Einzelbild herunterladen
 

— 266 —

lauteres Lebenswasser durchströmen. Jetzt aber und indem Ich Die Verfassungsurlunde kraft königlicher Machtvollkommen­heit hiermit bestätige, gelobe Ich feierlich, wahrhaftig und ausdrücklich vor Gott und Menschen, die Verfassung Meines Landes und Reiches fest und unverbrüchlich zu halten und in Uebereinstimmung mit ihr und den Gesetzen zu re­gieren. — Ja! Jal — das will Ich, so Gott Mir helfe! Und nun befehle Ich das bestätigte Gesetz in Die Hände des Allmächtigen Gottes, dessen Walten in der Geschichte Preu­ßens handgreiflich zu erkennen ist, auf daß Er aus diesem Menschenweeke ein Werkzeug des Heils machen wolle für unser theures Vaterland: nämlich der Geltendmachung «einer, hei­ligen Rechte und Ordnungen! Also sei es! Hierauf folgte die Beeidigung der Verfassung durch die Mitglieder des Staatsministeriumö, die beiden Kammerpräsidenten und die sämmtlich erschienenen Mitglieder der ersten und zweiten Kam­mer. Das Nähere ergibt das nachstehende Protokoll, welches über die Handlung in ihrem ganzen Verlauf ausgenommen worden ist. Geschehen im königl. Schlosse zu Berlin am 6. Februar 1850. Nachdem die in der Verfassungsurkunde für den preußischen Staat vom 5. Dec. 1848 vorbehaltenc Revi­sion derselben beendigt und die nach den Ergebnissen dieser Revision umgearbeitete Verfassungsurkunde unter dem 31. Jan. 1850 von des Königs Majestät vollzogen worden, haben Aller- böchstdieselben den heutigen Tag dazu bestimmt, das nach Art. 54 und 119 der revidirten Verfassungsurkunde zu lei­stende eidliche Gelöbniß in Gegenwart der vereinigten Kam­mern abzulegen und gleichzeitig von AUcrhöchstihren Ministern und von den Mitgliedern beider Kammern den im Art. 108 der Verfassungsurkunde vorgdschriebenen Eid entgegenzunehmen. Zu diesem Zwecke hatten sich, nach Beendigung des zur Vor­bereitung auf die feierliche Handlung ungeordneten Vormit- taMottesdienstes, die Minister Sr. Majestät, mit Ausnahme ter durch Krankheit behinderten Staatsminister v. Ladenberg und Freiherr v. Schleinitz, so wie beide Kammern im Ritter­saale des königlichen Schlosses versammelt. Um 11 Uhr nahm der Ministerpräsident Graf r. Brandenburg das Wort, er­innerte die Versammlung an den Zweck des heutigen Tages und erklärte die Handlung für eröffnet. Die Führung des Protokolls wurde von Seiten des Staatsministeriumö dem vortragenden Rath im Staatsministerium, Geh. Obcr-Finanz- rath Costenoble, von Seiten der ersten Kammer dem Schrift­führer Abg. Bockum-Dolffs und von Seiten der zweiten Kam­mer dem Schriftführer Abg. Geßler übertragen. Nachdem hierauf durch die anwesenden Mitglieder des Staatsministe- riuuis Sr. Maj. dem Könige gemeldet war, daß Alles zu der bevorstehenden feierlichen Handlung vorbereitet sei, bega­ben Sich, unter Vorantritt des Staatsministeriumö, Se. Maj. mit Allerhöchstihrem Gefolge, in Begleitung Ihrer königlichen Hoheiten Der hier anwesenden Prinzen des königl. Hauses, in den Rittersaal, und nahmen auf dem Thronsessel Platz. Die königlichen Prinzen stellten sich zur Rechten, die Mit­glieder des Staatsministeriumö zur Linken des Throneö auf. Des Königs Majestät legten hierauf, nach einer huldvollen Anrede an die Versammlung, das verfassungsmäßige eidliche Ge­löbniß stehend und unter Aufhebung der Schwurfinger der rechten Hand mit folgenden Worten ab: Jetzt aber, indem Ich die Verfassungsurkunde kraft königlicher Machtvollkommen­heit hiermit bestätige, gelobe Ich feierlich, wahrhaftig und aus­drücklich vor Gott und Menschen, die Verfassung Meines Landes und Reiches fest und unverbrüchlich zu halten und in Uebereinstimmung mit ihr und den Gesetzen zn regieren. Ja, Ja, das will Ich, so Gott Mir helfe! Der Ministerpräsident richtete sodann an die anwesenden Mitglieder des Staats- ministeriums und beider Kammern die Aufforderung, in Ge­genwart Sr. Majestät den in der Verfassungsurkunde vorge- schriebenen Eid der Treue und des Gehorsams gegen den König und der gewissenhaften Beobachtung der Verfassung zu leisten. Die Eidesformel wurde durch den Protokollführer des Staatöministeriums mit folgenden Worten vorgelesen: Sie schwören zu Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß ^ie Sr. Majestät dem Könige treu und gehorsam sein und

die Verfassung gewissenhaft beobachten wollen. Zugleich er­klärte der Protokollführer, daß Der Eid durch die Worte zu leisten sei: Ich (Vor- und Zuname) schwöre es, so wahr mir Gott helfe. Dabei murre jedem Schwörenden anbeimge- stellt, am Schluffe diejenige Bekräftigung-formel lunzuzufügen, welche seinem religiösen Bekenntnisse entspreche. Hierauf wur­den durch Den genannten Protokollführer die Mitglieder deS Staatsministeriumö in nachstehender Reihefolgc: 1 j Minister­präsident Graf von Brandenburg, 2) Minister des Innern Freiherr von Manteuffel, 3) Kriegsminister von Strotha, 4) Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten von der Heydt, 5) Finanzminister von Rabe, 6) ^ustizminister Simons, zur Eidesleistung aufgerufen. Jeder Aufgcrufcne trat vor den Thron, erhob die drei ersten Finger der rechten Hand und sprach Die Eidesworte. In gleicher Weise wurde sodann Der Eid zuerst von dem Präsidenten Der ersten Kam­mer, von Auerswald, und von Dem Präsidenten der zweiten Kammer, Grafen von Schwerin, demnächst von dem Schrift­führer der ersten Kammer, Abg. Wachter, so wie von Den durch denselben namentlich aufgerusenen Mitgliedern Der ersten Kammer, und endlich von dem Schriftführer der zweiten Kammer, Abg. Groddeck und von den durch letzteren nament­lich aufgerufenen Mitgliedern der zweiten Kammer abgeleistct. Nach beendigter Eidesleistung sprach der Präsident der ersten Kammer im Namen beider Kammern Sr. Maj. dem Könige den Dank des Landes für den Abschluß des Verfassungswerks und dessen Beeidigung aus, worauf der Präsident der zweiten Kammer ein Hoch! auf Se. Majestät ausbrachte, in welches Die Versammlung laut und freudig einstimmte. Des Königs Majestät verließen hierauf mit Allerhöchstihrem Gefolge, in Begleitung Ihrer kk. HH. der Prinzen des königl. Hauses und Der Mitglieder des Staatsministeriums den Saal. Nach der Rückkehr Der Minister in die Versammlung erklärte der Minister-Präsident Die heutige feierliche Handlung für ge­schlossen. Ueber dieselbe ist das gegenwärtige Protokoll ausge­nommen und zur Beglaubigung von den anwesenden Mitglie­dern des Staatsministeriumö, so wie von den Präsidenten beider Kammern in drei Ausfertigungen vollzogen worden, von denen eine der Protokollführer des Staatöministeriums, Die zweite Der Schriftführer der ersten Kammer, Abgeordneter von Bockum-Dolffs, und die dritte der Schriftführer der zweiten Kammer, Abgeordneter Geßler, an sich genommen hat. — (gkz.) Friedrich Wilhelm Graf von Brandenburg. Frei­herr Otto v. Manteuffel. Karl Adolph V. Strotha. August von der Heidt. Rudolph v. Nabe. Ludwig Simons. Ru­dolph v. Auerswald. Maximilian Heinrich Anton Karl Kurt Graf von Schwerin. — Geschehen wie oben. Karl Heinrich August Costenoble, Geh. Oberssnanzrath, als Protokollführer des Staatöministeriums. Franz Heinrich Gottfried v. Bockum, genannt Dolffs, Schriftführer Der ersten Kammer. August Karl Ulrich Geßler, Schriftführer Der zweiten Kammer.

Berlin, 6. Februar. (Konst. Ztg.) Nach vollzogenem feierlichen Akte, um 1 ^ Uhr, erschien Der König abermals im Thronjaale und lud die Abgeordneten als seine Gäste zur Tafel, welche im weißen Saale und in der BildergaUerie ge­deckt war. Sr. Majestät vielbedeutender Trinkspruch war: „den Dank des Vaterlandes durch den König!" Nach auf­gehobener Tafel begaben Se. Maj. sich in den Thronsaal und unterhielten sich in der gewohnten herzengewinnenden Weise mit einer großen Anzahl der Anwesenden aus allen Kreisen der Gesellschaft. Der König war nicht allein leutselig, son- dern ungemein heiter, gleichsam als ob ein großer, lang ge­prüfter Entschluß, endlich zur That geworden, das edle Herz erleichtert hätte. Ja es ist eine neue Aera in Preußen aufgegangen, das fühlte jeder Anwesende, der ein warmes Herz für König und Vaterland im Busen trug. In diesem Sinne trat zum Schluß der Präsident v. Auerswald abermals vor und brachte dem König „den Dank des Vaterlandes durch Den Mund seiner Vertreter!" Brausend erscholl dreifaches Hoch, welches über Berg und Thal durch alle Gauen des Vaterlandes uns über seine Grenzmarken hinaus erklingen wird. Alle Zweifel ruhen, möge irgend ein Sturm droben, freie Männer umstehen den