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gegenwärtigen Umständen zu bessern möglich ist. Was wäre im November aus dem Staat und aus Den Grundlagen Der allgemeinen Sittlichkeit geworden, wenn man nach Der Weise Der Kreuzzeitung Nichts auszusteUen, Nichts zu bieten gewußt hätte, als Die abstrakte Forderung DerFurcht des Herrn" ? Nein, Die November-Minister mußten ihre Aufgabe lebendiger und ernster aussassen. Sie wollten den Forderungen Der Besseren unter dem Bolte durch aufrichtige Reformen ent# gegenkommen, um sich so Die Mitwirkung derselben zu Dem neuen Ausbau des Staalsgebäudes zu sichern, zugleich aber suchten sie, insoweit es irgend möglich war, an Die Ge­schichte anzuknüpfen und das Princip Der Erhaltung, wie das Der Autorität, welche fast verschwunden waren, wieder zu kräftigen. Indem sie von dem alten Organismus abthalen, was feine Lebenskraft mehr in sich batte, was zu einer Schein- existenz entartet war, handelten sie konservativer, als wenn sie im eigensinnigen Beharren auf theoretischen Ansichten dem Erstorbenen mit Gewalt wieder Leben zu geben versucht hätten. Sie handelten aus der Ueberzeugung, daß es nicht, wie Die Kreuzzeitung meint, darauf ankam,bloß Normen zu finden für das Recht", sondern in Der That wieder Recht zu machen, und zwar in möglichster Anknüpfung an das bisherige Recht. Hätten sie in frommer Beschaulichkeit bloß denNormen des Rechts" nachgejagt, so wäre unterveß Gesetz, Recht, Civilisa­tion und Glaube völlig zu Grunde gegangen, ohne daß Die träge Masse, der todte Klumpen der Konservativen", wie die Kreuzzeitung selbst sie nennt, Dem Ruin Einhalt gethan hätte. Jetzt ist durch das Verdienst Der November- Weisheit wieder ein Boden gewonnen, in welchem Die Keime Der Sitt­lichkeit und des Glaubens, wie die Keime des VölkerglückS von Neuem gepflegt werden können. Mögen Die Männer der Kreuzzeitung hierzu mit Entschiedenheit, aber vor Allem mit Demuth Mitwirken. Soll aber das Werk gelingen, so wer­den sie davon ablasien müssen, Die Autorität Der Regierung in ihren Kreisen eben so tief berabzusetzen, wie die Demokra­tie es in den ihrigen thut. Es könnte nicht ohne die trau­rigsten Folgen bleiben, wenn sie fortführe, das Ansehen, dessen Die Regierung noch immer in so hohem Maße bedarf, durch Den täglichen Vorwurf des Verraths, des Treubruchs und Der Unsittlichkeit zu schwächen.

Hannover, 3. Januar. In Der heutigen Sitzung zwei­ter Kammer wurde das Schreiben der Regierung, das Sckneks- gericht zu Erfurt betreffend, an Die Abgeordneten vertheilt. Der Antrag der Regierung gebt dahin:Daß die allgemeine Ständkversammlung mit Rücksicht auf Die über das proviso­rische Bundesschicdsgcrichk unk über die Kompetenz desselben am 26. Mai v. I. getroffenen Verabredung"n der Regierung Die Autorisation ertheile , für Die weitere Entwickelung des Instituts unter Ausdehnung seiner Wirksamkeit über ganz Deutschland in Gemeinschaft mit Den übrigen Regierungen die geeigneten Schritte zu thun." Ferner wird von der Re­gierung Ständen Die Verheißung ertheilt:Insofern für Die Folge, sei es während der Dauer des jetzigen Vertrags oder bei längerer Fortdauer des provisorischen Bundesschiedsgerichts, die Besetzung einer Bundesschiedsrichter-Stelle der Regierung zusteht, halten Wir es für wünschenswerth, daß eine ständische Mitwirkung in Der Weise eintritt, daß die Regierung den allgemeinen Stänken Drei qualificirte und als gründliche Rrchtsgelehrte bekannte Personen vorschlage, und daß für die Stelle des hannoverschen Bundesschiedsrichters von Sr. Maj. Dem Könige Diejenige ernannt werke, für welche sich die all­gemeine Ständeversammlung aussprechen wird."

München, 3. Januar. Den in hiesigen und andern Blättern wiederholten Gerüchten von einem theilweisrn Wech­sel in Den Ministerialvorstänken kann ich aus guter Quelle widersprechen. Ohne alle Begründung ist ferner Die durch viele Zeitungen verbreitete Nachricht, daß die baierische Re­gierung eine bestimmte Erklärung von Oesterreich über Absicht und Bedeutung Der Truppenaufstellung in Tyrol und Vorarl­berg verlangt habe. (A. Z.)

München, 3. Januar. Der Erzherzog Johann mit seiner hohen Familie nebst Gefolge ist kiesen Abend mit dem

letzten Bahnzug von Augsburg hier eingetroffen, und im Gast­hof zum baierischen Hof abgestiegen. Se. kais. Hoheit hatte allen und jeden feierlichen Empfang abgelehnt, und wurde deßwegen nur aus Dem Bahnhöfe von Dem Regierungspräsi­denten und Den Behörden Der Stadt und im Gasthof von Dem Ministerpräsidenten v. d. Pforkten und Dem Obersthof- meifter des Königs empfangen. Professor Fallmeraper wird, wie ich Ihnen aus sicherer Quelle mittheilen kann, in kurzer Zeit von Der Schweiz aus eine Reise in den Orient antreten; vorerst soll sein Ziel Konstantinopel sein. (A. Z.)

Wien, 1. Januar. Gestern Nachmittags kam ganz un­erwartet ein Marschbefehl für einen Theil der hiesigen Garni­son, welche noch am selben Tage nach Ungarn abging. Auch von anderen Seiten hört man, daß bedeutende Truppenabthei- lungrn mit großer Eile nach Ungarn abrückten. Ueber die Veranlassung dieser Märsche weiß man vorläufig noch nichts Bestimmtes, dafür laufen wieder unheimliche Gerüchte in Menge um. Wichtiger sind die vereinzelten Nachrichten, die von Der türkischen Grenze heraufkommen, wiewohl auch diese wenig Zuverlässiges bieten. Gewiß ist, daß ein starkes Armeekorps an den Grenzen koncentrirt wird, und wie man muthmaßt, weniger um gegen einen auswärtigen Feind ge­braucht zu werken, als um innerer Unzufriedenheit gegenüber imponirend aufzutreten. Die plötzlichen Truppenmärsche ver­fehlen nicht, großen Eindruck zu machen, und das Jahr 1850 beginnt wieder wie das Jahr 1849 mit vagen und nebelhaften Besorgnissen. Die hiesigen Blätter, welche eine sehr magere und trockene Notiz über das Erscheinen Der verbotenenPresse" in Brünn gebracht hatten, haben Dieserwegen einen scharfen Verweis erhalten und sind abermals aufs Strengste verwarnt worden, DerPresse" auch nicht mit einem Worte zu erwäh­nen. Sie darf hier in Wien gar nicht existiren. In Ungarn ist sie bereits verboten worden, und aus Galizien erwartet man dieser Tage die Nachricht ihres Verbots. Der heuti­gen Wiener Zeitung wurde vom Publikum mit großer Erwar­tung entgegengesehen. Jever hoffte auf irgend eine Ueberra- schnng, Die Einen auf Amnestie, Die Anveren auf eine Reihe von Ernennungen zu Franz-Josephs-Rittern, die Dritten auf Proklamirung Der Landesverfassungen. Alle Erwartungen wurden getäuscht. Die Residenz hat vom Ministerium kein Neujahrsangebinde erhalten, wohl aber vom Gouverneur, denn von gestern an, ist es Den Gast- und Kaffeehäusern gestattet, ihre Lokale bis 2 Uhr nach Mitternacht offen zu lassen. Darüber herrscht großer Jubel in Den Kreisen unserer karne- vallustigen Welt.

Wien, 2. Januar. Ueber die Landesverfassung von Oesterreich ob und unter Der Enns erfahre ich so eben: Die Landtage werden jährlich einmal einberufen. Der Kaiser hat das Recht, sie zu versammeln und aufzulösen. Der Statt­halter hat das Recht, jederzeit das Wort zu ergreifen eben so dessen Bevollmächtigte. Die Wahlen werden in 3 Ab­theilungen vo> genommen, wovon die erste die Höchstbesteuerte des Landes. Wien hat eigene Vertreter, das flache Land wird in Bezirke getheilt. Zu den Eigenschaften Der Wählbarkeit gehört ein gewisser Census. Eine Abtheilung kann auch aus der anderen wählen.

Wien, 2. Januar. Gestern Abend ist auch das 3. und 4. Bataillon des italienischen Infanterieregiments Ceccopieri von hier zur Nordarmee nach Böhmen abgegangen. In Triest waren am 30. v. M. wichtige Nachrichten mittelst Dampfboots aus Konstantinopel vom 22. v. M. eingelaufen, welche in ziemlich übereinstimmender Weise in Den Abend- Journalen mitgetheilt werden. Demnach hatte sich Der poli­tische Horizont Dort aufs Neue umwölkt, und namentlich über­ließ sich Der Handelsstand bangen Besorgnissen. Das russische Kabinet hat nämlich Die Erklärung abgegeben, daß es mit der Pforte nur ohne Englands Einmischung unterhandeln werde. Der Divan hat sich schon dreimal versammelt und berathen, ohne noch zu einer Erwiderung auf Rußlands Forderung ge­langt zu sein. Das englische Geschwader, 7 Linienschiffe und 5 Dampfer stark, ankerte in Den Gewässern von Muskonisi, woselbst es auch überwintert, während das französische Ge-