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Neue Hessische Zeitung.

Organ -er konstitutionellen Partei.

Dinstag, 8. Januar 1850. %A? 12» Morgen - Ausgabe.

Diese Zeitung erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein Unlerhaltungsblatt bei (tgeben. Die Morgen-AuSgabe wird von'/,11 bis 12 Uhr, die Abend-AuSgabe in Kassel von 5 bis 7 Ubr erpcdirt. Sonnabends erführt bis Ausgabe nur Abends, sonntags nur Morgens. Man abonnier bei allen tödlichen Postämtern, in Kassel in der Luckhardt'schcn und Voll mann scheu Buco - und Kunsthandlung. Der Abonnementspreis beträgt halbjährlich 3 Thir., vierteljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., wofür aUt kurbtsüsehen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen werden mit I Sgr. für den Raum einer Petiizeilc berechnet.

Deutschland.

Kassel, 6. Januar. DieHornisse" schließt das Jahr 1849 mit dem Beweise, daß die konstitutionelle Partei völlig besiegt sii und ter von Vilmar in Marburg redigirte Volkefrcund" beginnt das neue Jahr mit dem entscheidenden Aussprüche, daß die konstitutionelle Partei vollständig ruinirt sei. Wenn so die entgegenstehenven Meinungen übercinstim- men, dann muß es wohl wahr sein und der armen ruinirtcn Partei wird am Ende nichts übrig bleiben, als ihr Bündel zu schnüren und schnurstracks entweder in das Lager ter Demokratie überzugehen und die rothe Hahnenfeder auf den Hut zu stecken, oder sich dem rettenden Absolutismus in die Arme zu werfen und mit dem schwarzen Kreuze derNeu- preußischcn" dir Brust zu schmücken. Es ist nur schlimm, daß Vie Wahl so schwer ist. Wie wäre es, wenn die Kon­stitutionellen einstweilen noch ein wenig an den einmal einge­wurzelten Grundsätzen fcsthiclten und es abwartelen, bis eine der sonst widerstreitenden und jetzt so schön harmonirenten Parteien ihre bescheidenen Zweifel darüber lösen möchte, auf welcher Seite Sittlichkeit und Wahrheit, welche wir bisher zwischen den Uebertreibungen der Extreme gesucht haben, zu finden sei?

* Berlin, 6. Januar. Die ministeriellen Blätter setzen ihren Kampf gegen Vie Kreuzzeitung, der endlich zu einem entschiedenen und Gottlob unheilbaren Bruche gelangt ist, heute mit Lebhaftigkeit fort. Die im literarischen Kabinrt des Ministeriums geschriebene C. C., für welche dieser Kampf nicht neu ist, führt ibn in der überlegenen und geistreichen Weise aus, welche diesem von bedeutenden publicistischen Ta­lenten getragenen Organe eigen ist. Die Deutsche Reform aber, welche in ihren eigentlichen Leitern bisher immer nur mit rücksichtsvoller Schonung sich darauf beschränkte,die Feinde rechts" anzuteuten, nicht geradezu anzugreisen, hat heute das Visir aufgeschlagen und bringt einen geharnischten höchst unumwunden ausgestellten Fehkebrief. Sie sagt darin u. A. Folgendes:Der Rundschauer der Neuen Preußischen Zeitung hat in den December - Betrachtungen einen großen Schritt weiter gethan in dem erbitterten Kampfe, welchen das genannte Blatt feit längerer Zeit schon gegen die jetzige Re­gierung begonnen hat. Erbittert nennen wir den Kampf, und in der 3bat kennen wir keine verletzendere Polemik, als die, welche in jenen Spalten gegen das Novemberministerium gesuhrt wird. Von Zeit zu Zeit zwar läuft noch eine Re­densart von derDankbarkeit und der Hochachtung" mit* unter, welche den Männern der Novembertbatentrotz ihrer schweren Verirrungen zu zollen fei für das Große, was sie dem Vaterlande geleistet," - aber solche Phrasen klingen wie eine bittere Ironie in dem Schwall von Verdächtigungen und Schmähungen, welche nicht etwa gegen einzelne Akte, sondern gegen das ganze System, gegen den Geist der Re­gierung tagtäglich geschleudert werden. Seit Monaten er­scheint fast keine Nummer der Neuen Preußischen Zeitung, in welcher die Politik des Ministeriums nicht als eine Politik des Abfalls von Gott und des Verraths an der eigenen Mission dargestellt würde, als ein Buhlen mit der Gottlosig- reit und der Revolution, als ein erbärmliches Verzweifeln an

der Kraft und an der Aufgabe des preußischen Staats. Von keiner andern Seite wird das Innerste und Heiligste, werden Pflichttreue und Gewissen der Minister so tief verletzt, als von dem Rundschauer, welcher, wie es scheint, in seinemGlauben" und in seinerchristlichen Liebe" eine Berechtigung zu ehrenrührigen Angriffen gegen die schwachgläubigen Sünder" im Ministerium findet, wie sie keiner der demokratischen Gegner in feinem Hasse je gefunden hat. Wir müssen um der Politik und um des Glaubens selbst willen gegen den Mißbrauch prote stiren, welcher in jenen Aufsätzen immer und immer wieder mit dem Namen Gottes getrieben wird. Wir wissen sehr wohl, daß an eine Heilung der Schäden, an welchen das Menschengeschlecht schwer darnieder liegt, nicht zu denken ist, so lange nicht dafür gesorgt wird, daß durch ein erneutes inneres Leben aus der Kraft des Glaubens die Sittlichkeit des Volks wieder gestärkt wird, wir wissen, daß alle Staats- weisheit kitelcs Streben ist und nichts wahrhaft Gedeihliches zu schaffen vermag, wenn sie sich von dem Urquell aller Weisheit lossagt; wir sind überzeugt, daß auch die Män­ner, welche jetzt an der Spitze unserer Regierung stehen, nir­gends anders ihre Kraft und ihren Muth geschöpft haben. Aber so groß auch die Freudigkeit sein mag, welche ihnen der Glaube zu ihrem Werk gegeben hat, so hat dieselbe sie dar­über doch nicht täuschen können, daß der Glaube selbst ihnen nicht die unmittelbare Lösung der gro­ßen verwickelten Fragen geben kann, zu deren nächster Erledigung sie berufen sind, daß sie im Glauben vielmehr nur die Kraft der Demuth und der unbefangenen Hingebung finden können, wodurch es ihnen möglich wird, die Verhältnisse und die Thatsachen klar zu erkennen und nach dieser Erkenntniß zuver­sichtlich zu handeln. Dieß eben war für sie die Gna­den gäbe des Glaubens. Es ist nicht möglich, aus den täglichen Artikeln, oder ans den Monatsaufsätzen der Neuen Preußischen Zeitung zu entnehmen, was sie im November, was sie später, was jetzt hatte gethan wissen wollen; denn es ist ihr nie genehm gewesen, irgend einen positiven, praktischen Gedanken zur Lösung einer der schwelumden Fragen aufzu- steUen, wahrscheinlich, weil sie keinen hatte. Zwar mehrt sie diesen Vorwurf in einem neuesten Artikel, betitelt:Der Kreuz­zeitung Wollen", sehr zuversichtlich ab, indem sie die Furcht des Herrn als den Anfang aller Weisheit für sich in Anspruch nimmt, aber wir müssen bedauern, daß aus jenem Anfang und Ur­quell der Weisheit, auf den sie in abstraktester Weise so gern hinweist, bei ihr niemals ein konkreter Gedanke zur weisen Gestaltung irgend eines Verhältnisses entwickelt worden ist. Wie die Furcht des Herrn und seine Gnade sich nicht in denen am meisten offenbaren, welche sich aus dem Getümmel der Welt in eine beschauliche Einsamkeit zurückziehen, sondern in denen, welche inmitten der Welt ihren Glauben kräftig zu bethätigen bemüht sind, so können wir auch in der bloß ver­neinenden Stellung des Rundschauers gegen die Zustände des jetzigen Geschlechts die Kraft der Gottesfurcht bei Weitem so sehr nicht erkennen, wie in der selbstverleugnenden Hingebung der Männer, welche zu bessern bemüht sind, was unter den