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Neue Hessische Zeitung.

J" 910.

Dieiistaq, teil 26. December.

1848.

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntag- mit einem Unterhaltung-blatte, und wird vor 12 Uhr Morgen- ausgegeben. Der Abonnement-Preis beträgt 1 Tl)lr. 15 2gr. für das Quartal, wofür alle kurhefsischen Postämter solche ohne Preiserhöhung liefern. Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet.

Politische Nachrichten.

Deutschland.

Frankfurt, 20. Dezember. Die heutige Oberpostamts- zeitung enthält folgende interessante Erklärung eines baierischen Rchhötaqèdeputirteu :Die Beilage Ihres gestrigen Blattes enthält in der Ischen Korrespondenz die Angabe, in der Wahl Kirch- geßners zum Pi äsidenten seien sämmtliche Fraktionen der Linken mit den Baiern und Oesterreich zusammengestanden und die Ultra- montanen hätten sich innigst an diese angeschlossen. Diese Angabe ist bezüglich der Baiern irrig; hinsichtlich dieser verhält sich näm­lich Mr Sache also: Von Mm 71 baierischen Depulirten gehören 23 zu den Fraktionen der Linken, 6 sind entschiedene Ultramon- tane, 9 sind zur Zeit abivesend. Wenn nun auch die Ultramon­tanen sich bei Bin Abstimmungen, welche die österreichische oder preußische Frage auch nur entfernt berühren, in der neuesten Zeit von ihren bisherigen politischen Parteigenossen getrennt haben, wenn auch manche von den andern Baiern sich durch partikula- ristiiche Gesinnung, durch Antipathie gegen Preußen und Vorliebe für Oesterreich zu einer gleichen Handlungsweise haben hinreißen lassen, so steht doch so viel fest, daß von den 33 Baiern, welche veder zur Linken noch zu den Ultramontanen gehören, sich die entschiedene Mehrheit von dieser unnatürlichen Koalition zwischen Zinken, Oesterreichern und Ultranionianen ferngehalten und bewie- en hat, daß ihr die deutsche Sache cöver stehe, als alle parti- ularrstische Neigung, als alle Autipachieen und Svmpathieen, und - ihr das Streben nach Deutschlands Einheit und Macht alle »deren Verhältnisse weit überrage. In dieser Gesinnung wird »an verharren und es gern über sich ergehen lassen, wenn man 'qn der einen Seite ein Reaktionär und in den höher» Regionen -er Heimath vielleicht ein gefährlicher Demagog gescholten wird.

Ein bairischer R e i ch s t a g s d e p u t i r t e r."

Frankfurt, 21. Dec. Schon unser gestriger Bericht er- 'äbnle , wie bedenklich die Zusammensetzung des zur Begutach- iug des ministeriellen Antrags niedergesetzten Ausschusses sei. )er ministerielle Antrag darf nur auf 4, höchstens 5 Stimmen stimm. Z im vorläufigen Referenten in dem Ausschusse ist Giskra, im Correferenien Rüder erwählt. In der gestrigen Sitzung soll er Antrag, über die Vorlage des Ministeriums zur Tagesord- unq ü'erzngèhen , nur mit Einer Stimme Majorität abgelehnt nd der Beschluß angenommen worden sein, allererst die betreffen- en Oecum ine einzuziehen und behufs einer Beschlußfassung zu rufen Sehr glücklich trifft es sich dabei, daß der eben von Lieu zuruckgekchrie Reichscommissär, Herr Paur von Augsburg, ls Mitglied des Ausschusses, demselben die Veisicherung wird »schärfen können, daß das Gagernsche Programm durchaus dem Sillen und den Gesinnungen entspricht, die man in Oesterreich lbst in Beziehung auf das Verhältniß zu Deutschland hegt. Am eisten aber hoffen wir, daß diese Ueberzeugung die Frucht einer '». sein werde, welche Hr. v Schmerling heute Abend nach ckniütz in der ausdrücklichen Absicht antritt, um sich zu verge- ' issern, ob die von Gagern geltend gemachte Auffassung des öster- ichischen Programms die richtige sei. Die Oberhauptsfrage, izertreunlich verbunden mit der österreichischen, wird eben deß- lb in den Parteiversammlungen gleichzeitig einer Beantwortung tgegengesördert. Wie der Augsburger Hof, so hat jetzt auch S Casino den Bericht der von der Partei niedergesetzten Com- 'ssion voaliegen. -Die Kaiseikrone soll hiernach erblich mit der one Preußen verbunden werden, während die anderen zum ich gehörigen Staaten durch die Einsetzung eines Reichsraths,

durch Verstärkung der Stimmen im Staatenhause und durch an­dere Concessionen zu befriedigen seien.

Frankfurt, 21. Dec. Es kann aus sicherer Quelle be­richtet werden, daß die hannoversche Regierung ihren Entschluß erklärt hat, die Einführung der Grundrechte nicht eher zu bewirken, bis die gesammte Reichsverfassung zur Vollendung gelangt sein wird.

Frankfurt, 22. Dec. Zum ersten Male erblicken wir heute unsern neugewählten Präsidenten wieder in der Versammlung. Die Nachrichten, welche Hr. Simson von Berlin mitgebracht, sind durchaus erfreulicher Art. Wenn die Minister Brandenburg, Manteuffel noch immer ihre Stellen nicht verlassen haben, so trägt nicht wohl sowohl ihr eigener Wille die Schuld daran, als vielmehr die Befürchtung, daß der Rücktritt jener Männer die früheren anarchischen Zustände zurückbringen könne, sowie die Schwierigkeit, ihre Stellen zweckmäßig durch Andere zu besetzen. In Betreff der deutschen Sache und insbesondere deren letzten Abschluß lauten die Andeutungen des Reichscommissärs günstiger, als man nach früheren Gerüchten über die Ansichten des Königs glaubte hoffen zu dürfen. Unser umgestalteles Ministerium ist in der heutigen Sitzung schon sehr rüstig auf dem Plane gewefen. Es gilt die Verhandlung über das erste Reichsbudget. Mit zum Theil kleinlicher, seitens der Linken sogar mit krämerhafter Kritik macht man dem Ministerium die Bewilligung desselben sauer. Unsere Hoffnung ging von Anfang an dahin, daß die oppositio­nelle Coalition gegen Gagerns Programm in all ihrer Unklarheit und Verworrenheit vor der Vernunft und Klarheit der Sache zerrinnen werde. Diese Hoffnung beginnt sich zu erfüllen. Nicht nur, daß viele Oesterreicher sich an dem offenen Worte Gagerns ernüchtern, es ist namentlich die Fraction Jürgens für feine anti- ministerielle zu halten. Das Ministerium, wenn irgend möglich, zu stützen, das ist die ausgesprochene Tendenz dieser Fraction, die man vielleicht zu rasch für eine Gegnerin Gagerns ansah, weil sie eine Gegnerin des Austritts von Schmerling war. Diesen Austritt zu em­pfindlich genommen und nicht sogleich das Maß dieser Empfindlichkeit gefunden zu haben, das scheint der Fehler dieser neuen Partei gewesen zu sein. Die Verdienste des Hrn. v. Schmerling mögen diesen Fehler rechtfertigen und man wird gewiß geneigt, diese Verdienste anzu- erkennen, wenn man den Nachfolger Schmerling'- zum Theil nur bemüht sieht, das von diesem Begonnene weiter zu führen. So ist namentlich ein Erposè über die dänische Sache eine Erbschaft der Schmerling'schen Verwaltung, welche durchaus in gleichem Geiste von dem neuen Minister des Auswärtigen aufgenommen worden ist. Die Erklärungen, Dänemark gegenüber. sind die allerentfchiedensten und enthalten das nachdrücklichste Versprechen, die gemeinsame Regierung in Schleswig gegen dänische Ueber- griffe zu schützen.

Wien, 19. Dez. Die heutige Wiener Zeitung meldet amtlich die Ernennung des Banus von Kroatien, Frhln. v. Jel- lachich, zum Gouverneur von Fiume, dann zum Civil- und Mi­litärgouverneur von Dalmatien.

Wien, 19. Dec. Heute wird stark von Ministerialäude- einigen gesprochen. Kraus soll abgedankt haben und Stadion an dessen Stelle das Ministerium der Finanzen übernehmen, wogegen Schmer­ling das Portefeuille des Innern erhielte. Heute erscheint Kuranda'sOstdeutsche Post" zum erstenmal wieder. So unwahrscheinlich es Angesichts der auf den Bastionen ausgestellten Wurf- und Belagerungsgeschütze klingt, wird es doch als höchst glaubwürdig versichert, daß gestern ein Arbeitercrawall, nach Ei­nigen gar ein Angriff auf besagte Geschütze im Werke war. Die Einleitung sollte eine Katzenmusik sein; F. M.-L. Weiden soll aber versichert haben, daß er beim ersten Psi ff seinerseits werde pfeifen lassen. Dies wirkte.