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Flüchtlinge in der Schweiz gibt in seinem zweiten Rechenschaftsberichte die vom 20. Nov. 1849 bis zum 4. Januar 1850 ihm zugegangenen Untcrftützungsgcldcr an. Sie betragen 7722 Fr. Ausgegeben wurden an die verschiedenen Kan- tonalkcmite's zusammen 6570 Fr., verbleibt mithin noch ein Kassensaldo von 1151 Fr. An Kleidungsstücken waren kingegangen eine Kiste und ein Faß von der Unterstützungskom- mission in Gießen und zwei Kisten aus Stuttgart.
Großbritannien.
London, 29. Jan. Bei einem Meeting der Banguiers und Kaufleute der Citv, die sich versammelt hatten, um eine Mittheilung der königlichen zur großen Industrieausstellung ernannten Kommissäre zu empfangen, legte der Sekretär der Kommission die Subskriptionsliste vor, worauf bis jetzt schon 11,000 Pfd. Sterl, unterzeichnet waren. — Lord Brougham ist gestern von Paris hier wieder eingetroffen. — Der Prinz von Joinville nebst Gemahlin sind nach Lissabon abgereist.
Frankreich.
Paris, 30. Jan. (Köln. Ztg.) Die Nationalversammlung hat heute das Gesetz diskutirt und angenommen, welches dem Staate das Eigenthum des früher dem Könige Ludwig Philipp zugehörigen Gestütes von St. Cloud zncr- fennt. — Das Volk hat sich heute mehrfach dem AuSreißen der Freiheitsbäume durch die Polizeiagenten widersetzt. Als die Truppen sich genöthigt sahen einzuschreiten, wurden sie mit dem Rufe begrüßt: „Es lebe die sociale und demokratische Republik'." — Der Gerant der „Liberte" ist heute wegen Preßvergehens zu 3 Monaten Gefängniß und 3000 Fr. Strafe verurtbeilt worden.
S eb lußkur se: 5pCt. Renten 95 Fr. 20 Ct.; 3pCt. 51 Fr. 85 Ct.
Anfragen, Rügen und Wünsche.
In Nr. 50 k. Bl. ist bereits des Benehmens des Herrn Obcrappcllationsgerichtsraths Knatz dahier in der Schwurgc- richtssitzung vom 29. Januar d. J. gedacht worden. Wie ich höre, hat man hier und da die Schilderung für unglaublich oder doch übertrieben halten wollen. Man irrt aber. Ich bin im Stande, Ihnen folgende wortgetreue Mittheilung über den Vorgang zu machen: „Zeuge Knatz: Ich kann in der Sache keine Auskunft geben und muß deßhalb bitten, mich von der Beeidigung zu dispensiren. — Präsident: Das geht nicht an. — Zeuge: O! wenn beide Parteien einwilligen, wird cs wohl.gehen. — S t a a t s p r o k u r a t o r: Ich meiner Seils will auf die Beeidigung verzichten, Falls das Gericht es für zulässig hält. — Vertheidiger: Ich finde dabei Nichts zu erinnern. — Präsident: Ich, als Gc- richtsvorsitzender, muß auf der Beeidigung bestehen. *) Zeuge: Dann muß ich bitten, mir den Eid so abzunehmen, wie es meiner Konfession n a ch gemeinem deutschen Rechte entspricht. — Präsident: Ich muß bitten, dieß mir zu überlassen. (Vorsagend:) „Ich schwöre zu Gott. — Zeuge: (schwörend) Ich schwöre zu Gott und auf sein heiliges Evangelium. — Präsident (unterbrechend): Sprechen Sie mir nach, wie ich vorsage! — Zeuge (die Finger gerat' füllen lassend) : dann muß ich den E i d verweigern. — Präsident: dann müssen andere Maßregeln gegen Sie ergriffen werden! — Zeuge: Wenn das Gericht einen Befehl gegen mich erläßt, so muß ich mich fügen, muß aber öffentlich dagegen protestiren. (Er schwört den Eid, wie ihn das Gesetz vom 29. Oktober 1848 vorschreibt.)" Ich frage: was soll man dazu sagen, wenn ein Mitglied des höchsten Gerichtshofs, und zwar der Kriminalkammer, sich | o vor dem öffentlichen Gerichte und den Gesetzen des Landes gegenüber beträgt? —r.
*) Der §. 88 des Strafproceßgesetzes von 1848 schreibt ^01/ „In schwurgcrichrlichen Sachen sind alle ....Zeugen zu beeidigen."
Tagesordnung für die Sitzung der Stäudeversammlung. Mittwoch den 6. Februar, Vormittags 10 Uhr.
1) Fortgrsetzte Beralbnng des Gesetzentwurfs, die öffentlichen Verhältnisse der Anwälte betr.
2) Berathung des Berichts des RechtsausschusscS über den Gesetzentwurf, die Eisenbahnpolizei betr.
3) Desgl. deS Berichts des BudgctausscbusseS über die vom Landsyndikat vorgclcgte Rechnung der Kosten der Stäudeversammlung.
4) Desgl. des RechtSausschusses über die Theilnahme der israelitischen Lehrer an den Unterstützungen ans der Staatskasse.
Seknnntmachungen.
[86] Bekanntmachung.
In den Monaten November und December v. I. wurden von Eisenbahn-Reisenden folgende Gegenstände zurückgelassen, nämlich: 1) 1 seidener Regenschirm; 2) 1 Tabacksbeutel mit Taback gefüllt; 3) 1 Feuerstahl; 4) 1 Theil zu einem Blechinstrumente; 5) 1 Taschentuch; 6) 1 Stock; 7) 1 einzelner Damenhandschuh; 8) 1 Tabaksblase mit etwas Tabak gefüllt; 9) 3 Militairmützen; 10) 2 grüne Tuchmützen; 11) 1 wollene gehäckelte Kindermütze; 12) 2 weiße baumwollene Taschentücher ; 13) 1 weiße baumwollene Serviette! 14) 1 Stock;
15) 1 grauer Pelzmuff; 16) 1 weißes gesticktes Taschentuch; 17) 1 karirtes baumwollenes Taschentuch; 18) 1 schwarzer baumwollener Regenschirm; 19) 1 Tabatiere; 20) 1 Kasseler Leihbank - Pfandschein; 21) 1 Schirm. Anmerk. Ist im Besitz des Herrn Partikulier Runge in Karlshafen, bei dessen Gepäck sich der fragliche Schirm vorgefunden. 22) 6 Stöcke ; 23) 1 Pfeifenrohr; 24) 1 lange Pfeife; 25) 1 kurze Pfeife; 26) 1 Paar schwarze Filzschuhe; 27) 1 grün seidener Sonnenschirm; 28) 1 Sack mit schmutziger Wäsche; 29) ein wollener Strumpf; 30) 1 Paar wollene Handschuh; 31) 1 schwarzer Gla^è- Handschuh; 32) 1 weiß lederner Handschuh: 33) 3 bunte Taschentücher; 34) 1 blaue Tuchmütze; 35) 1 leere Flasche; 36) 4 Stück österreichisches Silbcrgclv; 37) 1 Stück desgl. Kupfergeld ; 38) 1 Stück preußisches Kupfergeld ; 39) 1 schwarz lederner Handschuh; 40) 1 weißes baumwollenes Taschentuch; 41) 2 Stöcke; 42) 1 alte Tuchmütze; 43) 2 Maasstäbe; 44) 1 Pfeife; 45) 1 Stock; 46) 1 Taschentuch ; 47) 1 Pfeifenkopf: 48) 1 elfenbeinener Knopf; 49) 1 Sreichfeucrzeugbüchse gefüllt; 50) 1 wollener Strumpf; 51) 1 ordinärer Stock; 52) 1 ordinärer Roh,stock; 53) 1 Paar wildlederne abgetragene Handschuh; 54) 1 Infanterie-Sabel; 55) 1 seidener Regenschirm mit Futteral.
Die unbekannten Eigenthümer werden aufgefordert, sich binnen drei Monaten bei dem Betriebs > Büreau dahier zu melden, indem später über vorstehend verzeichnete Gegenstände anderweit verfügt werden wird.
Kassel, am 24. Januar 1850.
Die Direktion der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn.
A r n o l d.
____________________________Vdt. Dr. Eisenberg.
Kurfürstliches Hoflsieater.
Sonntag ten 3. Fobr. Die schöne Müllerin. Lustsp. in I Auf;, nach Melesvillc und Duveyrier von L. Schneider. Hierauf: Die Seclenwanderung, oder: Der Schauspieler wider Willen auf eine andere Manier, Schwank in 1 Auf;, ^n Kotzebue. Zum Beschluß : Zum ersten Male: Die Fischer- Familie. Pantomimisches Ballet in 1 Aufz. von Wienrich.
Für die Suppenanstalt eingcgangen von Hrn. H. A. R. 5 Thaler.
Für eie kranken Niemeyer'schèn Eheleute zu Gottsbüren ist ferner bei der Redaktion eingcgangen: von H. I. 15 Sgr., von F. D. S. 1 Thlr. I. R. 10 Sgr.
Börsenberichte.
Frankfurt, 1. Februar. öpCt.Metall.85%, 4%p@t. 75%, Bank-Aktien 1213 fl.; 500 fl. Loose 155%; 250 fl. Loose 96'/,; Bad. 35 fl.Loose 33%; M-4O3Wr.£oo|e32% ; Großh. Hess. 50 fl. Loose 73; Poln. 500 fl. Loose 81; Friedr.-Wilb.- SiorDbabn 46%; Bexbach 84%; Köln-Minden 95^Z 3 pCt. inländische Spanier 29^/,; 4'/2pCt. Wurt. 95'^; 5 pCt. Bad. 99%; 5pCt. Nass. 102%; Belg. 98%. (Alles Geld).
Aerantwortlicher Herausgeber; Fr. Oetker. Redaktion: Fr. Oetker und Dr. A. Pfaff. — Druck von Friedr. Scheel in Kassel.