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Neue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Sonnabend, 26. Jan. 1850. J\g ^4t. Abend-Ansgabe.

Deutschland.

t Kassel, 26. Jan. Der Entwurf der Dreikönigsver- fassung enthält, übereinstimmend mit der frankfurter Verfassung, im §. 103 die Bestimmung, daßdie ordentlichen Sitzungs­perioden der Landtage in den Einzelstaaten mit denen des Reichstages in der Regel nicht zusammenfaUen sollen." Die große Zweckmäßigkeit einer solchen Vorschrift läßt sich nicht verkennen. Es darf wohl mit Bestimmtheit angenommen wer­den, daß die Regierungen auch schon vor Erlaß desvorbe- haltenen Reichsgesetzes", wodurch das Nähere festgesetzt werden soll, dieselbe möglichst in Anwendung bringen werden, und daß namentlich auch unsere Ständeversammlung vor dem 20. März d. I., auf welchen Tag die Einberufung des Reichs­tages festgesetzt ist, vertagt werden wird.

W Fulda, 23. Jan. Ein hiesiger Korrespondent der Hanauer Ztg. vom 22. Januar scheint ein ganz eigenthümlich konstruirtes Sehorgan zu besitzen, wenn er meldet, daß die hiesige Straßenjugend am 21. d., wo wegen der herrschenden Kälte von 20 Grad gar wenig von ihr zu sehen war, 3000 Exemplare der Wahl - Proklamationen des Preßvereins an Stubenmädchen und Krämer zu angemessener Verwendung vertheilt vabe, wovon natürlich hier kein Mensch etwas be­merkt hat; auf die Wahrheit kommt es aber begreiflicher Weise jenem gesinnungstüchtigen Korrespondenten nicht |o ge­nau an. Daher zur Beruhigung aller, hierüber etwa freudig erregter, demokratisch-ultramontanen Gemüther nur so viel, daß jene Proklamationen an ihren verschiedenen Bestimmungs­orten unversehrt angekommen sind.

Frankfurt, 20. Jan. Heute tritt im neuesten Geistes- Produkt des Hrn. v. Blittersdorf des Pudels Kern deutlicher ans Tageslicht. Schon seit einigen Tagen schlich der alte Herr in immer engeren Kreisen um den Ausdruck eines be­sonderen Herzenswunsches herum; man ahnte längst, worauf es hinauslief, heute aber ist der Gedanke zu Worte gekom­men, und wir lesen in der Obcrpostaims - Zeitung eine sehr bestimmte Abmahnung wider den Eintritt Frankfurts in den Bundesstaat. Die Sache ist sehr erklärlich, da Hr. v. Blit­tersdorf entschieden österreichische Inspirationen und nebenbei auch ein eigenes Haus in der unmittelbaren Nähe Frankfurts bat, worin nach seinem Dafürhalten wohl ein rrstaurirter BundeStagsgesandter wohnen könnte. So dient das Kleinste oft zum Verständniß des Größten. Hr. v. Peucker ist da­mit beschäftigt, sich über den ihm einstweilen anvertrauten hohen Wirkungskreis zu orientiern. Die auf ihn gefallene Wahl nennen wir eine sehr glückliche; sie wird hier,'wo die ausgezeichneten Verdienste des ehemaligen Reichskriegsministers in besonderen Ehren stehen, freudig rntgrgmgcnommcn. Der Beitritt Frankfurts zum Dreikönigsbündniß scheint jetzt unzweifelhaft zu sein; auch die Lokalpresse hat sich des Gegen­standes mit einer Entschiedenheit bemächtigt, die den Wider­spruch nicht mehr aufkommen läßt. (D. R.)

Frankfurt, 21. Januar. Der kön. preuß. Geh. Ober- RegierungSrath Mathis ist gestern Mittag von seiner berliner Reise wieder zurückgekommen. Auf der Heimkehr nach Frank­furt mit dem Eilwagen begriffen, hatte er diesseits Eisenach eine viertelstündige Unterredung mit dem ihm auf der Heer­straße begegnenden GcneraUieutenant v. Radowitz. (D. R.)

Berlin, 23. Januar. In der Fraktion Mielentz (jetzt Helgoland) ist beschlossen worden, wegen der unzureichenden Antwort des Herrn Ministers des Auswärtigen in der meck­lenburgischen Angelegenheit einen deßfaUsigen Antrag einzu­

bringen, welcher von dem Abg. Beseler vorgelegt worden war und der alsbald mit zahlreichen Unterschriften versehen wurde.

Die Const. Corresp. enthält Folgendes: Bekanntlich er­schienen im Oktober v. I. in der Wiener Zeitung Vorschläge, Vie sich pomphaft alsVorschläge zur Anbahnung einer öster­reichisch - deutschen Hanvelseinigung" ankündigten. Anfangs war nicht recht klar, ob diese Vorschläge offtciell oder halb- officieU, oder keinS von beiden seien. Aber die österreichische Presse legte ihnen einen ungewöhnlichen Werth bei; die Vorschläge machten die Runde und wurden im österreichischen Interesse gehörig ausgebeutct; es sollte scheinen, als ob doch nur Oesterreich für Alles, Preußen für Nichts zu sorgen wisse. Bis jetzt pflegte die Emission von Zeitungsartikeln nicht der gewöhnliche Beginn Handelspolitischer Negotiationen zu sein; man glaubte also preußischer Seits vorläusig genug gethan zu haben, als man im Staats-Anzeiger auf eine Beleuchtung jener Vorschläge einging, wodurch selbige auf ihr wahres Maß zurückgeführt wurden. Preußen ist schon oft zu derglei­chen wirklichen Negotiationen mit Oesterreich bereit gewesen; diese Bereitwilligkeit ist bekannt. Die preußische Regierung konnte also ruhig abwartcn, ob Oesterreich auch amtlich dar­über sich werde vernehmen lassen. Man hat gewartet und gewartet aber vergeblich. Man beging im Interesse der Sache die Selbstverläugnung und versuchte durch einen zu­vorkommenden Schickt den geheimnißvollen Schleier zu lüften. Anfangs December erhielt der preußische Gesandte in Wien den ofstciellen Auftrag, auf eine amtliche Erklärung des öster­reichischen Kabinets anzutragen. Aber auch hierauf ist bis jetzt keine Anwort erfolgt. Der Gesandte hat die volle Be­reitwilligkeit Preußens, auf die Sache näher einzugehen, zu erkennen gegeben. Keine Antwort. So liegt die Sache. Was folgt daraus? Daß es sich einfach um einen öster­reichischen Puff handelte, der nun in seiner ganzen Blöße vor­liegt. Preußens Bereitwilligkeit besteht nach wie vor, das können wir wiederholen, und Preußen wird noch heute trotz alles österreichischen Wartenlassens gern auf die Sache ein­gehen. Oesterreich mag nur sagen, was eS null, ehrlich und offen, wir man hier die Sache ausgenommen hat. Dann wird sich zeigen, wer von beiden es ist, der an Alles und wer an Nichts denkt.

* Berlin, 24. Januar. Heute erscheinen wegen der Urwahlen zum Reichstage keine Abendzeitungen (mit Aus­nahme der demokratischen) und die Kammern werden aus demselben Grunde keine Sitzung halten. Die Konst. Zeitg. mahnt dringend zur lebhaften Betheiligung an den Wahlen und wünscht, daß die Konstitutionellen nicht abermals das Schauspiel des beklagenswerthen JndifferentismuS geben, der ihre Partei schon um so viele Erfolge gebracht habe.Die drohende Verwicklung unserer inneren Angelegenheiten, fügt sie hinzu, darf die Theilnahme für die Wahlen zum Erfurter Parlament nicht erkalten lassen, sie muß im Gegentheil die­selbe erhöhen. Je bedenklicher in den Regionen der Gewalt sich die Aussichten für den deutschen Bundesstaat gestalten, je nothwendiger ist es, daß die andern deutschen Stämme wahr­nehmen, wie im Preußischen Volke der Entschluß treu und fest steht, so lange die Möglichkeit nicht gänzlich genommen ist, für die Begründung des Bundesstaates thätig zu sein. Ge­lingt es in Erfurt ein Parlament zusammenzubringen, wel­ches dem Verfassungsentwurf vom 26. Mai seine Genehmi­gung ertheilt, so ist damit ein verfassungsmäßiger Boden ge-