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Sitzung es gewagt hat, eine ernste Vorstellung an das Mini­sterium in Betreff der ohne ihrem Einvernehmen veränderten Zuckerzölle zu rechten.

Prag, 27. Dec. Am Montag Abends kam Se. kaiserl. Hoheit der Erzherzog Albrecht von Wien hier an und reiste nach kurzem Aufenthalte wieder nach Theresienstadt ob. Von Olmütz komme jetzt sehr viel Munition auf der Eisenbahn hier an und wird sogleich nach Theresienstadt befördert.

Agram, 21. Dec. Die Südslav. Zlg. sagt, der Banal­rath habe beschlossen, gegen die vom Ministerium angcbahnte Einführung der deutschen Sprache bei der hiesigen Oberpost- Verwaltung, wie auch gegen das den Mitgliedern des Banal- ralhes zugemulhete Tragen der neuen österreichischen Reichs­beamten - Uniform, an den Ban eine energische Vorstellung und Verwahrung zu richten.

Semlin, 18. Dec. Vorgestern ist ein Bataillon vom Regiment beider Sicilien, mit dem Dampfschiffe von Sissek kommend, in Mitrovicz gelandet, sofort nach Peterwardcin ab- marschirt. Man spricht, daß enorme Truppenmassen zur Be­setzung der türkischen Grenze auf dem Marsche begriffen wa­ren. Dieses Gerücht hat zur Folge, daß Gold- und Silber­münze auf einmal aus der Cirkulation verschwunden sind. (£L)

Großbritannien.

London, 25. Dcc. Das Entlassungsgesuch des Lord Denman ^lv Lord-Oberrichter am Queen's- Bench - Gerichts- Hose ist vom Kabinct, wiewohl mit Widerstreben angenommen worden. Diese wichtige Stelle wird Lord Campbell, bisher Kanzler von Lancaster, übernehmen. Dadurch entsteht eine Vakanz im Kablnet, und man sagt, die Minister würden den jetzigen Funkmeister, Hrn. Sheil, Ihrer Majestät als zum Eintritt in das Kabinct geeignet empfehlen.

Lord Colville, geboren 1768, Admiral in der englischen Flotte, ist nach einer rühmlichen Laufbahn in der britischen Marine am 22. December gestorben.

Frankreich.

Paris. Die französische Nationalversammlung hat kürz­lich mit ungetheilter Majorität den Antrag genehmigt, welcher die Gkncralrälhe der Departements ermächtigt, die bisherigen großen Wahlbezirke zu spalten und die Wahl in den Gemein­den vornehmen zu lasten, die nicht unter 500 Einwohnern zählen. Dieser Beschluß erhöht den Einfluß der Geistlichkeit und des großen Grundbesitzes, indem sowohl in den Gemein­den die Unvählcr mehr den lokalen Einflüssen übergeben blei­ben, als in den Kantonshauplorten, wo sie den Wühlereien der socialistischen Klubs auheimfaUcn, als auch in größerer Anzahl an den Wahlen sich beteiligen. Die Bergpartei hat daher m t allen Kräften gegen diese Maßregel angekämpft, jedoch vergeblich. Da die Generalräthe übrigens fast durch­gängig konservativ sind, so steht zu erwarten, daß sie von der ihnen übertragenen Befugnis' Gebrauch machen werden.

_ Italien.

Der Jnvëpendence wird aus Verona vom 20. Decbr. geschrieben: Die Bewohner Venedigs beharren bei ihrem paskiven Widerstande gegen die Oesterreicher. Der Gouver­neur, General GorzkowSly, wollte dieser Tage im Sankt MarkuSdom eine Leichcnmeste für den Großfürsten Michael celebriren lassen. Der Patriarch von Venedig weigerte sich, den Gottesdienst zu verrichten. Gereizt ließ ihm der Graf sagen, er sei Herr in der Stadt, worauf der Patriarch er­widerte, er sei Herr in seiner Kirche und weder durch Ueber« redung noch Gewalt werde er sich bewegen lassen, Messe zu lesen. Der Graf mußte nachgeben. Das österreichische Ita­lien wird nur durch die Anwesenheit des Heeres im Zaume gehalten, Ueber das ganze lombardisch - venctianische König­reich breitet sich eine geheime Agitation aus, die sich selbst bis in die römischen Legationen erstreckt, und fast täglich wer­den österreichische Offiziere ermordet, ohne daß man die Thä­ter entdecken kann. Marschall Radetzky hat befohlen, in Zu- lunft die Gemeinde, auf deren Gebiet ein Meuchelmord vor­fällt, für dee Entdeckung verantwortlich zu machen, sie mili- tairisch zu besetzen und mit Geldstrafen zu belegen.

9kom, 20. Dec. Die Rückkehr des Papstes ist nun ge­

wiß; über den Zeitpunkt seiner Ankunft in hiesiger Stadt ist aber noch nichts Bestimmtes zu erfahren. Der Vatican wird bereits eingerichtet; die Kardinäle treffen nach und nach rin. Zwei französische Regimenter gehen in einigen Tagen nach Civitavecchia. Das eine gebt nach Frankreich zurück. Der Bestimmungsort des zweiten ist Algier. Dadurch wird die französische Okkupationsarmee um wenigstens 5000 Mann vermindert. Die Franzosen setzen sich in Civitavecchia fest, während die Oesterreicher ihre Streitkräfte in der Romagna aufstellen.

Türkei. /

Die Nachrichten aus Konstantinopel reichen bis zum 15. Dec. Die türkische Frage wird in Konstantinopel dem Principe nach als völlig beigelegt betrachtet, und man glaubt dort, daß es sich nur mehr um die ohne Schwierigkeiten er­folgen könnende Erledigung einiger sekundären Punkte handle. Uebrigens war die Garnison in Konstantinopel bedeutend ver­stärkt, und auch nach Schumla und Silistria Truppen abge­schickt worden.

DerJmpartial de Smyrne" läßt sich aus Konstanti­nopel schreiben: Die Frage der ungarischen Flüchtlinge kann nun im Principe als vollständig gelöst betrachtet werden, und wird keine irgendwie ernstliche Schwierigkeit bereiten. Es sind noch einige nicht sehr wesentliche Nebenpunkte festzustellen, die aber nicht lange darauf harren dürften. Die in Konstan­tinopel konzentrirten Truppen sind zahlreich; da die Kasernen für ihre Aufnahme nicht genügten, mußte man Khans und besondere Häuser für sie miethen. Am 8. Dec. präsidirte der Sultan einem geheimen Rath, dem sämmtliche Minister bei­wohnten. Man kennt nicht die Motive dieser außerordentlichen Sitzung. Einige Tage nachher langte ein von der Pforte ab- gesankter Offizier beim englischen Admiral Sir W. Parker in der VesikaBai an, um ihn zubekomplimentiren," wie sich das Journal ausdrückt. Der Sultan bat aus seinem Pri­vatschatze 30,000 Piaster zur Unterstützung der vielen meist mittellosen Fremden angewiesen, die sich jetzt in Konstantinopel befinden. Die HH. Stürmer und Titoff sollen, demselben Journal zufolge, seit dem 17. Sept., wo die diplomatischen Beziehungen zur Pforte abgebrochen wurden, gar keine Kon­ferenz mit dem Großvezier gehabt haben. Aus Aegypten langen die befriedigendsten Nachrichten ein; das Land ist voll­kommen ruhig; Abbas Pascha hat eine Reise nach Ober- Aegypten angetreten. Die englische und französische Flotte behaupten noch immer ihre früheren Standpunkte; während von einer Seite als gewiß erklärt wird, daß die englische "Escabre bereits den Befehl erhalten hätte, nach Malta zurück­zusegeln, will man von anderer Seite wissen, sie werde in der Levante überwintern.

Amerika.

In Washington stocken alle legislativen Arbeiten, weil das Repräsentantenhaus, in welchem Wigs und Demokraten in fast gleicher Stärke sind, nicht mit der Wahl seines Sprechers zu Stande kommen kann. Es stehen im Senat Anträge bevor, um für die Zukunft einem derartigen Uebel- stande abzuhelfen.

A Äfl^Tcl, 1. Jan. In einer der letzten Nrn. derHornisse" wird angedeutet, daß die in dem Preßvereine zusammengetrc- tene Partei sich von dem Gelüste, die Preßfreiheit zu verbie­ten, nicht frei gehalten habe, und noch bestimmter soll in ge­wissen Kreisen das Gerücht einer durch den Verein beabsich­tigten Unterdrückung der Preßfreiheit geflissentlich ausgestreut sein. Man scheut bei Verbreitung solcher Gerüchte nicht den Widersinn, daß ein lediglich von Privatpersonen gebildeter Verein nicht daran gedacht haben kann, ein durch Verfas­sung und Gesetz gesichertes Grundrecht des Volks zuver­bieten"; man scheut nicht den offenbaren Widerspruch mit den, an die Spitze des Programms des neuen Vereins ge­stellten Sätzen, in welchen die Preßfreiheit alsein kostbares Gut", alsdie stärkste Stütze der öffentlichen Freiheit und als das fruchtbarste Mittel für die Bildung der Gesammtheit, wie der Einzelnen" bezeichnet wird, wenn es nur gelingt,