Einzelbild herunterladen
 

- 1498 -

mit möglichster und immer fortschreitender Hinwegräumung aller materiellen, geistigen und politischen Schranken zwischen beiden Reichen. — Ich will, daß für diese gemeinsamen Zwecke des neuen Staatenbundes ein permanentes Directorium zu gleichen Theilen von beiden Seiten gebildet werde, und daß die Interessen der Völker durch periodische Einberufung von Ausschüssen der deutschen wie der österreichischen Nationalversammlung gewahrt werden. Mehr kann ich nicht zugeben, ohne Oesterreich zu ver­nichten, obne sowohl Deutschland als Oesterreich zu Grunde zu richten. Lassen Sie uns als Brüder friedlich und freundschaftlich nebeneinander wohnen, ohne gewaltsam die Widerstrebenden zu­sammen zu zwängen. London, Ende November 1848. Andrian.

Wien, 13. Dec. Die Wiener Zeitung schämt sich nicht, den gegen verschiedene Abgeordnete von der Linken unter dem Einflüsse des Belagerungszustandes zu Stande gebrachten Miß­trauens-Boren ein großes Gewicht beizulegen. Ja sie äußert ihre Verwunderung, „wie gewisse Abgeordnete es mit ihrer Ehre und dem polirischen Schicklichkeirsgefühl verträglich finden können, trotz entschiedener Mißtrauensvota der Wahlmänner nicht nur ihre Plätze, sondern die ganze Reichsversammlung zu compromittiren " Aber nicht das allein, „mehre dieser Abgeordneten hätten auch werkthätigen Einfluß und Antbeil an dem Oktoberaufstande ge­nommen, imö die öffentliche Moral erfordere daß die strafende Gerecktigkcu, welche in allen Straferkenntnissen den richtigsten Takt an den Tag lege (!), auch diese Abgeordneten müsse treffen können. Darum sollen sie austreten!" Das sind dieselben Ab­geordneten, denen die Wiener Zeitung, welche seit dem 6. October ihre Redaction nicht geändert hat, vor wenig Wochen Weihrauch mit vollen Händen streute.

Wien, 13. Dec. Der Deputirte Hawliczek hat eine Er­klärung der czechischen Partei veröffentlicht, daß sie das Mini­sterium nur dann unterstützen werde, wenn seinen Reden die That entsprechen würde. Windischgrätz und Jellachich sind um mit allem Nachdrucke den Feldzug zu beginnen an die Grenze abgegangen, jedoch nicht ohne zuvor ihren Ekel gegen die jämmerliche Brut des schwarzgelben Spießbürgerthums, das sich nicht entblödete , um «ine lange Dauer des Belagerungszustandes zu flehen , offen aus­zusprechen und zwar der letztere mündlich und der Andere in der Wiener Zeitung; sie weisen darauf hin, daß der Belagerungs­zustand als eine Ausnahmsmaßregel nicht länger währen könue, als die Verhältnisse- es eben erheischen, und der Wunsch nach einer längeren Dauer ein trauriges Zeichen bewußter Schwäche und innerer Hoffnungslosigkeit sei. Jene Partei, die royalistischer sein will, als der König, hat ihr Unwesen in der Presse und in Pe­titionen so schamlos getrieben, daß die Militärdiktatur selbst einen Abscheu vor diesen Knechtsseelen empfindet, und jede Verbindung mit derselben in Abrede stellt. Uebrigens macht sich trotz der starken Garnison zuweilen eine dumpfe Gährung Luft, freilich h der entsetzlichsten Weise, durch Meuchelmord. Ohne daß die Thä­ter zu ermitteln sind, wirb hin und wieder Nachts aus einzelnen Häusern auf Offiziere geschossen, deren schon einige als Opfer ge­fallen sind.

Wien, 15. D>c. Eine Mittheilung von der ungarischen Grenze vom 12. December in der Breslauer Zeitung giebt die kaum glaubliche Nachricht, daß die Russen mit 3 Bataillons In­fanterie, einer Division Kosacken und 18 Kanonen in Siebenbür­gen und zwar in die wichtige Festung Kronstadt eingerückl seien. Nach Angabe derselben Mittheilung haben die österreichischen Truppen Neustedt am See und Parendorf genommen, sind aber aus den Schanzen von Kittsee, die sic erstürmt hatten, von den Ungarn mit Verlust wieder hinausgeschlagen worden. — Den Wiener Zeitungen ist jede Mittheilung über den Stand der Dinge an der Grenze untersagt.

Dem Journal des Oesterreichische« Lloyd zufolge ist man mehren Emissären auf der Spur, welche sich in Oberösterreich und in einigen Gegenden Sleiermarks herumtreiben, um das Landvolk aufzuwiegeln.

Wien, 16. December. Zufolge der heutigen Wiener Zei­tung ist der 23jährige Fleischergesell Earl Pfaul „weil er sich iu einem Gasthause in äußerst empörenden und beleidigenden Aeußerungen gegen Ihre Allerd. k. k. Majestäten zur Entrüstung aller Anwesenden ausgelassen," zu 8jähriger Schanzarbeit in schwe­ren Eisen verurtheilt.

Olmütz, 12. Dec. Die Sagen vom russischen Kaiser und dem Potentatencongreß finden keinen Glauben mehr, dagegen will man die Hierherkunft des Papstes noch nickt aufgeben. — Erz­herzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl sind noch immer hier und lustwandeln fast täglich in der Rudolphsallee. — Der mäh­rische Landtag hat einen komischen Erlaß ergehen lassen. Er hat dem Redacteur der „Morawske nowiny" verboten, die Zeitung mit lateinischen Lettern zu drucken, weil diese „panslawistisch" -sind.

Der von Stadion dem Reichstag vorgelegte Entwurf einer Gemeindeordnung ist in einem großartigen und freisinnigen Geiste gehalten. Er baut auf die Grundsätze der Selbstverwaltung und eignen Wahl der Gemeinde - Behörden, die Anfänge einer ganz neuen Organisation des Reiches. Die Gemeinden bilden Gaue, die Gaue werden zu Districten und diese zu Reichskreisen ver­einigt, welche eigne Landtage haben. Die Provinzial-Eintheilung Hörl auf, wo nicht besondere Gründe ihre einstweilige Beibehal­tung fordern. Nach dieser Organisation treten dann die von allen Gemeindeangehörigen gewählten Gemeinderärhe, Gauräthe, Districtsrätbe und Provinzial-Landtage zusammen.

Berlin, 14. December. Die von den Berliner Stadtver­ordneten dem König übersandte — keineswegs durch Deputation überreichte — Adresse lautet wie folgt:

Königliche Majestät! Die beklagenswertben Ereignisse der letzten Zeit haben für den Augenblick die Unmöglichkeit hervorge­rufen zum Aufbau der Verfassung auf dem Wege der Vereinbar rung zu gelangen. Wir betrauern tief die Thatsachen, welche schließlich zur Auflösung der Nationalversammlung geführt haben. Eine Verirrung wie jene von den Vertretern des Volkes ausge­sprochene Steuerverweigerung mußte unwiderruflich die Nation trennen von ihnen, die entsandt waren zum Werke des Friedens/ nicht des Zerwürfnisses. Dies anzuerkennen gebietet uns die Pflicht und unser Gewissen. Ew. Majestät haben Ihrem Volke eine Verfassung verliehen, welche noch der Revision unter Mit­wirkung der neuen Landesvertretung unterliegen soll. Das Prin-i cip der Vereinbarung ist dadurch gewahrt. Es ist aber auch da­durch ein Boden gewonnen, von dem aus unser schönes Vater­land nach den Stürmen der Vergangenheit im Innern sich von Neuem aufbauen und zugleich mit Freudigkeit der Ereignisse ge­wärtig sein mag, welche die Größe und den Ruhm noch erhöhen werden, der ihnen bis jetzt geworden unter dem Geschlecht der Hohenzollern. — Möge unser Hoffen und unser Glauben Erfül­lung finden.

Berlin, 16. Dec. Die Mitglieder des Geh. Obcr-Tribu- nals haben dem ehemaligen Abgeordneten und Geh. Ober-Tribu-, nals-Raih Waldeck die einstimmige Erklärung zugehen lassen Sie erachteten sein Benehmen in jüngster Zeit als unangemessen für die Stellung eines Mitgliedes des höchsten Gerichtshofes und müßten es ihm überlassen, sein ferneres Verhältniß zu diesem Gerichtshöfe darnach zu bestimmen.

Nach der „Spenerschen Zrg." hat das Wort „selbstständig* im Wahlgesetze, welches zu so viel Bedenken Anlaß gegeben hat, keine andere Bedeutung, als im juristischen Sinne „dispositions- fâhig," so daß also die Zahl der Urwähler durch dasselbe nicht beschränkt wird.

Die Vossische Ztg. bezeichnet das Gerücht, als habe der Staats­anwalt bereits die Klageschrift gegen mehrere Mitglieder der Par- tei Unruh ausgearbeitet, wodurch eine Wiederwahl jener Abge­ordneten unmöglich gemacht werden solle, als völlig unbegründet. Die Regierung, meint daS Berliner Blatt, werde sich zu einem so aufregenden Schritte nicht verstehen, zumal da der Ausgang ein derartigen Prozesses höchst zweifelhaft sein würde.

Bernburg, 15. December. Die Kleinen wie die Großen Heute Morgens 9$/4 Uhr ist der Landtag aufgelöst und eine Ver. fassung octroyiit , welche auf dem nächsten ordentlichen Landtag einer Revision unterworfen werden soll. Die bezügliche Herzog, liche Bekanntmachung brauchen wir nicht wieder abzudruckcn, st. ist schon einmal unter dem Namen des Königs von Perußen er< schienen. Der Landtag, heißt es, habe durch seinen die Ehre uni Würde der Krone verletzenden Beschluß vom 29. v. M letzten außer Stand gesetzt, ferner mit ihm über das Verfassungswerl zu verhandeln, der fertig berathene Entwurf der Verfassung habe

Beilage