Neue Hessische Zeitung.
Organ -er konstitutionellen Partei.
Mittwoch, 6. Februar 1850. ^V? 62» Morgen - Ausgabe.
Diese Zei'tunq erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt beigegeben. Die Morgen-Attsgabe wird von 7,11 bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr ervedirt. Sonnabends eriolgt die Ausgabe nur'Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Lnckkardt'schen und Dollmann'schen Buch - und Kunsthandlung. Der ÄbonnemcntSpreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Tklr. 15 Sgr., wofür alle kurbessischen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeige« werden mit 1 Sgr. für den Raum einer Petitzeile berechnet.
Deutschland.
* Kassel, 5. Januar. Sowohl die Weser- als die Deutsche Zeitung bringen jetzt „aus guter Quelle" die schon von Hrn. *||* in der frankf. O. P. A. Ztg. angekeuteten neuen großdeutschen Versassungspläne. (S. Nr. 57 dieser Blätter.) Sie haben ihren Ursprung in München. Oesterreich hat sie als „Grundlagen" angenommen; d. h. Oesterreich läßt sich, wie die Weserzeitung richtig bemerkt, die Contremine gegen den Bundesstaat vorerst gefallen, wird aber keinenfalls, wie aus den Aeußerungen seiner öffentlichen Organe hervorgeht, und von der Deutschen Ztg. nachgewiesen wird, ein siebentes figes Reichsregiment zulassen. Vielmehr verlangt es mit Preußen zu theilen. Baiern war so großmüthig, nur 31 Mevia- tisirungen vornehmen zu wollen, soll aber selbst mit verspeist werden. Ueber die Natur dieser proponirteu Verfassung haben wir uns in Nr. 57 verbreitet. Die Weserzeitung meint mit Recht, diese armseligen Propositionen der großbeutschen Gegner seien das Günstigste, was der kleindeutschen Sache passiren könne; solche Contremiuen könne man sich schon gefallen lassen. Die Deutsche Zeitung aber schließt ihren Leiter mit den einfachen aber genügenden Worten: Preußen oder Oesterreich, Deutschland möge wählen!
ch Hanau, 5. Februar. Für den Wahlkreis Hanau ist heule Staatsrath Eberhard mit 66 von 88 Stimmen zum Reichstagsabgeordneten gewählt worden.
Wahlmännerwahl zu Eschwege. Von der dritten Klasse: Konduktor Vaupel zu Niederhohne, Oekonom Böttcher zu Lüderbach, Schullehrer Hartung zu Rambach, Oberinspektor Merrcm zu Witzenhausen. Von der zweiten Klasse: Kaufmann Koch zu Waunfricd, Landiath Groß zu Eschwege, Rentmeister Fehr zu Germerode, Christian Böttner zu Abterode, Assessor Amelung daselbst, Bürgermeister Vaupel zu Langenhain, Oekonom Mcnch zu Reichensachsen, Oberinspektor Merrem zu Witzenhausen, Prokurator Hattenbach da»., Gutsbesitzer Friedr, v. Bodenhausen das., Ock. Linnen- ^chi zu Zierenberg, Stadtrathsmitglied Siebert Wenzel zu Großalmerode, Justizbeamte Gagel zu Steinbach-HaUcnberg, Bürgermeister Volk zu Wahles, Revierförster Ide zu Trusen, Aktuar Frankenberg zu Netra, Oekonom Vogt zu Breitzbach, Vicebürgermeister Schulz zu Waldkappel, Stadtrathsmitglied George Mühlhause das. Von der ersten Klasse: Amtmann Wilke zu Netra, Bürgermeister Roßbach zu Nesselröden, Konduktor Ruelberg zu Netra, Schullehrer Sauer zu Grandenborn, Gutsbesitzer Karl v. Buttlar zu Renda, Fabrikant Kellner zu Waldkappel, Fabrikant Gottlieb daselbst, Kaufmann Ruppert das., Pulverfabrikant Jacobi zu Wichmannshausen, Amtmann Walther zu Witzenhausen, Oek. Heinrich Oesterheld das., Oekonom Pfeiffer zu Ermschwerd, Amtmann Kulenkamp zu Allendorf, Weinhändler Kröschell das., Oberinspektor Sall- mann zu Sooden, Bürgermeister Ludolph zu Gertenbach, Oekonom Fahrenbach zu Hebenshauscn. Ferner von der dritten Klasse: Bürgermeister Jäger zu Oberschönau, Bürgermeister Eberlein zu Herrenbreitungen, Gastwirtb Hesse zu Jestädt, Müller Hoffmann zu Roßbach, Gutsbesitzer Pfaffenbach zu Witzenhausen, Ackermann Methe zu Harmuthsachsen.
Wahlmännerwahl zu Rinteln. Von der dritten
Klasse: Kolon Tünnemann Nr. 1 zu Exten, Schullehrer- Großmann zu Berstet, Schullehrer Giese zu Hattendorf, Dr. Wilhelm Kahler zu Oldendorf, Rektor Fromme zu Apelern, Metropolitan Meyer zu Großnenndorf. Von der zweiten Klasse: Bürgermeister Matthei zu Rodenberg, Kolon Heinrich Wille Nr. 5 zu Kleinhegesdorf, Kolon Philipp Wille Nr. 13 zu Waltringbausen, Kolon Bode Nr. 11 zu Kleinhegesdorf. Von der ersten Klasse: Bürgermeister Bredemeier Nr. 1 zu Escher, Gutsbesitzer v. Bardeleben zu Kat- tenbruch, Bürgermeister Bredemeier Nr. 1 zu Westerwald, Bürgermeister Schäfer Nr. 1 zu Rohrkosten, Bürgermeister Tatge Nr. 2 zu Algcsdorf, Bürgermeister Rust Nr. 2 zu Großhegesdorf, Kolon Hans Heinrich Mathias Nr. 1 zu Waltringhausen, Kolon Wilhelm Schütte Nr. 1 zu Reinsdorf.
^ Fulda, Ende Jan. Der hiesige Bezirksdirektor hat nun den 15. und andere Tage des Februars bestimmt, um die Wahl der Wahlmänner, die demnächst den Deputirten zum VolkShause zu mahlen haben, vorzunehmen. Sie wünschen wohl zu wissen, wer sich bei der Wahl betheiligen werde? Wenn Sie erlauben, so führe ich Ihnen die politischen Vögel nach der Klassifikation vor, wie sie sich im Volksleben charak- terisirt haben. Die erste Ordnung werden die KönigS- Adler einnehmen, vereinzelte Naturen, die im reinen Aether, hoch erhaben über das kleinliche Treiben, um die Al- pengrathe ihre weiten Lebenskreise ziehen, mit klarem Auge in die ferne Sonne deutscher Größe und Ehre blicken, und sich um das erbärmliche Krächzen der Raben nicht kümmern, die tief unter ihnen sich um abgenagte Knochen zerren, die keine erquickliche politische Nahrung gewähren können. Dem Adler gegenüber |i£t der Uhu (Strix Bubo primus), der böse Bube, der sich überall im Finstern versteckt, um im Geheimen den edlen Vogel zu verdächtigen und zu schmähen; er sym- pathisirt mit der Nachteule, die sich kärglich von Druckerschwärze nährt. Die zweite Ordnung führt uns die M ante lkrä he n vor (lassen Sie mir nur nicht Mandel drucken). Das sind jene Vögel, die den Mantel nach dem politischen Winde hängen. Sie werden sich nur sehr vereinzelt betheili- gen und sich lieber den Elstern, die ohne eigene Auffassung über politische Angelegenheiten schwätzen, anschließen. Sie stehen dem Wendehals am nächsten und werden mit dem Breitschnabel und Strandjäger sich verbinden, um demnächst Gelegenheit zu haben, die Sache gehörig beschnat- tern zu können. Reichlicher werden sich vielleicht die W e t- tervögel einfinken, Geschöpfe, die von jedem politischen Temperaturweebsel berührt werden, bald mit der ultra-liberalen Kampfpartei der Robert Blum's Wallfahrt sich anschließen, bald für das Rongethum schwärmen, einige Silbergroschen für die Flüchtlinge parat halten und dem Pfauen gleich ihren schillernden Schweif ausbreiten, um sich bemerklich zu machen. Auch die politischen Strauße, die bei herannahender Gefahr die Köpfe verstecken, im Glauben, daß man sie nicht sehe, werden, wenn es Ernst wird, die politische Wüste, in der sie sich sonst herumtreiben, vielleicht verlassen und sich bei der Wahl betheiligen. Viel zahlreicher werden die Haushühner und Tauben, v. h. diejenigen, die sich bon dem Spektakel draußen in ihrem Schlage nicht sonderlich stören