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Neue Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

Dinstag, 22. Jan. 1850. ^A 37. Abend-AuSgabe.

Deutschland.

Frankfurt, 19. Jan. Schon mehrere Tage, bevor der Telegraph Hrn. v. Nadowitz nach Berlin berief, war ter geh. OberregierungSrath Hr. Mathis, der bekanntlich eine wichtige Stelle unter der Dunbeskommission einnimmt, ebenfalls durch telegraphische Depesche veranlaßt worden, sofort nach Berlin abzureisen. — Wir vernehmen, daß die Herren Bunveèkom- missäre sowohl für sich als für die ihnen von ihren Höfen beigegebenen Beamten auf jede Gehaltszulage aus der Bun- Veskasse verzichtet haben, (D. Z.)

Frankfurt, 19. Jan. Seit Kurzem konnten Probe- führten auf der so weit vollendeten Strecke der Main-Weser- Eisenbahn zwischen Frankfurt und Friedberg unternommen werden, die ein günstiges Resultat lieferten. Gleichwohl be­darf diese Bahnstrecke immer noch an mancher Stelle der Ausbesserung, die ungesäumt vorgenommen wird, so weil es die Ungunst der Jahreszeit gestattet. Es ist deßhalb nicht wahrscheinlich, daß der Dienst zwischen hier und Friedberg in Kürze wird beginnen können, so wünschenswert!) dieß auch für den lebhaften Verkehr mit der Wetterau wäre.

Frankfurt, 20. Jan. Im Juni des vorigen Jahres wurde zur Aufnahme kranker und verwundeter Soldaten hier ein Lazareth errichtet, das sich in Folge der Ereignisse jener Zeit schnell füllte. Im ersten Augenblicke fehlte es an Allem, vorzüglich aber an der Anordnung, durch welche schwer Er­krankten die erforderliche teilnehmende erhöhte Pflege, deren sie bedurften, zu Theil ward. Mehrere sehr ehrenwerthe Frauen der freien Stadt Frankfurt, deren wohlthätiger Sinn nach verschiedenen Richtungen hin längst allgemeine Aner­kennung findet, widmeten den kranken und verwundeten Krie­gern mit unermüdeter Selbstverleugnung die edelste Sorgfalt, deren Nachwirkung sich bis zum letzten Augenblicke des Be­stehens jenes Lazareths überall zeigte. Ihre Maj. die Königin von Preußen, hiervon in Kenntniß gesetzt, hatte den hiesigen Stadtkommandanten Herrn Major Deetz beauftragt, den ge­dachten Damen, und zwar namentlich den Frauen Lutte- rolh, Gontard, Koch und Fräulein Gontard, nebst einem allerhöchsten an jede derselben besonders gerichteten Handschrei­ben, eine werthvolle goldene Denkmünze (mit dem Portrait t>rr Königin) zu übergeben. (O. P. A. Z.)

Frankfurt, 20. Januar. Generallieutnant v. Peucker, Chef des Generalstabs des königl. prcuß. Armeekorps in Ba­ben , welcher Hrn. v. Radowitz einstweilen in der Buntes- centralkommission ersetzen soll, ist gestern Abends 8 Uhr auf der Main-Neckar-Eisenbahn in Begleitung eines Adjutanten, von Karlsruhe kommend, hier eingctroffeu uut im Gasthofe zum „Römischen Kaiser" abgestiegen.

Berlin, 21. Januar. Der heutige Staatsanzeiger bringt die Beschreibung der gestern begangenen Feier des Krönungs- und Ordcnsfcstes, sowie das lange Verzeichniß derjenigen, welche bei dieser Gelegenheit mit Orden und Ehrenzeichen be­dacht wurden. Der schwarze Adlerorden ist an drei neue Ritter verliehen worden: an den Generallieut. Grafen von Dohna (Kommandirenden des 1. Armeekorps) , wirkt. Geh. Rath v. Sethe in Berlin und Kanzler v. Wegnern in Kö­nigsberg.

Bremen, 16. Jan. Die heutige Bürgerschaftsversamm- lung hat ein provisorisches Preßgesetz berathen und ohne er­hebliche Abänderungen angenommen.

Luxemburg, 11. Januar. Dis kürzlich in mehrere Blätter übergegangene Nachricht, daß der König von Holland

in seiner Eigenschaft als Großherzog von Luxemburg und Herzog von Limburg dem Interim beigetreten sei, beruht, wie bestimmt versichert wird, in Bezug auf Luxemburg auf einem Irrthum. So wünschenswerth, ja so nothwendig es sein mag, Deutschland gegenüber in eine bestimmte Stellung cinzutreten, so ist cs doch kaum vorauszufetzen, daß der Kö­nig seine verfassungsmäßigen Befugnisse so weit überschreiten werde. Die Kammer muß zuvor zu allen Verträgen ihre Zustimmung ertheilen, und diese Zustimmung ist von ihr ausdrücklich verschoben worden, so daß der König in die Lage gesetzt ist, ohne offenbaren Berfaffungsbruch in der deutschen Frage keine Entscheidung treffen zu können. Uebrigens ist es kaum zu bezweifeln, daß, wenn die Kammer Anfangs Februar wieder zusammontritt, sie sich für Has Interim erklären, da­gegen den Anschluß an das Droikönigsbündniß znrückweisen werke. (K. 3 )

Darmstadt, 19. Januar. Es leidet keinen Zweifel, daß unsere zweite Kammer im Laufe der nächsten Woche auf­gelöst wird. Eine Mehrheit für den unbedingten Anschluß an das Dreikönigsbündniß haben wir bei den gegenwärtigen Kammerelementen nicht zu erwarten, und die bedingte Zu­stimmung wird das Ministerium Jaup natürlich der Verwer­fung der Regierungsvorlagen gleich achten. Die Verhand­lung wird am nächsten Montag (21. d. M.) beginnen und vielleicht am Dienstag zu Enk: geführt sein. Der Wille unserer Regierung in der deutschen Vcrfassungsfragc beruht auf ui fester Grundlage, als daß eine Aenderung der gouver- nementalen Ansicht eintreten könnte, Man ist von der Un­möglichkeit für alle kleinern Territorien durchdrungen, außer­halb eines größern, in sich fest zusammengeschlossenen Staals- ganzen fortzudauern; insbesondere drängt sich diese Ueberzeu­gung der Regierung eines Landes auf, dessen Begrenzung über­wiegend von Staaten des Dreikönigsbündnisses gebildet wird. Wir befinden uns darin beinahe gleich sehr an die zwingende Nothwendigkeit hingegeben, wie die freien Städte Deutsch­lunds, wenn schon Hessen-Darmstadt sich nach Lage unk Umfang noch einer größeren Widerstandsfähigkeit erfreuen möchte. Die furchtbaren Erschütterungen der letzten beiden Jahre haben zu lief in Handel und Gewerbe eingegriffen, als daß man es jetzt noch ertragen könnte, durch politische Grenzsperren alle übrig gebliebenen Wohlstanbèqueüen ab­graben zu lassen. Der Anschluß an den Bundesstaat mag mit diesem oder jenem politischen Bedenken verschwistert sein, nur so viel steht fest, daß. wer statt der Entwerthung von Kapital und Arbeit neuen Aufschwung des Volkslebens und einen gesicherten Wohlstand verlangt, dem Bundesstaate bei- treten muß. (O. P. A. Z.)

Karlsruhe, 17. Jan. Die Frage wegen der Organi­sation unseres Militärs ist nunmehr der Erledigung nahe. Wie man vernimmt, werden vorerst 10,000 Mann badischer Truppen aller Waffengattungen gebildet und in preußische Garnisonsorte geschickt werden. Die Kosten für dieselben sollen, so lange sie sich in Preußen befinden, von Preußen getragen werden, wofür 10,000 Mann preußischer Truppen auf Kosten Badens bei uns bleiben würden. Weitere 10,000 Mann preußischer Truppen sollen in Baden auf Bunveskosten ausge­stellt bleiben, weil man von der Ansicht ausgeht, die Besetzung Badens habe einen nicht bloß lokalen Zweck, ändern diene der Sicherheit Deutschlands überhaupt in Bezug auf den in­nern wie äußern Feind. Sobald die einzelnen Truppenabthei- lungen gebildet sind, werden sie nach Preußen abgehen.