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Neue Hessische Zeitung.

Mittwoch, 2. Januar 1850. ^^ 2. Morgen - Ausgabe.

£ic N. H. Zeitung, Organ der konstitutionellen Partei, erscheint mit Ausnahme der Sonntage und Sonnabende täglich zwei Mal. Sonntags wird ein UnterhaltungSbtatt b'i^cgcven. Die Morgen-Ausgabe wird von 7,11 bis 12 Uhr, die Abend-AuSgabe in Kassel von 5 bis 7 Uhr crpedirl. Sonnabends erfolgt »ic Ausgabe nur AbendS, Sonntags nur Morgens. Man abonnirt bei allen löblichen Postämtern, in Kassel in der Luckhardt'schen und Bollmann'schen Buch - und Kunsthandlung. Der AöonnementSpreiS beträgt halbjährlich 3 THIr., vier­teljährlich 1 Thlr. 15 Sgr., wofür alle kurbessischen Postämter das Blatt ohne Aufschlag liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet.

Das Blatt bringt außer der regelmäßigen Mittheilung und Besprechung aller bedeutenderen politischen Zustände und Ereignisse, wobei aus die Lage deS deutschen und insbesondere des kurhessischen Vaterlandes vorzugsweise Rücksicht genomnien wird, bei wichtigen Vorgängen täg­lich telegraphische Depeschen von Berlin, Frankfurt, Erfurt k.

Politische Nachrichten.

Deutschland.

Frankfurt, 29. Dcc. Sicherem Vernehmen nach ist die Frage in Betreff der militärischen Besetzung unserer Stadt soweit entschieden, daß künftig bloß Preußen und Oesterreicher die Besatzung bilden werden, so zwar, daß jeder dieser Staa­ten zwei Bataillone und einige Geschütze stellt. Die ganze Besatzung wird, das hiesige Linieninfanteriebataillon einge­rechnet, aus 3800 Mann bestehen. Diese Besatzung wird in Kasernen einquârtirt und die Bewohner künftig von aller Ein- quartierungslast frei werden. Mit den j etzt hier liegenden österreichischen und preußischen Truppen wird bis Mitte Ja­nuar ein Wechsel vor sich gehen. Was man dagegen in letz­ter Zeit von einer bedeutenden Verstärkung der Besatzung in Mainz sprach, ist ungegründet, indem sich die dortige Gar­nison auf dem bundesgcmäßen Friedenssuße befindet. Die Bundeskommission hält täglich mehrstündige Sitzungen und hat auch bereits die schleswig-holsteinischen Wirren ins Be­reich ihrer Berathnngen gezogen. (F. I.)

Wie wir erfahren (meldet die Deutsche Ztg.), wird der von dem Könige von Dänemark zur Vertretung Holsteins an die Bundeskommission abgeordnete Hr. v. Bülow von letz­terer Behörde nicht eher in der bezeichneten Eigenschaft aner­kannt und angenommen, bis der zu erwartende Friedensschluß die zwischen Deutschland und Dänemark obwaltenden Streitig­keiten vollständig ausgeglichen hat.

Frankfurt. 30. Dec. Der Prinz von Preußen ist ge­stern Abend um 8 Uhr mit einem Extiazuge auf der Taunus- Eisenbahn von Castel hier eingetroffen und im russischen Hof abgestiegen. Dem Vernehmen nach hat Erzherzog Johann seine Abreise von hier auf den Neujahrstag verschoben. Er wird über Bruchsal, Heilbronn, Stuttgart, Augsburg, Mün­chen, Salzburg nach Wien reisen, wo er am 4. Januar er­wartet wird. Nach kurzem Aufenthalt in der Residenz begibt sich Se. kais. Hoh. nach Gratz, um dort den Winter über zu bleiben.

t Kassel, 31. Dcc. Der im Hauptblatt der Kass. Allg. Zeitung vom 29. o. M. gegebenen Nachricht aus Frankfurt, daß wegen der Benutzung der Main-Weser-Bahn zum Posten- verkehr der fürstlich Thurn und TaxiS'schen Gencralpostdirek- tion Einräumungen gemacht, dieselben jedoch als ungenügend von genannter Direktion zurückgewiesen worden seien und letz­tere es bei dem bisherigen Betriebe des Postmonopols auf der Strecke zwischen Frankfurt und Kassel zu belassen beab­sichtige, wird bereits von glaubwürdiger Seite mit der Ver­sicherung widersprochen, daß der Postverwaltung auf ihrerseits bereits vor Monaten wegen des fraglichen Gegenstandes ge­machte Propositionen bis jetzt noch keine Erwiderung 'zu Theil geworden sei und lediglich hierin der Grund liege, aus welchem das Publikum der Vortheile einer Benutzung des dech Betriebe übergebenen, resp, in diesen Tagen' noch zu übergebenden Bahnstücks zum Postverkehr vorerst nicht theil- ~ hastig werde.

Berlin, 26. Dec. Man unterhält sich in diesem Augcn- blicke sehr lebhaft von einem Schreiben, welches Fr. v. Rau­mer an den Prinzen Johann nach Dresden gerichtet haben soll, auf Anlaß einer neuen literarischen Zusendung, mit welcher er von dem hohen Uebersetzer des Dante beehrt wurde. Unser gelehrter und staatserfahrener Mitbürger soll sich darin auf eine sehr energische Weise zu Gunsten der preußischen Po­litik in der deutschen Sache ausgesprochen und das Verhält­niß zwischen Preußen und Sachsen, welches dabei mehr und mehr entscheidend in Frage treten muß, ungemein freimüthig beleuchtet haben. (D. A. 3 )

Berlin, 29. Dec. Wie wir gestern berichteten, istLin- denmüller auf 9 Tage aus seiner Haft entlassen worden. Die unfreiwillige Muße, die ihm das Getangenleben gewährt, hat dieser Klubpräsident zu künstlichen Arbeiten aus Brotrinde verwendet. Er hat aus diesem Stoffe zwei Schachspiele ge­formt, von welchen er das eine dem Justizminister aus Dank­barkeit für die bewilligte Unterbrechung seines Arrestes, das andere dem Redakteur derNeuen Piruß. Zeitung" alsEnt- geld für die Ucbersendung eines Freiexemplars bestimmt hat.

Berlin, 30. December. Seit einiger Zeit cirkuliren hier auffallend viele kurhessische Kassenscheine, und da solche wie alles andere nichtpreußische Papiergeld bei Wechselzahlun- gen nicht angenommen werden, so werden größere Posten nur mit Verlust, sogar bis zu einem Procent von den Banquiers eingewechselt. (Konst. Ztg.)

Berlin, 30. Dcc. Was die in Riesa stattgehabte Kon­ferenz sächsischer und preußischer Abgeordneter betrifft, so ist zu bemerken, daß von hervorragenden Mitgliedern der Preuß. Kammer Prof. Duncker in Riesa war. Es haben dort nur allgemeine Besprechungen in der deutschen Angelegenheit Statt gefunden.

Hannover, 29. Dec. Die heutige Nummer der Gesetz­sammlung enthält das Gesetz über die Bildung der Schwur­gerichte und das provisorische Gesetz, das mündlich-öffentliche Verfahren mit Geschwornen betreffend; das erstere tritt mit dem 1. Januar 1850 in Kraft; das letztere mit dem 1. März k. J.

Aus Mecklenburg, 24. Dec. Der aufgelöste engere Ausschuß hat sich in Streich wieder konstitnirt, und zwar in Neubrandenburg als Engerer ritterschäfrlicher Ausschuß für Strelitz. Die aufgelösten Landräthe und der Bürgermeister von Strelitz bilden diesen Ausschuß, welchen der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz genehmigt hat. Die strelitzische Re- gierung wird sich überhaupt die Dokumente, Strelitz betreffend, welche die schweriner Regierung Dem Engern Ausschuß abge- nommen hat, ausliefern lassen und dem neu konstituirten Ausschüsse in Neubrandenburg aushändigen. (Konst. Ztg.)

Dresden, 24. Dec. Vor einigen Tagen ist die Bahn­strecke Pirna bis Königstein der sächsisch-böhmischen Eisenbahn für den Kriegsdienst eröffnet worden. Diese Bahnstrecke jetzt schon dem allgemeinen Vrrkehr freizugeben, hat man wohl deßhalb noch Anstand genommen, weil dieselbe sich voraus­sichtlich während der Wintermonate wenig oder gar nicht ren-