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Snbt nahe trat, dürfte wieder mehr in bis Läng, gezogen werden.

Heute wird Struve von Rastatt nach Freiburg unter Beglei­tung einer Ccmpsgnie Infanterie gebracht, um dort vor das Schwurgericht gestellt zu werden. Seine Frau soll nach Neujahr freigelassen werden.

Freiburg. Der Gemeinderath der Stadt Freiburg hat an daS Ministerium verschiedene Bitten, welche die Hebung der dastgen Universität bezwecken, gestellt, darunter auch die um Ent­fernung des Hofraths und Abgeordneten Buß von der ihm an- vertrauten Lehrkanzel.

München, 23. Dez. Wie gut unterrichtet die ultramon- tane Partei ist, geht daraus hervor, bemerkt die Magdeb. Ztg., daß der ganz ultramontaneVolksbote", ein Schmähblatt, redi- girt von dem übelberüchtigten Convertiten Zander, schon am 19. d. M. fiüh die Entlassung bestimmt wußte, die der Minister selbst erst an diesem Tage Abends erhielt. Es charakterisirt diese M* wieder emporgehobene Partei, die nun den Hof wieder in ihre Hände bekommen hat, daß sie schreiben läßt, Lerchenfeld sei ein schlechter Minister, aber ein guter Speculant gewesen, denn er habe die Finanzen in kurzer Zeit ganz in Unordnung gebracht und sei zu seinem Ausscheiden nur durch selbstsüchtige Motive gebracht worden. Lerchenfeld, das Opfer einer Undankbarkeit, wie sie in der Geschichte gar c[t verkommt, rechtfertigt sich glänzend, denn nicht nur hat er es verschmäht (ganz unähnlich seinem früheren Kollegen Thon ° Dilliner) Slaatèralh zu bleiben, sondern er hat auch die ihm zugesprcchene Pension von 3000 fl. entschieden abgelehnt und tritt wieder in's Privatleben zurück, geschätzt und geachtet vom Volke, das mit ihm die letzte Garantie der redlichen Erfüllung der Märzversprochenschaften sinken sieht.

(Reichsztg.) Man deutel mehrfach darauf hin, daß die baie- rische Kabinets- oder Dynastenpolilik eine neue katholische Liaa bilden mochte. Die ultramontane Partei ist sehr thätig; die Hauptrollen spielen Radowitz, der vormalige Gießener Kanzler Linde, Buß aus Freiburg, Doctor in vier Facultäten , Diennger und Walter aus Bonn, )vrld?c am Rhein agitiren. Sepp aus München ist ein schwacher Kopf; der ehemalige Bibliothekar in Stuttgart, Gfrörrr, der, ein Protestant, als Professor in Frei­burg eine schamlos - ultramontane Antrittsrede hielt, ist zu träg und plump, um eigentlich von Bedeutung zu sein. Er hat eine kindische Abneigung gegen Preußen, das ihm halbslavisch erscheint. Er hat wohl nie die Grenzen Schwabens überschritten. Die Deutsche Zeitung" meint, der bayerische Hof spiele etwa die Rolle, welche Carl Albert in Italien sich auserkor. Das Buh­len einerseits mit Pfaffen, andererseits mit dem Liberalismus, je nach Zeit und Umständen trifft wenigstens zu.

Schweiz.

Bern, 23. December. 300 Männer aus der Kirchenge­meinde Biel haben eine Voistellung und Erklärung an den Bun- desralh erlassen, worin sie alle Umtriebe aufzählen, welche die deutsche Propaganda vom Savoyerzug bis auf die jüngsten An- strengungen zur Organisation einer neuen Legion von Biel aus getrieben haben, und sehen sich in dieser Beziehung veranlaßt, nun zu erklären, daß sie alle diese in ihren Mauern und in der nächsten Umgebung statlfindenden Umtriebe, durch welche die Reutraliiät der Schweiz gefährdet, die Ruhe fremder Staaten ge­stört, die Einführung und Entwickelung freisinniger Verfassungen gehindert werden, höchlichst mißbilligen, zugleich das dringende Ansuchen an den hohen Bundecstaat zu stellen, daß diesem Trei­ben endlich einmal von oben herab gesteuert werde, indem sonst das Volk sich bewogen finden könnte, aus die bezeichnete Gesell­schaft ihren eigenen WahlspruchHilf dir" anzuwenden, um Stadt und Land von solchen Gästen zu reinigen.

Italien.

Nach Berichten englischer und französischer Blätter ist die Con- stituirung der provisorischen Junta zu Rom gescheitert, da der Se­nator von Bologna sich geweigeit habe einzrureten. Auch soll das Römische Ministerium in Masse abgedankt haben.

In Turin hat die Kammer am 19. eine monatliche Unter­stützung von 600,000 Livre für Venedig beschlossen; sie erhob sich nach diesem Beschlussewie Ein Mann" mit dem Rufe:ES lebe Venedig." Nur 24 von 141 Stimmen waren dagegen.

Das Ministerium erklärt, auf eine Interpellation d,S ehemaligen Ministers Pinelli, daß die Unterhandlungen mit Toskana und Rom über bir Constituante bereits eröffnet seien. Der Marquis von Montezimolo hat sich nach Rom begeben. Der Handelsminister Buffa ist nach Genua gereist, um die dortige Aufregung zu be­schwichtigen; er hat eine Proklamation im Sinn, des Minister- programms erlassen

Farnkreich.

Paris, 25. Dec. Di, Partei, welche der Regierung sehr nahe stehen soll, bezeichnet die Gerüchte wegen einer römischen In- tervention alsdurchaus unrichtig " Die Pariser Zeitungen sind mit Beschreibungen der Revüe angefüllt. Aus dem Bericht der Kölnischen Zeitung heben wir folgende Einzelnheiten hervor. Man befruchtete konstitutionelle Kundgebungen bei der Revue, welche mancherlei bedenkliche Folgen hätte haben können. Allein die Heerschau ging im Ganzen sehr ruhig von Statten, und nur einige Compagnien des Weichbildes schrieen:Es lebe der Kaiser! ES lebe das Kaiserreich!" ein Ruf, den das Publikum mißbilli­gend anfnahm. Auf den Boulevards stimmten einige Haufen von Gamins denselben Ruf an, wurden jedoch vom Publikum zum Schweigen gebracht. In der Rue Rivoli erhielt ein Individuum für denselben Ruf von den ihn Umstehenden eine hübsche Tracht Schläge, wogegen er im Namen der Constitution protestirte. Uebri- gens ward der Piäsidrnt in den Reihen der Nationalgarde mit dem oft zahlreichen Rufe:Es lebe Napoleon! Es lebe der Präsident der Republik! ES lebe die Amnestie!" empfangen. Aus einigen Reihen traten mehrere Nationalgardisten hervor und über­reichten ihm eine Petition um Amnestie.

Paris, 26. Dec. O. Barrot hat heute der Nationalver­sammlung sein RegierungSpiogramm vorgelegt. Es ist in jeder Hinsicht unbestimmt gehalten. Im Innern will das Cabinet die neuen Errungenschaften nicht aufgeben, aber vor allem die mate­rielle und moralische Ordnung sichern und die Periode der Re­volution definitiv schließen. Dem Ausland gegenüber will es mit Besonnenheit auftreten, allen Interessen Frankreichs Rechnung tragen und die Nationalehre über Alles stellen. Die 'Wahl Lud­wig Bonapartes hat seiner Regierung eine ungeheure moralische Stärke verliehen und diese wird nöihigenfaUS davon Gebrauch zu machen wissen. Ledru Rollin inlerpellirte sodann wegen der bedenklichen Uebertragung des Oberbefehls über sämmiliche pariser Streitkräfte an General Changalirier, wodurch er die Freiheit bedroht und die Verfassung verletzt erklärte. Eine stürmische Scene folgt,, die aber damit endete , daß die Nalionalversamm- lung zur einfachen Tagesordnung überging und somit den Mini­stern eine Art Vertrauensvotum gab.

Großbritannien.

London, 22. Dez. Veigangenen 1. August hatten char- tistische Unruhen in Ashwn stattgefunden, bei denen rin Pollzei- mann todtgeschossen wurde. Der Theilnahme an diesem Morde angeklagt, standen in den letzten Tagen zwei Chartisten, NamenS Radcliffe und Cönstanline, vor den Assisen in Liverpool. Con­stantine wurde sreigelassen, dann aber bedeckte der Oberrichter sein Haupt mit der schwarzen Kappe und sprach unter anrerm zu Radcliffe:Joseph Radcl'ffe, die Jury hat dich der gnädigen Rück­sicht der Krone empfohlen. Nun ist es nnin, schmerzliche Pflicht, dir zu sagen, welches Schicksal wahrscheinlicher Weise dich er« wartet. Was du gethan, ist ein furchtbares Beispiel der Folgen gewaltsamer politischer Aufregung unter den niederen Klassen. Du wirst jedenfalls längere Zeit übrig behalien, als du dem un­glücklichen Mann, gestaltetest. Du hast ihn augenblicklich inS Grub gesendet, ohne daß er sich irgend darauf vorbereften konnte." Nachdem der Oberlichter dieS und noch manches ander, ergrei­fende Wort gesprochen und den Gefangenen ermahnt hatte, sich zu dem in wenigen Tagen ihn erwartenden Tode vorzubereiten, sprach ,r in der gewöhnlichen Form das Todesurtheil über ihn aus. Der Gefangene richtete nährend dessen sein Auge starr auf den Richter, ohne auch nur eine Spur von Bewegung zu ver­rathen. Wegen desselben Tumultes wurden noch 13 andere In­dividuen zum Theil zu sehr harten Strafen verurtheilt, mehrere derselben zu lebenslänglicher, einer zu zehnjähriger Transportation, sieben andere zur Einsperrung von längerer oder kürzerer Dauer.