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freuest, welche im wirklichen Leben nicht einmal in der klein­sten Gemeinde praktikabel sein würde. Oesterreich hat gebüßt in 1849, gebüßt in einer furchtbaren, übermüthigen und hen- kermäßigen Reaktion, und mühsam arbeiten jc^t seine wohl- denkcneße" Staatsmänner daran, gegen Die widerstrebenden Einfiiüse einer rohen herrschsüchligen Kaste wenigstens die er- Grundlagen künftiger Freiheit aufzurichten. Ob sie da- niit in diesem Jahre 1850 um ein Erkleckliches weiter kom­men werden, das läßt sich freilich bei den wirren Verhältnissen dieses Reiches nicht bestimmen.

Indeß Oesterreich hat noch eine andere Revolution ge­macht, tue einzige, welche in das Jahr 1849 fällt; in dieser Revolution ist es noch begriffen und Niemand weiß, ob und wann sie enden wird. Diese Revolution ist aber von den Gewalthabern auSgegangen; sie ist gerichtet nicht gegen diese oder jene Staatsform, nicht gegen die eine oder die andere Partei; sondern gegen das, was alle Menschen bindet und eint, gegen das heilige Gefühl der Nationalität. Im Mittelalier, zu jener Zeit, wo die großen Staaten gebildet wurden, wo die siegen­den Eroberer und die herrschenden Stämme, ungehindert durch die Grundsätze der Menschlichkeit und des Rechts, aus Blut und Leichen ihre Reiche bauen misten , da kann man den Fortgang solcher Revolutionen, wie sie Oesterreich im Jahre 1849 gegen eutschlanv, Ungarn, Italien unternommen hat, wohl nach Jahrhunderten berechnen, wer vermöchte aber heute, wo die Aufgabe so ungeheuer schwieriger ist, von der kurzen Spanne eines Jahres zu reden?

Von Oesterreich führt der Weg nach Italien. Die Revo­lution des Jahres 1848 hatte sich dort vermessen, zwei Dinge zugleich zu schaffen, beide weit über das Vermögen des zerris­senen und verwahrlosten Landes und seiner Bewohner, beide nur der höchsten Thäligkeit und Besonnenheit erreichbar und von denen noch dazu das Eine dem Anderen widersprach. Italien wollte frei und republikanisch sein, wie die alten Städte es waren, obgleich es keine Republikaner hatte, es wollte frei fein, wie Jene, und doch auch groß und stark und einig genug, um unabhängig von Oesterreich sein zu können. An dieser knabenhaften Vermischung von Altem und Neuem, ohne daß zu dem Einen oder dem Anderen das Nothwendigste vorhan­den war, ist Italien im Jahre 1849 wieder zu Grunde gegangen. In Neapel herrscht der Despotismus schamloser als je, Nom ist hinter die Reformen seines Pius zurückgcworfcn und in Mailand ließ im Jahre 1849 der Oesterreicher die patrioti­schen Weiber auf öffentlichem Markte auspeitschen.

Aber der Italiener hat einen glühenden Senn für seine Nation und eine kleine, aber herrliche Schaar hochgebildeter Patrioten strebt unablässig und in allen Lagen nach der Be­freiung des Vaterlandes. Der Italiener ist gelehrig; schon weicht die Kinderei der Stadtrepubliken aus 1848 wie ein wüster Traum von ihm und erwartend lenkt sich sein Blick zu jenem kernhaften Staate im Norden seines Vaterlandes hin, in welchem er den Träger seiner Zukunft und den Führer seiner Einheit begreifen lernt. Wohl mag Italien jetzt die Thorheit bereuen, womit cs zu günstiger Zeit den König von Sardinien hinderte, durch einen klugen Frieden Italien bis zum Mincio unabhängig zu machen und einer besseren Zu­kunft entgegenzuführen! Die schmerzlichen Lehren des Jahres 1849 haben es gewitzigt und das konstitutionelle Piemont selbst legt in seinem Volke durch besonnene und konservative Wahlen Da? Zeugniß ab, daß es seine wahren Freunde wiedergefunden und einem dÄzeglio die Zukunft anvertraut, weiche von wahn­sinnigen Phantasten so elendig verpfuscht ward. Italien darf sich im Jahre 1850 besseren Hoffnungen hingeben.

Um wie viel getroster noch darf unser deutsches Vaterland sein Neujahrsfest begehen! Die deutsche Revolution in 1848 hat sich von der französischen und von der italienischen unter­schieden, wie sich eben Deutschland von Frankreich, von Italien unterscheidet. Sie war nicht frivol und thöricht, wie in Frank­reich, nicht schwach und auf Sand gebaut, wie in Italien. Was sie forderte, das bat sie auch zum allergrößten Theil ge­währt. Was sie forderte, beruhte auf längst gefühlten und klar erkannten Bedürfnissen, auf verbrieften Verheißungen und

Rechten. Die Einführung des Konstitut'.nalismus in Preu­ßen, seine volle Verwirklichung in den kleineren Staaten waren längst vorbereitete, durch innere Bildung des Landes bedingte, des Rufes gewärtige Güter, welche dann auch die Ausartung der Revolution nicht verscherzen, noch das Uebergreifen der Reaktion beseitigen konnte.

Die letzte und wichtigste Forderung freilich ist zwar im ersten Anlaufe gescheitert. Dee Verfassung, welche im Jahre 1848 durch die Nachzügler der Revolution verdorben ward, ist im Jahre 1849 nicht zu Stande gekommen, und zu beriethen Zeit hat die deutsche Bewegung, welche, in ihren An­fängen edel und rein, allmählich zu einem Faktionsmittel berabsank, im Kampfe für die rothe Repnblik ein blutiges Ende genommen.

Aber die wahrhaften und unverfälschten Grundlagen der frankfurter Verfassung sind durch den mächtigsten und zukunft­reichen deutschen Staat gerettet und bewahrt worden. Die größere Hälfte der Nation hat sich treu und fest darum ge- schaart und es liegt ihr eine solche innere Kraft und Wahr­heit zu Giunde, daß ihre Feinde schon jetzt nichts entgegen zu stellen wissen. Von der Macht der Verhältnisse getrieben, welche stärker ist als der Menschen Dünkel und Willkür, wer­den auch sie bald genug sieb anschließen müssen, und schon das Jahr 1850 kann uns die letzte Gewähr unserer schönsten Hoffnungen bringen.

Darum können wir vor Allen von dem Jahre 1849 scheiden und das neue Jahr begrüßen mit den Worten:

„Das Gute wird geschehen, doch das Uebel „muß gehindert werden."

Politische Nachrichten.

Deutschland.

A Staffel, 1. Januar. „Die Neue Hessische Zeitung, das Organ der konstitutionellen Partei." Wenn dieß nichts Neues ist, warum, kann man fragen, warum nennt sie sich erst jetzt so? oder was versteht man nunmehr unter der kon­stitutionellen Partei? Wir glauben die erste Frage beant­wortet sich zur Genüge aus dem Programm des Preßvereines, welches in Nr. 582 der Neuen Hess. Ztg. Vom v. I. ver­öffentlicht worden ist; was etwa noch zu erläutern, ist von Seiten der Redaktion in Nr. 586 geschehen. Wir wenden uns daher zur zweiten Frage: was ist unter der konstitutio­nellen Partei zu verstehen?

Wir antworten: diejenige Partei, welche für alle einzel­nen (durch Fürsten regierte) deutschen Staaten die erbliche, durch verbriefte Volksrechte und eine unabhängige Volksver­tretung beschränkte Monarchie nach dem Grundsätze durchgän­giger Ministerverantwortlichkeit, und für die Gesammtheit der deutschen Staaten den Bundesstaat ganz nach denselben Grund­sätzen will. Unter dem Gesichtspunkte des engeren Vaterlan­des aber stellt sich die konstitutionelle Partei als diejenige dar, welche sesthält au der Verfassung vom 5. Januar 1831, in der Richtung jedoch , daß das ungenügende Verhältniß zum deutschen Bunde ausgebildet werde zu einer Stellung im Bundesstaate nach der obigen Begriffsbestimmung. Die konstitutionelle Partei will dabei die Selbstständigkeit des Kurstaats nicht bloß in dem Sinn, wie die Familie in der Gemeinde, die Gemeinde im Staate selbstständig ist, sondern mit der Bedeutung, welche Dieser Selbstständigkeit in dem Entwürfe einer Neichsverfassung vom 26. Mai v. I. beigelegt und verbürgt ist.

Die konstitutionelle Partei ist auch sonst keiner Entwicke­lung der Landesverfassung grundsätzlich entgegen, sofern sie nur mit den Grundsätzen der konstitutionellen Erbmonarchie im Einklänge bleibt; sie läßt sich aber bei Verfassungsände­rungen kein Experiment und besonders auch keine Hinweisung auf das Beispiel solcher Staaten gefallen, welche, trotz aller Verfassungsurkunden, aus einer Revolution in die andere stürzen. Die konstitutionelle Partei ist in diesem Sinne die konservative.

■ Wir können uns den Charakter der Partei auch aris den Verhandlungen der Ständcversammlung in den letzten Jahren