— 51 —
wodurch er die Kammer zur Beurtheilung dieser Angelegenheit in den Stand gesetzt hatte, an sie gelangen zu lassen, und daß die Kammer die Mittheilung dieser Skripturen au sie erwirken möge. Dr. Wilhelm Schulz zeigte in einem aus Zürich da- tirten Schreiben an, daß er sein Mandat als gewählter Abgeordneter in die Hände seiner Wähler zurückgegeben habe, und legte darin ausführlich die Motive dieses seines Entschlusses nieder. Weiter stellten mehrere Abgeordnete einen Antrag auf Vorlegung eines Gesetzentwurfs wegen Amnestirung in Bezug auf politZche Vergehen in den beiden vorhergcgan- gcnkn Jahren u. s. w. (O.-P.-A.-Z.)
Main;, 5. Januar. So eben erscheint eine Bekanntmachung des Fcstungsgouvcrnrments, wonach alle Tumultuanten sofort von den Militärpatrouillen verhaftet und nach der Citadelle gebracht werden. Wie weit die Frechheit unserer ehemaligen Freischärler geht, mögen Sie daraus entnehmen, daß dieselben in einer der jüngsten Nächte förmlich auf dem Markte ausmarschirten, wobei sie von ihrem Führer verlesen, mit einem lauten „Hier" antworteten, und nachdem sie ihrem Hauptmann ein „Hoch" gebracht, lärmend auseinander gingen. Und das geschieht in der Bundesfestung Mainz, in welcher sich eine Garnison von 10,000 Mann verlässiger Truppen befindet.
Mannheim, 5. Januar. Der Vorort der vaterländischen Vereine hat einen Aufruf an die Wähler für dieRcichs- tagswahlen erlassen. Am 8. Januar beginnen die Wahlmännerwahlen für die badische Kammer; Bürgermeister Reiß ist zuerst in Vorschlag gebracht.
Stuttgart, 3. Jan. In dem neuesten Aufsatze in der Würl. Ztg. über die Stellung der Märzministcr in Württemberg, erzählt Römer folgenden charakteristischen Zug aus dem Stuttgarter Rumpfparlament: „Von der Unverschämtheit eines Theils der Tonangeber der Nationalversammlung will ich nur ein Beispiel anführen: Gleich in der ersten Sitzung des hierher übergesiedkilen Parlaments riefen Einige von der äußersten linken Seile: „Fickler müsse freigegeben werden." Ich entgegnete ihnen: „er wird nicht freigegeben werden, in diese Angelegenheit habt Ihr Euch nicht zu mischen", — und nun kam Vogt zu mir her und äußerte gegen mich mit gewohnter Insolenz: „Fickler muß freigelassen werden". „Auf wessen Befehl?" fragte ich. „Auf Befehl der Nationalversammlung", entgegnete Vogt. Ich antwortete ihm: „Wenn Ihr Euch brutal in Dinge mischen wollt, die Euch nichts angehen, so wird man kurzen Proceß mit Euch machen". Vogt: „Wer?" Ich: „Die württembergische Regierung". Vogt: „Das wird die württcmbergische Regierung wohl bleiben lassen." Ich: „Sie wird cs nicht bleiben lassen, und gegen Euch kann sie Alles wagen". Vogt spielte damals die "Hauptrolle. Und mit diesem Menschen hätte ich mich verständigen sollen? Ganz Europa hätte , und zwar mit Recht, über uns gelacht, wenn wer solchen Impertinenzen nachgcgeben hätten."
?tus Württember«;, 4. Jan. Die öffentlichen Kundgebungen für den Anschluß an den von, Preußen angestrebten Bundesgaat, sowie für das erfurter Parlament mehren sich in unserm kande. Der vaterländische Verein in Herrenberg tritt der betreffenden Erklärung des stuttgarter Vereins unter der £ i Dingung bei, daß sowohl die einzelnen Regierungen als auch der erfurter Reichstag alles aufbieten werden, damit der deutsche Bundesstaat in möglichst enger Beziehung zu Oesterreich bleibe. jn Nagold liegt eine dem Kapffschen An- trag sich anlchließende Adresse auf, und wird nächstens an dle königliche SlaatSregierung nach Stuttgart abgehen Auch aus den altwürttembergischen Gemeinden laufen immer mehr Erklärungen für den Bundesstaat ein.
, Oesterreich.
Wien, 1. Januar. Aus Frankfurt wird dem Lloyd heute die Mittheilung gemacht, daß eine Verständigung zwi- den Mitgliedern des Interims erfolgt ist. So lebhaft der Eindruck war, den diese Nachricht hervorbrachte, so ist doch noch bemerkenSwerther der Nachsatz des Korrespondenten: „es ist den Herren v. Radowitz und Bötticher gelungen, die' Herren Kübeck und Schönhals zu überzeugen, daß es gar nicht in der Macht Preußens und der mit ihm verbündeten
Staaten liege, aus dem engeren Bunde zurückzutreten." Die Bestätigung oder eine Erläuterung ist abzuwarten. Der an# gehängten Versicherung, daß Oesterreich aus dem Endziele der preußischen Bestrebungen keine Besorgnisse erwachsen können, schenkt man hierorts noch nicht überall volles Vertrauen.
Frankreich.
Paris, 4. Januar. Der Ministerrath hielt heute unter L. Napoleon'S Vorsitz eine zweistündige Berathung im Elysee. Die „Estasctte" will wissen, daß dem Ministerrache Mittheilung von wichtigen Nachrichten aus Deutschland gemacht worden sei. — Der amtliche „Moniteur" enthält jetzt das vom 1. Januar datirte Dekret, durch welches der kraft des Gesetzes vom 14. Oktober 1848 in den Vollgenuß seiner Rechte als Franzose und als General wieder eingesetzte Divisions- General Jerome Bonaparte, unter Hinweisung auf seine militärischen Dienstleistungen von 1807 bis zur Schlacht von Waterloo, zum Marschall von Frankreich ernannt wird. — Gestern Vormittag hielten zuerst der türkische und dann der englische Gesandte lange Konferenzen mit dem Minister des Auswärtigen. — Nach dem Wochenberichte der Bank hat ihr Metallvorrath um 1'/,, ihr Notenumlauf um 13'/, und der Betrag ihrer Discontirungen um fast 7 Millionen zugenom- mcn, während die laufende Rechnung des Schatzes sich um etwa 3'/, Millionen verminderte. — Einem Gerüchte zufolge hätte gestern Abends das ganze Ministerium seine Demission gegeben, was jedoch schwer zu glauben ist. In allen Ministerien herrschte aber heute Vormittags große Bewegung, und die Mitglieder der Majorität hielten gestern Abends mehrere Konferenzen.
— General Grammont hat zur Verbesserung des Abstim- mungsverfahrens in der Nationalversammlung einen Vorschlag eingereicht, wornach jedes Mal, wenn die Zählung der Stimmen nicht mindestens eine Majorität von 5 Stimmen ergibt, das Ergebniß des Scrutiniums erst nach der sorgfältigsten Prüfung bekannt gemacht werden soll. — Auf den Wunsch des Finanzministcrs bat die Bank von Frankreich beschlossen, die Zahl ihrer Zweigbanken in den Departements zu vermehren. — Die heutige Sitzung der Nationalversammlung beginnt mit 2 Scrutimen für die Ernennung des Präsidenten, der Vicepräsidentcn und Sekretäre, worüber volle zwei Stunden verfließen. Das Ergebniß in Bezug auf die Präsidentenwahl ist, daß Dupin mit 288 Stimmen abermals für ein Vierteljahr gewählt ward. Die Versammlung setzt sodann die Berathung über die La Plata-Angelegenheit fort. Der Berichterstatter der Kommission, Daru, äußert, daß die Kommission, dem Willen der Versammlung gehorchend, das Amendement de Rancè's geprüft habe und nach reifer Erwägung bei ihren Beschlußfassungen, dahin lautend, daß der Vertrag Lepredour nid)t ratificirt werden könne, stehen geblieben sei. Da jedoch die völlige Aufgebung des Vertrages von Niemandem angerathen werde, so glaube die Kommission, daß man das letzte Mittel anwenden müsse, um den Krieg zu vermeiden. Sie schlage daher vor, das Amendement de Rancè's durch folgenden Vorschlag zu ersetzen: „Die Nationalversammlung ladet die vollziehende Gewalt ein, die Unterhandlungen, welche sie am La-Plata forlzusctzen beabsichtigt, durch Streitkräfte zu unterstützen, welche geeignet sind, deren Erfolg zu sichern und unsere Landsleute wirksam zu beschützen." Eine längere Aufregung folgt der Rede Daru's. Nachdem de Nancè sein Amendement zu vertheidigen gesucht hat, spricht Laussat für die Ratifikation des Vertrages Lepredour, worüber heftiges Murren entsteht. Der Redner ist bei Abgang der Post noch auf der Tribüne.
Italien.
Turin, 29. Dec. In der heutigen Kammersitzung wurde Herr PmcUi mit 79 unter 125 abgegebenen Stimmen zum Präsidenten gewählt.
Türkei.
General Bcm ist als Jerik Pascha (Divisions-General) definitiv bei der Armee angestellt und zum Korps nach Ara- bistan (Syrien) beordert worden. Man erzählt sich in Konstantinopel von einem Attentate eines Kroaten auf Kossuth und Bem. In der englischen Mission flüstert man sogar von