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tri.So wahr mir Gott trift" war die Eidesformel für die Abgeordneten aller Confessionen bestimmt worden. Angenommen wurde von der Versammlung der dringende Antrag des Herrn Rèe: die abwesenden Mitglieder zur Eidesleistung aufzufordern und die Versammlung für konstituirt zu erklären. Heute Abend ist wieder Sitzung; an der Tagesordnung verschiedene Ausschuß­wahlen.

Baiern. Die Deutsche Zeitung sagt über die Vorgänge in München:Die Camarilla hat gesiegt! Es ist ihr geglückt, den König über die wahre Lage des Landes zu verblenden, und ihn den Rathschlägen seiner Minister unzugänglich zu machen, so, daß es zur Pflicht wurde, eine Stelle zu verlassen, an der doch keine Wirksamkeit mehr möglich war. Was werden aber wohl die weiteren Folgen sein? . . . Wer wird sich entschließen wol­len, nach solchen Männern ein Portefeuille zu übernehmen? Ge­wiß Keiner, der es mit dem Fortschritt ehrlich meint! Präsident Zirehl, ein sehr tüchtiger, freisinniger Beamter, soll es bereits abgelehnt haben, das Ministerium des Innern zu übernehmen. Man spricht nun von Staatsrath Boltz, einem Manne, der schon unter Abels Regimente allen Credit im Lande verloren hat, man spricht vom Grafen Armansperg, dem früheren baierischen Mini­ster und Mitgliede der griechischen Regentschaft, ja, man spricht vom Fürsten Wallerstein! Heule, 12. Dee., ist vom frühen Mor­gen an die gesammte Garnison mit allen Osficieren in den Ca- sernen coNsignirt, um augenblicklich zum Ausrücken bereit zu sein. Man scheint also Unruhen zu fürchten."

Der König hat ein sehr anerkennendes Handschreiben an den Grafen Spaur in Betreff seiner Verdienste um den Papst er­lassen.

Frankreich.

Paris, 20. Dez. Hr. Dufour, gestern noch Minister des In- nern, kann in Verbindung mit Marrast als der eigentliche Urheber deö Vorschlages betrachtet werden, den Präsidenten so plötzlich zu proclamiren, als es geschehen ist. Polizeiberichte, an deren Aechtheit man jedoch zweifeln kann, meldeten, sagt man, dem Minister, daß die Btivohner der Vorstädte Louis Napoleon sofort zum Kaiser proclamiren wollten, zu welchem Zweck sie sich aus dem Con- cordiaplatze einfinden würden. Hierdurch bewogen, begab sich Hr. Dufour gestern früh in die Mit der WahlprotocoUprüfung be­schäftigte Commission, und bat sie, ihre Arbeiten zu beschleunigen, und nicht die Proiocollt der Departemente des Aveyron, des Oberrheln, der Somme unh Corsiras abzuwarten. Dieser Grund war für die Commission wichtig genug, um Waldeck Rousseau zu beauftragen, feinen Bericht bis 4 Uhr zu schließen. Der Bericht ist bekannt, er schloß übrigens mit einem Lobspruch auf Cavaig- nac, der im Geräusch überhört wurde und in die ersten Berichte nicht ausgenommen ist.

Paris, 21. Dec. Wie man behauptet, hätte Louis Na­poleon, wenn sich ihm nicht von Seiten seiner Familie und sei­ner bisherigen Freunde zu große Schwierigkeiten dagegen erhoben hätten, einen großen Theil seines Ministeriums aus sogenannten Republikanern de la Veille zusammengesetzt. Die jetzige Bildung seines Ministeriums ist jedenfalls keine definitive, sondern ein Versuch," und es wird von der Kammer abhängen, ob und welche Modifikationen in Kurzem eintreten sollen, da der Präsi­dent entschlossen ist, jede Collifion mit der Assemblee zu Ver- meicen.

Louis Napoleon wird daher, trotz seiner persönlichen Sympa­thien für Hrn. v. Girardin mit der Beförderung dieses Mannes warten müssen, bis diese Assemblee ihre Arbeiten vollendet hat. Inzwischen hofft man, daß die vielfach angeregte allgemeine Am­nestie endlich erlassen werde, eine Maßregel, die dem neuen Prä­sidenten aufbewahtt geblieben ist, um sich die Dolksliebe zu ge­winnen. Man glaubt aber, daß Louis Napoleon beabsichtige, gleichzeitig mit der Amnestie auch die Aufhebung des Exils der beiden Königsfamilien vorzuschlagen, die eine der Lieblingsideen des Präsidenten sein soll. Die jetzige Assemblee wird aber -schwerlich zu letzter Maßregel ihre Einwilligung geben.

Der in der Antrittsrede Napoleons mitgetheilte Passusund die unglücklichen Völkerschaften unterstützen können" ist aus der athographirten deutschen Corresp. in unsere Blätter übergegangen, ändet sich aber in den französischen Journalen nicht. Die be­

treffende Stelle lautet vielmehr (nach den Debats) folgender Ge­stalt:Mit Frieden und Ordnung kann unser Land sich erheben, seine Wunden heilen, die Irregeleiteten wieder zurückführen unfr die Leidenschaften beruhigen.

Paris, 21. December. Die Extrabeilage des Moniteur bringt noch folgende Ernennungen: Chagarnier ist zum Oberbefehlshaber sämmtlicher Linientruppen und Nalionalgarden, so wie der Mobilgaade von Paris ernannt und behält sein Haupt- lager in den Tuilerien. Bugeaud ist zum Befehlshaber der Alpenarmee ernannt und wird sein Hauptquartier in Bourges auf» schlagen. Berger, Ermaire, tritt als Seinepräfekl an Recurts Stelle, der gestern seine Entlassung eingereicht, und der Gens- d'armeriecommandanl Rebillot an die Stelle Gervais in Caen. Carlier, der Gegner Ledru Rollins, verläßt das Ministerium des Innern, um, wie unter Louis Philipp, die Pariser Stadt­polizei zu leiten. Der Generalpostmeister Arago hat seine Entlassung kingereicht, ebenso der bisherige Gesandte in London, Hr. v. Beaumont, und der Generalprocurator am Apellhofe in Lissabon, Laissac. Zum Postmeister soll Hr. Vieillard, Lehrer des Präsidenten, designirt sein, nach Anderen Hr. Thayer.

Gestern Abend 6'/, llhr verkündeteten 101 Kanonenschüsse vom Invalitenhofe her das Ereigniß der Proelamation des neue» Präsidenten.

Einige Theater und Privathäuser längs den Boulevards zün­deten Lampen und Transparente mit den Namenszügen des In- ftallirten an, bu jedoch der scharfe Nordwind bald wieder auö- löschte. Die eigentliche Proclamations - Illumination wird erst später Statt finden.

Der Zug des Präsidenten aus der Nationalversammlung iw das schräg gegenüberliegende Palais Elysee (National) war rein militärisch. Bow Volk keine Spur. Am Wagenschlage ritten Changarnier, Edgar Rey und Emil Fleury. Im Hofe des Pa­lais ««gekommen, war die ganze Familie Bonaparte versammelt, die ihn empfing, sobald Lacrosse im Namen der Nationalversamm­lung einige Worte an ihn gerichtet hat. Am Sonntag würd der Präsident mit dem Kriegsminister eine große Revue über die hiesige Garnison halten; Abends wird Paris illuminirt. Viele Neugierige standen heute vor dem Prästdentschaftshotel um L. Napoleon zu sehen, ihre Hoffnung wurde aber nicht erfüllt.

Paris, 22. Dec. Zwischen dem Präsidenten und seinem Ministerium soll rücksichtlich der vom ersteren gegen die Ansicht des letztere beabsichtigten Amnestie Dissens ausgebrochen sein, der als Ursache der tägigen Ferien der Nationalversammlung angegeben wird. Bonaparte hat die Amnestie dem Haupte der Bergpartei, Theo­dor Bac, ganz bestimmt versprochen und man fürchtete die Er­füllung dieses Versprechens an der gestrigen Börse.

Der Monittilr bringt folgende Ernennungen: 1) Kasche, einer der gesuchtesten Advokaten und Erdeputirten der weiland Deputirtenkammrr, zum Nachfolger Corne's als Generalanwalt der Republik. 2) Thayer, ein bedeutender Kapitalist, zum Ge- neraldirector an Aragos Stelle.

Der Abendmonileur meldet den Amtsamritt Bergers, Ermai- re's, als Seinepräfect und die Rückkehr Dubost's den die provi­sorische Regierung bei Seite warf, in die Generalpostverwaltung.

Thiers, der unsichtbare Lenker unserer Schicksale, soll Hr. Barrot zum Vicepräsidenlen der Republik bestimmt haben.

DiePatrie," die sich stets gut unterrichtet stellt, meldet, daß die Minister ihr politisches Programm am nächsten Dienstag der Nationalversammlung verlegen werden.

Man bezeichnete Lamartine, Bedeau und Bugeaud als dieje­nigen Kandidaten, welche Bonaparte zur Vicepräsiventur Vorschlä­gen wolle. Doch ist diese Liste irrig.

Cavaignac wohnt einsam und still in der Rue Reuve de Luxem­bourg, in der Nähe der Mariahimmelfahrtskirche, wo Napoleon und Josephine häufig die Messe hörten. Will er ebenfalls fromm werden? fragen die Spötter, oder wartet er, bis ihn die Bürger­wehr wieder an die Spitze ruft?

Die Ernennung FaUour, des Iesuitenfreundes, zum Unter- richtsminister, hat die Universität allarmirt und erregt überhaupt allgemeine Unzufriedenheit. Ebenso die Ernennung des Herrn Berger und Dubost, zweier ganz unfähiger Mitglieder des alten Cammer-Eentrums.