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über Annahme oder VeNverfung deS Wahlgesetzes sich selbst, dem Lande und der Regierung solche Räthsel anfqibl, was soll erst aus jenem Einführungsgesetze werden, welches den Keim zu manchen neuen Räthseln in sich birgt?
Der Abgeordnete Lederer hat eS durch ein parlamentarisches Kunststück dahin gebracht, daß das in der Hauptsache verworfene Gesetz als nicht verworfen betrachtet und an tun Ausschuß zuiück- gewiesen werden soll. Weshalb dieses geschehen, ist ebenwohl nicht ersichtlich; vielleicht enthält dieses andere Räthsel die Auflösung des ersten; vielleicht soll es d,m Ausschuß gelingen, die Gründe der Ablehnung aufzufinden und nachträglich einen Werb, sserungsantrag zu ersinnen. Wenn ihm das aber nicht gelingen sollte — was wir nach seinem Berichte und nach den wocken- langen Verhandlungen wohl annehmen müssen — was dann?
Berlin, 16. Dec. Das geheime Obertribunal, der höchste Gerichtshof des Landes, hat die Unzahl der Dankadressen für die neue Verfassung auch durch die seinige vermehrt. Insbesondere rühmt er, daß die Veifassungsurkunde vom 5. d. M. nun den festen und zugleich einer weiteren Fortbildung fähigen Rechtsboden gewähre, auf dem das Land und die Gerichtshöfe sich wiederum mit Sicherheit zu bewegen im Stande seiend
Die, mitunter sehr zahlreichen, Verhaftungen von Personen welche sich durch den Steiirrve»Weigerungs-Beschluß zum Aufruhr verleiten ließen, dauern in Berlin und in de i Provinzen, namentlich in Schlesien — wo noch nachträglich ein ganzer Kreis wegen vielfacher Ereesse in Belagerungszustand erklärt ist — in Westphalen und der Rheinprovin; fort. Zu Halbe, stakt ist auch Wislicenus verhaftet worden.
Berlin, 19. Dec. Es wird unS von guter Hand mitqe- jheilt, daß in einem von dem Könige Würlembergs nach Potsdam gerichteten Briefe die entschiedensten Eiklärungen enthalten sind, daß nun die Wahl eines Hohrnzolleru zum Reich,-ob>r- Hauple mit Freude begrüßen werde. Was so schnell die Politik Würtembergs verändert hat, vermögen wir nicht zu erforschen Es scheint aber, daß es der preußischen Diplomatie gelungen ist, nicht bloß Würternberg, sondern auch einen aroßeu Theil der kleineren deutschen Staaten für die Hegemonie Preußens günstig zu stimmen, und bald dürfte B'iein in seiner Opposition gegen diese Hegemonie allein dastehen. Rickus desto ivenher soll der König, wie Gutuuterrichtete versichern, gewillt se n. erst nachdem eine vollkommene Einigung mit allen deutschen Fürsten erfolgt i|t , die deutsche Kaiserkrone aufzusetzen. Der König will so gleichsam die Wahl der deutschen Reichsv,isammlung durch die deutschen Fürsten bekräftigen lasten, damit es nicht den Anschein habe, als wolle Preußen die Souveränetät der kleineren Fürsten anlasten und diese gewissermaßen als unter der Reichavers stehend äuge- sehen wissen.
Berlin, 19. Dec. Gestern haben sämmtliche Minister nach einer langen Konferenz beschlossen now vor den Wahlen zuiückzutreien und von diesem Einschlusse Sr. Maj sofort Anzeige zu machen. Die Rachricht steht fest, nur über den Zeitpunkt deö Rückirins sch, int Genaueres noch nicht festgestellt. Man glaubt die Minist, r wer^enHin v. Vincke dem Könige als Nachfolger empfehlen. lN.her.s morgen )
Hamburg. In der am 16. stattgefuntenen' 17stündigen Sitzung der constitu'rrnden Versammlung — sie Mume bis 4 Uhr Morgens — entbrannte der Streit über die Eidesleistung mit solcher Heftigkeit, daß arge Scenen entstanden, an denen zu- letzt sogar die Gallerie sich betheiligte, welche für die Linke Hand- thâtig wurde. Gleichwohl ging zuletzt ein vermittelnder Antrag durch, wonach der begehrte Eid mit einer Modifikation, daß nämlich die Versammlung die Veitasinnq nicht blos constituiren, sondern auf für ihre Einführung sorgen wolle — acceptirt ward.
Hannover, 20. Dec. Hr. v. Boddien war in den letzten Tagen hier, um die Regierung zur baldigen Absendung hannoverscher Truppen an die Elbe aufzufordern, da Dänemark rüstet. Demzufolge ist an unsere in Altenburg liegenden Truppen die betreffende Ordre, wie wir vernehmen, bereits abgegangen. Dagegen wird Hannover andere Truppen nach Altenburg schicken.
Gießen, 19. Dec. Wie von den constiintionellen Vereinen Hannovers, so ist nun auch von den constitutionellen Vereinen Hessens und Nassaus beschlossen worden, tun Leipziger Kongreß
aller politischen Vereine Deutschlands, welche sich für das Programm „konstitutioneller Monarchie auf demokratischer Grundlage" entschieden haben, zu beschicken. Doch ist ein späterer Termin der Abhaltung des Kongresses wünschenswerth, und von den hessischen und nassauischen Vereinen beantragt worden
Stuttgart, 15. Der Die würtembergische Regierung hat ihren Ständen den Entwurf einer auf den Anforderungen der Zeit beruhenden freisinnigen Gemeindeordnung vorgelegt.
Karlsruhe, 15. Dec. (Karlsr. 3 hl) In der heutigen Sitzung der 2. Kammer wurde durch Häusser eine Frage angeregt, welche von der größten Wichtigkeit ist, und nicht nur die badische Kammer, sondern die Interessen des ganzen deutschen Volkes berührt. Seit die Einscheidung über ein definitives deutsches Oberhaupt sich nähert, sagt der Redner, laufe daö Gerücht durch die Zeitungen, als wollten einzelne deutsche Staaten in einen Sonderbund treten, um dieser Entscheidung, wenn sie nicht nach Wunsch ausfalle, sich zu entziehen. Solche ©mitte könnten freilich in bewegten Zeiten, wo Hoffnungen oder Befürchtn», gen in Gestalt von Thatsachen auftreten, leicht auftauchen. Aber es scheine mehr als Gerücht zu sein, wenn man die öffentliche» Organe einzelner süddeutschen Regierungen näher in daS Auge fasse, und dort lese, wie unverhohlen solche Sonderbundsgedanken hervortreten. Man nenne insbesondere Baiern als Vertreter jener Bestrebungen, man nenne ferner einen norddeutschen Staat, dessen Regent mit der englischen Krone im Vasallenverhältnisse stehe. Gerade nun bei Baiern spreche leider die innere Wahrscheinlichkeit für das Begründete solcher Gerüchte, indem dasselbe häufig eine Sonderstellung zu Deutschland gehabt und schon auf dem Wiener Kongresse im Einverständnis; mit anderen kleinen deutschen Staaten und im Bunde mit Frankreich in einer Weise ein» genommen habe, wodurch damals die Hoffnungen auf deutsche Einheit durch dynastische Bestrebungen vereitelt worden sind. In dieser Rücksicht sei es von Interesse, daß, wie daö offizielle Organ der Reichsgewalt jüngst berichtet, auch ein französischer Agent sich in Deutschland umhertreibe, um in diesem Sinne die parti- kularistischen Bestrebungen zu unterstützen. Die Wichtigkeit dieses Gegenstandes brauche kaum erörtert zu werden; es scheine dringende Gefahr vorhanden, daß wir voch einmal erlebten, wie uns durch dynastische Interessen die kaum in ihren Grundlagen begonnene Freiheit zerstört werde. Denn nur dynastische Interessen konnten hier mitwirken, indem materielle Interessen auf dem Wege der Einheit besser, als auf dem der Zersplitterung befördert würden. Wenn aber Bayern und andere süddeutsche Staaten einen neuen Rheinbund bilden, Oesterreich sich in seine Sonderstellung zurückziehe, Preußen dasselbe thue, so werde Deutschland in drei Stücke zerfallen, deren jedes nicht so mächtig sei, sich selbst zu erhalten. Neue Erschütterungen unseres Vateilandes würden unvermeidlich sein. Er, der Redner, habe diese Sache zur Sprach, gebracht, weil Gefahr auf dem Verzug siebe, und stelle daher, damit die Kammer ganz klar sehen möge, an die Regierung die Frage: ob ihr mittelbar oder unmittelbar irgend eine Kenntniß von solchen Bestrebungen zugekommen sei? Siaaisrath Bekk: Von den sonderbündlerischeu Bestrebungen, von welchen der Herr Abg. Häusser sprach, hat die großh. Regierung bisher keinerlei efftcieUc Kenntniß erhalten. Wir wissen nicht mehr, als was die öffentlichen Blätter und etwaige Privat- nachrichlen bringen, und was Ihnen allen ebenfalls bekannt ist. Demnach sind die großen Interessen der deutschen Einigung zur Zeit allerdings noch nicht gesichert. Ein solch großes Werk, das so lange bestandene und verwachsene Zustände erschüttert, ist nicht so leicht zur Vollendung zu bringen. Die Macht der Umstände ist oft stärker, als der Wille der Einzelnen, ja selbst als der Wille der Mehrheit. Doch dürfen wir, wie auch der Schein sei, nicht verzweifeln. Wir wollen hoffen, und wir wünschen es mit Ihnen aus voller Seele, daß die großen Interessen, die das Va- terland an seiner Einigung hat, auf der seine Größe, seine Macht beruht, siegen, und alle in den Verhältnissen liegenden Schwierigkeiten noch überwunden werden. Helmreich glaubt sich mit dieser Erklärung der Regierung nicht beruhigen zu dürfen, indem immer noch eine officielle Mittheilung nachfolgen könnte, und verlangt, die Kammer möge sich entweder durch Erhebung ihrer Mitglieder von den Sitzen, oder durch eine Erklärung zu Protocoll
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