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wir sind bereit, jeden wirklichen Fehler des einen oder des andern anzuerkenneu; zu kritisiren ober, wo es an uns ist, verbessern zu helfen. Aber über EineS haben wir nicht den geringsten Zweifel. Jede Entscheidung der Kammer über das Wahlgesetz, welche nicht im Einverständnisse mit dem Ministerium getroffen würde; jede Aenderung des Entwurfs, welche das Ministerium zur Verläug- nung seiner Grundsätze oder zur Auflösung des Kabinets nöthigte, müßten wir als eine Gefahr für die Freiheit und das Land be­trachten.

Politische Nachrichten. Deutschland.

C. P. C. Frank f u r t, 23. Dez. Die Bewegungen in einigen Gebieten des südlichen und mittleren Deutschlands bleiben hier nicht unbemerkt und die Wühlereien des Hrn. Klindworth werden auch von der Ferne beobachtet, Wühlereien, gleichviel ob auf parguettirtem Boden oder in den dumpfen Spelunken! Ge­rüchte, die so eben verbreitet werden, als ob Preußen, auf den Wunsch Rußlands, der Trias seine Beistimmung gegeben hätte, glauben wir aus gutem Grunde bezweifeln zu dürfen. Auf den Wunsch Rußlands! Eben weil Rußland die Schwäche Deutsch­lands verewigen, weil es Oesterreich in die unhaltbare Stellung der deutschen Trias hineindrängen und dadurch von seiner innern der Donaumündung naturgemäß zugewendeten Politik ablenken will, muß es die Trias wünschen, und eben deshalb muß Deutsch­land das Gegentheil nicht blos berathen, sondern rasch und kühn ergreifen. Möglich, daß wir binnen kurzer Zeit die Nachricht er­halten, daß auch Louis Napoleon mit der Trias vollkommen zu­frieden sei und der Einbläser Thiers bereits einen Plan fertig habe, der auf einem kleinen Umweg nach Frankfurt spedirt wer­den soll. Wenn aber das Ausland sich früher geeinigt hätte als Deutschland, wenn es uns mit einer heilsamen Gefahr beschenken sollte, dann ergeht an Preußen die Mahnung: Videant consules, republica ne detrimenti capiat! denn ein Dictator im rechten Moment ist eine rettende That ! Wir sind aber auch fest über­zeuge, daß die Politik von Olmütz den kleinlichen Bestrebungen fremd ist, in die ein großer Theil der österreichischen Abgeordne­ten ihre Regierung verwickeln will und wir erwarten, daß gerade von dort her Aufklärungen werden gegeben werden, die das Netz der Intriguen zerreißen und vor ganz Europa den Beweis füh­ren, daß Oesterreich mit Preußen Hand in Hand geht. Aufrich­tig wünschen wir, daß es Herrn von Schmerling befchieben sein mochte, der Bote solcher Mittheilungen zu werden, weil wir un­sererseits an seiner patriotischen Hingebung niemals gezweifelt haben.

Sehr ergötzlich ist die Erklärung der Wahlmänner des Be­zirkes von Stadtprozenten, die Herrn Dr. Eisenmann schreiben, er brauche sich bei ihnen gar nicht ;u entschuldigen, daß er ihnen Bassermann als Parlaments-Kandidaten empfohlen habe. B. habe ihr Vertrauen im vollsten Maaße gerechtfertigt und sie überlassen der Zukunft die Entscheidung, ob die jetzige oder frühere Ansicht des Herrn Eisenmann ein Irrthum sei.

Die Arbeiten der Neichsverfammlung sind bis zum Donners­tag vertagt worden.

Wien, 20. Dez. lH. M.-Z.) Die Preßburger Zeitung, die uns heute wieder, das erstemal seit langer Zeit, zukam, ent­hält unter der AufschriftLokales", daß die österreichischen Trup­pen durch ihre musterhafte Haltung und ihr enthaltsames Be­nehmen sich auszeichnen, und daß man wünschen müsse, daß das nach Frieden und Ruhe sich sehnende Land baldigst von feinen Empörern befreit würde; wunderbarer Weise aber lieft man auf der 2. Seite von den trefflichen Verschanzungen und Zurüstungen bei Ofen und Pesth, die an dem Sieg der Ungarn nicht zweifeln lassen. Fürst Windischgrätz hat sein Hauptquartier nun noch weiter nach Carlburg verlegt. Der Banus Jellachich, leicht ver­wundet bei dem vor Wiselburg und vor dessen Eroberung statt- gehabtem Gefechte, lief fast schon Gefahr, bei seiner Recognos- cirung der feindlichen Vorposten von den Husaren gefangen zu werden, wenn nicht die Schnelligkeit seines Rosses ihn noch glück­lich zu seiner Armee gerettet hätte. General Schlick und Gene­

ral Buchner werden von Galizischer und Siebenbürger Seite ver­eint den Angriff auf Ungarn vornehmen. Veranlassung hiezu giebt insbesondere der Umstand, daß Buchner mehr Landsturm als reguläre Truppen zu Gebote stehen, während beim erstem der umgekehrte Fall statlfindek. Wenn andererseits das Gerücht ver­lautet, daß Koffuth hauptsächlich am Banat seine treuen Truppe« versammelt, um im unglücklichsten Falle mit deren Hülfe sich nach der Türkei durchzuschlagen, so dürfte demselben doch kaum zu glauben sein, da es allseitig bekannt ist, daß man erst vor Pesth der eigentlichen Schlacht entgegen zu sehen hat. Während die Dinge in Ungarn zu Gunsten des österreichischen Heeres sich zu gestalten scheinen, langen von Olmütz noch immer Beglückwün- schungsadressen zur Thronbesteigung von Seiten der Provinzen an. Insbesondere zeichnen sich hierin Tvrol und Steyermark aus. Der junge Herrscher bemüht sich übrigens, sich populär zu geigen. Eine Deputation von Bauern aus der Hanna, die zu ihm mit der Anfrage kamen, ob es denn mit dec Abschaffung des Zehnten und der Robot sein wirkliches Bewandtniß habe, soll er mit sei- nein kaiserlichen Wort und seinem Handschlag geantwortet haben. Wien gewinnt immer mehr an Lebhaftigkeit und selbst das politische Leben gewinnt hie und da wieder einige Auffrischung durch das Erscheinen von Journalen liberaler Gesinnung. Die ost-deutsche Post, seit vorgestern wieder aus Licht tretend, erfreut sich deshalb schon eines großen Leserkreises. Viel Redens macht hier nun die am 23. d. stattfinvende Wahl eineS Rüchslagsabgeord- neten vom ersten Stadtbezirk Wiens. Unter den Kandidaten v. Pillersdorf, v. Schmerling, Fürst Schwarzenberg, Mühlfcld, Hye, ist es besonders der erste, welcher bis jetzt eine compacte Fractio» für sich hat.

Berlin. (Magd. Z.) Als Gerücht circulirt die Nachricht, daß der Oberbefehlshaber der Truppen in den Marken bestimmt wäre, sich mich Paris zu begeben, um dem Präsidenten der französischen Republik die Glückwünsche des preußischen Gouver­nements zu überbringen, sobald Louis Napoleon von der National­vei sammlung proclamirt sein würde. (?)

Berti n, 24. Decbr. Auch das Weihnachtsfest ist herange­kommen, ohne uns das ersehnte Geschenk, die Aufhebung des Be­lagerungszustandes zu bringen. Doch scheint es keinem Zweifel zu unterliegen, daß die Zwangsmaßregeln, die, leicht oder schwer, jedenfalls schon als solche drückend sind, bald ihr Ende erreichen müssen. Die Truppen werden fast täglich vermindert, und das Gerücht, daß General Wrangel an den Rhein marschiren werde, gewinnt immer mehr an Gewißheit. Den zurückgebliebenen Mann­schaften soll von der Königin eine außerordentliche WeihnachtS- gäbe beschieden sein. Der Mann |oU einen Thaler, eine Flasche Punsch und eine Metze Aepfel erhalten. Man schreibt diese Gabe der freudigen Empfindung der Königin darüber zu, daß die über Berlin verhängten Maßregeln zum Theil durch die Mäßigung des Militärs ohne Blutvergießen ausgeführt worden sind.

Magdeburg, 20. Dec. In dem benachbarten Köthen bildet sich ein Brennpunkt der sogenannten demokratischen Partei. ' Schon vor etwa drei Woche» fand hier ein demokratischer Con- greß Statt, dessen Erfolg aber den davon gehegten Erwartungen nicht entsprach. Es fanden sich damals nur etwa 30 bis 40 Abgeordnete ein, und es wurde die Steuerverweigerung nicht bloß für Preußen, sondern auch für das übrige Deutschland, was ja doch die Verlegenheit der preußischen National-Versammlung nicht verschuldet hatte, proponirt. Man konnte ft» aber darüber nicht vereinigen, nachdem insbesondere von dem Deputirten eines sehr demokratisch gesinnten Bezirkes der preußischen Machbarschaft be- merft worden war: er dürfe seinen Landsleuten mit einem solchen Vorschläge nicht kommen, weil sie noch nicht dafür reif seien. . In den vorbereitenden Privatzirkeln wurde die Schilderhebung der rothen Republik ganz ungescheut zur Sprache gebracht, dagegen aber bemerkt, noch fei es dazu nicht an der Zeit, weil insbeson- 1 dere das Militär noch zu wenig vorbereitet sei und erst noch mehr bearbeitet werden müsse, um dessen traditionelle und veral­tete Treue aus dem Wege zu räumen.

Hamburg, 23. Dec. In der gestrigen Sitzung der con- . ftituirenben Versammlung wurde von sämmtlichen anwesenden Mitgliedern, 164 an der Zahl, der Eid geleistet. Dr. Haller und Dr. Sieveking wohnten cl« Commissarien des Senates dem Akte