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licht. Hr. Temme hat in Münster sich bei seinem Wiedereintritt mündlich gegen das Collegium ausgesprochen: er werde sich durch -en Protest der Herren gar nicht beirren lassen rc. v. Rodber« luö hat eine Brochür, : mein Verhalten in dem Conflict zwischen Jtrone und Volk erscheinen lasten, an deren Schluß er sich dem Lande als Candidat präsentirt. Eine Erposition ähnlichen Inhalts hat auch v. Kirchmann als Erklärung an seine Wähler vom Sta­pel laufen lasten. Bei den bevorstehenden Wahlen in Berlin sollen V. Wrangel und Waldeck die meisten Aussichten haben In gut unterrichteten Kreisen unterhält man sich viel über die von Seiten unsere Gouvernements getroffenen und noch tu treffenden Vorbe­reitungen zur Aufstellung eines Observations-Corps an den Rhein- grenzen. Die Stärke desselben gibt man auf 100—150,000 Mann an.

Frankreich.

Paris, 20. Dec. Unter großen mi litairischen Zurüstungen <f— wie es heißt, zur Unterdrückung einer kaiserlich socialen Be­wegung unternommen —) ging heute die Sitzung der National- Versammlung vor sich, in welcher L Napoleon Bonaparte zum Präsidenten der französischen Republik proclamirt ward. Alle Welt war natürlich in größter Spannung. Niemand hörte auf das was vorging, bis gegen 4 Uhr L Napoleon eintrat, geleitet Som Ouästor der Versammlung, General Lebreton. Der Präsident gab Hr. Waldeck Rousseau das Wort zur Verlesung des Berichts über die Präsidentenwahl. Officiell sind 7,326,345 Wähler cünstatirt , von denen 5 434,000 für Napoleon, 1,448,000 für Cavaignac stimmten. Mit Ausnahme Grenobles ging überall die Wahl in Ruhe vor sich. Im Ganzen genommen stellt sich Na- holeons Wahl als vollkommen regelmäßig heraus. Die Mehrheit der Ccininiision hält auch den Einwand, Napoleon fei Bürger von Thurgau in der Schweiz, für unerheblich und bezeichnet ihn der Nationalversammlung als Auserwählten des französischen Volks für das Präsidium. Bürgervertreter! — schließt Waldeck Rousseau " vor neun Monaten proclamirtet Ihr von der Haupttreppe dieses Gebäudes herab die Republik; heute schlägt Euch die Commission vor, den Bürger Napoleon Boneparte als Präsidenten der Republik zu proclamiren. (Beifall zur Rechten Große Bewegung im Saale.)

Cavaignac bestieg hierauf die Tribüne und zeigte die Demis­sion des gesummten Ministeriums an. Gleichzeitig lege auch er die Staatsgewalt in die Hände der Versammlung zurück, die ihn vor 6 Monaten damit beehrt habe. „Ich bewahre eine ewige Erkennilichleit für das Wohlwollen. womitSie mich beehrt haben."

Marrast proclamine hierauf den Neugewählten. „Im Na­men des französischen Volks proclamire ich hiermit in Betracht, daß der Bürger Charles Louis Napoleon Bonaparte die Wahl- fâhigkeitsbedingung erfüllt, in Rücksicht auf die Stimmenmehrheit, die er vereinigt, den Bürger Charles Louis Napoleon Bonaparte, Kraft der Verfassung, zum Präsidenten der französischen Republik von diesem Tage ab bis zum dritten Sonntage des Mai's 1852. Sß lade den Bürger Louis Napoleon Bonaparte ein, sich der Tribüne zu nähern und den Eid der Verfassung zu leisten."

Nachdeni hierauf Bonaparte „zu allgemeiner Sensation" den vom Präsidenten Marrast verlesenen Schwur geleistet hat (ein Ordensstern prangte auf seiner Brust) hielt er unter der gespann­testen Stille der Versammlung folgende Rede:

Bürger! Vertreter! Das Slimnirecht der Nation beruft mich zur Präsidentschaft, legt mir aber auch Pflichten auf. Ich werde den Eâd halten, den ich so eben geleistet, wie dies einem Manne von Ebre geziemt. Ich werde als F.inv des Vaterlandes Jeder- liiann betrachten, der es versuchen wollte, die öffentliche Ruhe der Republik zu stören und das z» ändern, wa3 Frankreich festgesetzt hat. Zwischen Ihnen und mir, Bürger, Vertreter, können keine wahren Mißstimmungen stastfiukuu. Ich will, wie Sie, die Re- publik begründen, die Gesellschaft aufrecht erhalten und sichern und unsere Volkssitte durch demokratische Slaatseinrichtungen bes­sern. Mit Ordnung und Frieden werben wir die irregeleiteten Bürger zurückführen, die Leidenschaften besänftigen und die un­glücklichen Völker unterstützen sönnen. Ich habe um mich ehreuwerthe, obgleich in den Meinungen abweichende Män­ner gerufen. Sie werden mit mir zur Vervollkommung

ver Gesetze, zum Ruhme der Republik beitragen. Die neue Verwaltung schuldet der abtretenden Dank. Das Benehmen des Generals Cavaignac war der Loyalität seines CharacterS würdig. Ich danke Ihm öffentlich für die großen Dienste, die er Frankreich erwiesen hat. Eine große Aufgabe bleibt unS zu erfüllen übrig, nämlich eine weise und redliche Republik zu be. festigen. Von der Liebe zum Vaterlaude belebt, werden wir stet» der Bahn des Fortschrittes folgen, ohne Reactionaire noch Uto­pisten zu sein. Wir wollen wenigstens Gutes thun, wenn wir nichts Großes vermögen. (Beifall.) Viele Stimmen: ES lebe die Republik! Beim Herabsteigen drückte Bonaparte dem General Cavaignac die Hand. (Beifall.)

Marrast: Ich gab Befehl, daß die nöthigen Truppen den Bürgerpräsidenten in die für ihn bestimmte Wohnung begleiten.

Der Präsident geht ab, die Truppen folgen ihm. Die Siz- zung wird um 5'/« Uhr aufgehoben. Paris ist vollkommen ruhig. —

Das plötzliche furchtbare Sinken der Sprocentigen Rente (um mehr als 3'/» Procent),—eine Rothschild'sche Aeußerung soll die Ursache sein, — veranlaßt den Moniteur zu einer Darstellung der Finanzlage, welche gar nicht so übel sei. Wir werden darauf zurückkommen.

Paris, 21. Decbr. Gestern Abend sechs Uhr, unmittelbar nach der Installation des neuen Präsidenten in seine Wohnung (Elyèse National) empfing Marrast als Präsident der National­versammlung von dom Jnstallirten folgender Botschaft:

Elvsèe National, 20. Dec. „Herr Präsident! Ich bitte Sie, her Natioual-Vers. anzuzeigen, daß ich in Gemäßheit des Art. 64 der Verfassung mittelst Dekretes vom heutigen Tage ernannt habe: 1) Hr. Odilon Barrot, Volksvertreter, zum Minister der Justiz mit dem Auftrage, dem Ministerrath zu präsidiren, wenn der Präsident der Republik behindert ist; 2) Hr. Drouyn de Lhuys, Volksvertreter, zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten; 3) Hr. Leon de Malleville, Volksvertreter, Minister des Innern; 4) Hr. Rulbiere, Volksvertreter und Divisiousgeneral zum Mini­ster des Krieges; 5) Hr. De Tracy, Volksvertreter, ;um Mini­ster der Marine und Colonien; 6) Hr. de Fallour, Volksvertre­ter, zum Minister des öffentlichen Unterrichts und der Culten ; 7) Hr. Leon Fancher, Volksvertreter zum Minister der Staats­bauten; 8) Hr. Birio, Vicrpräsident der Nat-Vers; zum Mini­ster des Ackerbaues und Handels; 9) Hr. Hippolyte Passy, Mit­glied des Instituts, zum Minister der Finanzen. Empfangen Sie, Herr Präsident, die Veisicherung meiner hohen Achtung. (Ge:.) Louis Napoleon Bonaparte. (Gegengez.) Odilon Barrot, Justizminister.

AlS Louis Napoleon Bonaparte gestern von der Bühne der Nationalversammlung stieg, schritt er der Bank zu, auf welcher Cavaignac saß. General, sagte er tief gerührt, ich bin stolz darauf, einem solchen Manne , wie sie sind, folgen zu können. Cavaignac nichte ihm, ohne aufzustehe», die Hand, die sein Nach­folger fast krampfhaft drückte. Das ist die Scene, von der heute alle Blätter reden. — Cavaignac ließ schon im Laufe des gestri­gen Tages seine Karte bei Napoleon abgegeben

Italien

(A A. Ztg.) Das Gerücht von der Abdankung Karl Alberts zu Gunsten seines ältesten Sohnes des Herzogs von Savoyen hat sich als grunblod heräusgcstellt. In Genua Mb|l stieg die Gährung immer roher.

Repertoire des Kurfürstlichen Hoslheaèers.

Montag, 25. Dec. Zweites Abonnements- Concert der Mitglieder des Hot-Orchesters: Die Schöpfung. Großes Oratorium in 3 Ab­theilungen v. J. Haydn.

Dienstag, 26. Dec. Der Templer und die Jüdin. Große romantische Oper mit Tanz in 3 Abtheilungen. Musst von Marschner.

Mittwoch, 27. Dec. Zum ersten Male: Der Proceß. Lustspiel in 1 Auf;, von Roderich Venedir. Hierauf: Die beiden Flüchtlinge, oder: H ochzeitta gs - Fa tal itâte n. Ballet in 2 Antz, nebst einem Vorspiele. Vom Balletmeister Wieurich. Musik von Spâth.

Donnerstag, 28. Dec. Aloise. Romantische Oper mit Tanz in 2 Ausz. von F v. Holbein. Musik von L. Maurer.

Sonnabend, 30. Dec. Fa»st. Tragödie von Gothe. In sechs Ab­theilungen. Musik von Lindpaiutner.

Verantwortlicher Herausgeber: Fr. Oetker. — Redaktion: Fr. Oetker und A. Pfaff. — Druck und Verlag von Th. Fischer in Kassel.