Einzelbild herunterladen
 

Neue Hessische Zeitung.

Organ der konstitutionellen Partei.

Mittwoch, 9. Januar 1850. ^^ 13. Abend - Ausgabe.

Der Tag rückt heran, an welchem das deutsche Volk durch Die Wahl seiner Vertreter zum deutschen Reichstage in Erfurt sich bei der wichtigsten Angelegenheit des Vaterlandes beteiligen soll. Die unermeßleche Bedeutung dieses Tages drängt uns, mit einem ernsten und wohlgemeinten Worte vor Euch hinzutreten.

Nach gewissenhafter und sorgfältiger Prüfung, im Einverstänvniß, unter dem Beifall der Volksvertretung, hat die kur­hessische Regierung den einzig noch möglichen Weg der deutschen Einigung betreten, welcher, unter dem mächtigen Vorgänge deS größten deutschen Brudervolkes, von der großen Mehrheit der deutschen Staaten eingeschlagen worden ist. Sie haben sich vereint, um dem deutschen Volke nach langen Leiden und trostloser Zersplitterung endlich dasjenige zu geben, wonach es seit Jahrhunderten sich gesehnt, in den verderblichen Parteikämpfen der letzten Jahre vergebens gerungen hat: Einheit, Festigkeit, Macht, Freiheit und Wohlfahrt. Diese hohen Güter, ohne welche es für unser Vaterland kein Heil und keine Zukunft gibt, sollen jetzt dem deutschen Volke nicht länger vorentballen bleiben. Sie werden ihm Dargeboten, Dargeboten in einer Verfassung, deren Grundzüge und Bestandtheile von seinen Vertretern zu Frankfurt selbst berathen und beschlossen worden sind. Sie werden ihm Dargeboten und entgegengebracht: es kommt nur darauf a n, daß es sie annehme.

Die Vertreter des kurhessischen Volkes haben den Werth der Dargebotenen Verfassung erkannt und ihrer Scits nichts ver­

Denn

vorbe- v o l l- welche

säumt, um Die Annahme Derselben einzuleiten. Sie haben das Wahlgesetz beschlossen, welches die Beschickung des Reichstages und Die Annahme der Verfassung für den deutschen Bundesstaat vorbereitcn soll. Regierung und Stände haben das Ihrige gethan und die große Aufgabe ist jetzt an uns selbst, an Die kurhessischen Wähler übtrgegangen.

Mitbürger! So nahe dem Ziele, dessen bloßer Gedanke noch vor zwei Jahren Die kühnste Phantasie dahinten ließ, dessen entfernte Möglichkeit noch vor so kurzer Zeit Die edelsten Herzen höher schlagen machte, so nahe Den ersehnten Gütern, Deren Erreichung jetzt in unsere Hände gegeben ist, müssen wir der ganzen Bedeutung unserer Aufgabe uns erinnern, von Den Wahlen, Die wir treffen, wird es abhängen, ob das Werk zu Stande kommen soll.

Wahrend überall, wo sich die Wahlen zum deutschen Volkshause im Sinne des konstitutionellen Bundesstaates reiten, Die verschiedensten politischen Ansichten in der Einen Ueberzeugung Zusammengehen , daß Die sofortige und ständige Annahme der Verfassung nicht genug empfohlen werden kann, tauchen Ansichten und Bestrebungen auf, ein entgegengesetztes Ziel verfolgen. Nachdem es nicht gelungen ist, im Bunte mit den volksfeindlichen Mächten des Ostens, den Reichstag und damit die Gründung des Bundesstaates zu hintertreiben, soll das verderbliche Beginnen noch einmal in anderer Weise und in der letzten Stunde wiederholt werden. Falls nämlich Der Plan gelänge, welcher die Verfassung noch­mals reviviren und vornehmlich die mit den frankfurter Beschlüssen übereinstimmenden Punkte auemerzen will, dann würde uns nicht bloß vieler verwerfliche Zweck, sondern auch Der Untergang des ganzen Verfassungswerkes bedrohen. Der Streit der Meinungen, bei jedem einzelnen Verfassungsparagraphen wiederholt, würde die Verfassung wiederum in ungewisse Fernen Hinausschikben, vielleicht auf’S Neue die Beute Der Parteiung werden lassen. Die kostbare Zeit bis zum 26. Mai verlieren, heißt vielleicht vas hohe Ziel für alle Zeit verlieren.

Mitbürger! Diesem letzten Versuche des gemeinschaftlichen Feindes entgegenzutreten, wird der oberste Gedanke bei dlksen Wahlen sein müssen, und so sehr wir auch entfernt sind, für das Verhalten eines Volksvertreters im Einzelnen unzu- läslige Instruktionen vorzulchlagen, Darin möchten wir doch, daß Ihr einig wäret: Euch Gewißheit zu verschaffen, daß Eure Vertreter für sofortige und vollständige Annahme der Dargebotenen Verfassung sind.

Mitbürger! Wenn wir in diesem Sinne unserer Wahlpflicht genügen, dann dürfen wir dem Erfolge mit gutem Gewissen entgegensehen. Für uns streitet das tiefe Bedürfniß des deutschen Volkes, welches, unfähig neue Bedrückungen zu leiden, aber auch außer Stande, neue Revolutionen zu ertragen, weil Wohlstand, Bildung und Freiheit dabei zu Grunde gehen würden, auf die ruhige Gestaltung des deutschen Vaterlandes gerichtet ist. Für uns streitet der dargebotene Entwurf einer Verfassung, welche erst Die rechte Gewähr für alle unsere heimischen Freiheiten enthält, die nur im Bundesstaate garanhrt, in Der allgemeinen Zersplitterung aber jedem Sturme Preis gegeben sein werden. Für uns streitet die ^veisbclt und der Patriotismus unserer Regierung, welche man mit Recht für Die volksthümlichfte in Deutschland hält; für uns stielte der Ausspruch und das Streben unserer Volksvertretung, für uns das Zeugniß und das unablässige Ringen un-

Männer. Zwar haben im Angesichte Dieser Urkunden und Zeugnisse Die Herren Bayrboffer, Berlitt, Förster, " Loth, Theobald und Weinzierl in diesen Tagen in einem „Aufrufe an die Volkspartei Kurhtssens" versichert, oap der âdesstaat unsere Freiheit vernichten werde und daß Ihr im Namen Der Ehre, der Freiheit, der Gerechtigkeit, Der ^ruoeriiebtett, nicht wählen Dürfet; doch wird gerade Die Volkspartei, zu Der wir jeden guten Bürger zählen, ohne Mühe eii st ei en onnen, wessen Zeugniß das gewichtigere sei, und wessen Stimme Die größere Beacknung verdiene. Sollte bei irgend v ™™ hierüber obwalten, so wird Die Versicherung jener Herren, daß auch Oesterreich und die Könige das ^ailamknt nuM tooUen, grade Der Volkspartei die Entscheidung erleichtern helfen.

h trollen sich erfüllen; von uns wird es abhängen, ob sie zum Heil oder zum Verderben sich

Nation ist ein schwer erreichbares Gut, welches das neidische Schicksal ven Völkern nicht unD ^ent^eiDeH 'tl' gknheet dazu, einmal verscherzt und leichtsinnig vergeudet, kehrt vielleicht niemals wieder. Wählt

^llsbcrg, ^berger-.Anwalt. Bax, Landtags-Abg. Bcuther. L.A. Braun, Lehrer. Brehm, L.A. Brenner, L.A. ^rebcrfing, Sekretär. Gundlach, L.A. Hahndorf, L.A. Dr. Harnier, Assessor.

Q , Kaufmann. Henkel, L.A. Heraeus, Dr. phil. Heymel, L.A. Hoos,

^""9,. ânegs-Kommiffar. Dr. Lieberknecht, L.A. Lüken, Schreinermeister. Manns , L.A.

Steyer, ^"ststonalrath. Mollat, Metzgermstr. Müller, L.A. Nebelthau, L.A. Nöding, L.A. Oetker, L.A. Pfaff, Ur. phil. Pfeiffer , L.A. Dr. Philippi, Direktor. Reinicke, L.A. Sauer, Schuhmacherinstr. v. Schenck zu Schweinsberg, Geb.Ralh a. D. v. Schenck zu Schweinsberg, -^beiger. JJiat. Scheuermann, Kfm Schneider, L.A. Schneider, Bäckermstr. Schwedes, Geh.Raih. Schwerzer, Revisor. Dunkel, L.A. Vogt, Fabrikant. Weibczahn, Referendar. Wiederhold,