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Neue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Montag, 21. Zanuar 1850 ^ W 34L Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltungsblatt betgegeben. Die Morgen-Ausgabe wird von 7211 bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kaffel von 5 bis 7 Uhr exoedirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur'Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der VuckNardt schen und Dollmantt'schcn Buch« und Kunsthandlung. Der Äbounementspreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thir. 15 Sgr., wofür alle kurhessischen Postämter das Blatt ohne Ausschlag liefern. Anzeige» werden mit 1 Sgr. für den Raum einer Pctitzcile berechnet.

Deutschland.

W Fulda, 19. Januar. Wir glauben, das von Absur­dität strotzende Machwerk eines neuen Apostels der Finsterniß, eines HerrnDaron" von Schweißer, der Ocffcntlichkcit nicht vorenthalten zu dürfen. Wir lassen Ihnen dieß Aktenstück, als neuen Beweis, mit welchen Lügen die im Finstern wüh­lenden extremen Parteien jetzt noch kurz vor den Wahlen nach Erfurt auf das Volk zu wirken suchen, ohne Kommentar, der sich jedem denkenden Leser von selbst bieten wird, zukommcn, indem wir über die Antccedenticn des Herrn Barons nur so viel bemerken, daß er, von Geburt ein frankfurter Patrizier, und ein abgesagter Feind des preußischen Zollvereins, vor den Märztagen sich offen als Vorkämpfer des krassesten Abso­lutismus geriete, nunmehr aber, als Mitglied des Piusvereins, aus Haß gegen das protestantische Preußen natür­lich ad majorem Dei gloriam für Oesterreich, Bundestag und Katholicismus schwärmt und sich zu dem Ende mit dem sau­bern Klatschblatt der hiesigen sogenannten Demokraten verbün­det hat, welches sich denn auch nicht entblödet, von diesem politischen Don Quixote der hiesigen Piusvereinler sich seine Leitartikel fabriciren zu lassen. Wir können von diesem Herrn, dem zum Jesuiten nur die Klugheit fehlt, nicht scheiden, ohne ihm doch Ein Lob zu spenden, nämlich das, daß er noch so viel Schamgefühl gehabt hat, sein Geistesprodukt nur unter leichtgläubigen Landleuten zu verbreiten, während er es den Augen der Stadtbewohner so sorgfältig zu entziehen gewußt hat, daß wir den Besitz desselben beinahe einem halben Wun­der zu verdanken haben. D>r gesunde Sinn des hessischen Volkes möge richten über dieß verwerfliche Treiben eines frank­furter Ultramontanen unter demokratischer Maske!

(Das Flugblatt des HerrnBaron," von welchem unser Herr Berichterstatter schreibt, ist überschriebenwarum wählen wir nicht nach Erfurt?" und enthält 26 Thesen, und zwar 14aus deutschem Gesichtspunkte," 7aus hessischem Ge­sichtspunkte" und 5 unter der Aufschriftmaterielle Nach­theile." Diese Thesen unterscheiden sich von den bekannten Luther'schcn u. A. dadurch, daß sie jedes Kind widerlegen kann und daß sie wahrhaftig nicht im Interesse der Freiheit geschrieben sind. Wie Luther auf die Bibel, so beruft sich der Herr Baron zum näheren Nachweise seiner Sätze auf einen leitenden Artikel desWacht auf," eines Blättchens, welches der KasselschenHornisse" nachstrebt, ohne jedoch hierzu mit dem nöthigen Witze ausgestattet zu sein. Die Artikelvom deutschen Gesichtspunkte" rekapituliern die bekannte Weisheit unserer äußersten Linken. Die 3. Thesis behauptet, der Ver- einstag werde meist aus Volksfeinden bestehen. Bcispiclswegen theilen wir folgende Thesen, mit, aus denen sich der freundliche Leser zugleich überzeugen möge, wie kunterbunt es in diesem demokratisch-patricisch-österreichischen Kopfe durch einander geht. Die Einheit unseres deutschen Vaterlandes kann durch den preußischen Sonderbund und dessen Vereinstag in Erfurt nicht erzielt werden, weil alle deutschen Staaten sich dem preußischen Sonderbunde niemals anschlicßen werden. Hätte der König von Preußen etwas vom deutschen Volke auneh- men wollen, so würde er die ihm in Frankfurt gebotene Kai­serkrone nicht abgelehnt haben. Mit Gewalt kann der Kö­

nig von Preußen auch Niemand zum Anschlusse au seinen Sonderbund zwingen, weil er sonst Krieg mit ganz Europa bekäme. Da also nur ein Theil Deutschlands durch den ersurter Vereinstag unter die Oberherrschaft Preußens ge­bracht werden kann, so wird der andere Theil sich ganz an Oesterreich anzuschließen gezwungen sein. Wie jetzt die Sachen stehen, ist die deutsche Einheit auch auf keinem andern Wege zu erreichen. Der erfurter Reichstag und dessen Nachfolger werden nach und nach die kleinenFinstcn beseitigen." Die Thesenaus hessischem Gesichtspunkte" wiederholen die bekannten juristischen Behauptungen des Hrn. Bayrhoffer über den angeblichen Umsturz der Landesverfassung und daß Kur- Hessen mit der Zeit ganz preußisch sein werde. Hier heißt die 3. Thesis :Jede Gemeindebehörde ist rechtlich befugt, sich der Mitwirkung an den Wahlen nach Erfurt zu enthalten." Be­sonders erbaulich ist die 6. und 7. Thesis:Wenn auf spä­tern Vereinstagen in Erfurt es Kurhessen an's Leben gehen wird, so werden ohne Zweifel der Kurfürst und seine Landstände sich dem widersetzen. Dann wird es aber zu spät sein und das ganze Land wird mit preußi­schen Truppen besetzt, die das Volk ernähren muß." Doch kommt das Beste zuletzt und bas sind die Thesen über die materiellen Nachtheile. Da besagt dann die 8. These sehr wahr, daß ein Bundesstaat immerhin mit etlichen Kosten verbunden sein werde (daß die Binnenbiplomatie nebst Zube- Hörungen gerade nicht wohlfeil ist, davon erzählt der Herr Baron seinen Bauern nichts). Eine These behauptet, Kur­hessen bezahle die geringsten, Preußen die höchsten Steuern; folglich werde Kurhessen künftig mehr Steuern bezahlen müs­sen, weil: Kurhessen eben ganz preußisch fein werde. Diesedemokratische" Logik ist wahrhaft souverän. Sie macht sich ihre Mittelglieder selbst und vermag auf diese Weise den Bauern Alles zu beweisen. Die 11. Thesis behauptet kurz und gut: Preußen werde den kurhessischen Staatsschatz rauben!! Zwischen These 7 und 8 ist folgender Satz als Axiom eingeschoben, den wir unseren Lesern nicht vorenthalten dürfen:Von Preußen ist überhaupt noch nie etwas Gutes gekommen. Wäre z. B. der preußische Zoll­verein nicht, so würde das Pfund Zucker 7 Kreuzer , das Pfund Kaffee 6 Kr. und das Pfund Rauchtabak ebenfalls 6 Kr. weniger kosten." Eine weitere captat io benevolentiae versucht der Hr. Baron in der 10. Thesis :Auch alle Ge­tränke als Bier, Schnaps rc. werden dann theurer werden, weil sie in Preußen, besonders das Bier, viel höher besteuert sind, als in Kurhessen." Das heißt doch nochmit Speck fängt man Mäuse". Würdig schließt endlich die 12. Thesis der zweiten Reihe das Ganze ab. Sie lautet:Der Aus­tritt Baicrns aus dem Preuß. Zollverein, sobald die vertrags- mäßige Zeit abgelaufen ist, wird ohne Zweifel ebenfalls eine Folge des erfurter Vereinstags sein." Die baicr. Regierung wird leider den Hrn. v. Schweitzer in seinen Bestrebungen nicht stören wollen, auch für die Aufklärung der Fuldaer sich nicht genug interessiren, um gegen seine Thesis Protest einzu- legen. Sie brauchte sonst nur die angstvollen Verwahrungen zu veröffentlichen, in denen Hr. v. d. Pfordten vor beiden Kammern vor der bloßen Möglichkeit protestirte, als ob Baiern