Neue Hessische Zeitung.
Organ der konstitutionellen Partei.
Dinstag, 19. Februar 1850. ^^ 84# Morgen - Ausgabe.
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Deutschland.
Berlin, 16. Febr. (Pr. St.-Anz.) Ueber den bereits ermähnten Brand, welcher am 13. Morgens in den von Sr. königl. Hoheit dem Prinzen von Preußen bewohnten Appartements des Gasthofes zum „Russichen Hofe" in Frankfurt a. M. Statt fand, gehen uns von dort folgende nähere Nachrichten zu: In der Wohnung, welche Se. königl. Hoheit der Prinz von Preußen in dem hiesigen Gasthofe zum „Russischen Hofe" inne hat, brach heute Morgen um '^8 Uhr plötzlich in dem Arbeitszimmer des Prinzen Feuer aus. In Folge der starken Heizung eines eisernen Ofcs, welcher sich dicht hinter einer zu diesem Kabinet führenden Thür befindet, war nämlich das Blech, womit diese Thür beschlagen ist, glühend geworden und dadurch das Seidenzeug, womit diese nach dem Kabinet zu bekleidet ist, in Brand gerathen. Das Feuer ergriff sofort ein großes, dicht an der Thür stehendes Bett mit seidenen Vorhängen und theilte sich von da weiter den gleichfalls mit Seidenzeug überzogenen Zimmerwänden mit. Das Schlafzimmer Sr. königl. Hoheit stößt unmittelbar an das Arbeitskabinet und ist mit letzterem durch eine Thür verbunden. Se. königl. Hoheit waren kurz vor 728 Uhr von dem Kammerdiener geweckt worden, doch kaum hatte dieser den Prinzen verlassen, als das Zimmer von einer furchtbaren Hitze und einem dichten Rauch erfüllt wurde. Der Prinz sprang sofort aus dem Bette und eilte zuerst nach der Thür, die zum Arbeitskabinet führt, um durch dasselbe eine andere Thür zn erreichen, die den Ausgang nach einem großen Salon bildet. Da diese letztere Thür jedoch verschlossen war, mußte Se. k. Hoheit sich durch das brennende Arbeitszimmer zurück nach dem Schlafzimmer wenden, dessen Hinterthür Sie glücklich in dem Augenblick erreichten, als mit dem Kammerdiener der Hofmarschall Graf Pücklcr aus seinem nur durch einen großen Saal von des Prinzen Arbeitskabinet getrennten Wohnzimmer herbeigccilt war, und es gelang, von da den Prinzen ohne weiteren Unfall in ein anderes Zimmer zu geleiten. So wurde die Gefahr, in welcher Se. königl. Hoheit bei dem immer zunehmenden Rauche sichtlich schwebten, mit Gottes Hülfe glücklich abgewendet. Auch befindet sich der Prinz, außer einer Heiserkeit, von welcher Er seit einigen Tagen heim- gesucht wird, die aber bereits im Abnehmen ist, vollkommen wohl. Eine kleine Brandwunde an der linken Hand, welche sich Se. königl. Hoheit dadurch zuzogen, daß Sie, als Sie durch das brennende Arbeitszimmer eilten, das Gesicht gegen die andringenden Flammen mit den Händen zu decken suchten, ist ohne alle Bedeutung. Das Feuer, welches, durch die vielen leicht entzündbaren Seidenstoffe an den Tapeten und einem großen Himmelbett in dem Arbeitszimmer genährt, so schnell um sich griff, ward schleunig gelöscht und hat sich nicht weiter verbreitet. In allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung hat dieser Unfall, welcher Se. königl. Hoheit betroffen, die größte Theilnahme erregt.
— Die Rührigkeit in unserem Kriegsministerio dauert noch immer fort. Auch die Rekruten, welche sonst erst im Frühjahr oder Sommer einberufen werden, müssen theilweise schon jetzt eintreten. In der Bewaffnung der Truppen werden fortwährend nicht unbedeutende Veränderungen und Ver
besserungen vorgenommcn. So bat Vie Fußartillerie jetzt Seitengewehre bekommen, welche fast noch halb Mal so lang sind, als die früheren und die Officiere der Fußartillerie, welche im Dienst bekanntlich beritten sind, tragen jetzt Schleppsäbel. Die Potsdamer Gardejäger erhalten mit dem l.März Zündnadelbüchsen.
Berlin, 13. Februar. Die Deutsche Reform bemerkt über die Haltung der Demokratie Folgendes: Zwischen den Organen der demokratischen Partei hat sich bereits ein interessanter Streit über die Gültigkeit der Verfassung vom 31. Januar, mit Rücksicht auf den Verfassungseid der Beamten u. s. W. entwickelt. Schon jetzt tritt das vorsichtigere Blatt der „Volkspartei", die National-Zeitung, mit der Ausführung hervor, wie die Demokraten sehr gut den Eid auf die Verfassung leisten und die wünschenèwcrthen Veränderungen derselben „in der Weise erstreben können, auf welche nach den Paragraphen der Verfassung Veränderungen zu bewirken sind." Die Ostsee-Zeitung nämlich ist in ihrer Naivetät der Ansicht, daß kein Mitglied der Volkspartei die Verfassung beschwören könne, ohne aus der Partei auszuschcidcn und begründet diese Ansicht durch die nicht eben leicht anzufechtende Thesis, die sie in der Konsequenz ihrer doktrinären Lehren findet. Die National-Zeitung ist, wie man sich denken kann, durch diese ehrliche Argumentation ihrer Schwester in sehr große Verlegenheit gesetzt. Sie windet sich, so gut oder so schlecht es gehen mag, um solchen Konsequenzen der Logik und der Ehrlichkeit zu entgehen. Erstens weist sie auf die frühern Eide der Beamten hin und stellt es in Abrede, daß dieselben für irgend einen Beamten, Geistlichen, Lehrer:c. ein rechtliches Hinderniß gewesen seien, sich an einer über die Grenzen der ok- trobirten Gesetze hinauSgehenden Opposition zu betheiligen. Wir gestehen zu, daß es auch bisher schon viele Beamte gegeben, welche ihren Eid, „dem König unterthänig, treu und gehorsam zu sein", aufs Unbefangenste mit der Theilnahme an allen Unternehmungen der Volkspartei, weit über die friedliche Agitation hinaus zu vereinigen gewußt haben; aber die öffentliche Sittlichkeit hat sich eben auch schon bisher über diese bequeme Art der Gewissenhaftigkeit unumwunden geäußert. Nur hier und da war man wegen der provisorischen Zustände, welche seit 1848 herrschten, in gewissen Zweifeln befangen. Jetzt aber ist unser öffentlicher RechtSzustand wenigstens für Diejenigen, welche den neuen Eid leisten, über allen Zweifel erhaben, und eS kann für sie keine verschiedene Ansicht über die Verbindlichkeit dieses neuen Eides Statt finden. Dieß muß auch die National-Zeitung zugeben, und sie erkennt an, daß der Eid auf die Verfassung nicht mehr eine Mitwirkung zur Veränderung derselben auf verfassungswidrigem Wege zulasse, sie hofft vielmehr nur, daß auch mit gewissenhafter Beobachtung der Verfassung vom 31. Januar z. B. zur gesetzlichen Wiederherstellung des allgemeinen Wahlrechtes zu gelangen sei. Auch die Ostsee-Zeitung sei ja stets für die „friedliche" Agitation gewesen, und sie könne doch nicht etwa verlangen / daß die Volkspartei sich zur Vermeidung des Verfassungseides alles Antheils am Staatsverbande begeben sollte. Dieselbe würde gewiß bei nochmaliger reiflicher Erwägung zu einer andern Ansicht kommen. Wir glau-