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Neue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Montag, 14. Januar 1850. ^F 22. Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unterhaltiingsblatt beigegebeii. Die Morgen-AuS^abe wird von */2ll bis 12 Uhr, die Abend - Ausgabe in Kassel von 5 bis 7 Ubr ervedirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur Abends, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der tintfbarbfscbeii und Vollmann'schen Luch - und Kunsthandlung. Der ÄbonnemcntSprcis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., wofür alle kurhessischen Postämter das Blatt ohne Ausschlag liefern. Anzeigen werden mit 1 togr. für den Raum einer Pctitzeilc berechnet.

Deutschland.

A Fulda, 8. Januar. Seit dem Beginne des Jah­res 1850 ist der Oberbürgermeister Mackenrodt, in Folge des auf die Beschwerde des hiesigen Staktrathes und Bürgeraus- schusses gegebenen zurückweisenden MinisterialbeschlusseS wieder in Amtsthätigkeit getreten, nachdem ter Stadlrath im Ein­verständnisse mit dem Ausschusse zuvor in aller Eile dem Vice- Oberbürgermeister Berta für die zeitweilige Versehung des Dienstes eine Vergütung von achthundert Gulden an seinen Christbaum gehängt hatte. Der noch aus der Zeit der Wcih- nachtsferien sich hier aufhaltende Lanktagsdeputirte, Stadt- rathsmitglicd und Ehrenbürger der Stadt Dr. Weinzierl ist nunmehr bemühet, zuvor eine Verständigung (?) zwischen dem Oberbürgermeister und den Stadtrathsmitgliedern aufs Freundschaftlichste herbeizuführen, zu welchem Ende er seine Freunde, den Messerschmied Trabert, den Strohstuhlfabrikan- ten Kehl und den Wasenmeistereibcsitzer Lucas einer öffentli­chen Sitzung des Stadtrathes beizuwohnen veranlaßt hatte. Leiter! kam die gewünschte öffentliche Slavtrathssitzung nicht so schnell zu Stande, und der Herr Landlagsdeputirte glaubte seine Landstandspflichten nicht so lange versäumen zu dürfen, weßbalb er beim Oberbürgermeister auf das Dringendste um die s. g. Vcrständigungssitzung nachsuchte. Auch jetzt wieder wurde seinem heißen Wunsche nicht nachgekommen und im Drange, um jeden Preis vor seiner Abreise noch diese Ver­ständigung zu vermitteln, beschwerte er sich bei dem Bezirks- direktor, von welchem ihm durch den Oberbürgermeister der Beschluß zugesertigt werden mußte: den Beschwerdefüher zu­nächst zu bedeuten, daß der Gegenstand seiner Eingabe nach keiner Richtung bin als so dringlich sich darstelle, um dieselbe als Eilfall zu behandeln; auch, um die Sache zur Beschluß- nahme des Bezirksausschusses, als der Aufsichtsbehörde, vor- zubcreiten, eine vorgängige nähere Instruktion erforderlich er­scheine. Sodann wird der Querulant sich noch über allerlei Thatumstänke und Angaben näher zu erklären aufgefordert, so daß wir die Hoffnung haben, der Hr. Weinzierl werde noch einige Zeit bei uns, wenn auch ohne Urlaub vom Landtage, dessen Nachsuchcn, wie er in seiner Eingabe selbst sagt, er kaum begründen könne, verweilen. Man ist wahrhaft geimhrt über das Opfer, das der Hr. Doctor zum Wohle der Stadt zu bringen entschlossen ist. Im Allgemeinen kann man zwar nicht recht herausfühlen: was mit dieser Ver­ständigung bezweckt werden will? wenn man nicht unterstellt, daß die kaum beruhigten Leidenschaften wieder aufs Neue aufgeregt werden sollen. . . a . .

Frankfurt, 10. Jan. Dem Vernehmen nach wird General v. Lylander demnächst sein Beglaubigungsschreiben als königl. baierischer Bevollmächtigter bei der Centralbundes­kommission überreichen. (O.P.A.Z.)

Frankfurt, 11. Jan. Der königl. hannoversche Lega­tionsrath und ehemalige Reichsminister der Justiz, Hr. Dr. Detmold, ist heute Morgen hier angekommen, um als Bevoll­mächtigter für das Königreich Hannover bei der Bundes­centralkommission zu fungiren. Auch sein ehemaliger Kollege, Generallieutenant Jochmus, befindet sich gegenwärtig hier.

(O.P.A.Ztg.)

Berlin, 11. Januar. Die C. C. nimmt aus den über die deutsche Angelegenheit neuerlich von Globe und Times ge­wechselten Artikeln Veranlassung, Folgendes zu bemerken: Wir finden keine besondere Veranlassung, nach der bestimmten Er­klärung des Globe, unsererseits es noch einmal auszusprechen, daß auch wir der Meinung sind, das Gerücht einer geheimen Allianz zwischen den Höfen von Berlin, Paris und London zum Nachtheil der deutschen Freiheit beruhe auf einer bloßen Erfindung der Gegner der preußischen Politik in Deu schlanv. Allein darin müssen wir mit der Auseinandersetzung des Or­gans von Lord Palmerston völlig übereinstimmen, daß wenn Preußen durch Gewalt der Waffen etwa sollte dahin gedrängt werden, mit gleichen Waffen sein gutes Recht und dasjenige seiner Mitverbündeten zu schützen, keinerlei Ursache vorhanden wäre, ein Bündniß mit England und selbst mit Frankreich für ein Bündniß zu halten, welches gegen die Freiheit und Einheit Deutschlands gerichtet wäre, da es auf der Hand liegt, daß in solchem Falle die Gefahr für die deutsche Frei­heit von Seiten derer käme, welche mit Gewalt die Entwickel lung des Rechts und der Freiheit zu hindern unternähmen, gegen welchen Versuch dem Globe eine natürliche Verbindung der Interessen vorzuschwcben scheint, welche einer MachtauS- dehnung des österreichischen Hauses überhaupt widerstreben, sei nun, weil sie dadurch die deutsche Einheit und Freiheit bedroht, oder weil sie dadurch das europäische Gleichgewicht überhaupt gefährdet sehen.

(Verfassungskommission der 2. Kammer.) Von der Vor­lage der Regierung wurde Art. 1 mit 11 Stimmen gegen 9 angenommen, Art. 2 einstimmig angenommen, Art. 3 ange­nommen , Art. 5 einstimmig verworfen, Art. 6 mit 11 Stim­men gegen 9 verworfen, Art. 9 mit 13 Stimmen gegen 7 verworfen; die Berathung der übrigen bis morgen ausgesetzt.

Berlin, 11. Januar. DieDeutsche Reform^ bringt in ihrer gestrigen Abendnummer einen Artikel über die letzten königlichen Vorlagen, in welchem sic erklärt, daß das Mini­sterium aus der Annahme derselben eine Kabinetsfrage mache. Sie spreche dieß, heißt es, mit aller Entschiedenheit, dem so geschäftig verbreiteten Gerüchte gegenüber aus, das Minisic- rium lege auf diese Vorlagen kein hohes Gelvicht. Die Konst. Zeitung hat sich gestern über die königliche Botschaft ausge- Iprochen und, indem sie die formelle Berechtigung der Krone, noch einmal von ihrer Initiative Gebrailch zu machen, aner­kennt, zugleich ihre Meinung über das Verhalten dargelegt, welches die Kammern den ihnen gemachten Zumulhungen gegenüber einschlagen müssen. Trotz der Eröffnungen ter Reform, trotz der angeblich drohenden Eventualitäten, die |ie durchschimmern läßt, erklärt sie heute, von ihrer gefaßten Ansicht nicht ab- gehen zu können. ,

Flensburg, 8. Jan. Wie derN. fr. Pr." geschrie­ben wird, soll dieLandesverwaltung" erst beabsichtigt haben, gegen sämmtliche 156 Unterzeichner der Klageschrift gegen Schrader ohne Weiteres ernstlich einzuschreiten; weil aber die Elite der Einwohnerschaft fast ohne Ausnahme unter jenen 156 sich befunden, habe man sich auf 20 beschränkt und vor­läufig mit den genannten Dreien den Anfang gemacht. Der Wohnung des Grafen Eulenburg gegenüber ist (in der Post-