Beilage zu £?r. 212 der Neuen Hessisch en Zeitung.
Darmstadt, 18. Dec. 3n der ersten Kammer hat Frhr. v. Gagern angetragen, die Staatsregierung zu ersuchen, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln dahin zu wirken, „daß Pius IX. r und den Kardinälen ein einstweiliges Asyl,'eine verlängerte Residenz in Deutschland angeboren werde, und die Einladung im nationalen Sinne von den geeigneten Behörden also an sie er- gehe." (Darmst 3 )
Frankreich.
Paris, 20. Dec. Alexander Dumas , der als Journalist beinahe in Vergessenheit gerathen war, hat wieder einmal die Feder ergriffen und im „l'Evènement" eine Art Adresse an den Prinzen Louis Napoleon Bonaparte, als den Präsidenten der Republik, veröffentlicht. Der Schriftsteller gibt darin dem von der französischen Nation erwählten Präsidenten folgenden Rath : Das erste Wort, das aus Ihrem Munde hervorgeben wird, möge heißen: „Vergessen," das zweite: „Gerechtigkeit." Billig ist es, daß der Graf v. Chambord, der nicht das Geringste gegen Frankreich verbrochen, und doch seit achtzehn Jahren daraus verbannt ist, die Pforten Frankreichs sich wieder für ihn öffnen sehe. Billig, daß vier junge Prinzen, die Ihnen nie etwas gethan haben, durch Sie zurückgerufen werden. Allein das ist noch nicht Alles, das wäre nicht genug. Es ist billig, daß diejenigen, welche dem Vaterland gedient haben, für ihre Dienste belohnt werden; es ist billig, daß der Herzog von Aumale, der Algerien befehligte und der feinen Degen hinlegte mit den Worten „sei vergessen, meine Mutter!" es ist billig, daß dieser Herzog von Aumale wieder Gouverneur Algeriens werde. Es ist billig, daß der Prinz von Joinville, der die Flotte commandirte, den seine Kenntnisse zur Leuchte für seine Offiziere, den sein Muth zum Abgott seiner Soldaten gemacht hatte, es ist billig, daß der Prinz von Joinville, für den die Marine gestimmt hat, der Marine wieder gegeben werde. Es ist billig, daß der Mann, der uns im Stadthause vor der Anarchie gerettet, der die rothe Fahne mit derselben Hand, mit welcher er die Girondisten geschrieben, zerrissen, der seine Popularität durch einen Irrthum und nicht durch einen Fehler ringkbüßt hat, cd ist billig, daß Herr v. Lamartine Vicepräsident der Republik werde; es ist billig, daß der Mann, der würdevoll und hochherzig vor Ihnen zurücktritt, Paris in dem Zustand der Ruhe und Frankreich in dem des Vertrauens zurücklassend, es ist billig, daß General Cavaignac zum Marschall von Frankreich erhoben werde. Das hatte ich Ihnen zu sagen, Prinz. Zum ersten und zum letzten Male hören Sie meine Stimme, eine sehr freie, sehr gesetzliche, und vor allem sehr uneigennützige Stimme.
Paris, 21 December. (Die finanzielle Lage der Republik.) Der ruhige Verlauf der Proclamirung des neuen Präsidenten, und Ludwig Bonaparte's Versicherungen werden vermuthlich auch den Schrecken beschwichtigen, der sich der Finanz- welt wieder bemächtigt hat. Mitten während des Wahljubels waren die 5procentigen Renten um 3'/4 Fr. gefallen und einige inhaltsschwere Worte Rothschilds in Bezug auf das nächste Semester scheinen der Börsenwelt das Gespenst des Nationalbankerotts vor die Augen gerückt zu haben. Darum hat sich heute der Moniteur beeilt, durch eine Vorstellung der allgemeinen Finanzlage die Gemüther zu beruhigen. Am 20. Juni 1848 befanden sich in der Centralstaatskasse 25,141,000 Frs. Diese Summe sank am 1. Juli (nach der Junischlacht) auf 12,303,000 Frs. und am 4 desselben Monats waren von ihr nur noch 6,906,000 Frs. übrig. In jenem Augenblicke war die Verlegenheit der Staatskasse am größten. Das tägliche Deficit betrug die enorme Summe von mehr als zwei Millionen Frauken? In der Periode vom 25. Oct. bis zum 10. Nov. gelang es dem Herrn Goud- chaur, dieses Deficit auf 1,238,000 Fes. pr. Tag herabzudrücken. Goudchaux zder einzige demokratische Banquier von Paris, wie er sich selbst auf der Bühne der National-Versammlung nannte) entwickelte in der That einen bewunderungswürdigen Eifer in der Verordnung von Zwangsersparnissen, demzufolge es möglich wurde, das tägliche Deficit vom 10. Nov. bis zum 14. December auf 101,400 Frs. herabzudrücken. Mit andern Worten: Die Ein- nahmen wurden von den Ausgaben täglich nur noch um 101,400 <^rs. überstiegen. Das Resultat der Präsidentenwahl einmal be- kapnt, entwickelten die Generalsteuereinnehmer eine außerordentliche
Thätigkeit, so daß die Staatskasse von ihnen am 31. Dec. auf mehr als 40 Millionen Frs. rechnen kann.
„Fügen wir nun noch — schließt der Moniteur das merkwürdige Aktenstück — die bedeutenden außerordentlichen Einnahmen des 1848ger Büdgcts zu obiger Steuersumme hinzu, so darf die Finanzlage der Republik keineswegs beunruhigen. Diese außerordentlichen Einnahmen bestehen a) in der Rentenzahlung deS Rott schildschen Anlehens mit 64,000,000, b) Ratenzahlung auS Lyon 30,000,000, c) Nordbahn 12,000,000, d) Von Bankan- leihen (2te Portion) 75,000,000, beträgt 181,000,000. Hierzu obige Steuersumme 40,0000. Im Ganzen 221,000,000.
Paris, 23. Dec. Jerome Napoleon, ein Sohn des ehemaligen Königs von Westphalen, ist, wie allgemein versichert wird, zum Gesandten in London ernannt. Vorher soll er sich nach Brüssel und Haag begeben, um die Ernennung seines VetterS zum Präsidenten der Republik dem dortigen Kabinette officiell mitzutheilen. An der Börse hieß es, Hr. Dufaure würde einer der drei Kandidaten sein, welche für den Posten des Vicepräsidenten vorgeschlagen werden. Dieses Gerücht trug zum Steigen der Papiere bei. Morgen wird, wie der „Moniteur" heute anzeigt, unser neuer Präsident Heerschau über die Bürgerwehr des Seine- departements und die Linientruppen Der Pariser Armee halten. Daran knüpfen sich dann allerlei Gerüchte von kaiserlichen Demonstrationen , denen man aber keinen Glauben beimißt. Die „Libertè" will wissen, Ludwig Napoleon werde in der Uniform der Bürgerwehr erscheinen, und seine Vettern Jerome und Pierre zu Obristen des Generalstabs der Nationalgarde ernennen. General Cavaignac hat seine stille Wohnung in der Rue basse du rempart wieder bezogen. Der „Constitutione!" erklärt, es sei nicht wahr, daß Hr. Thiers die Mission angenommen habe, Frankreich bei den Konferenzen in Brüssel zu vertreten. Im diplomatischen Korps sollen große Veränderungen vorgenommen werden. Hr Bastide soll den Posten eines Gesandten in London, wie mehrere andere, ausgeschlagen haben.
Dänemark.
Kopenhagen, 16. Dezember. In der heutigen Sitzung des Reichstags legte der Finanzminister einen vom Könige bereits gestern gebilligten neuen Finanzplan vor, so daß der unterm 8. Nov. vorgelegte Plan (und damit der Vorschlag zur Realisirung von 2 Millionen Aktiven und zu einer Anleihe im Jnlande) zurückgenommen ist. Das Budget für 1849 wird nach der neu vorgenommenen Berechnung auf 213/1O Mill., angeschlagen (statt der früher veranschlagten 213/s Millionen! also die große Ersparung von Vio Millionen! allein gleich nachher wird der „runden Zahl" und „unvorhergesehener Zufälle" wegen, für biefe 3/l0 Millionen eine ganze Million gesetzt!), ohne daß deshalb der wichtige Bau von Irrenanstalten und Strafgefängnissen in Jütland und der Zollbude unterbrochen werden soll. Die Einnahmen für das Jahr 1849 werden nach genauester Berechnung auf 11 Millionen angeschlagen. Dazu kommt ferner: 1 Million Ueberschuß aus dem letzten Quartal dieses Jahres, dessen Einkünfte man vorher als gleich mit den Ausgaben angeschlagen hatte. Die Unterbalance von 93/10 Mill., oder in runder Zahl das Deficit von 10 Mill, soll gedeckt werden: 1) durch Ermächtigung des Finvnzministers zur Kontrahirung einer auswärtigen Anleihe von 7 Millionen, 2) durch Ausgabe einer neuen Serie von Creditscheinen von 4 Mill., ausgestellt den 11. Dez. 1849, während das letzte Drittcl der älteren Creditscheine statt Juni 1850 schon Dezember 1849 oder spätestens Januar 1850 eingelöst werden soll. — Der Premierminister bemerkte in wenigen Worten, daß er, da die Umstände im Augenblick günstiger für eine Anleihe im Auslande seien, deshalb das von ihm selbst projektirte inländische Anleihen von 6 Mill. zurückziche.
Die Berlingsche Zeitung widmet deu.Nachrichten über den „aufrührischen Geist" und" „die Insubordination in der schleswig- holsteinischen Armee" einen ganz unverhältnißmäßigen Raum, und Flyveposen vom Freitag meldet, daß drei von den fünfzig zu Rendsburg verhafteten Pionieren, denen es gelungen, zu entflie- hen, in Kopenhagen angekoinmen!