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Neue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Montag, 11. Februar 1850. J\g 71. Abend-Ausgabe.

Deutschland.

Berlin, 7. Febr. So bereitwillig man hier allen Be­strebungen Oesterreichs, welche seine Beziehungen zu Deutsch­land regeln sollen, entgegen zu kommen geneigt ist, „so wird doch Preußen nur gemeinsam mit den ihm verbündeten Re­gierungen in der eigentlichen Behandlung dahin einschlagender österreichischer Vorschläge vorgehen." Dieß wird auch der Weg sein, der in VcrZollcinigungsfrage betreten werden wird. „Der Reichsag in Erfurt wird in derselben ein ernstes Wort zu sprechen haben, da Oesterreich selbst in einem Begleitschrei­ben der Denkschrift vom 30. Nov. über die Zolleinigung diese als ersten Schritt zur neuen Ausrichtung eines gemeinsamen Verfassungswerkes bezeichnet." Die Auffassung der Vorschläge von Seiten des hiesigen Kabinets ist die, daß man sie zu­nächst als eine rein österreichische Sache betrachtet, da die In­teressen, welche darin im Vordergründe stehen, wesentlich un­garisch-galizisch-kroatisch. slavonisch-illyrisch sind. Die Angele­genheit gehört keinesfalls vor die Bundeskommission, vor welche sie Oesterreich gebracht und durch die es Konferenzen berufen lassen und weitere Verhandlungen eröffnen will. Sie gehörte nicht einmal »vor die Bundeskommission, wenn sie eine deutsche Sache wäre, da sie organische Anordnungen betrifft, welche lediglich vor dem Plenum der Bundesversammlung zu behan­deln waren. — In Rücksicht auf die definitive Organisation des weiteren Bundes würde der österreichische Vorschlag sogar präjudicirlich sein, weil er den Eintritt der nichtdeutschen österreichischen Lande in den Bund voraussetzt. Es ist deß­halb mit Sicherheit zu vermuthen, „daß Preußen den öster- reichischcn Vorschlägen zwar sehr gern das größte Interesse zuwenden wird, aber ohne gegen die Formen zu verstoßen, wie dieß Oesterreich durch die Anhängigmachung bereits ge­than." Bei dieser Gelegenheit dürfte Hannover zuerst wieder auf Preußens Seite erscheinen; „denn dort hielt man einen Zvllverband, schon nach den erst publicirten Grundzügen einer Annäherung, für unmöglich." — Herrn V. Radowitz's An­wesenheit in Berlin ist wahrscheinlich durch tue eben bespro­chene Angelegenheit verlängert worden, da er natürlich zu den betreffenden Kabinetsberathungen zugezogen wurde. Dem Vcr- waltungsrathe ist, wie rch höre, Mittheilung der österreichischen Denkschrift gemacht worden. (K. Z.)

Berlin, 7. Februar. Die C. C., welche immer ein viel treuerer Ausdruck der Rcgierungsansichtcn gewesen ist, als die in den Händen der Kellerschen Fraktion befindliche D. Rcf., bespricht in ironischer Weise den Umstand, daß die nach rechts neigende Fraktion Keller-Arnim in den materiellen Gesetzen, wiewohl vergeblich, gegen die Regierung stimme. Jene Fraktion habe immer auf die Linke stolz herabgeschaut und sich vor­zugsweise für ministeriell ausgegeben. So sehr man das auch in allen Fragen der Ordnung habe anerkennen müssen, so werde die Vorstellung von einer besonderen dadurch bewiese­nen Freundschaft doch sehr durch die Betrachtung ge­schwächt, daß bei jenen Fragen das Interesse der Partei mit­gewirkt habe. Wenn nun das Ministerium jetzt der Freund­schaft der Linken seine Siege gegen jene Freunde verdanke, so liege kein Grund vor, diese Freundschaft um deswillen ge­ringer anzuschlagen, als jene, weil hier etwa auch ein Partei­interesse mitgewirkt habe.

Berlin, 8. Februar. Se. Majestät der König haben befohlen, den feierlichen Akt der Eidesleistung auf die Ver­fassung auch bildlich darzustellen. Der Auftrag hierzu ist dem Maler Bürde zu Theil geworden. Von demselben Ma­ler ist das große Gemälde, die frankfurter Nationalversamm­

lung, gearbeitet. Im Auftrage Sr. Maj. des Königs hat er auch das letzte Kapitel des schwarzen Adlerordens, wobei die beiden Generale Graf v. Brandenburg und v. Wrangel den Orden erhielten, und im Auftrage der Herzogin von Sagan: 1) Die letzten Augenblicke des Fürsten Felix Lich- nowsky in der Villa Bethmanns und 2) die Einsegnung der Leiche desselben, gemalt. — Se. königl. Hob. ter Prinz von Preußen soll sich, wie die Spenersche Zeitung berichtet, mit den Ministern in Betreff der Lösung der letzten Krisis voll­kommen einverstanden erklärt und deßhalb erst vor Kurzem, in einem Schreiben an das Staatsministerium, in herzlichen Worten seine Anerkennung ausgedrückt haben. Nur wichtige militärische Verhältnisse haben Se. kön. Hoh. der Vereidung auf die Verfassung bcizuwobnen verhindert, und seine fort­währende Anwesenheit in Süddeutschland nothwendig gemacht. — Das Zeughaus ist nunmehr wieder für Besuchende, welche die dortigen Waffensammlungen besichtigen wollen, geöffnet.

Berlin, 8. Februar. Die Vossische Zeitung glaubt aus „guter Quelle" die Grundzüge der Vierkonigsverfassung er­fahren zu haben (welche ganz mit den Blitlersdorfschen Mit­theilungen übereinstimmen): „Hr. v. Psorvten ging schon lange mit diesem Plane um, konnte aber in dem österreichi­schen Kabinette die gehoffte Unterstützung nicht finden, weil es dem Kaiserstaate in Folge der Verfassung vom 4. März nicht möglich war, seine deutschen Provinzen von der einmal festgesetzten Länderkoncentration, wenn auch nur in etwas zu trennen. Dieser Punkt ist aber nunmehr durch Hrn. von der Pfordtens Politik beseitigt worden. Der genannte Herr machte nämlich Oesterreich zuletzt den Vorschlag, auf den allein es eingehen konnte und den es in seinem Vortheile nur erwar­tete, um sich der v. d. Pforbtenschen Politik anzuschließen. Der ganze österreichische Kaiserstaat soll zu dem projektirten neuen Bunde gehören, und nur die Lombardei — deren Oesterreich sich übrigens, wie zuverlässige Berichte sagen, auf dem Wege deö Verkaufes entledigen will, soll ausgenommen sein. Dieß ist der erste Grunvzug der neuen Verfassung, in der also von vorn herein von einer deutschen Einheit keine Rede sein kann. Deutschland soll Oesterreich, im Fall es dessen bedürfte, die slavischen Völkerschaften in Gehorsam hal­ten helfen, wogegen auch Oesterreich seiner Seits bei einer etwaigen Erhebuug im übrigen Deutschland seine Hülfe ver­spricht — das ist die Quintessenz dieses sauberen Planes. Deutschland soll ferner, wie dieß Baiern schon im Jahre 1848 beabsichtigte, in sieben Kreise eingetheilt werden, von denen je einer ein Mitglied zu der exekutiven Gewalt, einem aus sieben Personen bestehenden Direktorium, stellen solle :c. Dem diesseitigen Gouvernement ist, wie wir hören, von die­sem Vcrfassungsrnlwurfe noch nichts auf officiellem Wege mitgetheilt worden, dagegen sind die Regierungen von Oester­reich , Baiern, Württemberg, Hannover und Sachsen bereits im Besitze des v. d. Psordtenschen Machwerkes. Auch soll dasselbe an verschiedene Regierungen kleinerer Länder, welche dem Bündnisse vom 26. Mai beigetreten sind, gesandt wor­den sein, um dieselben den Plänen Baierns und Oesterreichs geneigt zu machen, oder — besser gesagt — zum Wortbruche zu verleiten. Das Ganze ist nur ein Versuch, dem Zustande­kommen des bevorstehenden Reichstages, resp. des Bundes­staates, hindernd in den Weg zu treten." Hr. v. Blitters- dorf hat sich bekanntlich auch schon über denselben Gegenstand ausgelassen. Er hat — und seine Meinung ist nicht ohne Bedeutung — er hat geäußert: „das in Baiern in Vorschlag gebrachte Volkshaus führt mit Unrecht diesen Namen." Er