breit von der Ver­fassung abzuweichen.

So kann man auch sich ganz an die Vorschriften der Verfassung halten, welche freilich nicht verbietet, daß Hassen­pflug an die Stelle Eberhards tritt, man kann dieß thun und dabei dem Lande bieten, was ihm in diesen Tagen gebo­ten ward, aber dann sage man doch ja nicht, man sei k o n st i t u t i o n e l l.

Deutschland.

H Kassel, 24. Februar. Dem Vernehmen nach hat der dermalige Ministerpräsident, Hr. Hassenpflug, dem hiesigen Bezirksdirektor, sowie dem Oberbürgermeister der Residenz,