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Neue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Sonnabend, 12. Zan. 1850. ^M 20. Abend-Ausgabe.

Zu den Wahlen in das Volkshaus zu Erfurt hat Kassel 44 Wahlmänner zu stellen und zwar die 3. Wählerklasse d. h. die Geringstbesteuerten in jedem der 5 Bezirke, worin sie eingetheilt ist, zwei Wahlmänner,

die 2. Wählerklaffe d. h. die Mittelbesteuertcn in jeder der 3 Abtheilungen, worin diese Klasse eingetheilt ist, vier Wahlmänner,

die 1. Wählerklaffe d. h. die Höchstbesteuerten in der 1. der 3 Abtheilungen, woraus sie besteht, acht und der 2. und 3. Abtheilung je sieben Wahlmänner.

Jeder Urwähler kann Wahlmann werden und die Wähler der einzelnen Bezirke sind nicht daran gebunden, die Wahl­männer aus ihrem Bezirke und aus ihrer Klasse zu nehmen.

Der hiesige Bürgerverein hat in einer am 10. d. M. gehaltenen Generalversammlung beschlossen, seinen Mitbürgern folgende Personen zu Wahlmännern zu empfehlen:

der III. Wählerklasse, welche am 16. d. M. wählt:

für den 1. Wahlbezirk, Oberneustadt (Wahllokal Oberneu­städter Rathhaus): Schreinermeister Lüken, Geheimerath Schwedes;

für den 2. Wahlbezirk, Oberste Gasse re. (Wahllokal Hallen- gebäude): Maurermeister Seidler, O.Gcr.Anw. Henkel; für den 3. Wahlbezirk, der Stadtbezirk vom St. Martinsplatz bis zum Holländischen Thor re. (Wahllokal Realschul- gebäuke): Bierbrauer Eissengarthen, Fabr. Herbold; für den 4. Wahlbezirk, Marställerplah, Markt, Artillcriestraße, vorm Kloster re. (Wahllokal Regicrungsgcbäude): Bäcker­meister Schneider, Weißbindermeister Grahn;

für den 5. Wahlbezirk, Unterneustadt (Stadtbau): Fabrikant Engelhard und Fabrikant Fehrenberg;

der II. Klasse, welche am 18ten wählt:

für den 1. Wahlbezirk, von A bis incl. H (Wahllokal Rath­haus) : Prok. Alsberg, Polizei-Vorstand Henkel, Schlosser Dallwig und' Geh.Reg.R. Duysing

für den 2. Wahlbezirk, von I bis incl. R (Realschule): Litt. Hahndorf, Sekr. Koch, Metzgermeister Mollat und Oberbürgermeister Hartwig ;

für den 3. Wahlbezirk, von 8 bis incl. Z (Regierungsgebäude): Schreinermeister Herzog, Geh.Rth. v. Schenck, Kauf­mann Schenrmann, Staats-Prokurator Schneider;

der I. Klasse, welche am 21. wählt,

für die 1. Abtheilung, 101 Wähler, A-H (Rathhaus): ©cneral Gerland, Fabrikant Eggcna, Obristlicutenant xwbtcrer, Schuhmachermeister Sauer, Prokurator Fr. Oetker, Schubmachcrmeistcr Ely, Kaufmann ^rcbé, Kaufmann G. Möller;

für die 2. Abtheilung , I R (Hallengebäude): Obergerichts­anwalt Schwarzenberg, Kaufmann Has, Buchhänd­ler Luckhardt v. Aelt., Kommerzrath Pfeiffer, Parti­kulier Jäkel, Dr. Pfaff, Fabrikant Georg Weiß; für Die 3. Abtheilung SZ (Schulgebäude): Dr. Bern Hardi, Kaufmann Gundlach, Hauptmann v. Ditt- furth, Schlosscrmeister Bökel, Direktor Dr. Philippi, Oberpostmeister Nebelthau, Partikulier Rothfels. Kassel, am 11. Januar 1850.

Für Den Vorstand des Bürgervereins : Schwedes.

Deutschland.

Kassel, 11. Jan. Die Vorbereitungen zu den Wahlen schreiten rüstig vor. Von Hindernissen bat bis jetzt nichts verlautet, bei den Behörden wie bei der Bevölkerung zeigt sich eine rege Theilnahme für das wichtige Werk. Der kasselsche Bürgerverein hat in einer Generalversammlung gestern Abend die Listen der Wahlmänner abgeschlossen und wird sie zeitig veröffentlichen. Zu besonderer Aufmunterung wird dem Lande das offene und warme Wort gereichen, womit Der Minister des Innern, Eberhard, den Bezirksdirektoren Die hohe Wichtigkeit der Sache ans Herz gelegt hat. An diese ist folgen­des Cirkular unterm 10. d. gerichtet worden:Das Heran­nahen des Termines für die Wahlen zum Volkshause des nächsten Reichstages hat auch in unserem Vaterland eine Agi­tation hervorgerufen, welche die Vereitelung jener Wahlen zum Zwecke hat, unrichtige Ansichten über die Bestimmung und Be­deutung jener Wahlen, Besorgnisse und Vorurtheile über die Folgen der damit bezweckten endlichen Herstellung eines deut­schen Bundesstaats zu verbreiten, die Gemüther von Neuem zum Parteistreite zu erregen und der besonnen vorschreitenken Entwickelung einer deutschen einheitlichen Verfassung neue Hindernisse zu bereiten sucht. Diese immerhin noch vereinzelten Versuche können freilich ernstlicher Besorgniß nicht Raum ge­ben, vielmehr darf von der Mehrheit der Wähler erwartet werden, daß sie jenes Treiben und seine endlichen Zwecke durch­schauend, mit eigener Ueberzeugung der Regierung auf dem Wege der Politik folgen, welchen dieselbe nach Berathung und im Einverständniß mit den Vertretern des Landes als Den zur Zeit allein heilsamen und möglichen erkannt, und durch bas Gesetz vom 10. Dec. v. I. verfolgt hat. Auch kann nach Dem lebhaften Antheil, mit welchem Die Bevölkerung KurhessenS seit zwei Jahren Den Gedanken einer einheitlichen deutschen Verfassung als Bedingung Der Wohlfahrt und Größe des deutschen Vaterlandes erfaßt hat, nicht vorausgesetzt werden, jene Begeisterung sei schon so weit erloschen , um entmutigt von jeder Idee abzulassen und mit Parteien Hand in Hand zu gehen, welche, obwohl nach entgegengesetzten Endzielen stre­bend und von entgegengesetzten Ansichten ausgehend, sich doch vorübergehend verbündet haben, um Den einzig noch sich dar­bietenden Versuch zu einer Einigung Deutschlands mit allen Mitteln zu bekämpfen. Endlich wirb gegenüber Den Verdäch­tigungen und Einflüsterungen, welche das engere Vaterland, dessen Verfassung und Freiheit, Den materiellen Wohlstand sei­ner Bewohner als bedroht barstellen , einen Umsturz Der be­stehenden Staatseinrichtungen, die Einführung drückender La­sten w. in Aussicht nehmen rc., das Vertrauen des Landes zu seiner konstitutionellen Regierung und seinen selbst gewählten Vertretern ein mächtiges Gewicht sein, um das Trügerische sol­cher Vorspiegelungen zu durchschauen, und sic zurückzuweisen. Wenn nun aber auch nach allen diesen Richtungen hin die Regierung Dem gesunden Urtheil Der Bevölkerung eben so fest vertraut, wie Der Mitwirkung aller wahren Vaterlandsfreunde, so erheischt cs doch Die hohe Wichtigkeit Der bevorstehenden Wahlen, daß ich Sie, Herr BezirkSdircktor, auf jene Umtriebe gleich anfangs, wie solche zu meiner Kenntniß gelangt sind, aufmerksam mache, und Sic auffordere, nicht bloß wie sich von selbst versteht, Die Freiheit Der Wahl überall aufs Strengste ausrccht zu erhalten, sondern auch, wo es erforderlich scheinen sollte, durch Belehrung und Verständigung etwaigen Täu­schungen und Mißverständnissen zu begegnen und dahin zu wirken, daß richtige Erkenntniß der hohen Bedeutung Der bc-