Neue Hessische Zeitung.
Organ -er konstitutionellen Partei.
Mittwoch, 13. Februar 1850 ^W 74. Morgen - Ausgabe.
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Deutschland.
z/ Fulda, 8. Fkbr. Wenn wir so vornehm erhaben wie Hr. Weinzierl thun wollten, so konnten wir uns ebenfalls mit der Erklärung desselben behelfen, und der seinigen in Nr. 31 der Hornisse vom 6. d. M. das Stillschweigen der Verachtung entgegensetzen, da er uns aber am Schlüsse der Erklärung sehr kavalierement hinwirft: er erkläre, wer ihm nachsage: „er hätte die Konstitutionellen einmal für eine Rotte radikaler Wühler er- Härt" — so lange für einen wissentlichen Lügner, bis er ihm angebe, wo oder wann er irgend eine, jener auch nur ä h n l i ch e Aeußerung gethan habe", so bemerken wir darauf vorerst Folgendes: Wir bewundern das gute Gedächtniß des Hrn. Weinzierl, oder vielmehr seinen Scharfsinn, daß er die von uns gebrauchten Worte, er habe die Vorkämpfer des konstitutionellen Rechtes und Gesetzes eine radikale Rotte titulirt, wegleugnen will, da in den Lanttagsverh. von 1848 Nr. 30, S. 8 Z. 20 Hr. Weinzierl nur sagte: „Wer möchte wohl jene Männer in der Schweiz *) ^f ü r entehrte politische Verbrecher erklären, welche in diesem Augenblicke (eS war am 1 8. Januar 1848 **) als er dieses sprach) genöthigt (sind) seien, ihrem Vaterlande den Rücken zu kehren, weil sie Banden radikaler Wühler ***) unter dem Scheine des Gesetzes dazu stempeln (wollen) wollten?" — Wir müssen feierlichst widerrufen, es sind keine Rotten — sondern Banden — cs sind keine Wühler — sondern Wählers)
*) Darunter war die Metternichsche Tprannenpartei in Luzern verstanden, von deren unsäglichem Despotismus die Schweiz gerade damals durch die Liberalen befreit worden war.
Die Red.
**) D. h. vor dem März. Die Red.
***) Hierunter sind die Liberalen, eigentlich überhaupt die Eidgenossenschaft, in ihren gesetzlichen Organen, speciell ein Steiger, Ochsenbein, Dufour rc. verstanden. Die Red.
t) Herr Weinzierl hat geredet und geschrieben: „Banden radikaler Wühler." Alle, die in jener Sitzung zugegen waren, als Hr. W. das salbungsvolle Elaborat vorlas, horten deutlich und vernehmlich Wühler, nicht Wähler. Auch die Kasselsche Allg. Ztg. (K. A. Ztg. von 1848, Nr. 28 Beil. S. 191, Spalte 2 Zeile 9 von unten) hat getreu rcferirt: W ü h l e r (nicht Wähler). Allerdings mochte der Stenograph für das damals noch sehr neue Wort Wühler, welches eben erst vom Rhein. Beobachter erfunden und von Huber, Scheffer und Weinzierl in die Sprache eingeführt war, noch kein Zeichen haben: er schrieb und übersetzte ins Protokoll: „die r a d i k a l e P a r t e i." Herrn Weinzierl aber mochte wohl an den klassischen Worten: „Banden radikaler Wühler" sehr viel gelegen sein. Er erinnerte sich ihrer sehr genau. Bei der Durchsicht des Protokolls strich er die Worte des Stenographen wieder aus und korri- girte „Banden radikaler Wühler" (Wühler, nicht Wähler). Aber auch dem Setzer (oder dem Abschreiber) des Protokolls war das neue Wort so fremd, daß das Wein-
sonst müßte ja unter den D r u ck-Fehlern des Landtagsblattes die Berichtigung erschienen sein. — Das stenographische Protokoll liegt im Archiv! Unsere Leser müssen wir, um die auSgeho ene Stelle klar zu verstehen, auf die damaligen Zeitverhältnisse und politischen Bewegungen in der Schweiz verweisen, und Hrn. Weinziel auf dasjenige Hinweisen, was wir vor einigen Tagen lasen: „Es ist das Privilegium aller Op- ponirenden, daß ihre Vergangenheit, möge sie gewesen sein, welche sie wolle, ihnen in den Augen der Gleichgesinnten keinen Nachtheil bringt; da der gemeinschaftliche Zweck darin besteht, den Regierenden Schwierigkeiten zu bereiten, so kommt eS nicht darauf an, aus welcher Quelle sie abgeleitet werden." —
Nächstens Ausführlicheres über die damaligen persönlichen Verhältnisse des Herrn Weinzierl selbst, die zugleich als Schlüssel seiner (?) Politik dienen dürften, um über so Mancherlei Aufschluß zu verbreiten, ti)
»Fulda, 11. Febr. Als vor nicht langer Zeit von Frankfurt aus das Gerücht in den Tagesblätteru Eingang fand, das Interim werbe gegen die freie Presse energisch Vorgehen, erregte dieß allerdings einige Besorgniß bei uns, bis uns die Nr. des „Wacht auf" vom 23. Januar zu Gesichte kam und uns solche gänzlich benahm. Was braucht's denn gewaltsames Einschreiten gegen Erscheinungen der TageSpresse, welche so offenbar die facies Hippocratica an der Stirne zeigen und deren Hohlheit und Abgeschmacktheit s o auf der Hand liegt, daß selbst Anhänger der eigenen Partei ein verdammendes Urtheil darüber aussprechen müssen? Der erste Artikel jener Nummer macht nämlich einen sehr schwachen Versuch, den von mir angegriffenen ultramontanen Hrn. Baron von Schweitzer mit demokratischer Gesinnungstüchtigkeit in seinen gewaltigen Schutz zu nehmen, indem er in aller Selbstgefälligkeit von dem bekannten W der Neuhess. Zeitung beginnt, zierl'sche Dictum trotz deutlicher Korrektur auf's Neue corrumpirt wurde. Es entstand die Lesart „Banden radikaler Wähler." Allerdings stebt dieser ganz offenbare Druckfehler (der Ausdruck hat, für die Eidgenossenschaft gebraucht, auch vom damaligen Standpunkte des Herrn W. aus gar keinen Sinn) nicht in dem, auch sonst sehr mangelhaften, Verzeichnis der Druckfehler. Ucbrigens, mit ober ohne Druckfehler, bie Sache wirb genügen, um den Mann zu zeichnen, welcher die Stirn hat, jene Worte für die nicht-würdige „Erfindung" eines „wissentlichen Lügners" so lange zu erklären, bis man ihm angebe, „wo oder wann er irgend eine, jener „auch nur ähnliche, Aeußerung gethan habe."
Vielleicht wirb Hr. Weinzierl jetzt bie Identität der Objekte läugnen, nachdem bie Identität des Subjekts nachgewiesen ist. Vielleicht wird er jetzt erklären, er habe mit jenen Worten gar nicht die Konstitutionellen gemeint, sondern die Republikaner! Wirb er? D. Reb.
tt) So leib es uns thut, mit einer Persönlichkeit, wie Hr. Weinzierl, unsere Leser behelligen zu müssen, so werden wir doch im Interesse der öffentlichen Moral auf bas in der That beispiellose Aktenstück zurückkommen, welches Hr. Weinzierl kürzlich in Form einer „Erklärung" im „Organ der Volks- Partei", seil. der „Hornisse", veröffentlicht hat. D.R.