Neue Hessische Zeitung.
Organ der konstitutionellen Partei.
Freitag, 1. Februar. 1850. ^F 33. Abend-Ansgabe.
Deutschland.
t Kassel, L Febr. In Hanau ist Der 5. Februar vom Bezirksausschüsse als Wahltermin bestimmt. Ueber Die Betheiligung Der Urwähler des Wahlkreises Hanau, über welche in vorzugsweisem Grade lügenhafte oder wahrheitsent- stellende Berichte verbreitet worden, sind wir im Stande, folgende zuverlässige Nachricht zu geben. Von 1035 Höchstbe- steuerten haben 327, — von 3728 Mittelbesteuerten haben 849 und von 8734 Wahlberechtigten der dritten Klasse haben 1959, — im Ganzen also von 13,497 Wahlberechtigten 3135 abgestimmt. Da hiernach beinahe Der vierte Theil Der Urwähler an Der Wahl Theil genommen hat , so ergibt sich, welche unglaublichen Uebertreibungen sich die s. g. demokratischen Blätter hinsichtlich dieses Gegenstandes haben zu Schulden kommen lassen.
ch Kassel, 1. Februar. Die Ständeversammlung beschäftigte sich heute wieder, nachdem einige Anträge und Eingaben erledigt waren, mit dem ForstverwerthungSgesetze. Unter Den Anträgen erregte ein Antrag des Abgeordneten von Fulda, die Pensionirungen Der StaatSdiener künftig nur auf 1 Jahr vorzunehmen und vor Der Verlängerung jedes Mal eine Untersuchung über den körperlichen und geistigen Zustand Der Pensionäre in Hinsicht auf ihre Wiederverwendung im Staatsdienst anzustellen, einige Aufmerksamkeit. Der Antrag wurde in Erwägung gezogen und dem Buvgetausschusse überwiesen. Bon den Eingaben wurde ein Gesuch mehrerer israelitischer Lehrer wegen Berücksichtigung Der Lehrer an Den jüdischen Schulen bei Der Vertheilung Der früher zur Verbesserung deö Einkommens Der Volksschullebrer bewilligten 38,000 Thaler mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt. Der Bericht des Rechtspflegeausschusscs soll gedruckt werden; Die Berathung ist ausgesetzt. — Eins der Hauptbedenken gegen das Forstgesetz — Die Vertheilung des Holzes durch Die OrtS- vvrstände rc. — wurde durch ein Amendement des Abg. Henkel dahin zu beseitigen gesucht, daß Die Vertheilung durch Die OrtSbehörde, Die Erhebung des Forstgeldes aber durch Die Rentereien fernerhin Statt finden soll. Der Antrag wurde in Erwägung gezogen und dem Buvgetausschusse' zur Begutachtung überwiesen. Es scheint alle Aussicht vorhanden zu sein, daß hiernach das Gesetz zu Stande kommt.
Im Wahlbezirke Rinteln sind, so weit uns das Resultat bis jetzt bekannt geworden, zu Wahlmännern gewählt: I. von Der 3. Klasse: Bürgermeister Gräbe zu Rinteln; Bürgermeister Schotte zu Obernkirchen; Gutsbesitzer V. Spiegel zu Helmarshausen; Apotheker Bicde zu KarlSbasen; Bürgermeister Ziegler zu Trendelburg; Kaufmann Breidenbach zu HofgeiSlnar; Bürgermeister Stenneberg zu Friedrichsdorf; Wirth und Ackermann Johs. Bode zu Hümme; Ackermann Konr. Ludw. Scheele zu Eberschütz; II. von Der 2. Klasse: Müller Bauer zu Krankenhagen; Kaufmann Rischauer zu Rinteln; Kupferschmied Schlichting daselbst; Maurermeister Schwarz daselbst; Konduktor Leer zu Krückcberg; Stiftsamtmann Casselmann zu Fischbeck; Kaufmann Heinrich Suchier zu Karlshafen; Justizbeamter Calkhof daselbst; Bürgermeister Schmoll daselbst; Bürgermeister Weiß zu Hofgeismar; Bürgermeister Becker zu Hümme; Bürgermeister Ellermann zu Liebenau; Bürgermeister Thöne zu Ostheim; Justizbeamter Merz zu Hofgeismar; III. von Der 1. Klasse: Justizbeamter v. Colson zu Oldendorf; Kolon Böhne Nr. 9 zu Welsede; Leibzüchter Bartling zu Barksen; Gutspächter Jacoby zu Stau; Obergerichts-Anwalt Schwabe zu Rinteln; Kolon Clostermann
Nr. 1 zu Großenwieden; Gutsbesitzer Reimerdes zu Großmelhof; Buchhändler Böfendahl zu Rinteln; Steuerinspektor Spindler zu Hofgeismar; Pfarrer Nolde daselbst; Gutsbesitzer vom Hof zu Hombressen.
Berlin, 25. Jan. (Köln. Ztg.) Das von dem dänischen Bevollmächtigten in der ersten Konferenz am 17. Jan. übergebene übergebene Expose, auf welches, so viel ich weiß, noch keine Rückäußerung preußischer Seils erfolgt ist, dehnt Den Begriff Der „politischen Union" auf folgende Weise aus: Die Gemeinsamkeit des Herzogthums Schleswig und Dänemark soll bestehen in Der Aufbringung Der Civilliste und sonstigen Dotation des König-Herzogs im gemeinschaftlichen Ge- sandtschafts- und Konsularwesen. Hiergegen würde preußischer SeitS nicht viel zu erinnern sein, desto mehr gegen daS gemeinsame Kriegswesen, Zoll- und Postwesen, gemeinsame Aktiva und Passiva (Die Staatsdomänen inbegriffen); endlich gegen die exorbitante Prätension, daß diese »Union politique“ eine ewige sein soll! — Es unterliegt keinem Zweifel, daß das preußische Kabinet unabänderlich bei Der in London durch Bunsen am 17. März 1849 abgegebenen Erklärung beharren wird, daß unter dieser »Union polilique“ keine andere als die gewöhnliche „Personal-Union" zu verstehen sei. Es wird nach dem Begriffe dieser Personal-Union auch die „Gemein- samkrit" des Herzogthums mit Dänemark zu bestimmen, und von hier aus der Ausgangspunkt zu nehmen sein. Für das Kriegswesen wäre danach ein gesondertes, nicht außerhalb des Herzogthums zu versetzendes scbleSwigsches Kontingent Die preußische Forderung. Dänische Truppen dürfen übervieß nicht im Herzogthume Standquartiere haben. Das Marinewesen anlangend, so ist dieß allerdings ein schwieriger Punkt; indessen kann, wenn das Landhecr getrennt ist, hier keine Gemeinsamkeit sein, und deßhalb wird man preußischer SeitS wohl Vorschlägen, daß Schleswig einen Geldbeitrag an Dänemark zahle, um die Schleswiger nicht zu zwingen, auf der dänischen Flotte zu Dienen. Zoll - und Postwescn soll ebenfalls besonders geregelt werden, namentlich darf aber an keine Gemeinsamkeit des Finanzwesens im dänischen Sinne gedarbt werden, welche die vormärzlichen Zustände ja noch überragte. Was Den Zusammenhang Schleswigs mit Holstein betrifft, so bleibt Preußen bei seinen früher schon geltend gemachten Forderungen, zu denen auch das gemeinschaftliche Gerichtswesen der beiden Herzogthümer gehört.
Berlin, 28. Januar. Seit der Eröffnungs-Konferenz der Frikdensunterhandlungen mit Dänemark am 17. Januar- Haben nur einige vertrauliche Besprechungen zwischen den beiderseitigen Bevollmächtigten Statt gefunden; eine Erwiderung auf das dänische Expose, sowie irgend eine bestimmte Puttk- tation ist noch nicht erfolgt. BemerkeuSwertb ist dabei, daß das englische Kabinet und Der größere Theil der englischen Presse im Augenblicke wieder Front gegen Preußen in der dänischen Angelegenheit machen und so am Schlagendsten die eifrig vom wiener Kabinet verbreiteten Gerüchte einer preußisch-englischen Allianz widerlegen, über welche man sogar Dem Kaiser von Rußland Insinuationen zu machen sich angelegen sein ließ. — Es scheint, als ob bezüglich der Erfurter Vorlagen nunmehr Seitens mehrerer Kleinstaaten sowohl, als auch Preußens die Ansicht sich Geltung verschaffte, daß sofort transitorische Bestimmungen zum Entwurf vom 28. Mai vom Verwaltungsrath zu berathen und zu beschließen seien, um darauf hin sofort die nöthigen Ausführungen des engeren Bundesstaates eintreten zu lassen. Es würde dieß natürlich