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München Der Ausschuß des hiesigen konstitutionellmonarchischen Vereins hat an Den Erzherzog Johann eine Adresse gerichtet, aus der wir folgende Stellen ausheben: „Erhabener Erzherzog! Sie haben als deutscher Fürst von ächtem Schrot und Korn gehandelt, und die Geschichte wird darüber Zeugniß oblegen. Sie haben nichts von dem vergeudet, was Ihnen anvertraut war, und Sie haben mit treuer reiner Hand das verhöhnte Kleinod deutscher Einheit an diejenigen ausgcanlworlet, die mit der unabweisbaren Macht den ausschließlichen Berus ansprechen, darüber zu verfügen. Sie haben das beinahe rhedelos gewordene Schiff in dem heftigsten Sturm mit fester Hand über dem Wasser gehalten; nun sich die Wogen geglättet, haben andere das Steuer ergriffen, um es wir wissen nicht welchem Hafen zuzuführen. Die Aussichten in Vie Zukunft sind trüb, und nach dem zu schließen, was Ihrem Rücktritt vorhergegangcn, sind sie beängstigend. Von vielerlei ist die Rede, nur nicht von den Wünschen, der Sehnsucht, den Bedürfnissen, den Rechten des deutschen Volkes. Der anarchischen Erwartungen der Bewegung von 1848 ist man mit Hülfe der früher verfolgten freisinnigen oder gesctzeSlreuen Partei Herr geworden, und beinahe scheint es, als wäre es die Meinung, daß damit jene ganze Bewegung abgethan und die Zeit günstig geworden sei, sich wieder ausschließlich mit dem Kampf der Sonderinteressen der Großmächte zu befassen. Wäre dem so, nähme man die Niederlage der Demokratie für deren Vernichtung, die allgemeine Ermattung für Beruhigung, die Rührigkeit einer die Presse beherrschenden ehrgeizigen Partei für Volksstimme und die verhaltene mißtrauische Stellung des liberalen Konstitu- tionalismuö für gutmüthige Zustimmung — dann freilich möge der Genius Deutschlands sein Antlitz verhüllen vordem, was uns selbst in naher Zukunft unausbleiblich bcvor- steht. Doch, was auch kommen mag, das haben andere zu vertreten; Ew. kais. Hoheit haben das, was Ihnen oblag, mannhaft und fürstlich vollbracht. Sic haben die Hoffnungen Deutschlands nicht gekürzt; Sie allein haben ihm die Möglichkeit erhalten, das ersehnte Ziel noch erreichen zu können, und dafür empfangen Sie, edler Fürst, unsern tiefgefühlten ehrerbietigsten Dank. . ." (A. Z.)
München, 5. Jan. Erzherzog Johann hat uns heute Morgen verlassen, soll aber versprochen haben, im Sommeraus acht Tage aus seinen Bergen heraus nach München zu kommen. Dessen Begleiter haben von dem König Auszeichnungen erhalten. — Die Frankfurter Bundescentralkommission hat, wie ich höre, ihre in Gemäßheit der Uebereinkunft vom 30. September vollzogene Einsetzung und den Beginn ihrer Wirksamkeit nunmehr direkt unserer Regierung notifieirt.
Oesterreich.
Wien, 5. Jan. Die amtliche Wiener Zeitung enthält Folgendes: Se. Majestät der Kaiser haben den Dichter der „Cäcilia von Albano", Dr. Mosenthal, die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft durch Allerhöchstchren Oberstkämmerer Grafen Lanckoronskp persönlich überreichen lassen.
Landtag.
Sitzung vom 9. Januar. Ant Ministertische die Staalsrälhe Eberhard und Wippermann. Nach Verlesung des Protokolls und der Eingänge gibt der Präsident der Versammlung Kenntniß von einem aus Gravenstein im Sunde- witt cingegangcnen, mit 99 Unterschriften von Männern aller Stände versehenen Danksagungsschreiben für die Verwendung der Ständeversammlung für die Sache der Herzogthümer Schleswig-Holstein. (Dessen Wortlaut siehe in der gestrigen Abendausgabe.) — Der Abg. Gräfe stellt an den Verfassungsausschuß die Anfrage, ob derselbe bald den Bericht über die Mittheilung der Staatsregierung in Betreff des Beitritts Kurhessens zum s. g. Interim erstatten werde. Der Vice- prästvcnt erwidert, daß in diesen Tagen eine Sitzung des Ausschusses über diese Sache gehalten werde, daß mithin der Bericht baldigst zu erwarten sei. Der Abg. Gräfe hält dieß auch für nothwendig, damit der Ständeversammlung Gelegenheit gegeben werde, ihre Meinung auszusprechen, be
vor Ereignisse einträten, die das unbefangene Urtheil zu alteriren geeignet seien.— Der Abg. Loth begründet hierauf seine in voriger Sitzung verkündete Anfrage in Betreff der angeblich in der Umgegend von Kassel vorgefallenen Militär- excesse ; er führt an, daß zum Forstschuhe kommandirte Jäger verschiedene Jagdpächter in den Gemarkungen von Rothenditmold, Obervellmar und Ihringshausen bei Ausübung der Jagd verwundet, beziehungsweise ihnen, obwohl sie mit einem Waffenschein versehen gewesen, die Waffe abgenommen hätten. Er stellt den Antrag auf ein Ersuchen an die Staatsregierung, daß, wo solche Jäger - Kommanvo's für erforderlich gehalten würden, dazu nur gebildete Leute verwendet werden möchten und nicht solche, denen es schon auf dem Herzen brännte, wenn sie einen Landmann mit der Flinte umhergehen sähen. Der Landtagskom- m i ssar erklärt sich außer Stande, die Anfrage zu beantworten, da in der Mittheilung derselben die Thatsachen nicht speciell genug angegeben worden seien, um ermessen zu können, von welcher Behörde er Instruktion einzuholen habe; der Abg. Sch nerv er (von Kassel) bemerkt jedoch, daß wegen des JhringShäuser Vorfalls, wo der Umstand, daß der betr. Jagv- pächter nicht mit einem Waffenschein versehen gewesen, zu Streit und gegenseitiger Verwundung geführt habe, die erforderliche Untersuchung bereits eingeleitet sei. — Der Abg. Theobald begründet seine ebenwohl in voriger Sitzung an# gekündigte Interpellation wegen in Hanau vorgefallcner Militärexcesse. Er führt an, bereits im vorigen Herbst seien in Hanau Abends Haufen Soldaten aus den Kasernen ausgebrochen und hätten auf dem Paradeplatz Leute mit geschliffenen Säbeln über den Kopf gehauen. Es sei zwar eine Untersuchung eingeleitet, aber die Thäter seien frei ausgegangen, weil sie in der Dunkelheit von Niemandem erkannt wären. Im letzten Sommer ferner seit der Rückkehr des 3. Infanterieregiments aus Baden seien von Leuten desselben Excesse verschiedener Art verübt, und würden noch fortwährend verübt. Z. B. sei eines Tages ein Hr. v. Cöln in das Haus eines Pfeifendrehers Appel gekommen und habe, als er diesen nicht zu Hause getroffen, zu dessen Frau geäußert, er habe nur ihren Mann gesucht, um ihn todtzuschießen. Dafür sei er mit 48 Stunden Hausarrest bestraft. Am Christfest Abend ferner habe Dr. Marovski einen blinden Mann nach Hause geführt, als er plötzlich von einigen Soldaten und Unteroffi- cieren jenes Regiments überfallen worden sei. Er selbst habe einen scharfen Säbelhieb über den Kopferhalten und sei zu Boden geworfen, und auch der von ihm geführte blinde Mann habe einige Wunden davon getragen. Denselben Abend noch sei ein Dritter in ähnlicher Weise mißhandelt. Wahrscheinlich hätten jene Soldaten Jemanden aufgclauert und den Rechten verfehlt. Am zweiten Festtage sodann habe ein Strumpfweber sich über diese Vorfälle in einem Wirthöhause scharf geäußert, sie namentlich mörderische Ueberfälle genannt. (Ein Soldat, der das mit angehört, sei fortgegangen und nach einiger Zeit mit drei anderen Soldaten zurückgekommen, habe jenen Strumpsweber verhaftet, auf die Hauptwache gebracht, wo er vom wachthabenden Officier, Schlarbaum, mit harten Reden angelassen und mit Mißhandlungen bedroht worden sei. Man habe ihn sodann bei verschiedenen Behörden umhergeführt, weil man nicht recht gewußt, was man als Grund der Verhaftung habe angeben sollen, bis man ihn endlich auf die Staatsprokuratur gebracht habe, wo er alsbald freigelassen morden sei. Wenn das so fortgebe, werde das Schlimmste zu besorgen sein; bisher freilich habe man dergleichen ruhig ertragen, weil verständige Männer von der Nothwehr abgerathen hätten, da es offenbar nur auf einen Belagerungszustand angelegt sei. Das seien die Folgen jener aufreizenden Artikel und Schriften, jener Expektorationen eines gewissen Hauptmanns un^ eines Officiers, der beim vorigen Landtage als Regierungskommissar in Kriegssachen fungirt habe. Im vo- rigen Jahre, als die Proletarier Waffen in Händen gehabt hätten, sei dergleichen so wenig vorgefallen, daß selbst der Po- lizeidirektor bezeugt habe, daß damals in Hanau nicht eine Fensterscheibe zerbrochen sei; jetzt aber würden friedliche Bür-