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nothwendig machen würden, hat sich nicht erfüllt. Nach den Berichten Der Behörden finD die Arbeiten überall so weit vorgeschritten, daß der angcsetzte Termin eingehalten werden kann.
* Berlin, 5. Jan. Am Abend des 4. d. M. fand im Saale Der Gewerbeschule eine Besprechung über Die am 24. D. M. bevorstehenden Reichstags-Wahlen statt, in welcher die nachfolgende Ansprache beschlossen und unterzeichnet wurde.
An die preußi sch cn Wähler zum deutschen V o l k s h a u s e.
Annxhmen oder Ablehnend — Das ist die Frage, welche jeder Preuße bei Den bevorstehenden Wahlen zum Reichstag sich zu beantworten bat. Es handelt sich in Erfurt um den Entwurf einer Verfassung für Den deutschen Bundesstaat , welchen Preußens König und seine Regierung dem deutschen Volke darbieten. Die Könige von Sachsen und Hannover, welche ihr Wort mit verpfändeten, haben Deutschland und unsern König verlassen. Soll Preußen nach Erfurt Abgeordnete senden, welche das Werk unseres Königs zerstören, welche die von unserer Regierung vorgelegte Verfassung a b- lehnen? — N i m m e r in ehr!
Also Annehmen? — Da kommen die Bedenklichen sowohl wie Die Arglistigen, welche Den Rath ertheilen: „weder Annehmcn, noch Ablehnen", welche dahin es bringen, daß die Entscheidung hinausgeschoben und die Vorlage unserer Regierung noch erst weitschweifig berathen und mit langen schönen Reden und großartigen Amendements gesegnet werde. Das ist aber lediglich ein verstecktes Ab lehnen. Denn, wenn in Erfurt die Verhandlungen sich ins Weite dehnen wie vormals in Frankfurt, so läuft die Frist des auf Ein Jahr geschlossenen Bündnisses mit dem 26. Mai ab; unser Preußen steht dann möglicherweise vereinzelt da; das Werk der deutschen Einigung ist vereitelt und die Feinde der deutschen Einheit t r i u in p h i re n über Preußen und über Deutschland.
Sind nicht der Worte genug gewechselt? Wollen wir nicht endlich Thaten sehen? Sell Die deutsche Sache nicht endlich zum Abschluß kommen? Duldet der langsam sich belebende Verkehr, das allmähig wiederkehrende Vertrauen neue Erschütterungen, neue bedrohliche Verwirrungen?
Aber, sagt man, der von unserer Regierung vorgelegte Entwurf der Reichsverfassung gefährdet Preußens Macht und Preußens Kraft. Dieser Vorwurf geht von keinem Unbefangenen aus! Wie ist denn Der Drcikömgsentwurf entstanden ? — Die preußische Regierung hat im Verein mit denen von Sachsen und Hannover das zu Frankfurt a. M. entstandene Verfassungswerk einer gründlichen und umfassenden R> Vision unterworfen und, wie der Ministerpräsident Graf v. Brandenburg in der Cirkularnote vom 26. Mai v. I. wörtlich ausführt: „alle seine heilsamen und unbedenklichen Bestimmungen beibehalten und nur diejenigen Theile geändert, welche mit Dem gemeinen Wohl unvereinbar sind." Das Resultat dieser mühsamen Revi- sion, welche Preußen unternommen und wodurch es sich manche Anfeindungen seiner Politik zugezogen hat, ist der D r e i k ö n i g s i n l w u r f. Ist er nun noch nicht genug revidirt? Soll der Reichstag in Erfurt Paragraph für Paragraph von vornherein noch einmal revidiren ? Soll das Revidiren, soll das Hin- und Herreven gar kein Ende nehmen?
Deßhalb erklärt Euch, preußische Wähler zum Reichstag für die sofortige Annahme und gegen die offne wie gegen die v e r st e ck t e Ablehnung Der von Preußens König und seiner Regierung nach ernstlicher Prüfung vorgeschlagenen Verfassung. Es ist keine Gefahr dabei: Die durch Die Annahme vermöge des Art. 111 unserer preußischen Verfassung nothwendig werdenden Abänderungen der lottern sind für Preußens innere Kraft und Festigkeit durchaus unbedenklich. — Dagegen vermeiden wir große Gefahr, wenn unsere Abgeordneten zu Erfurt in Die vom König vargebotene Hand ohne Zögern einschlagen, — wenn wir am 24. D. M. nur solchen Wahlmännern unsere Stimme geben, welche in diesem Sinne wählen.
Betrachten wir, was daraus folgt: Sobald der Reichstag in Erfurt ebne allen Umschweif die ganze Verfassung, welche die preußische Regierung vorschlägt, wie sie da ist, an nimmt, ist mit Einem Schlage der sämmtliche Wirrwarr geschlichtet. Die Vereinigten Staaten können, wie Preußen in Der Note vom 17. Nov. v. J. dargethan bat, dann nicht mehr zurücktreten, was ihnen frei stellt, wenn auch nur E t n einziger Vorschlag zur Aenderung gestellt wird. Der Verfassungsentwurf erhält durch Die Annahme sofort bindende Kraft eines Grundgesetzes. Der Bundesstaat tritt so- niit ins Leben. Der König von Preußen ist Reichsvorstanv und seine Erben auf dem preußischen Throne sind Erben dieser Würde. Die deutsche Nation hat an Preußen ihren durch die überwiegende Mehrheit Der deutschen Staaten rechtlich anerkannten Kern und Mittelpunkt gefunden. Die Wolken am Horizont zerstreuen sich. Während wir jetzt immer noch umhertreiben auf hoher See, rufen wir dann endlich: „Land!" — Wer das Vaterland l i c b t, t l e t c a u f unsere Seite.
Preußen! Als der König Friedrich Wilhelm III. sein Volk aufrief, die Ketten der Fremdherrschaft zu biech.n, erhob es sich wie Ein Mann. Das war 1613, und mit Preußen standen ungefähr dieselben deutschen Stämme auf, welche jetzt mit uns nach Erfurt Volksvertreter senden. Die Ketten wurden zerbrochen in Der Leipziger Schlacht. Und vor und nach der Völkerschlacht sammelten sich um Preußen Die zerstreuten Glieder Der gejammten deutschen Nation. Heute geht ebenso Großes unter uns vor. Der König Friedrich Wilhelm ruft das deutsche Volk und namentlich uns Preußen zu des Vaterlandes Rettung auf, indem er uns eine Neichsverfassung vorschlägt. Schlagen wir ein Die dargebotene Rechte! wählen wir nach Erfurt wie ein Mann nur in dem Sinn, daß dort D i e Verfassung im Ganzen, w i e sie da i ft, angeno m m kn wirv.
Preußen! Unsere Väter vergossen ihr Blut für Deutschland auf den Schlachtfeldern. Heute gilt es, die Frucht ihrer Siege zu e r n D t e n. Wie Die Väter Dem Banner ihres Königs folgten, folgen wir mit Gott dem Banner seines Sohnes! Es gilt eine neue Völkerschlacht, eine geistige, und wer ein ächter Preuße ist, Der wählt und stimmt Dafür, daß Die vom Könige vvrgeschlagcne Verfassung ohne Weiteres angenommen werde. Es gilt eine rettende Tbat Preußens für Deutschland: das ist die Annahme Der Verfassung, welche unser König Dem Reichstag darbietet."
Unterzeichnet ist die Ansprache von Den geachtctsien Vertretern aller Klassen und Stände und man darf sich daher zur Berliner Bevölkerung einer in jedem Sinne gedeihlichen Thätigkeit in dieser Angelegenheit versehen.
Kiel, 3. Januar. Unsere Landesversammlung, die sich am Sonnabend vor Weihnacht vertagt hatte, trat heute wieder zusammen. Die Vertrauensmänner waren nicht zugegen: sie haben indeß ihre Reise noch nicht angetreten , wie denn auch derselben zur Zeit gewisse Hindernisse entgegen stehen sollen. Auf der Tagesordnung standen die Vorberalbung Über den Ausschußbericht wegen der von der Regierung beantragten Aushebung Der Rangsteuer, der Bericht über das Mi- litärstrasgesetz und der Antrag des Prof. Ravit wegen Der, der Insel Sylt gewordenen Steuererlasse.
Kiel, 4. Januar. Der Departemcntschcf von Härbou ist heute abermals nach dem Süden gereist, ob nach Berlin oder nach Frankfurt, erfahre ich nicht. Es scheint, als ob sich bis zum 17. Januar, mit dem nach hiesiger Auffassung der Waffenstillstand abläuft, eine Entscheidung irgend welcher Art vorbcrcite. So freilich, wie jetzt, können Die Dinge in Schleswig nicht wohl länger fortgchen, und auch Dänemark dürfte keine Lust haben, noch länger aller Welt mit beweisen zu helfen, wie verhaßt das dänische Regiment im deutschen Schleswig ist. Gleichwohl verlautet über Die Abreise der Vertrauensmänner noch immer nichts Bestimmtes; wie ich höre, erwartet man noch eine Antwort von Kopenhagen, von deren Inhalt es abhängen wird, ob überall etwas aus der