Neue Hessische Zeitung.
Organ der konstitutionellen Partei.
Sonnabend 16. Febr. 1850. JVI SO* Abend - Ausgabe.
Deutschland.
, * Kassel, 13. Febr. Die Partei der Kreuzzeitung, welche sich, um ihre Patrone in etlichen Preuß. Wahlbezirken durch- zubringen, einen Augenblick stellte, als sei sie nunmehr auch von der Nothwendigkeit des Bundesstaates überzeugt, hat jetzt, nach beendigten Wahlen, die Maske wieder abgeworfen. Sie fordert jetzt wieder offen und unverhohlen zum Abfall von dem deutschen Bündnisse auf, nennt den Anschluß deutscher Staaten unter der erblichen Reichsvorstandschaft des preußischen Königs „Selbstmord", den zu fliehen sic vollkommen berechtigt seien, und prophezeit der deutschen Einheit „nach dem Zuschnitte Gagern-Nadvwitz", v. h. der ganzen Politik Preußens, ein „Ende mit Schmach und Lächerlichkeit." Das wäre nun in diesem Munde nichts Neues. Interessant ist nur die Behauptung der Kreuzzeitung, die sie in der Frage ausspricht: aber „alle die kleinen Fürsten und Staaten, was treibt sie zu uns hin, wenn nicht die Kraft der heimischen Demokratie und das Bestreben, durch Entzweiung Oesterreichs und Preußens das eigene Dasein kümmerlich zu fristen?" Die Demokraten behaupten, der Bundesstaat werde von den volksfeindlichen Aristokraten gewollt, und diese behaupten, er sei das Ziel der Demokraten. Beide sagen: „wir dienen der Wahrheit!" Auf beide wird wohl der Spruch Anwendung finden müssen:
„Ich rede Gutes nur von Dir, „Du redest Boses nur von mir,
„Vergebens ist, was Jeeer spricht, „Man glaubt uns allen Beiden nicht.
ch Kassel, 15. Febr. Nach langen Anstrengungen war man in der heutigen Ständesitzung endlich bis zum Ende der ersten Berathung des Forstverwerthungsgesetzes gelangt. Jeder schien gewissermaßen aufzuathmen, als dieser Ziel erreicht war. Aber o Himmel, was stand noch bevor?! Herr Knobel stellte einen neuen Abänderungsantrag, der mit weiteren Vorschlägen in Erwägung gezogen und dem Budgetausschusse zur weitern Begutachtung überwiesen wurde. Das hätte man sich noch gefallen lassen. Aber nun trat auch Herr Hillenbrand auf und brachte nochmals die Fuldaer Holzwellen zur Sprache. Fast eine halbe Stunde lang dauerte sein Vortrag (die Vorlesung) ; dann wurde von 1 bis */22 Ubr darüber gesprochen, ob der auf längst Verworfenes zurückgehende Antrag noch in Erwägung gezogen werden solle. Als man endlich erwartete, es werde über diese Frage abgestimmt werden, beschloß die Versammlung, zuvor auch noch die Begründung eines weitern Antrages des genannten Deputirten, die Tarifsätze für Fulda rc. betreffend, anzuhören. Die Vorlesung dieser Begründung dauerte von 722 bis 3/42 Uhr. Dann Diskussion. Herr Knobel trug unter Berufung auf sein Gerechtigkeitsgefühl darauf an, die Begründungen des Herrn Hillenbrand zunächst drucken zu lassen. Die Mehrheit beschloß indeß gegen 16 St., die Anträge nicht mehr in Erwägung zu ziehen. Sonach möchte einige Aussicht vorhanden sein, daß man in nächster Sitzung mit dem Gesetze zu Ende kommen werde. Um 2 Uhr ging die Versammlung zur Fortsetzung der Berathung über das Anwaltsgesetz über.
Frankfurt, 13. Febr. Die F. O. -P.-A. -Z. enthält folgende Bekanntmachung: Bei dem vormaligen Reichsmini- sterium der Finanzen sind einige freiwillige Beiträge zur Gründung einer deutschen Kriegsflotte eingegangen, welche noch nicht öffentlich bekannt gemacht sind. In dankender An
erkennung der durch die Geber bewiesenen Theilnahme an diesem nationalen Unternehmen werden dieselben hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht: 1) von in Konstantinopel lebenden Deutschen, übersandt von den Herren Schneider u. Komp, daselbst durch Vermittlung der Herren D. und J. dc Neufville 200 fl. rhein.; 2) bei den Herren Stahl und Federer in Stuttgart eingegangene 7 fl. 35 kr. rhein. und ein Stück Damast; 3) durch die großherzogl. oldenburgische Regierung an freiwilligen Beiträgen des Bockhorner Vereins 40 Thlr. Gold; 4) vom königl. baier. Landgericht Waldmünchen durch das Bankhaus M. Metzler sel. Sobn 3 fl. rhein.; 5) vom Pfarrverweser Wetzel in Thierstein durch Hrn. Schüller hier 4 fl. 18 kr. rhein.; 6) Sammlung des Hrn. C. Jacobi in Woltersen, im Herzogthum Lauenburg, 10 fl. 30 fr. rh. Frankfurt a. M., den 12. Februar 1850. Im Auftrage der Bundescentralkommission: Der Kanzleidirektor: HipperSthal.
Frankfurt, 14. Febr. In der gestrigen Sitzung der gesetzgebenden Versammlung ward in Beziehung auf den Antrag des Abgeordneten PH. Donner, den Anschluß Frankfurts an bas Bündniß vom 26. Mai 1849 betreffend, eine Zuschrift des Senats vom 12. d. M. verlesen, nach welcher derselbe sich bereit erklärt, der in dieser Sache zu ernennenden Kommission diejenigen Mittheilungen zu machen, welche die Wichtigkeit der Sache erfordern möchte. Auf den Antrag des Vicepräs. Dr. Souchay warb beschlossen: 1) sofort eine Kommission von 7 Mitgliedern zur Prüfung des Gegenstandes und zur Berichterstattung über denselben zu ernennen; 2) der Kommission aufzutragen, unverweilt in Berathung zu treten und zu berichten, und 3) hohem Senat sogleich Kenntniß von diesem Beschlusse zu geben, damit die in Aussicht gestellten Mittheilungen erfolgen können. Die Kommission besteht auö den Herren: Dr. Souchay, Schöff Dr. garnier, PH. Donner, Dr. Goldschmidt, Dr. Binding, Dr. Blum und Dr. Jucho.
Berlin, 14. Febr. Der amtliche Theil des Staatsanzeigers enthält die von den Kammern berathenen Gesetze zum Schutze der persönlichen Freiheit und die Stellung unter Polizeiaufsicht betr.
Berlin, 14. Febr. Der VerwaltungSrath hat in seiner- gestrigen Sitzung beschlossen, den 20. März als Termin der Eröffnung des Parlaments festzuhalten. Mit der äußersten Anstrengung wird es möglich werken, die baulichen Arbeiten zu Erfurt bis zu diesem Termin zu beenden, (C. C.)
Schwerin, 11. Februar. Aus Berlin ist hier Graf v. Bülow in der mecklenburgischen Angelegenheit eingetroffen. Derselbe hat heute eine zweistündige Konferenz mit dem Groß- Herzoge gehabt, worauf am Abend eine Sitzung des Staats- rathes erfolgte.
Hamburg, 12. Febr. In der gestern Statt gefundenen Sitzung des Kollegiums der Sechziger haben sich 29 für die Verfassung der Oberalten und 20 für die Verfassung des Senats erklärt.
Karlsruhe, 13. Febr. Durch Verordnung vom 12. d. wird der Kriegszustand und das Standrecht abermals auf weitere vier Wochen verlängert.
München, 10. Februar. Die täglich hier eingehenden Nachrichten aus der griechischen Hauptstadt verbreiten große Bestürzung. — In der deutschen Frage hat sich Oesterreich durchaus noch gar nicht entschieden, wenn auch der württcm- bergische Staatsanzeiger mit seltenster Effronterie von positiven Resultaten zu sprechen wiederum anhebt. Er ist sicher aus häuslichen Gründen zu diesen kühnen Griffen gezwungen.