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Neue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Sonnabend, 2. Februar 1850. J\= 36. Abend Ausgabe.

Deutschland.

^Kassel, 1. Februar. Im Wahlkreise Fulda sind erst am 29. v. M., nachdem endlich au diesem Tage die Klassen­listen von sämmtlichen Wahlkommissionen beim Bezirksdirektor eingegangen waren, die Termine zur Wahl der Wahlmänner vom Bezirksausschüsse bestimmt worden. Dabei machte die Vorschrift des Gesetzes, wonach die Wahltermine acht Tage vorher im Bezirkswochenblatte veröffentlicht werden müssen, in Verbindung mit dem Umstande, daß in die nächst folgende Woche die Fastnachtstage fallen, leider eine aberma­lige Verzögerung nothwendig, so daß die Termine für die Minder-, Mittel- und Höchstbesteucrten erst aus den 15., 18. und 20. b. M. festgesetzt werden konnten. Der Wahlkreis Fulda wird also erst zu Ende dieses Monats seinen Reichs- tagsabgeordneten erwählen können.

Zu den in den Nrn. 34 und 55 dieser Blätter mitge­theilten Wahlmännern des Wahlkreises Rinteln sind uns wei­ter bekannt geworden aus der 3. Klasse Zimmermeister Bar­tels zu Weibeck, Kaufmann Poppelbaum zu Rinteln (für Rumbeck); aus der 2. Klasse Glassabrikanl Becker zu Obern­kirchen, Dr. Westphal zu Rinteln.

Frankfurt, 25. Jannar. DieKonstit. Korresp." hat unter dem 22. d. M. den österreichischen Puff mit der im Oktober v. I. von Wien aus angekünvigtenAnbahnung einer österreichisch-deutschen Handelseinigung" ins rechte Licht gesetzt; einen zweiten noch mehr ergötzlichen Puff erleben wir in diesem Augenblicke an dem auSgesprenglenGerücht (wie es die A. A. Ztg. selbst nennt!), daß sich Oesterreich und Vie vier Königreiche über einen deutschen Verfassungsentwurf mit einem aus den Kammern (!!!) zu bildenden Volkshause geeinigt haben, über welchen nun mit Preußen unterhandelt werde". Ich sage: das Ganze ist ein Puff, um die Wahl für den Erfurter Reichstag zu stören, und führe zur Unter­stützung meiner entschiedenen Behauptung folgende, aus bester Quelle geschöpfte Thatsachen an. Erstens: eine Einigung über den angeblichen Verfassungsentwurf ist zwischen Barern, Hannover, Sachsen und Württemberg nicht zu Stande ge­kommen. Zweitens: Oesterreich hat sich mit den Vorschlägen des Hrn. v. d. Psorvten nicht einverstanden erklärt, und zwar um Deswillen nicht, weil es mit dem Wesen der öster­reichischen Gesammtmonarchie, wie dieselbe nach der Verfas­sung vom 4. März v. I. ins Leben treten soll, unvereinbar sein würde, an einem gesetzgebenden Körper für Deutschland Theil zu nehmen, selbst dann, wenn derselbe nur aus den Landeskammern hervorginge. Oesterreich könne allein einen Staatenbund, d. h. die alte Organisation mit Bundestag, seinen eigenen Verhältnissen angemessen finden. Drittens: aus dem eben Gesagten ergibt sich schon von selbst, daß we­gen fehlender Einigung zwischen Oesterreich und den vier kleineren Königreichen, oder der letzteren unter sich, auch keine Unterhandlungen mit Preußen über einengemeinsamen Ent­wurf eingeleitet sein können. Zur Vervollständigung dessen führe ich jedoch ausdrücklich noch an, daß keine Verhandlun­gen solcher oder ähnlicher Art mit Preußen im Gange sind. Nun darf man wohl den einsichtsvollen Leser fragen: was bleibt übrig ? Antwort: Nichts! Die ganze Geschichte ist also ein Puff der HerrenGroßdeutschen", der eben so glor­reich enden wird, wie jener andere mit derHandelseinigung" *). Heute überreichte der kön. baier. General v. Lylanver sein Beglaubigungsschreiben als Bevollmächtigter bei der Bundes­kommission, nachdem sein erstes Kreditiv zurückgewiesen war.

*) Wir werden auf diese Angelegenheit zurückkoinmen. D. R.

Dasselbe war in der eigenthümlich irrigen Weise abgefaßt, als balle sich die königl. baier. Regierung berechtigt und ver­pflichtet, gegenüber den beiden Großmächten die Gesammt- interessen Deutschlands zu vertreten. Die Bundeskommission konnte einer so wunderbaren Ansicht nicht beipflichten, auch durste sie dem königl. baier. Bevollmächtigten nicht, wie eS in jenem ersten Beglaubigungsschreiben hieß, gestatten, sich mit den übrigen Bevollmächtigten zu gemeinschaftlichen Schrit­ten zu vereinigen, da hierin die Absicht Baierns doch zu of­fenbar wurde, allmählich einen Bundestag wieder ins Leben zu führen. Die heute angenommene Vollmacht des Hrn. v. 3EplanD r soll nun von allen jenen Irrthümern gereinigt und auf vaS rechte Maß einerBeglaubigung herabgestimmt sein. (WZ.)

DerSpenerschen Zeitung" wird von hier geschrieben: BlittcrSdorf scheint vor den Angriffen der gesummten deut­schen Presse nicht zurückschrecken zu wollen, und keineswegs matt und mürbe zu sein, denn seine famosen Artikel in der O. - P. - A. - Z." erscheinen fortwährend, und nehmen immer mehr ein festes Gepräge an: d. h. cs stellt sich immer mehr heraus, daß sie im österreichischen Sinne geschrieben sind, keineswegs den alten Bundestag, als solchen, zurückführen, sondern auf dem Boden des Interims weiterbauen wollen. Die Artikel sind durchaus von den großdeutschen Artikeln an­derer Blatter verschieden; BlitterSdorf traut weder den klei­nen, noch den mittleren Staaten mehr Lebensfähigkeit zu; er null weder von einem preußischen Einheitsstaat, noch von ei­nem bayrischen Direktorium etwas wissen, sondern alle Staa­ten sollen sich unter die Fittige der beiden Großmächte stel­len, ihre Macht in diesen koncentriren, für sich nur ein selbst­ständiges Scheinleben ansprechen, und der Meviatisirung entgegenvegetiren. Bei dieser Ansicht ist es ganz natürlich, daß Blittersdors kein Dreikönigsbündniß nicht nur nicht ent- gegentritt, sondern ihm sogar das Wort redet, vorausgesetzt, daß dieses Bündniß der Anfang zu jener gewünschten Kon­centration ist, und vorausgesetzt, daß die vier königl. Regie­rungen sich gerade so unter Oesterreich koncentriren, wie die kleinen Staaten unter Preußen; denn spätere Arrondirung ist dann eine Kleinigkeit. Der alte gewandte Diplomat verficht diese Ansicht aus innerster Ueberzeugung: er sieht nur in der Verwirklichung dieser Ansicht Heil und Rettung für Deutsch­land, und denkt ursprünglich nicht daran, den einzelnen Län­dern ihre Freiheiten und konstitutionellen Garantien zu beein­trächtigen, sondern er will dieselben nur in Einklang bringen mit dem größeren StaatSicben eines Gesammt- Deutschlands, in welchem freilich der Dualismus neu verjüngt und gekräf­tigt hervortritt. Diese Blittersdorfschen Ansichten sind keines­wegs von der Bunves-Centralkommission desavouirt, von dem österreichischen Theile gewiß nicht, von dem preußischen schwer­lich , denn man kann nicht läugnen, daß Umstände eintreten können, welche dieses System verwirklichen, und wenn es wahr ist, was als Gerücht durch alle Zeitungen gebt, daß Oesterreich doch noch mit Verfaffungsvorscylägen für Deutsch­land hervortreten will, so ist die Verwirklichung der Blilters- dorsschen Ansichten vielleicht näher, als man glaubt.

Frankfurt, 28. Jan. Der D. A. Z. wird unter die­sem Datum berichtet:Das bairischerseits vorgeschlagene neue Projekt für ein das gesammte Deutschland umfassendes konsti- tutives Reichsgesetz ist, wie wiederholt auf das Bestimmteste versichert wird, auch bereits in Berlin mitgetheilt worden. Daß, wie die Regierungen der übrigen deuttchen Königreiche, auch das österreichische Kabinet diesem Projekte schon seine Zustimmung ertheilt habe, kann allen Versicherungen zufolge, die man hierüber erhält, nicht in Zweifel gezogen werdens;