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gender Fassung: In den Staatslehranstatten wird die In­spektion dem vom obersten Unterrichtsrathe scstgestellten Regle­ment gemäß ausgeübt. In den Privatanstalten erstreckt sich die Inspektion auf die Moralität und die gesundheitlichen Verhältnisse. Auf den Unterricht selbst kann sie sich nur er­strecken, um zu prüfen, ob er nicht mit der Sittlichkeit, dcr Konstitution und den Gesetzen im Widerspruch steht.

Heute Morgen fand eine Ministerberathung im Elysee unter dem Vorsitze Louis Napoleons Statt. In Folge dersel­ben ward eine lange Konferenz unter dem Präsidenten der Republik, Lord Normanby und dem kürzlich hier angckommc- nen griechischen Gesandten gehalten.

Großes Aufsehen erregt in Paris eine Schrift unter dem Titel:Die Verschwörer," welche von Chenu, einem ehemali­gen Kapitän der Garde des Expräfekten der Polizei, Cciussi- dière, verfaßt ist. Der Verfasser, der sein Handwerk als Verschwörer schon als Knabe von 15 Jahren angefangen, ist jetzt der Männer und Sachen, für die er sich seit 1832 be­geisterte, überdrüssig, er will sich vom öffentlichen Schauplatze zurückziehen, veröffentlicht aber zur Erbauung aller Derer, die geneigt sein sollten, in dieselbe Laufbahn einzutreten, seine Memoiren. Sein Werk schmeckt an einzelnen Stellen nach Haß und Rachsucht, weßhalb man nicht Alles glauben kann, was es enthält. Gleichwohl läßt sich nicht verkennen, daß Manches den Stempel der Wahrheit trägt. Seit der Juni- Jnsurrektion bis auf die Februar-Revolution nahm Chenu an allen Verschwörungen Theil, deren Schauplatz Frankreich wurde, und hatte als Mitglied geheimer Gesellschaften Gelegenheit, die Persönlichkeit vieler der revolutionären Hauptagenten kennen zu lernen. Es finden sich daher in der Schrift interessante Aufschlüsse über BarbèS, Blanqui, Caussidicre u. s. w., sowie über das Treiben der revolutionären Propaganda überhaupt. Dieses Werk hat eine solche Sensation in Paris hervorgeru­fen, daß die meisten pariser Journale ihre Spalten mit Aus­zügen daraus füllen. Diese Schrift wird mit einem solchen Heißhunger verschlungen, daß gestern die erste Auflage binnen 24 Stunden vergriffen war. Die zweite Auflage ward heute vergriffen, so daß man jetzt die dritte besorgt. Dem Ver­fasser wurden für das Eigenthum seines Werkes 30,000 Fr. geboten.

Portugal.

Lissabon, 9. Februar. Die heutige Sitzung der Pairs- kammer bot ein Schauspiel der Verwirrung, wie cs in Lisia- bon noch nicht vorgekommen ist. Graf Lavradio interpellirte den Ministerpräsidenten über einen in London von dem por­tugiesischen Gesandten gegen die Morning-Post cingeleitetcn Preßproceß, wobei von dem Namen der Königin ein unge­eigneter Gebrauch gemacht worden ist. Die Tribünen waren überfüllt und schon vor Beginn ocr Sitzung herrschte lebhafte Aufregung unter den Abgeordneten. Nach der Interpellation des Grafen Lavradio griff ein Ministerieller, Visconde Labo- rim, das Wort, um zu erklären, daß wegen ermangelnder Ermächtigung der Kammern der Graf zu seiner Interpellation nicht berechtigt sei. Der Präsident schloß sich dieser Mei­nung an, wogegen die Opposition heftigen Widerspruch erhob. Für sie nahm auch die Tribüne durch lauten Zuruf Partei. Dcr Ministerpräsident Graf Thomar stand jetzt auf und rief seinen Gegnern zu: Die Opposition verlangt bloß zur Ver­nunft gebracht zu werden, und Das werde ich thun! Diese herausforvenden Worte brachten einen neuen Sturm in der Kammer und auf den Tribünen hervor ; das Geschrei: Werft ihn zur Thür hinaus, den Unverschämten! mischte sich in das Pfeifen und Heulen. Endlich, nachdem sich der Sturm gelegt hatte, spricht sich die Kammer mit 27 gegen 22 Stimmen für die Tagesordnung aus. Der Herzog von Saldanha, der mit dem Grasen Lavradio stimmte, wurde noch an demselben Tage zur Königin gerufen und seines Amtes als Oberkam­merherr enthoben. Die Aufregung über das schroffe und in- fonftitutionclle Auftreten des Grafen Thomar ist sehr groß.

Börsenberichte.

Fr anksnrt, 20. Febr. 5pCt. Met.: Papier 83, Geld 8274. 4%pGt. : Pap. 72'/,, G. 727.. Bankaktien: Papier 1272, G.--. 500 fl. Loose: Pap. 146%, G. 146. 250 fl. Loose: Pap. 94, G. 93'/ Bad. 35 fl. Loose: ^.ip.32%, G. 32'/,. Hess. 10 Tblr. Loose: Pap. 3274, G. 327,. Grofih. Hess. 50 fl. Loose: Pap. 72'/,, G. 72%. Poln. 500 fl. Loose: Pap. 807,, G. 807,. Frdr.-Wilh.-Nordb.: Pap. 43'7 , G. 43. Bexbach: Pap. 82 74, ®. 82%. Köln-Minden: Pap. 94%, G. 94%. 3pCt. inländ. Span.: Pap. 297., G. 29'/,. 4'7pEt. Wart.: Pap. 95%, 94%. 5pCt. Bad.: Pap. 99%, 99%. 5pCt. Nass.: Pap. 103, G. 102%. 5pCt. Belg.: Pap. 97%, G. 97%.

Iekanntmachungen.

[125] In der Hand eines durch Sclbstergänznng sich bildenden Vorsteheramtes lag cs bisher ausschließlich, die ge- meinheitlichen Angelegenheiten der hiesigen evangelisch-lutheri­schen Gemeinde zu leiten.

Wir, das zeitige Vorsteheramt, fühlen das Bedürfniß, mehr dabei von den Mitgliedern der Gemeinde unterstützt zu werden, und laden dieselben ein, uns diese Unterstützung in einer dem Wohle dcr kirchlichen Gesellschaft ersprießlichen Weise zu leihcn. Zu dem Ende legen wir der Gemeinde das von uns, nach vorgängiger Verständigung mit verschiedenen, für die Kirche sich lebhaft interessirenden Männern festgestelltc Statut vor und ersuchen nunmehr alle unserer Kirche Ange­hörigen, auf den Grund jenes Statuts einen Gemcindcaus- schuß nach Maßgabe der Wahlordnung zu wählen, die wir, unter Mitwirkung von 24 durch das Pfarramt dazu auser­sehenen Gemeindcgliedcrn, vorläufig festgcstcllt haben und hier­mit ebenfalls vorlegen *). Zum Wahltermine haben wir Dinstag den 26. d. M., Morgens von 10 bis 2 Uhr, und Mittwoch den 27. d. M., ebenfalls Morgens von 10 bis 2 tthr, bestimmt, zum Wahlorte aber die Kirche und den par- terre gelegenen Saal in der Wohnung des Opfermanns Wäver. Kassel, den 11. Februar 1850.

Das Vorsteheramt der cvangel. lutherischen Gemeinde dasclbst. Lometsch. Wippermann. Brom eis. Meyer.

Jäckel. Schäffer.

Vdt. Hüfne r.

*) Gedruckte Exemplar e des Statuts und der Wahlord­nung sind unentgcldlich bei dem Opfermann Wäder zu haben.

[115] LV" Jetzt ist e6 Zeit ^3 die alten Strohhüte in die Wäsche zu schicken, damit wir dieselben zur Messe schön gewaschen, wie neu, wieder milbrin- gen können.

Madame Rödel, Amalienstraße Nr. 2, besorgt die An­nahme für uns.

W i l h. G e r r m a n n, Gebr., Strohhut- fabrikanten in Braunschweig.

[HO] Ein Meßlokal mit einem Schaufenster steht für nächste Messe zu vcrmiethen obere Königsstraße Nr. 119.

Amzekommene Fremde vom 20. Februar.

In der Goldenen Krone (Schade): Jng.Assistent Schwalm aus Treysa; Doktor NiäNer a. Schlesien; Kflte. Dörgen a. Amsterdam, Lan­genfeld a. Kettwig, Däumer a. Nürnberg; Fabr. Daahlen a. Rotter­dam ; Adv. Hübcden a. Halle.

3m wönig von Preußen (Schambeck) : Gutsb. Graf v. Winzingc- rode mit Söhnen a. Bodenstein; Kflte. Schimpfer a. Frankfurt, Linz a. Liebenstein, Starklopf a. Mühlhausen; Part. Zeißling a. Koblenz; Reu'. Hilbig a. Paderborn.

3m Römischen Kaiser (Lang): Kflte. Jomain a. Beaume, Weiße a. Lahr, Bade a. Bremen, Hill a. Barmen, Meyer a. Leipzig; Fabrik. Noll a. Brandenburg; Insp. Deichmann a. Magdeburg.

Im Deutschen Hof (Ahlborn): Kflte. Löwenbach a. Elberfeld, Vogel a. Göttingen, Brciding a. Berlin, Weiher a. Hannover, Eisenbahn- postinspcktor Roltzentor a. Berlin; Ludwig mit Fam. u. Dienerschaft a. Königsberg; Oek. Herdan a. Hamburg; Verwalter Walter a. GoSlar; Frl. Bork a. Meiningen; Oek. Eierschenk a. Niederhone.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. Redaktion: Fr. Oetker und Dr. A. Pfaff. Truck von Friedr. Scheel in Kassel.