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der Behörden eine andere Fassung desselben nöthig. Zu je­nen Erweiterungen wird nun namentlich gerechnet, daß bei Veräußerung von Domänen, welche über 100 Thaler Pacht bringen, die Zustimmung des Landtages eingeholt werden müsse, daß solche Zustimmung auch bei Gesetzen für einzelne Landestheilc, welche Die persönliche Freiheit und ras Eigen­thum der Staatsbürger betreffen, erforderlich, und daß fortan ohne Verwilligung des Landtages weder Steuern oder andere Abgaben und Leistungen im Lande ausgeschrieben, noch An­leihen auf die Staatskasse und das Vermögen der Staatsbür­ger gemacht werden dürfen. Jene Verwilligung erstrecke sich jedoch nicht auf den Fortbezug der einmal etatmäßig festge­setzten Besoldung und die Abentrichtung der CiviUiste, und solle auch die Negierung, falls wegen des Etats für die nächste Finanzperiode eine Vereinigung mit dem Landtage noch nicht zu Stande gekommen, auf ein Jahr lang den früheren Etat kinhalten dürfen. Man ist begierig, wie ter Landtag diese Vorlage aufnehmen wird. Inzwischen erklärt die Regierung in jenem Dekrete, daß, wenn wegen jener Abänderungen der Verfassung eine Vereinigung mit dem Landtage nicht zu Stande kommen sollte, es dann ganz gut bei dem gegenwär­tigen verfassungsmäßigen Zustande belassen werden könnte.

Oesterreich.

Wien, 12. Jan. Der Kaiser hat vorgestern die Ba­ronin Brandhof, Gemahlin des Erzherzogs Johann, in den Grafenstand erhoben. — Gestern wurde der französische Ge­sandte, Herr de la Cour, empfangen. — In diesen Tagen traf ein Kurier (Graf Bylandt) mit höchst wichtigen Depe­schen vom Erzherzog Albrecht hier ein, als deren Wirkung die gestern Abends erfolgte Absendung zweier Batterien und der heutige Abmarsch eines Jnfanteriebataillons nach Böhmen angesehen wird, desselben Bataillons von Heß, welches erst vorgestern zur Ergänzung der hiesigen Garnison aus Italien angekommen war. In Prag dauern die Truppendurchzüge nach der sächsischen Grenze fort. Das Generalkommando da­selbst wird zu Arresten für Civilpersonen hergerichtet. Der „Figyelmezö," das bekannte Organ der altkonservativen Par­tei in Ungarn, ist von der Pesthrr Militärbehörde wegen sei­ner offenbar aufreizenden Tendenz verboten worden. (S. Wien, 13. Jan.) — Aus Padua wird gemeldet, daß die dortige Ausnahmsbehörde einige Professoren der Universität wegen ihrer freisinnigen Vorträge, nach wiederholten War­nungen, mit Stockstrcichcn (?) bedroht habe, und man halte auch schon Anstalten zur Applizirung derselben gemacht. Einer der Professoren altcrirte sich darüber der Art, daß er vom Schlage getroffen wurde.

Wien, 13. Januar. Die Spaltung zwischen-den Alt­konservativen in Ungarn und der Regierung wächst mit jedem Tage. Nicht nur jene Koryphäen der vormärzlichen konser­vativen Partei Ungarns, welche wie Somsich entschieden jede Annahwe eines Staatsdienstes unter der gegenwärtigen Ver­waltung verweigert haben, selbst diejenigen, welche durch die Uebernahme wichtiger Aemter sich mit der neuen Regierung und ihrem System „raillirt" zu haben schienen, wirken den Maßregeln des Ministeriums und seiner inneren Politik ent­gegen, jene in offener und mitunter leidenschaftlicher, diese in versteckter Opposition. Man denkt ernstlich daran, den Rück­tritt mehrerer wichtige Posten in der neuen Organisation Un­garns bekleidender Magyaren der altkonservativen Partei zu veranlassen. Daß die Regierung nun ernstlich entschlossen scheint, Front gegen diese bisher unter allen Oppositionspar­teien Oesterreichs am meisten begünstigte Partei zu machen, davon zeugt auch das Verbot ihres Organs des „Figyelmezö", welches zwar von Haynau ausgegangen, aber erst in Folge einer Weisung des Ministeriums erlassen worden ist. Auch scheint es kaum möglich zu sein, daß jene Partei, die fest an einem selbstständigen, wenn auch durch den österreichischen Kaiser beherrschten Ungarn hängt, je ernstlich bw Regie­rung Unterstufen werde; sie ist zu tief und bitterlich erst in letzter Zeit durch die Losreißung des fruchtbarsten Thei­les von Ungarn und die Konstituirung desselben zum esonderen Kronlande gekränkt worden. Ueberhaupt wer-

Den viele Decennien vorübergehen müssen, bevor der magyarische Stamm mit einer österreichischen Regierung sich versöhnen und Den Gedanken seiner politischen Suveriorität wird ausgeben können. Die politisch wenig fähigen Slovaken und die zumeist spießbürgerlichen Deutschen in den Freistädten sind es jetzt in Ungarn und werden es lange noch einzig sein, Die gegen die Polrtik Der Regierung nicht ankämpsen. Denn daß außer den Magyaren auch die auf einer höheren Bildungs­stufe als ihre nördlichen Stammesgenossen in Ungarn stehen­den Südslaven sowohl des engeren Ungarns als der neulich davon losgerissenen Theile Die leidenschaftlichste und zäheste Opposition entwickeln, weiß Jeder, der nur einen oberflächlichen Blick auf Die gegenwärtigen Verhältnisse Oesterreichs geworfen hat. — In Der Veröffentlichung der Landesverfassungen für Die einzelnen Kronländer ist eine Stockung cingetrelen. Die Kronländer, Die außer Schlesien zunächst an Die Reihe kom­men , bestehen aus mehreren Kreisen, und ihre Verfassungen werden sich daher von Den bis jetzt veröffentlichten durch die Einführung des Kreistags als Medium zwischen der Bezirks­gemeinte und dem Landtage unterscheiden. Es scheint, daß sich in Der Feststellung Der dahin gehörenden Bestimmungen neuerdings einige Schwierigkeiten geltend gemacht haben, die aber jedenfalls keinen langen Aufschub zur Folge haben werden.

Wien, 13. Jan. Der Kurierwechsel von und nach Frank­furt ist seit einigen Tagen sehr frequent; man glaubt hier, daß er weniger die rein deutsche Angelegenheit, als vielmehr Die der dänischen und schweizer Frage betrifft. Für den Bedarf Der Centralkommission sind Anweisungen zur H.'he von 300,000 Fl. an das Haus Rothschild in Frankfurt ausgefer­tigt worden. — Der bekannte Geh. Rath Bally ist wieder in Wien anwesend, ob für eigene Rechnung, oder als gehei­mer Bevollmächtigter des gewesenen Reichsministeriums, weiß man nicht. Auch eine Persönlichkeit, die man hier niemals gern sah. — Erzherzog Johann empfing gestern die Respekts- bezeugung des hiesigen OffizierkorpS und hat durch seine Rü­stigkeit und Die von Zufriedenheit zeugenden Aeußerungen, der Ruhe wiedergkgcben zu sein, große Freude verursacht.

— Es verlautet, daß das Statut für Ungarn von den andern Landesverfassungen abweichen, jedoch , gleichwie jene, zwei Kammern und zwar jene der Magnaten und Deputaten enthalten werde. — Die verschärfte Mahnung an die Pesther Judengemeinde zur Abtragung Der rückständigen Kontribution wird nun ausführlich mitgetheilt. Diese Kontribution lastet auf fast allen Israeliten - Gemeinden Ungarns in dem unge­fähren Betrag von 2,300,000 Fl. C. M., welche in 16 Vier­teljahren ratenweise zu entrichten sind.

— Man kann, sagt der A. N. B., mit Gewißheit an- nehmcn, daß im Laufe der vorjährigen KriegScreignisse blos in Den von Wallachen bewohnten Bezirken in Siebenbürgen beinahe kein wallachisches Dorf, deren es bei 2400 gibt, we­niger als 10 — 20 Menschen verlor; außerdem fielen in Den verschiedenen Schlachten 8 — 10,000, so daß man 35 bis 40,000 wallachische Opfer des unseligen Krieges annehmen kann, was den 40sten Theil der Bevölkerung von 1,600,000 Seelen (Denn so viele Wallachen gibt es in Siebenbürgen) beträgt. 100 Dörfer wurden ganz und bei 230 zum Theil eingeäschert. In den sächsischen Distrikten wurde die Stadt Sz. Regen und das Dorf Petcle ganz, dann einige Orte des Burgenlandes zum Theil niedergebrannt. Im ungarischen Lande traf dieß Loos die Städte Felrenz und Nagy - Euyev, dann in den nicht ganz von Ungarn bewohnten Bezirken die Städte Abrudhanja und Körösbanja, welche letztere zum Theil gelitten haben, endlich in den ärarischen Lanvstrecken Zalatna. Der Gesammtschaden beträgt 29,260,000 Fl. C. M.

Frankreich.

Paris, 13. Januar. Dem „Journal des Debats" schreibt man aus Rom, daß der Bestand unserer Truppen im Kirchenstaat bis auf 15,000 Mann vermindert wird. Ge­neral Baraguay d'Hilliers würde, wie es heißt, dem Papst mit einem Dragonerregiment bis Albano entgcgengchcn und ihn nach Rom geleiten. Se. Heiligkeit wird nicht durch die Lateranpforte, sondern durch Die von San Lorenzo einzichen.