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v. Ditfurth (gen. Sicbert) (nur bei Haupt- und Staatsaktionen zeichnet dieser Demokrat den adligen Namen v. Ditfurth, und könnte daher leicht Hr. Maxim, v. Ditfurth, der frühere Kommandeur der kasielschen Schutzwehr, mit ihm verwechselt werden; etwa wie es dem hochverehrten Chef der gesummten Bürgerwehr, Hrn. Seidler, ergangen ist, dessen Name sich seither ebenwohl auf verschiedenen Plakaten in einer Gesellschaft befand, welche den Leuten viel zu reden gab. Später stellte sich heraus, daß keineswegs der Kommandeur Seidler, sondern ein bis dabin gänzlich unbekannter Schneider dieses Namens gemeint sei). — ,,Wir dienen der Wabrheit", ruft die Hornisse mit Emphase aus; — Schade, daß das Verhältniß kein gegenseitiges ist.
Aufruf eines kurhefsifchcn Patrioten an feine Mitbürger.
M i t b ü r g c r l
Die größte Stunde für unser engeres Vaterland, ja für ganz Deutschland naht heran — die Stunde der Wahlen nach Erfurt!
In dieser Stunde wird es sich entscheiden, ob wir Deutschen politisch reif, in der That ein verständiges, patriotisches, zu höherer Freiheit, höherer Wohlfahrt, höherer Macht und Ehre fähiges und würdiges Volk sind oder ob der Unverstand und die Selbstsucht noch dergestalt unter uns walten, daß wir kein besseres Loos verdienen, als wir es bisher hatten.
Nachdem nicht bloß durch die Schuld der Könige, sondern auch durch die Schuld der österreichischen Partei, der engherzigen Partikularisten und Derjenigen, die aus Verblendung oder Leidenschaft nach dem radikalen Umstürze alles Bestehenden trachten, der Versuch einer besseren Verfassung Deutschlands in Frankfurt gescheitert ist, hat die preußische Regierung, in Verbindung mit der sächsischen und hannoverschen, den Entwurf einer solchen Verfassung, der allen gerechten und billigen Erwartungen entspricht, den deutschen Regierungen und Völkern zur Annahme vorgelegt. Unser umsichtsvollcs, rechtschaffenes, um das Land hochverdientes Ministerium, hat, gleich den meisten Regierungen Deutschlands, sich dafür erklärt. Ein Gleiches hat die große Mehrheit der Ständever- sammlung gethan. Es fragt sich jetzt: was wird das Volk thun? wird cs zu seiner Regierung, zu seinen Ständen stehn? wird cs nach Erfurt wählen oder nicht?
Sie liegt vor Euch, Ihr Männer Kurhesscns, jene von Preußen vorgcschlagene Verfassung. Leset sie und prüfet sie! Sie ist unsres Erachtens vortrefflich, die beste, die Deutschland jemals besaß, besser, als irgend ein Volk der Erde sie besitzt. Sie würde allen unseren Bedürfnissen genügen. Sie würde den Grundstein zur Einheit, Macht, Freiheit und Wohlfahrt Deutschlauds legen. Sie ist keine Erfindung der preußischen Regierung. Sie enthält das Beste aus der von unsern Abgeordneten zu Frankfurt entworfenen und läßt nur Manches weg, was in jener bedenklich oder zu weitgehend schien. Die Vernunft und die Vaterlandsliebe rufen laut: Nehmt sie an!
Aber die Unvernunft und die Leidenschaft rufen: Verwerft sie! sie ist ein Werk der Tyrannen, ein Werk der Arglist; ja cs ist Eurer Ebre zuwider, selbst das Gute aus der Hand der Fürsten zu nehmen, Deutschland darf nur durch eine neue Revolution, nur über Trümmer und Leichen in das demokratisch-sociale Himmelreich entgehen!
Ihr Männer Kurhessens ! es ist Großes in Eure Hand gelegt. Es sicht auf Euch nicht allein unser kleines Hessenland, es sieht auf Euch ganz Deutschland! Wir verbinden den Norden mit den: Süden, den Osten nist dem Westen. Wir sind ein wichtiges Glied in der großen Kette des neu zu schaffenden Reichs. Bricht dieses Glied, täuscht es die gerechten Erwartungen dcs Vaterlandes, so sinkt manche große Hoffnung hinab. Gerechte und friedliche Lösung der großen Frage oder Wieverheraufbeschwörung dcr Furien einer neuen
Revolution — beides liegt in Eurer Hand! Der Himmel und die Hölle reißen sich um Euch! Folgt jenem, gebt der guten Sache durch Eure Wahlen den Sieg!
Hoch lebe das Vaterland!
Hoch lebe die Freiheit, die Ordnung, das Recht!
Am 8. Januar 1850, dem Jahrestag unserer Verfassung.
Tagesordnung für die Sitzung der Ständeversammlung.
Freitag, den 11. Januar 1850, Vormittags 10 Uhr.
1) Berathung des Berichts des Rcchtsausschuffcs jüber' den Antrag deS Hrn. Echter auf Abänderung bez. Erläuterung des Gesetzes vom 26. Aug. 1848, die Auseinandersetzung der Lchnsverhältm'sse betr.
2) Desgl. über den Antrag des Hrn. PeterS, die Aufhebung der Be- freiung der Prinzen des Hauses und der standesherrlichen Familien von der Militärpflicht betr.
3) Desgl. über das Gesuch des Ortsvorstandes zu Bockenheim, um Auf- Hebung verschiedener Leistungen an die Staatskasse.
4) Desgl. über den Gesetzentwurf, die öffentlichen Verhältnisse der Anwälte betr.
Briefkasten und Briefwechsel.
D. zu G. Der Wunsch wird in den nächsten Tagen erfüllt werden; doch haben wir deS Raums wegen rc. einige Kürzungen vornehmen müssen. — K. zu A. Die Aufnahme erfolgt baldigst.
Kekanntmachungen.
(17) Bürgervercin.
General - Versammlung Donnerstag den 10. Januar, AbenvS 7 Uhr. Tagesordnung: Berathung der Wahl zum Volkshaus.
[18] Ein im kaufmännischen Fache erfahrener Mann, welcher ein Disponibles Kapital von einigen tausend Thalern besitzt früher einer Glashütte vorgestanden, später einige Landgüter pachtweise bewirthschaftet hat, wünscht in ein ähnliches Geschäft als Theilnehmer einzutreten, oder als Avministrator placirt zu werden. Derartige Offerten bittet man schriftlich und portofrei mit der Bezeichnung D. J. an die Expedition dieses Blattes gelangen zu lassen.
Angekommene Fremde vom 8. Januar.
Im König von Preußen (Schambeck) : Kflte. Kahn a. Mainz, Merli mit Gemahlin a. Karlshafen, fasert mit Familie a. Dresden, Rettenbach a. Frankfurt; Gutsb. v. Farenheid a. Königsberg; Major v. Twardorski a. Posen; Partik. Bartel u. Küster a. Erfurt.
Im Römischen Kaiser (Tang) ; Advokat Herrmanny a. Weimar; Kflte. Thibauld a. Leipzig, Stadel a. Wien, Fröhlich a. München.
Im Deutschen Hof (Ahlborn): Kflte. Warnecke a. Gummersbach, Bollmeke a. Dubrilugk, Waldschmidt a. Warburg; Adv. ProlliuS aus Allendorf; Baron v. Stockhausen a. Wülmersen.
Im Hotel deRussie (Klein): Senator HaveriuS a. Hamburg; Dr. jur. Ristenpadt a. Altona; Kflte. Sandvoß a. Dortmund, Meyerfeld u. Weinberg a. Treysa, Richhardt a. Rödelsheim; Part. Bärenstein a. I/ankfurt; Fabr. Schwarzkopf a. Stettin.
In der Goldenen Krone (Schade): Maschinist Schneider auS Reichenbach; Kflte. Philippson a. Hamberg, Röhrig mit Frau u. Weng- ler mit Sohn a. Münden, Bacharach a. Neustadt, Dedernig a. Mainz'; f and, iheol. Boclo a. Hambresse; Studenten Uffeln a. Warburg, Gehlen a. Göttingen; Zeichner Beltheim a. Hannover.
Für die arme obdachlose Frau in Wolfsanger ist ferner bei der Re- daktion kingegangen: Von Sr. 1 Thlr., M. 10 Sgr., D. l'h ^gr.
Kurfürstliches Hoftheater.
Donnerstag den 10. Januar. DeS Adlers Horst, romantisch-komische' Oper in 3 Aufz. von C. v. Holtei. Musik vom Kapellmeister Franz Gläser.
Börsenberichte.
Frankfurt, 8. Jan. 5pCt. Metall.85^/., 4'/2P@L 755/8, Bank-Aktien 1269 ((.; 500 fl. Loose 158V2; 250 fl. Loose 97'/.; Bad. 35 fl. Loose 32^; Hess. 40 Tblr.Loose 33; Gßh. Hess. 50 fl. Loose 73 78; Poln. 500 fl. Loose 8 t'/.; Fricvr.-Wilb.- Nordbahn 43'/2; Bexbach 85^ l Köln-Minven 95^/.; 3 pEt. inlänv. Spanier 297/8; ^vEt. Wurt. 95; 5 pEt. Bad. 997/8; 5pCt. Nass. 102 */a; Belg. 97. (Alles Geld).
Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. — Druck von Friedr. Scheel in Kassel.