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Neue Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

Sonnabend, 19. Jan. 1850. j\@ 32. Abend Ausgabe.

Als Wahlmänner für die Wahl eines Vertreters zum deutschen Parlament werden, nach allgemeiner Verabredung unter der konstitutionellen Partei, um jeder Zersplitterung der Stimmen vorzubeugen, für die Wähler der ersten Klasse, welche am 21. Januar wählen, empfohlen:

Für die 1. Abtheilung, A H (Rathhaus): General Gerland, Fabrikant Eggena, Obristlieut. Bödickcr, Schuvmachermeister Sauèr, Obergerichts - Anwalt Fr. Oetker, Schubmachermeister Ely, Kaufmann Crcdv, Kaufmann G. Möller

Für die 2. Abtheilung, I 8 [teilweise] (Hallengebäude): O.G.Anwalt Schwarzenberg, Kaufmann Has, Buch­händler Luekhardt d. Aelt.', Kommerzrath Pfeiffer, Partikulier Jäkel, Dr. Pfaff, Fabrikant Georg Weiß.

Für die 3. Abtheilung 8 stheilweise) 2 (Schulgebäude): Dr. Bernhardi, Kaufmann Gundlach, Hauptmann v. Dittfurth, Schlossermeifter Bökel, Direktor Dr. Phi­lippi, Oberpostmeister Nebelthau, Partikulier Nothfels.

Deutschland.

t Kassel, 18. Jan. Nach den uns vorliegenden M t* »Heilungen ist das Wahlgeschäft zu den Wahlen für das Volks­haus des nächsten Reichstages im ganzen Lande in vollem Gange. Im Wahlkreise Hersseld, wo die Wahl der Wahl­männer am 21., 22. und 23. d. M. Statt findet, im Wahl­kreise Fritzlar, wo der 14., 16. und 18. d. M. als Wahl­termine bestimmt sind, und im Wahlkreise Rinteln, wo die Urwahlen auf den 17., 18. und 19. d. M. anberaumt find, darf die Einhaltung des 31. Januars als allgemeinen Wahl­termines für die Abgeordnetenwahl, ebenso wie im Wahlkreise Kassel, bereits als gesichert betrachtet werden, vorausgesetzt was Rinteln betrifft daß auch in dem, dem Wahlkreise einverleibten Fürstenthum Schaumburg-Lippe die auf den 24. bis 26. d. M. vorläufig angeordneten Wahlmännerwahlen rechtzeitig von Statten gehen. Dagegen sind im Wahlkreise Marburg durch die Versetzung des bisherigen Bezirksdirektors und die besondern Stcucrvcrbältnisse einiger Gemeinden des frühern Amtes Haina, im Wahlkreise Eschwege durch die lang­same Postverbindung mit dem zu demselben gehörigen Bezirke Schmalkalden, und im Bezirke Fulda durch den Zeitverlust, den die Einziehung einer nöthigen Erläuterung vom Ober- steuerkoUegium bereitete, so wie auch durch die Saumseligkeit mancher Ortsvorstände oder Wahlkommissivnen Verzögerungen eingetreten, welche es zur Zeit noch zweifelhaft machen, ob auch in diesen Bezirken die Abgeordnetenwahl am 31. d. M. wird Statt finden können. Aus dem Wahlkreise Hanau, wo übrigens die Bestimmung der Anzahl der Wahlmänner und die Bildung der Wahlbezirke bereits am 27. Dec v I durch den Bezirksausschuß erfolgt ist, fehlt uns eine nähere Nachricht über die dermalige Lage des Wahlgeschäftes. Allein wir dürfen mit Grund hoffen, auch von dort in der Kürze befriedigende Nachricht zu erhalten, zumal auch dort die deutschgesinnten wahren Freunde der Freiheit und des Volkes nicht müßig, sondern mit Wärme für die Wahl thätig sind, wie dieses namentlich ein am 14. d. M. zu Ha­nau erlassener, sehr beherzigenswerther Aufruf zur Theilnahme an der Wahl beweist.

Dassel, 17. Ian. Folgende von Hanauer Bürgern an ihre Mitbürger erlassene Aufforderung zur Wahl glauben wir um ihres Werthes willen unsern Lesern mittheilen zu müssen: Mitbürger in Stadt und Land! Die unterzeichneten Männer,

durchdrungen von der Wichtigkeit der bevorstehenden Wahlen zum nächsten Reichstage, richten an Euch folgende Worte. Unsere Regierung hat in Uebereinstimmung mit unseren Stän­den den Beitritt zum engern deutschen Bunde beschlossen und über die Wahl zum Reichstage ist ein Gesetz vom 10. v. M. erlassen worden. Jeder von Euch, deß sind wir gewiß, ehret ein Gesetz, das, unter gewissenhafter Prüfung aller Verhält­nisse, in Weisheit beschlossen wurde, und gewiß werdet Ihr mit uns den Weg einschlagen, der allein an das erreichbare Ziel der Wünsche aller redlichen Vaterlandsfreunde hinführen, den Frieden begründen, und den inneren Hader endlich ver­söhnen wird. Die Wenigen unter Euch, deren Ansichten unter dem endlosen Geschwätze Für und Wider etwa wankend geworden, mögen Folgendes beherzigen. Wir sagen: Wählet zum Reichstage! Jedermann weiß, daß die in Frankfurt beschlossene Reichsvcrfassung an dem Widerstände einzelner Mächte, aber auch an den Thaten solcher gescheitert ist, welche in einigen deutschen Ländern die Fahne dieser Verfassung trugen und doch zu Krieg und Aufruhr reizten, um republikanischer Träume willen. Jedermann weiß, daß es seit dieser Zeit aus ist mit aller vernünftigen Hoffnung auf die Einführung dieser Frankfurter Verfassung. Wählet daher zum neuen Reichstage, dessen Aufgabe es ist, eine gemeinsame Verfassung wenigstens für diejenigen deutschen Staaten herzustellen, welche dem Bünd- nisie mit Preußen beigetreten sind, eine Verfassung, die 22 Millionen Menschen verbindet, die ein erbliches starkes Ober­haupt einsetzt, Volksvertretung einführt, und Einheit und Kraft, Freiheit und Wohlfahrt, eben so gut und eben so sicher be­gründen wird, als dieß menschlicher Weisheit überhaupt mög­lich ist. Mißtrauet Solchen, die Euch um der Frankfurter Verfassung willen abrathen von der Wahl zum Reichstage; prüfet wohl, ob nicht dieselben Leute sind, welche auch die Frankfurter Verfassung nicht gewollt, und selbige nur zum Bürgerkriege miß raucht haben, dieselben Leute, die keinen Kaiser wollten, weil sie lieber selbst regieren! Jedermann weiß, daß auf dem kommenden Reichstag nicht ganz Deutsch­land vertreten sein wird, und eine Partei, der jedes Mittel recht ist, sucht Euch auch um dieses Umstandes willen von der Wahl abzuhalten. Eitel Geschwätz! Will man denn warten, bis ganz Deutschland sich freiwillig zusammenfindet, und eher nicht zum Reichstage wählen, bis alle Deutsche sich ganz von selbst zusammentbun, um zu wählen?! Jedes Ding muß einen Anfang haben! Sind Dörfer und Städte in einem Tage erbaut ? Sind die Sümpfe und Wälder des alten Deutschlands mit einem Schlage in fruchtbare Felber ver­wandelt? Ist den Flüssen in einer Nacht der Lauf durch Dämme vorgezeichnet? Ja, hat Einer unter Euch seine Werkzeuge, sein Acker- und Hausgerätb, kurz was er besitzt, und wenn es noch so wenig wäre, in einem einzigen schnellen Augenblick erworben? Haben Krieg und Noth nicht oft im Fluge zertrümmert, was mit Fleiß und Ausdauer erworben war? Hat nicht oft verbrecherische Hand Euch um den Lohn saurer Mühen gebracht? Habt Ihr nicht oft geirrt und eine harte Arbeit von vorn angefangen, ehe Ihr das Rechte, Wahre, für Geschäft und Hauswesen Nützliche erfun­den?! Und so wie jedem Dinge, so wie jedem Einzelnen, so geht es dem deutschen Volke; ein Anfang ist ihm gege­ben und es muß um so fester, um so beharrlicher an diesem Anfänge des großen Werkes der Einigung halten, als schon jetzt viel Versäumtes nachzuholen, und es zu befürchten ist, daß bei längerer Säumniß, die Nacht kommen möchte, wo es