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tie jetzige zweite Kammer gewählt worden. Der Defensor aeht nun auf den politischen Theil der Anklage ein und läßt sich in seiner Rede so hinreißen, daß der Präsident sich ver­anlaßt fühlt, ibn zur Mäßigung zu ermahnen und auszufor­dern, nicht eine Lehre zu predigen, Die, wenn er nicht irre, den Hochverrath straflos macht. Es wurde hierauf mit der Verhandlung gegen een Eigenthümer Rentsch fortgefahren. ES fiel hierbei nichts Bedeutendes vor. Der Staatsanwalt hielt die Anklage aufrecht. Der Nächstangeklagte Rektor H e r- Hold aus Bibra erklärte ausführlich, daß die in der Anklage gegen ihn ausgesprochenen Thatsachen wahr seien, daß er je­doch durchaus nicht die Absicht gehabt habe, Aufruhr zu stif­ten. Es wurden Zeugen vernommen, unter denen man auch den ehemaligen Minister Kühlwetter erblickte. Hiernach kam die Sache des Angeklagten Assessor Bncher aus Stolpe zur Verhandlung. Derselbe gestand ebenfalls die Thatsachen ein, bestritt aber die Absicht. Zeugenaussagen wurden ver­lesen und ein Entlastungszeuge vernommen. Bei der Aus­lassung dieses Angeklagten fand der Präsident sich veranlaßt, seine Ansicht über das Maß, bis zu welchem die Vertheidi­gung gehen dürfe, noch einmal klar, deutlich und sehr bestimmt auszusprechen, bei welcher Ansicht er auch, trotz einiger Ein- wendungeu der Vertheidiger, verblieb. Nach Beendigung der Beweisaufnahme gegen den Angeklagten Bucher wurde die Sitzung geschlossen.

* Berlin, 13. Febr. Die Deutsche Ref. hat eine halb- officielle Berichtigung, wonach die von auswärtigen Zeitungen verbreitete Nachricht, wonach das Staatsministerium in einer nach Eingang der neulichen bedenklichen pariser Nachrichten abgehaltenen KabinetSsitzung beschlossen habe, den Belagerungs­zustand über Berlin zu verhängen, sobald in Folge jener Er­eignisse irgend eine Bewegung in Berlin einträte, als gänzlich unbegründet bezeichnet wird. Die Regierung hält sich über­zeugt, daß die gewöhnlichen Mittel für die öffentliche Sicher- beit vollständig ausreichen würden, um etwaige wahnwitzige Umsturz-Versuche kräftig und erfolgreich niederzuhalten.

Arolsen, 9. Februar. Die deutsche Politik der preußi­schen Regierung hat hier eine erfreuliche Genugthuung erfah­ren. Unsere Landstände, und zwar in Majorität, haben die Absicht, bei ihrer Regierung den Antrag zu stellen, das Für- stenthum mit Preußen zu vereinigen und ihm die Wohlthaten zu Theil werden zu lassen, welche eine solche Mediatisirung mit sich führt. Der Antrag fließt keineswegs aus etwaigem Mißmuth gegen Die regierende Familie, sondern aus Der tie­fen Ueberzeugung , daß es für das Heil so kleiner deutscher Länder keinen bessern Ausweg gebe, als sich an das große und deutsche Preußen anzuschließen. Nur dadurch werde das Land vor allen Gefahren und Erfahrungen sicher gestellt, welche in der neuen Aera des politischen Lebens für Die klei­neren Staatsgebiete nicht zu vermeiden sind; nur dadurch würden die Bedürfnisse des Fürstenthums befriedigt, nicht bloß die ideellen, welche seit Der Märzbewegung nicht wenig erwei­tert worden sind, sondern auch die materiellen, die bei dem veränderten Stande von Handel und Gewerbe in Deutschland modificirt sind. Wir erwarten, daß unsere regierende Fürstin, als Vormund des Erbfürsten, diese wichtigen Gesichlspunkte anerkennen und den patriotischen Bestrebungen der Volksver­tretung, in gewohnter Großherzigkeit, mit Hinblick auf Ruhm und Geschichte der Vorfahren, entgegenkommen werde.

München, 9. Febr. Soeben vernehmen wir, daß der Abg. Pfarrer Wolfsteiner seinen Antrag auf Herabsetzung der Tage- und Reisegelder Der Abgeordneten wieder zurückgenom- men hat. " (Nürnb. C.)

München, 11. Febr. Eme öffentliche Verhandlung gar seltsamer Art ein DiSputatorium über Die Lehre vom Steuer hat vorgestern hier Statt gefunden, nicht, wie sonst gebräuchlich, im akademischen Saale oder auf Der Kanzel inner Kirche, sondern vor dem Stadtgericht; die im öffentlichen ^stzungssaale Streitenden waren aber auch freilich keine Dok- or^s Der Philosophie oder GotteSgelahrtheit, sondern der

Staatsanwalt und ein gaunerisches Paar, Viktoria Lechl, Maurerswitwe aus Der Vorstadt Au, 78 Jahr alt, und Mat­thias Hackl, Zimmermann von Perlach, angeklagt des ausge­zeichneten Betrugs.Wenn das Geld im Kasten klingt, eine arme Seel' aus dem Fegleuer springt", mit Anwendung die­ses Satzes hatte , wie weiland Pater Tetzel, die Hauptange- schuldigte, Viktoria Lechl, im Laufe der Drei letzten Jahre 17001800 Fl. aus den Taschen abergläubiger Personen zu locken gewußt. Das Geld sollte angeblich zu Lesung von Messen, Wallfahrten ic. verwendet werden, mit deren Hülfe Diearmen Seelen" aus dem Fegfeuer erlöst würden. Die fromme Vorsorge Der Gaunerin beschränkte sich aber nicht nur auf jenearme Seelen", deren Erlösung bald möglich war, sondern sie jorgte auch für Die ärmeren Seelen, die noch län­ger int Feuer der Reinigung ^u leiden hatten. Bald nämlich empfing sie Nachrichten aus Dem Fegfeuer, daß es diearmen Seelen" fror, dann mußten Tücher und Handschuhe von den Geprellten verschätzt werden; bald sprach sie von den Klagen Derarmen Seelen" über zu harte Lagerstätten , welcher Be­schwerde durch Darreichung von Bettkissen abgeholfen werden mußte; bald heischte sie Wein und Braten, va'es diearmen Seelen" hungerte. Wurde Der Glaube Der Geprellten an die Genauigkeit Der angeblichen Nachrichten aus dem Fegfeuer schwankender, Dann wußte die Betrügerin denselben wieder dadurch zu stärken, daß sie mit Anwendung ihrer Fertigkeit im Bauchreden Die Zweifelnden selbst Die Seelen sprechen hören ließ. Reicher Ersatz für Die kleinen Opfer wurde ver­heißen: seien die Seelen einmal erlöst, so werde sie einen Schatz heben können, der in einem Koffer unter der Frauen­kirche vergraben liege. Der Koffer hebe sich täglich mehr aus der Tiefe empor, ja er schaue schon etwas aus der Erde her­aus. Aber siehe da, der Koffer kam selbst nach drei Jahren noch nicht ganz ans Tageslicht; Die Anforderungen der Gau­nerin währten fort, die Geduld der Gefoppten aber ging zu Ende und Deren ^erwachter Argwohn führte nun die Scelen- erlöserin vor Die Schranken des Gerichts. Die Verhandlun­gen sind noch nicht zu Ende gediehen; der erfolgende Spruch des Gerichts wird wahrscheinlich dem auf achtjährige Arbeits­hausstrafe lautenden Anträge des Staatsanwalts entsprechen.

(D. A. 3 )

Oesterreich.

Wien, 9. Februar. Der rutbeuische Hauptrath beschäl ttgt sich gegenwärtig mit Der Herausgabe populärer rutbeni- scher Schriften und beschloß zu diesem Zwecke im Monate März Die gelehrtesten Männer Rutheniens in Lemberg zu versammeln, um sich mit ihnen über die Herausgabe geeigne­ter Schulbücher in Der Volkssprache zu berathen. Am 30. Januar rückten in Lemberg einige hundert russische Marodeurs ein. Sie kamen aus den ungarischen Lazarethen. Das Finanzministerium hat verordnet, daß die den politischen Fonds und öffentlichen Anstalten der geistlichen Orden, Pfrün­den it, dgl. gehörenden zur Anlegung geeigneten Gelder, für welche keine höhere Verzinsung gefunden werden kann, der Tilgungsfondskasse einzusenden sind, welche angewiesen ist, 41/., pCt. Staatsschuldverschreibungen'zu übermitteln. Hr. Hawliczek wurde mit seinem dem hiesigen Gouvernement über­reichten Gesuche, die,Na . Nov." in Wien wieder heraus­geben zu dürfen, abschlägig beschieden.

Frankreich.

daris, 11. Febr. Gestern war der Orleanisten-Verein, dessen Führer Broglie, Od. Barrot und Piscatory sind, zum ersten Male im neuen Lokale (Straße Richelieu), versammelt. Piscatory hielt eine lebhafte Anrede, worin er alle aufrichti­gen Anhänger Der Repräsentativregierung zum Zusammenhal­ten ermahnte. Der hiesige Geschäftsträger des Kaisers von Hayti hat sich bei der Regierung darüber beklagt, daß man seinen Monarchen auf den Maskenbällen darstcüe und lächer­lich mache. Seine Beschwerden sind beachtet worden und Die Polizei hat ihre Vorkehrungen getroffen, so daß man am Dins­tag Den Kaiser Fanstin I. schwerlich in unseren Straßen er­blicken wird. In der heutigen Sitzung der Nationalver-