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Heidelberg, 14. Ian. Bei den heutigen ersten Wahl- männerwahlen für Vie zweite Kammer hat die konstitutionelle Partei vollständig gesiegt.
Die Württ. Ztg. enthält nachstehende Notiz: Als Schleppträger des Schleppträgers Oesterreichs soll also auch Württemberg gegen etwaige nachtheilige Folgen des Erfurter Reichstags Verwahrung, wenn auch in der allersubtilsten Form, eingelegt haben? Staatsmännischer und patriotischer wäre es wohl, durch Beschickung des Reichstages seinen etwaigen nach- theiligen Folgen vorzubeugen. Oder, wenn man das nicht zu können glaubt, was wird die Verwahrung nützen? Wird ihr Württemberg, wenn die Folgen eintreten, die man befürchtet oder zu befürchten sich den Anschein gibt, Nachdruck zu geben wissen und wagen? Wird Württemberg seine Armee aufbieten gegen das preußische Armeekorps? So böse wirds nicht gemeint sein. Wenn aber, was wir jedoch immer noch nicht für möglich halten, Schwarzenberg und die übrigen Metternichschen Epigonen und der Getreue Sachsens, v. d. Pfordten, einen Bürgerkrieg zu provociren über sich gewinnen könnten, was wäre dann Württemberg mit seiner Verwahrung? Neutral kann ein Land von seiner Größe und in seiner geographischen Lage unmöglich bleiben, ob es nun Königreich oder Herzogthum heiße. Wollte es aber in einem Kriege Oesterreich, Baiern, Sachsen und Hannover beitreten, so möge es wohl bedenken, daß die Mehrzahl des deutschen Volkes für die teutsche Sache, die jetzt Preußen verficht, nicht bloß mit frommen Wünschen Partei nehmen würde, wie im 7jäh- rigen Kriege für Preußen selbst. Daß zum Ersatz für diesen Mangel Württemberg das Ausland in Anspruch nehmen möchte, wozu, nach verschiedenen Jndicien zu urtheilen, Oesterreich und Baiern nicht ungeneigt wären, halten wir für eine moralische Unmöglichkeit. Aber — mögen sie bedenken: wer A sagt, muß auch B sagen.
Stuttgart, 12. Jan. In dem Beobachter richtet oer „Lanbesaus'schuß der Volksverciue," besorgt über die zunehmende deutsche Gesinnung, eine Ansprache an die „Männer der Volkspartei", um sie zum Festhalten an dem Rechtsboden der Reichsverfassung zu ermuntern und vor der Politik der Zweckmäßigkeit zu warnen.
München, 12. Jan. Die Zahl der bei der Kammer der Reichsräthe eingelaufenen Adressen gegen die Juben- Emancipation beträgt bis heute 364. Dieselben kommen von 1033 Gemeinden, und tragen im Ganzen 51,315 Unterschriften. Dabei ist aber wohl zu bemerken, daß an vielen Orten die Adressen nur von den Gemeindeverwaltungen im Auftrage der Gemeinden unterzeichnet sind, die angegebene Zahl der Unterschriften also weit geringer ist, als die Zahl derjenigen, welche die in den Adressen ausgesprochenen Gesinnungen theilen. Auch an Se. k. Maj. selbst sind eine Anzahl solcher Adressen eingelaufen. Diese Adressen kommen aus allen Theilen Baicrns mit Ausnahme der Pfalz, namentlich sind auch viele aus den drei Franken darunter. (N. W.Z.)
München, 12. Jan. Der Magistrat und die Gemeinde- Bevollmächtigten von Donauwörth haben ihre Adresse gegen die Emancipation der Juden wieder zurückgenommcn.
Großbritannien.
London, 11. Jan. Zur Beförderung der Auswanderung der Frauenzimmer sind, wie bereits bemerkt, bedeutende Summen subskribirt. Die ostindische Kompagnie hat neuerdings wieder eine Summe von 3000 Pf. Sterl. für diesen Zweck hergegeben. — Nach einer statistischen Zusammenstellung gab es in Großbritannien und Irland am 1. Januar 1850 547 Journale, von denen 174 konservativ, 218 liberal und 155 neutral sind..
Frankreich.
Paris , 13. Jan. Die zweite Nummer des „Napoleon," die gestern erschien, enthält neue Artikel, worin die keineswegs günstigen Ansichten des Präsidenten der Republik über die Majorität der Nationalversammlung noch deutlicher sich Herausstellen. Ueber die Theilnahme des Präsidenten an der Redaktion des neuen Blattes liest man in demselben Folgen- des r »Man hat behauptet, der „Napoleon" werde vom Präsi
denten der Republik geschrieben und dieser mache sich sogar ein Vergnügen daraus, mitten unter den Druckern die Probebogen zu korrigiren. Derartige Erzählungen verdienen keine ernsthafte Antwort. Der Kaiser Napoleon gab häufig dem „Moniteur" die politische Richtung, ohne indeß der Haupt- redakteur dieses Blattes zu sein. Sollte es dem Präsidenten der Republik verboten sein, ein Gleiches mit dem „Moniteur" oder jedem andern Blatte zu thun? Was den „Napoleon" betrifft, so wird er sich bemühen, sich, so viel wie möglich, den Ideen des Präsidenten der Republik zu nähern, ohne indessen seine eigenen Ideen und Worte für die des Präsidenten selbst ansehen zu wollen."
— Der Grund von dem Wiederaufgeben des Planes, eine kleine Expedition nach Buenos -Apres zu entsenden, soll nach dem „Evenement" in den der Negierung gemachten Vorstellungen des Marquis von Normanby, des englischen Gesandten in Paris, zu suchen sein.
— Prouvhon hat sich vor einigen Tagen vcrheirathet. Er hatte zur Feier seiner Hochzeit die Erlaubniß erhalten, 24 Stunden sich außerhalb des Gefängnisses aufzuhalten, blieb aber einen Tag länger als die bewilligte Frist aus. Schon glaubte die Polizei, Hr. Proudhon habe das Weite gesucht, als dieser plötzlich sich bei dem Gefangenwärter wieder einstellte und so allen Befürchtungen ein Ende machte. — Georges Sand, welche ihre Memoiren einem hiesigen Buchhändler für 130,000 Franks verkauft hat, ist hier eingetroffen, um der ersten Aufführung eines von ihr verfaßten Dra- ma's bcizuwohnkn; sie hat aber einem Journal zufolge von der Polizei die Weisung erhalten, die Stadt sofort zu verlassen. Letzterer Nachricht wird indessen von der „Patrie" widersprochen. — Die französische Flotte hat Urlac verlassen, um nach Frankreich zurückzukehren.
Italien
Florenz , 2. Jan. Die heutige Nummer des „Monitore" enthält ein Handschreiben des Großherzogs an den Präsidenten des Ministerrathes, worin demselben für die bei dem Abschlusse und der Unterbringung des Anlehens angewandte Mühe gedankt wird. Man spricht davon, baß Hr. Boccella und General Laugier aus dem Kabinet treten würden.
Florenz , 4. Jan. „Statuto" veröffentlicht Briefe aus Neapel vom 2. d. M., nach welchen das päpstliche Anlehen nicht zu Stande kommt, der Papst nichtsvestoweniger seine Absicht erklärt haben soll, in einigen Tagen nach Rom zu- rückzukehren.
Nom, 2. Jan. Karbinal Lambruschini wird erwartet. In Balbino werden Quartiere für 6000 Mann spanische Truppen bereitet. 6 französische Regimenter haben den Befehl erhalten, sich marschfertig zu halten. Man sagt, es würden nur 4000 Mann Franzosen in Civitavecchia bleiben. Die Besatzung Roms soll aus 4000 päpstlichen Sbirren, 2000 Mann päpstlicher Linientruppen , 6000 Spaniern und 4000 Neapolitanern gebildet werden.
Nom, 4. Januar. Die so sehnlichst erwartete Rückkehr Pius IX. wird jetzt als nahe bevorstehend betrachtet. Briefe aus Portici wenigstens melden einstimmig, daß der päpstliche Hof sich ernstlich mit den Anstalten zu seiner Abreise beschäftigt. Ausweisungen und Absetzungen sind hier in Rom noch an der Tagesordnung. Die Regierungskommission der drei Kardinäle verurteilte unter Anderen eine Menge Personen zum Exile, welche die Fahne Pius IX. verließen, um in der Armee der Republik einen höheren Grab zu bekommen. Einige dieser Leute schifften sich nach England oder Frankreich ein, andere haben die Absicht, sich auf das Gebiet der Republik San-Marino zu begeben. Der Advokat Salmi ward verhaftet und von den Ocsterreichern nach der Festung Ancona gebracht, wo er vor ein Kriegsgericht gestellt werden wird. Bei einer bei ihm Vorgenommenen Haussuchung fand sich eine voluminöse Korrespondenz mit Neapel, Piemont und den Italienern in der Schweiz vor. Die Oesterreicher verändern die Garnison in allen Plätzen, welche sie besetzt halten, sowohl in den römischen Staaten, als in Toskana, obgleich die Strenge der Jahreszeit zu einem solchen Wechsel durchaus nicht ein-