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Wien, 16. Jan. Der Landtag für das Herzogthum Ober- und Niederschlesien versammelt sich in Troppau, als der Hauptstadt des Herzogthums. Er besteht aus 30 Abgeordneten , nämlich: aus je 10 Abgeordneten der Höch st besteuerten des Landes, der größeren Städte und Märkte und der übrigen Gemeinden. Der steirische Kronlandtag wird aus 60 Abgeordneten bestehen, wovon jeder der drei Wahlkörper je 20 Mitglieder entsenden wird. Das Recht der deutschen, wie der slavischen Nationalität im Lande wird gewährleistet. Die Hauptstadt des Landes wird vom Statthalter in drei Wahlbezirke getheilt werden; Marburg bildet einen Wahlbezirk. Die übrigen Städte und Märkte werden cumulativ behandelt. Für die Wahl der Abgeordneten der Landgemeinden bildet jeder der 19 politischen Bezirke einen Wahlbezirk in der Art, daß die Bevölkerung der höchstbevölkertcn Bezirke von Cilli zwei, jeder der übrigen politischen Bezirke je einen Abgeordneten zu wählen hat.
— Die Zeitschrift des niederösterreichischen Gewerbevereins bringt die Antwort des Hrn. Handelsministers auf das wiederholte Ansuchen des Vereins um Berufung eines industriellen Kongresses. Dieselbe schließt folgendermaßen: „Das Ministerium ist noch gegenwärtig nicht in der Lage, diesen Ansichten beizupflichten. Der Zolltarif greift tief in das Wohl aller Volköklassen ein; nicht bloß die Industrie, sondern auch der Handel, der Grundbesitz, das Kapital sind dabei bethei- ligt, und auf einem Zoll-Kongresse müßten daher alle diese Interessen vertreten sein. Dieses setzt aber, wenn es auf gesetzliche Weise geschehen soll, eben einen Reichstag voraus. Das Ministerium muß auch ausdrücklich erklären, baß nur von dem Reichstage bie Definitive Ordnung der Tarifs-Angelegenheiten ausgehen, und daß es nur ihm gegenüber die Verantwortung für die von ihm ergriffenen Maßregeln übernehmen kann. Um jedoch die Gemüther zu beruhigen, erklärt das Ministerium dem nieverösterreichischen Gewerbeverein, daß über den Tarifsentwurf, welchen die niedergesetzte Kommission auszuarbeiten berufen ist, nichts verfügt werden wirb, ehe bas Ministerium bas Gutachten von Vertrauensmännern aus der Reihe der bewährtesten Industriellen, Kaufleute und anderer Sachkundigen eingcholt hat."
— Die heutige Wiener Zeitung enthält die von Sr. Maj. genehmigten Anträge des Ministers für Landeskultur und Bergwesen, betreffend die Einführung von Staatsprüfungen der Forstwirthe, welchen die Befähigung zur selbständigen Wirthschaftsführung zuerkannt werden soll, so wie in Ansehung der Ausbildung und Prüfung des Forstschutz-, zugleich technischen Hülfspersonals.
Wien, 18. Januar. Baron Prokesch ist von Sr. Maj. dem Kaiser zum wirklichen Geheimen Rath ernannt worden und beabsichtigt, in wenigen Tagen nach Berlin zurückzukeh- ren, wo man seine Anwesenheit jetzt unumgänglich nöthig erachtet. In einigen Tagen sollen die beiden Bataillone der wiener Freiwilligen, die die italienischen Feldzüge mit so ausgezeichneter Bravour mitmachten, hierher kommen, um nach Dekorirung der Tapfersten durch den Kaiser aufgelöst zu werden. Bei dem Trainwesen treten schon sehr bedeutende Reduktionen ein und wird es jetzt wirklich mit der Verminderung der Armee Ernst.
Wien, 18. Jan. Die Landesverfassung für Steiermark wurde gestern publicirt. — Nach zuverlässigen Nachrichten ist Mbl ich der Entwurf der neuen Umgestaltung von Galizien in politischer und gerichtlicher Beziehung bereits dem Ministerium »orgclkgt und dürfte schon in den ersten Tagen des Februar veröffentlicht werden. Der „Czas" und die „Moravsky no- vyny" stimmen darin überein, daß Galizien in eine polnische nid eine ruthenische Provinz getheilt werden müsse. Als Statthalter des polnischen Theiles bezeichnet man den Grafen Nnischek (Residenz Krakau nebst acht Kreisen Galiziens) als Statthalter des ruthenischen Theiles den Grafen Goluchowsky, Residenz Lemberg), und als Statthalter der Bukowina den )aron Henninger (Residenz Czernowitz). — Der von einer
Seite her gewünschten Errichtung der „Slowakei" wurde durch ein neuerliches Reskript, welches „jedwede Zusammenrottung von Slowaken" strenge zu ahnden droht, kräftig entgegenge- wirkt. Dadurch sind manche exaltir'e Hoffnungen zu Nichte gemacht worden. — In Pesth kam es wiederholt zu Konflikten zwischen dem Civile und der Gensd'armerie, die trotz ihrem erst seit Kurzem erfolgten Auftreten allgemein verhaßt 'ist, wie überhaupt der Magyare jeder Neuerung sehr abhold ist.
Güns, 15. Jan. Die am 12. b. hier Statt gefundene Hinrichtung jener Landstürmler, welche sich während der Revolutions-Epoche der Ermordung der hier gefangenen Kroaten schuldig gemacht haben, ist eine der schmerzlichen Nachwehen einer Gottlob nun abgeschlossenen Periode. Acht Individuen wurden durch den Strang hingerichtet, wovon der Aelteste 62, der Jüngste 19 Jahre alt war. Von einem der Verbrecher erzählt man sich hier, daß er an dem Morde keinen direkten Antheil genommen; er sträubte sich wider solche Barbarei, wurde aber von seinen Kameraden mit Gefahr seines eigenen Lebens in das Gefängniß gedrängt, in welchem sich die unglücklichen Opfer des revolutionären Fanatismus befanden, unb genöthigt, die Kroaten herauszutreiben, worauf sie von den wüthenden Lanbstürmlern ermordet wurden. Kompromittirt war aber das erwähnte Individuum dadurch, daß es bei jener Gelegenheit einen Tornister mit sich nahm, worin sich angeblich einige Silberzwanziger und zwei Rasirmesser befanden. Außer den Hingerichteten wurden noch Mehrere, die bei der Ermordung der Kroaten betheiligt waren, mit Stockprügeln bestraft, und zwei zu achtjährigem Festungsarrest verurlhcilt.
Krakau, 12. Jan. Seit 14 Tagen befindet sich in Krakau eine von Lemberg aus hergesandte Untersuchungskommission, welche, so viel allgemein verlautet, die während des magyarischen JnsurrektionskriegeS auf irgend eine Weise kom- promittirten Individuen zur Rechenschaft ziehen soll.
Aus Czernowitz schreibt man vom 10. Januar, daß auch dort Gerüchte von Truppcndnrchmärschen nach Siebenbürgen auflauchen, die zur Koncentration einer Armee gegen die Türken (?) bestimmt sein sollen. Eine Bestätigung scheine dieß zu erbalten durch die ausgeschriebene Licitation von 20,000 Horez Hafer, obgleich in der Bukowina keine Kavallerie stationirt. — Reisende aus Jassy erzählen, daß man daselbst viel von Zusammenziehung türkischer Truppen an den Donaumündungen spricht, und daß dieser Umstand störend auf den Verkehr wirkt.
Frankreich.
Paris, 20. Januar. Die Kommission für die verschiedenen Vorschläge gegen das Duellwesen hat ihren Bericht überreicht, worin sie sich gegen die Jnbctrachtnahme derselben ausspricht. — Ein sogenanntes Central - Konnte der vereinigten Arbeiter läßt in verschiedenen Städten eine angeblich der Nationalversammlung überreichte gedruckte Petition verbreiten, worin es heißt: „Die Petitioniere erklären im Angesicht der Regierung und des Landes, daß sie, wenn die Repräsentanten nicht unverzüglich ihren Retlamationen Recht widerfahren lassen, vom 1. April ab die Steuern verweigern und alle Bürger als Verräther an der Gesellschaft betrachten werden, welche Mobilien oder Immobilien ankaufen, die im Jahr 1850 wegen rückständiger Steuern oder wegen Nichtzahlung geborgten Geldes versteigert werden."— Die Socialisten sollen den Plan gehabt haben, den morgenden Jahrestag der Hinrichtung Ludwigs XVI. als einen Freudentag durch ein großes Banket zu begehen; wie man hört, ist dieses Vorhaben jedoch aus Klugheitsrücksichlen aufgegeben ivorden, und es wird bei einigen stillen Versammlungen zur Feier der Hinrichtung sein Bewenden haben.
— Eine Versammlung von Männern aller politischen Schattirungen fand beim General Cavaignac Statt. Unter den Anwesenden befanden sich auch die Generale La- moricière, Bedeau, Leflo und Lcbreton. Das Gelpräch drehte sich hauptsächlich um die vielfach verbreiteten Gerüchte von Staatsstreichen. Es machte sich indessen die Ansicht geltend, daß im gegenwärtigen Augenblicke kein derartiger Versuch zu