4 —
ausgehe, das kann man weder für vernünftig noch für patriotisch halten. Alle Hauptsachen sind aus der Frankfurter Verfassung entlehnt, nur Manchcs^davon, was entweder die Selbstständigkeit der einzelnen Staaten zu sehr zu beschränken oder dem Bestände der bürgerlichen Ordnung zu gefährlich schien, ist weggelassen. Und dann wollen ja auch die Regierungen diese Verfassung den Völkern nicht aufzwingen, sondern sie stellen es in ihren freien Willen, ob sie dieselbe annehmen wollen oder nicht. Und ist einmal in Erfurt diese Annahme erfolgt, so ist die Sache eben so unwiderruflich fest, wie die einzelnen Landesverfassungen, die ja auf dieselbe Art zu totante gekommen sind, nämlich durch Vorschlag von Seiten der Regierungen und durch Annahme von Seiten der Stände, mit einem Wort durch Uebereinkunft. Freilich kann man sagen, die Abgeordneten des Volks sind das Volk und dieses hat allein zu bestimmen, wie die Verfassung sein soll. Man kann aber auch sagen: Die Regierungen haben ihre Gewalt ebensowohl vom Volke, als die Abgeordneten ihren Auftrag. Beide sind Volksbehörden, welche das gemeine Beste^berathen und sich darüber verständigen sollen, welche Versassung dem gemeinen Besten am zuträglichsten sei. So lange also, als das Volk die Regierungen nicht stürzt und dadurch die denselben übertragene Gewalt zurückzieht, kann man ihnen auch das Recht, bei der Sache mitzuwirken, nicht absprechen. Das Volk selbst hat überhaupt noch nie eine Verfapung gemacht, sondern das haben allezeit andere Leute gethan, welche entweder ausdrücklichen oder stillschweigenden Auftrag dazu hatten, oder sich sonst dazu berufen fühlten. Am Ende gibt Jever, der seinen Willen durchsetzen will, sich selbst für das Volk aus over erklärt sich für dessen wahren Vertreter, und behauptet, nur Vas, was er wolle, das sei der wahre Wille oder Vie wahre W o h l fa hrt des Volks. So sehen wir jetzt, daß in der Hornisse die Herren: Professor Bayrhoffer von Marburg, Lehrer B e r l i t von Hersfeld , Bürgermeister Förster von Hünfeld, Rechtskandidat Heise von Kassel, Dr. Kellner von da, Bürgermeister Loth von Rothenditmold, Pfarrer T h e o- balv von Hanau, Dr. Weinzierl von Fulda in ihrem Aufruf an die Volts Partei die sogenannte linke Seite ver Ständeversammlung, worunter hier wohl die- jenigen verstanden werden sollen, welche den in jenem Aufruf erwähnten Bericht unterschrieben haben, nämlich Bapr- h o ffe r, B e r l i t, F ö r st e r, L o t h , T h e o b a l v, Wein- z i e r l, ferner Advokat Peters von Wächtersbach, Domprä- bendat Malkmus von Fulda, Oek. Löber von Neuhof bei Marburg, Oek. Hillenbrand von Molzbach, Oek. toc^n ei- der von Merbach, Rechtsprakt. Kompe von Wetter, Oek. Herben er von Großseelheim, Bürgermeister Knobel von Ehlen, Obergerichtsanwalt C ö st e r von Hanau, für die Freunde des Volks, also die sogenannte rechte Seite der Ständeversammlung, worunter hier wohl diejenigen verstanden werden sollen, welche jenen Bericht nicht unterschrieben, und in der deutschen Sache entweder
das Verhalten unserer Regierung gebilligt haben, als: Obergerichtsanwalt Schwarzenberg von Kassel, Literat Hahndorf daselbst, Bierbrauer Lederer von Marburg, Kaufmann Sunkel von Hersfeld, Obergerichtsanwalt Oetker von Kassel, Obergerichtsanwalt Henkel von da, Schuldirektor Gräfe von da, Staatsprokurator P fei ff er von Rotenburg, Konrektor Lieberknecht von Eschwege, Professor Hildebrand von Marburg, Bürgermeister H e y m e l von Fambach, Bürgermeister Brehm von Abterode, Bürgermeister Röding von Oberellenbach, Bürgermeister Bar von Zwesten, Bürgermeister B e u t h e r von Hombergshausen, Pfarrer Wiegand von Oldendorf, Staatsrath Eberhard von Kassel, Bierbrauer Eissen- gart h en von da, Gutsbesitzer Manns von Breidenbach, Oekonom Gundlach von Niederaula, Bürgermeister Hoos von Ransbach, Staatsprokurator Schneider von Kassel, Gutsbesitzer Pfeiffer von Ermschwerd, Oberpostmeister Nebelthau von Kassel, Mühlenbesitzer Brenner von Hanau, Bürgermeister Müller von Berkersheim, Obergerichtsrath v. Schenk zu Fulda, Tuchfabrikant Reinicke von Schmalkalden, Bürgermeister Hartmann von Auhagen, oder die wenigstens jenem Berichte sich nicht angeschlossen haben, als Hammerwerksbesitzer Wolf von Schmalkalden, Partikulier Rauh von Hanau, Gutsbesitzer Westphal von Bernsen, desgleichen unser Ministerium (Eberhard , W i p p c r m a u n, Baumbach, Schenck [nun Wintzingerode), Bödicker [nun Roques) für die Feinde des Volks erklären und demnach das Volk auffordern, jenen Freunden, nicht aber diesen Feinden in der deutschen Sache zu folgen. Gewiß aber hat doch die sogenannte rechteSeite der Ständeversammlung und das Ministerium wenigstens eben so viel Recht, sich für Freunde des Volks zu erklären, als die Herren von der sogenannten Linken. Das Volk wird sich also nicht nach solchen Bezeichnungen, die der Eine oder Andere sich oder seinen Gegnern beilegt, sondern nach der B esch affen- h e i t desjenigen, was der Eine oder Andere für das Volk thut oder bisher gethan hat, oder was er ihm anräth, richten müssen, um zu beurtheilen, wer wohl sein wahrer Freund und Vertreter sein möge oder nicht. Das Ministerium und die rechte Seite der Ständeversammlung haben sich für die A n n a h m e der oben beschriebenen Verfassung erktärt undrathen dem Volke, durch T h ei ln ahm e an den Wahlen seine Zustimmung zu erklären, die linke Seite aber hat sich dagegen erklärt und räth dem Volke, nicht zu wählen, vertröstet es vielmehr auf eine künftige Revolution, welche etwas noch Besseres bringen werde. Das Volk muß nun nach der Vergangenheit'und nach dem, was jetzt vorliegt, beurtheilen, wo es seine wahren Freunde zu suchen, welchem Rathe es zu folgen habe.
Kassel, im Januar 1850.
(Verfaßt von Henkel.)
Druck von Srictrid) Scheel in Kassel.