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Neue Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

Donnerstag, 10. Januar 1850. J\g 16« Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein JInterbaltungsblatt beijegeben. Die Morgen-AuSgabe wird von 7,11 bis 12 Uhr, die Abend-Auggabe in Maffei von 5 bis 7 Uhr erpedirt. Sonnabends erfolgt die Ausgabe nur Abends, Sonnrags nur Morgens. Man abonnirt bei allen lobliLen Postämtern, in Kassel in der Lnckhardt'schcn und ®dIG man» schen Buch - und Kunsthandlung. Der Abonnementspreis beträgt halbjährlich 3 Thlr., vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., wofür alle furhessischen Postämter daS Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werten mit 1 Sgr. für den Raum einer Petüzeile berechnet.

Deutschland.

Berlin, 7. Jan. Der nichtamtliche Theil des Staats- Anzeigers enthält den Entwurf des von dem Handelsminister der zweiten Kammer heute vorgelegten neuen Bergwerksgesetzes und einige Mittheilungen über die Entstehung und die Prin­cipien desselben.

* Berlin, 7. Januar. Die 1. Kammer genehmigte in ihrer heutigen Sttzung nach dem Vorgang der 2. Kammer die Verordnung vom 3. März d. I., betreffend die Abände­rung des Zolltarifs für die Jahre 1846 bis 1848, hinsicht­lich des ElngangszoUes auf ungereinigte Soda, ebenso die Verordnung vom 3. Februar 1849 über die Errichtung von Gewerberäthen. Die Tagesordnung führte hierauf zur Ver­handlung über den Bericht der Kommission zur Untersuchung des Nothstandes der Spinner und Weber in Schlesien, auf dem Eichsfelve und in Westphalen. Die Kommission trägt darauf an, zur Verbesserung der Lage der Spinner und We­ber, die Beförderung anderer ErwerbSzweige, die Einrichtung von Leihbanken und von Spinn- und Webeschulen, die Hin­wirkung auf Verbesserung der sittlichen Zustände der Spinner und Weber, die gesetzliche Regelung der Verhältnisse zwischen den Fabrikherren und den Arbeitern und die Beförderung von Chaufseebauten und Landesmcliorationcn zum Behufe der Be­schäftigung der Spinner und Weber in Fällen besonderen Nothstandes, so wie den Versuch einer Wiederbelebung der inländischen Leinen-Industrie durch Schutz gegen das Aus­land der Staatsregierung zu empfehlen. Zum Schutze der inländischen Leinen-Industrie schlägt die Kommission vor, den Eingangszoll von rohem Maschinengarn von 2 auf 5 Thlr. und von rohem Handgarn von 5 Sgr. auf 1 Thlr. pro Ctr. zu erhöhen, bei der Ausfuhr einen Rückzoll oder Prämie von 3 Thlrn. pro Centner zu gewähren, ferner auf die Ausfuhr von Hede (Werg) einen Zoll von 10 Sgr. pro Ctr. zu legen und testzustcllkn, daß diese Sätze auf eine angemessene Reihe von Jahren nicht erniedrigt werden dürfen. Regierungs- KommissariuS v. Aster: Von der Regierung ist bereits seit Jabren dahin gewirkt worden, die Wege einzuschlagen, welche dre Kommission besonders empfiehlt. Der Flachsbau und die Maschincnlpinncrei sind befördert worden. Auch die Handlpinnerei wurde nicht vernachlässigt, Spinnschulcn in Westphalen und Schlesien bereits seit einer Reihe von Jah­ren errichtet und auf die Verbesserung der Werkzeuge zur Spinnerei ^gearbeitet Bei Bielefeld und Herford sind Webejchulni in Wirksamkeit getreten, in Schlesien werden ähnliche errichtet werden. Die Webestühle sollen verbessert und jedem Besucher der Schule wo möglich ein Webestuhl aus Abzahlung mitgegeben werden. Ferner wird die Regie­rung diejenigen unterstützen, welche Bleichanstalten errichten wollen, auch wird sie nach und nach die selbstständige Weberei zur Lohnweberei überzuführen suchen. Es wird jedoch schwer sein, für Schlesien Leihtanken wie in Bielefeld zu errichten, â bielefelder Leihbank ist mit einem Kapitale von 15,000 ^plrn. ins Leben getreten und dieser Fonds ist zur Zeit voll­kommen erschöpft. Was die Chausseebauten anbetrifft, so ist für Schlesien '/2 Million Thaler bereits zu diesem Behufe verwendet worden, und diese Provinz ist mit einem Chaussee­

netze überzogen, welches nichts mehr zu thun übrig läßt. Die Zeit zn einer Erhöhung des Zolles ist noch nicht gekommen; es müßte sonst die Zollgesetzgebung vom Fundamente aus ge­ändert werten und die Regierung von Preußen allein ist nicht in der Lage Beschlüsse zu fassen, die für den ganzen Zollverein gültig sein sollen. Die Kammer beschloß mit 58 gegen 31 Stimmen die Debatte zu vertagen.

Berlin, 8. Januar. In den demokratischen Kommitte's beschäftigte man sich in neuester Zeit viel mit den gewerblichen Angelegenheiten. Seitens der Handwerker ist man sehr für das Zunftwesen eingenommen, während die demokratischen Kommitte's sich gegen das Zunftwesen erklärt haben. Hierdurch ist ein momentaner Konflikt in der Partei entstanden. (C.-B.)

Posen, 5. Jan. Die Gazeta polska bringt in ihrer heutigen Nummer einen leitenden Artikel, welcher die Erfurter NeichStags-Wahlangelegenbeit behandelt. Wir theilen daraus den Eingang mit, welcher uns mit den Absichten der polnischen Bevölkerung bekannt macht:Wir müssen für Erfurt wählen und Abgeordnete dorthin schicken!" sagt die Gaz. polska. Wir halten es für unsere heiligste Pflicht, überall und im­mer, wo und wie sich nur Gelegenheit dazu bietet, im Ange­sichte Deutschlands, im Angesichte Europa's Zeugniß zu geben von einem lebenden Polen re. an allen Orten und zu allen Zeiten, sobald unsere Stimme nur gehört werden kann, es hinaus zu rufen in alle Welt: Wir sind ein Volk, wir wollen ein Volk sein, das ist unser ewiges Recht und Alles, was Ihr wider uns gethan habet, thuet oder thun werdet, ist Unrecht, Gewaltthat und Schmach!

Bremen, 4. Jan. DieWeser-Zeitung" theilt folgen­den Erlaß des Reichsministers der Marine an den Koutrc- Admiral Brvmmy mit:Im Begriff, sein hohes Amt in die Hände der interimistischen Bundeökommission niederzulegen, hat Se. kaiserl. Hoheit der Erzherzog Reichsverweser mich be­auftragt, den Officieren und Mannschaften der Flotte und des Marinekorps, sowie sämmtlichen Beamten der Marine, unter Anerkennung ihrer geleisteten Dienste in seinem Namen Lebe­wohl zu sagen. Es gereicht Sr. kaiserl. Hoheit zur innigsten Genugthuung, daß unter seiner Leitung nach mehrhundertjäh- riger Wehrlosigkeit Deutschlands zur See so erfreuliche und bedeutende Anfänge einer deutschen Kriegsflotte haben ins Le­ben gerufen werden können. Das Heranwachsen dieser ersten sichtbaren und gesicherten Frucht eines großen nationalen Be­strebens hat den Rcichsverwkscr Deutschlands wesentlich befrie­digt. Auch fernerhin wird die gedeihliche Entwickelung dieser vielverheißenden Schöpfung einen Gegenstand der lebhaftesten Theilnahme und innigsten Wünsche Sr. kaiserl. Hoheit des Erzherzogs bilden. Indem ich die Versicherungen hinzufüge, daß auch ich die Ausbildung der deutschen Marine mit dem regsten Interesse und den aufrichtigsten Wünschen des Ge­deihens verfolgen werde, kann ich von ihrem gesummten Per­sonal nicht Abschied nehmen, ohne zugleich meinen Dank aus- zusprechen für das Vertrauen, das mich unterstützte, so lange ich die Ehre hatte, derselben als Minister vorzustebcn. Sie werden hierdurch, Herr Admiral, beauftragt, das Vorstehende dem gesummten unter Ihrem Befehle stehenden Marinepersonal durch Tagesbefehl kund zu thun."