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für tiejmigen politischen Flüchtlinge, welche nachfolgenden Bedingungen entsprechen: 1) daß sie hinreichend nachgewiesen haben, daß sie wirklich politische Flüchtlinge sind; 2) daß sie die zu ihrem Unterhalte nöthigen Mittel nicht besitzen, oder nicht im Stande sind, sich dieselben aus ihrer Heimat» zu verschaffen, oder ihr Leben nicht mit Arbeit durchzubringen vermögen; 3) daß sie allzu gravirt sind, um gegenwärtig in ihre Heimath zurückzukchren, ober die zu ihrer Rückkehr erfor­derlichen Schriften sich nicht haben verschaffen können; 4) daß sie sich gut aufführen.

Türkei.

Konstantinopel, 20. December. Am 15. ist der russische Lieutenant Hr. Semenoff als Kurier des Kabinels von St. Petersburg mit Depeschen für die hohe Pforte so­wohl, als für Hrn. Titos eingetroffcn. Das Zcrwürfniß der Pforte mit Rußland und Oesterretch ist nun doch ernster ge­worden, als man glaubte. Kaiser Nikolaus besteht darauf, daß er nicht mehr mit ter Pforte unterhandeln wolle, wenn Diese nicht von Englands Elnfluß sich befreie. Die englische und französische Flotte stehen noch immer bri Moschenisi und Burla und werden ohne weiteren Zweifel auch in diesen Mee­ren überwintern. Der Divan hat sich schon drei Mal ver­sammelt und berathen und wieder berathen, ohne mit sich darüber ins Renne zu kommen, was auf Rußlands Forderung zu erwiedern sei.

Griechenland.

Athen, 20. Dezember. Das gesammte Ministerium ist zurückgelreten und aller Orten, zumal aber auf den Inseln, zeigen sich Symptome zum Ausbrauche neuer Um üben. Die Königin wird wegen ihres Berlehrs mit freiheilsfeindlichen Günstlingen sehr lebhaft angegriffen. Da indeß kein Volk so schnell mit Lügen und Verläumdungen zur Hand ist als das griechische, so darf man jenen Anklagen nicht unbedingten Glauben schenken. Dem Könige — und das ist leider That­sache — fehlt alle und jede Energie, um sich von dem Spiel der Parteien zu befreien und eine wahrhaftig den allgemeinen Landcöinteressen dienende Politik cinzuschlagen.

Amerika.

Laut einem Privatbriefe der D. Z. aus Highland, Staat Illinois, ist H.ckcr's Farm sehr belebt. Der romantische Re­volutionär hat seine Familie mitgebracht und ist ein rüstiger, von seiner Umgebung geachteter Bauer geworden. Seine Be­sitzung liegt zwischen dem „Jura" und dem „Rigi." Zum Nachbar hat Hecker den Sohn des Genfer Hillier Constant, der auf dem „Sonnenberge" wohnt, ferner den ehemaligen Stadtrath Bury von Nürnberg und den Pfarrer Vouillez von Lausanne. In der Nähe wohnt der Pfälzer Bernays, vor 1848 viel genannt als Redakteur des Pariser „Vorwärts" tn seiner schmutzigsten Periode und als Korrespondent, der gutgesinnte Blätter zu foppen liebte, nach der Februarrevolu­tion französischer D'plomat (!) in Wien während Der kurzen Dauer Der provisorischen Regierung. Annecke ist mit seiner Frau nach Wisconsin gezogen zu einem dort schon lange an­sässigen Verwandten. Brentano und Dr. Eberts, einst Re­dakteur des ephemer in Frankfurt 1848 erschienen Neichstags- blatts, wohnen auf derselben Farm, und Fröbel hat sich in Newyork allerdings mit einigen Seifrnfabrikanten vereinigt und ist in eifriger Hervorbringung dieses von deutschen Re­publikanern sonst nicht eben vorzugsweise gesuchten Produkts begriffen.

— Eine Philadelphische Zeitung theilt ein Kuriosum aus Kalifornien mit. Es ist ein Privatbrief, Der folgende Stelle enthalten soll: „Ich bin nun 8 Jahre hier und noch unbe­weibt. Mein Freund, Dr. L., ist kürzlich nach Schottland gereist Z ihm habe ich Auftrag gegeben, mir eine Frau mitzu­bringen , welche 6 Fuß hoch sein, blaue Augen und dunkel­braunes Haar haben muß. Diese vrrpflichle ich mich entwe­der zu hcirathcn, oder ihr 10,000 Dollars Rcugeld zu zah­len. Hoffentlich — heißt es in dem Briefe weiter — werden wir, wenn sich unsere Zustände nur noch etwas mehr befestigt

haben, bald 10,000 Mädchen „erster Qualität" im Lande haben; denn an Geld und Gut gebricht es uns nicht, nur an Frauen.

M a i n z, 4. Januar. Die günstige Stimmung, welche schon seit einiger Zeit für Getraive im Allgemeinen herrscht, hat sich im Pause die­ser Woche unter dem Eindrücke der fremden Ber chte noch mehr befestigt, ohne daß eS jedoch eine wesentliche Preiserhöhung zur Folge gehabt hatte. Nainentl.ch ist es Waizen, wofür sihr viel Animo besteht, und da man der Meinung ist, daß die Cerealien bereits ihren niedrigsten Standpunkt gehabt hätten, so suchen sich die früheren SB Lw feversaufer per März all- inälig zu decken, woraus erklärlich, daß hauptsächlich für Märzwaizeu so vt>lc Maiifluft hirrscht. £as Gerücht, daß in SBclgicn eine soll rhöhung für Waizen eintreten werde, hat sich bis jetzt nicht bestätigt. Für Korn zeigt sich ebenfalls ziemlich viel Nachfrage. Der Handel in Wetrairr war indessen im Pause dieser Woche von keinem Belang, da Verkäufer sehr zurückhaltend sind. Heute notiren wir: Waizen effektiv 7'/, — 77 n per März 7y, sl. Per 100 Kilogramm; Korn effektiv 5 — 57 fl” pZ März 5'/4 fl. per 100 Kilogramm; Gerste effektiv 3'%— 4 fl., per März 4—476 fl- per Malter; Hafer effektiv 27, fl., per März 3 fl. per Mal­ter. — Mit Klecsaameu ist es wieder etwas stiller, doch finden gute Qualitäten prompten Absatz; zu notiren ist: beuts.ocr 1846r 20—21 fl., 1848r 22 st., 1849r 22-—24 fl., Puzerner 20—26 fl. per 20 Kilogramm. — Im Rübolhaudil herrscht dermalen eine völlige Stagnation, indem nur in effektiver Waare für den Konsumo umgchs, doch'behaupteten die Preise ihren seitherigen Standpunkt. Eim- Preiserniedrigung durfte vor­erst nicht zu erwarten sein, da die Vorräthe sowohl von Oel als auch von Reps sehr knapp sind und der Preis dieses Rohstoffes in keinem Verhältnisse mit dem Fabrikate steht. Heute kostet Rllböl effektiv 46—467, Nthlr. per 280 Pfund leicht Gewicht mit Faß, 477, Nthlr. per 290 Pfd. leicht Gewicht mit Faß, per Mai 437, Nthlr. — Mit Mohnöl ist eS fortwährend sehr angenehm; effektiv 277, fl., per März, April, Mai 2» fl. per 50 Kilogramm ohne Faß. — pcinvl prcishaltcnb: 407,-407. Nthlr. — NepS I87, fl. — Mohnsaamcn 16 fl. — Rcpskuchcn 51 fl. Per 1000 Stück.

Tagesordnung für die Sitzung der Ständeversammlung. Mittwoch, Den 9. Januar 1850, Vormittags 10 Uhr.

1) Abstimmung über den Gesetzentwurf, die Einrichtung der Faniilicn- rälhe betreffend.

2) Berathung des Berichts des Nechtsausschusses über den Antrag des Hrn. Coster, auf Abänderung beziehungsweise Erläuterung des Gesetzes vom 26. Aug. 1848, die Auseinandersetzung der pchns- Vtrhältnisse betr.

3) Berathung deS Berichts des Budgetausschuffes über den Gesetzentwurf, die Besteuerung des Branntweins betr.

4) TcsZ. des Rechtsausschusses, über den Antrag deS Hrn. Peter, die Aufhebung der Befreiung der Prinzen des Hauses und der stan- dcsherrlichtn Familien von der Militärpflicht betr.

5) Desgl. über das Gesuch deS OrlSvorstandes zu Bockenbeim um Aus­hebung verschiedener Peistungen an die Staatskasse.

6) Desgl. über den Gesetz-Entwurf, die öffentlichen Verhältnisse der An- ________wälte betr._______________________________________________________________

Frilchtpreise.

Kassel. Vom 5. Januar.

Waizen d. Drtl. von 5 Thlr. — Sgr. — Hlr. bis 5 Thlr. 2 Sgr.— Hlr.

Roggen » * » 3 , 2 n — »m3» 6 * — ,

Gerste „ r »2 , 12 , — - - 2 , 22 * 6 »

Hafer » 0 „ 1 * 18 „ — « » 1 , 20 „ — ,

Repertoire deS Kurfürstlichen HoftbealerS.

Dinstag den 8. Januar. Die beiden Sergeanten. L-chausp. mit Tanz in 3 Aufz. nach Aubigny von Theodor Hell.

Donnerstag den 10. Januar. Robert der Teufel, ©roste Oper mit Tanz in 5 Aufz. Musik von Mcycrbecr. — Alice: Antritt- rolle der Fräulein Meyer.

Sonaabend len 12 Januar. Die Gunst des Augenblicks Ori- ginal-pustsp. in 3 Auf. von Eduard Devrient. Hierauf zum ersten Male: Ein bengalischer Tiger. Posse in 1 Aufz., nach dem Französischen von B. A. Herrmann.

Sonntag den 13. Januar. Der Zerrissene Posse mit Gesang in 3 Auf. von Johann Nestroy. Hierauf: Der Schauspiel- Direktor. Komische Oper in 1 Akt von L. Schneider. Musik ______von Mozart._________________________________________________

Für die arme obdachlose Frau in Wolfsanger finb ferner bei der Re­daktion eingegangen: Von f 1 Thlr., G. S. 20 Sgr., Ungen. 1 Thlr., G. B. 10 Sgr., Dr. Str. 15 Sgr.

Für die Suppenanstalt eingegangen: Von Frau D. S. 5 Thlr., von Hrn. R. E. G. 2 Thlr.

Börsenberichte.

Berlin, 4. Januar. Preuß. Frnw. Aul.: Brief: 1077,, Geld —. SiSchuld-Sch.: Brief: 897, Geld 887,. Seeh.-Präm.Sch.: Brief: —, Geld: 102. Kurh. PrO. 40 Thlr.: Brief: 327,, Geld: —. Fr.Wilh. Nordb. 43, 42 7, » V« bez. u. G. Privr.Akt. 1007,93.

VeEwo-rillcher Herausgeber: Fr. Oetker. - Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. - Druck von Friedr. Lcheel in Kassel.