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Beilage zu Nr. 204 der Neuen Hessisch^en Zeitung.

* t. Frankenberg, 15. Dec. Heute fand ans dem Un- tkrbezirk des Bezirks Oberhessen die Wahl der BezirkSkLthe von den Wahlmännern der Aemter Frankenberg, Frankenau, Rosen­thal und Rauschenberg hier statt. Es fehlten dabei 7 Wahl­männer und zur absoluten Stimmenmehrheit gehörten also 21 Stimmen. Gewählt wurden aus dem Stande der wissenschaft­lich Gebildeten 1) der frühere Amtsaktuar, jetzt Posthalter Ernst ja Frankenberg ; 2) der Rentmeister Kornemann zu Rosenthal. Nach diesen hatte Pfarrer Ebert zu Louisendorf die meisten Stim­men, nämlich 18. Aus dem Gewerbstande wurden gewählt: 1) Kaufmann Conrad Bromm zu Rauschenberg und 2) Kauf­mann Friedr. Wilh. Haßenkamp zu Frankenberg, letzterer in zweiter Abstimmung. Nach diesen hatte die meisten Stimmen Gastwirth Althaus in Roeutbal. Aus den Landwirthen sind gewählt 1) Bürgermeister Roushäuser zu Ernsthausen, Amts Rauschenberg, und Ackermann Johannes Freitag zu Dainrode, Amts Frankenau. Diese Wahlresultate sind wohl als das sicherste Zeichen des seit den letzten Landtagswahlen auch in hie­siger Gegend eingetreteuen Umschwunges der öffentlichen Meinung zu betrachten.

Schleswig, 12. Dec. Nachdem die hier folgende Erklä­rung bereits mit zahlreichen Unterschriften angesehener Einwohner versehen worden war, hat der hiesige Rürgerverein gestern Abend mit großer Stimmenmehrheit derselben beizutreten beschlossen:In Erwägung der schwierigen politischen Lage des Vaterlandes, der von unserem Heere zu lösenden schweren Aufgabe und des ränke­vollen Spiels des uns grgemiberstehenden Feindes, in fernerer Er­wägung, daß Nichts sicherer die zum Widerstände und zum Siege nothwendige Einigkeit und Einheit einer Armee untergräbt und ihre Auflösung vorbereitet, als wenn die Soldaten im Kriege und vor dem Feinde an den politischen Streitfragen des Tages in Rede oder Schrift Antheil nehmen, erklären die unterzeichneten Einwoh­ner der Stadt Schleswig: daß die Soldaten des 7. schleswig- Holsteinischen Bataillons, welche in Nr. 188 der Schlesivig-Hol- steinischen Zeitung eine Adresse an das preußische Heer veiöffent­lichen, hierdurch weder einen Beweis politischer Einsicht noch pa­triotischer Hingebung abgelegt haben, und daß außerdem diejeni­gen Bewohner Schleswig-Holsteins , welche die Soldaten unserer Armee durch Rede oder Schrift in dem pflichtwidrigen Ungehor­sam gegen ihre Vorgesetzten und Osficiere zu bestärken fachen, Verrath am eignen Vaterlande begehen." Außerdem beschloß der Bürgerverein, in Veranlassung von Gerüchten, welche über den bevorstehenden Abgang deS Generals v Bonin in Umlauf ge­kommen waren, mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Mehrzahl, Den General durch eine Deputation um sein Verbleiben zu ersu­chen. Die sofort abgesandle Deputation, deren Wortführer eine den Verhältnissen entsprechende Anrede an den General hielt, wurde von diesem auf das Freundlichste empfangen und mit den besten Zusicherungen entlassen. (B.-H )

Das preußische Kriegsministerium hat diejenigen preußischen Osficiere, welche nur vorläufig und nicht auf eine bestimmte Zeit oder auf immer in diesseitige Dienste getreten sind, von hier ab- berufen. (K. C.-Vl.)

A l se n, 6. Dec. Jetzt müssen wir förmlich in Verzweiflung übergehen: denn nicht allein, daß alle Steuern auf das Energischste eingetrieben werden, sondern zum 11. d. M. ist eine Militär- Session anberaumt, und Alle bis 1844 zurück, selbst alle Frcigc- loosten, sollen gezogen werden. (S.-H. Z )

Frankreich.

Paris, 16. Dezember. Louis Napoleon hat bis jetzt von circa sechs Millionen Stimmen vier ein halb Millionen erhalten.

Der Kriegsminister Lamoricière hat folgenden Tagesbefehl er­lassen: Paris, 14. Dezember 1848. Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten! Zum ersten Male war das ganze Volk berufen, den Präsidenten der Republik zu wählen. In wenigen Tagen wird die Nationalversammlung den Namen proklamier haben, den das allgemeine Stimmrecht bezeichnete. Wenn inmittelst Aufhetzer Euch zu sträflichen Manifestationen verleiten wollten, werdet Ihr Eure Pflicht zu erfüllen wissen. Die Negierung ist bereit, dem Er­wählten der Nation die temporäre Macht zu übergeben , die ihr

von der Nationalversammlung verliehen wurde; sie soll und wird sie unberührt und geachtet zurückgeben. Der Kriegsminister, der Euch so brav und so ergeben im Kampfe und so geduldig und ruhig in den Tagen sah, die ihm folgten, er zählt auf Euch, daß Ihr ihn in seinem Auftrage unterstützen werdet, der darin bestand, die Ordnung aufrecht zu erhalten und dem Gesetz Achtung zu verschaffen. Der Kriegsminister und Oberbefehlshaber der Armee, (gez.) De Lamoricièke.

Der Moniteur bringt folgendes Handschreiben des Papstes an Cavaignac zur öffentlichen Kenntniß:Herr General! Mein Herz ist gerührt und ich bin von Erkenntlichkeit durchdrungen für die schnelle und edelmürhige Erhebung der ältesten Tochter der Kirche, die sich beeilt und sich bereits in Bewegung setzt, um dem sou­veränen Pontifer zu Hülfe zu eilen. Die günstige Gelegenheit wird sich mir ohne Zweifel bieten, um in Person Frankreich meine väterlichen Gefühle zu bezeugen und auf französischem Bo­den mit meiner eignen Hand die Segnungen des Herrn auszu­spenden, wie ich jetzt schon mit meiner Stimme ihn anrufe, zu gestatten, daß sich diese Segnungen reichlich über Sie und ganz Frankreich ausbreiten. Gegegeben Gaeta, 7. Dec. 1848. (gez.) Pius Papa Nonus."

Der Berg erläßt folgendes Manifest:Bürger! Wir wollten keine Präsidentschaft, weil wir die Einheit der Staatsgewalt woll- ten. Die entgegengesetzte Meinung ist durchgedrungen. Das Volk hat gesprochen und wir unterwerfen lins. Die Republik könnte bedroht sein; die Staatseinrichtungen, die ihr zur Grundlage die­nen, könnten angegriffen werden: wir wollen das nicht glauben. Wenn aber dennoch Parteien , die der Freiheit feindlich sind und bei Unordnungen ein Interesse haben, unsinnige Pläne träumen sollten, dann wird das Volk, wie wir hoffen, diesen trügerischen Verlockungen widerstehen. Was uns betrifft, so werden wir nie­mals vergessen, daß wir den Auftrag erhielten, die Republik zu gründen, und sie, wenn es sein muß, mit Gefahr unseres Lebens zu vertheidigen. Es lebe die demokratisch-sociale Republik!

Das Organ Lamartine's,le Bien Public" ist eingegangen. Der Courier franyais wird ihm folgen Die Bonapartisten be­schäftigen sich mit der einstweiligen Vertheilung von Stellen. Der Legitimisten - Clubb ist thätig. Er hat folgende Beschlüsse gefaßt: 1) Alle legitimistischen Journale leihen in der ihnen spe­ciell zu bezeichnenden Weise dem neuen Präsidenten Louis Bo­naparte ihre ganze Unterstützung. 2) Sie werden alles aufbieten, um die Auflösung der Nationalversammlung zu erwirken. 3, 4 und 5 sind der Aufbringung und Verfügung von Geldmitteln gewidmet.

Man bezeichnet als die Minister Louis Bonapartes: 1) O. Barrot, Conseilpräfidenr, Justiz und Kultus. 2) Leon de Mal- leville, Inneres. 3) Rulhière, Krieg. 4) de Tracy, Marine. 5) v. Fallour, Unterricht. 6) Leon Fancher, Staatsbauten. 7) Fould, Ackerbau und Handel 8) Hippolyte Passy, Finanzen. 9) Berger, ehemaliger Maire, Polizeipräsect von Paris. 10) Dubost Postdirector. 11) Paraguay d' Hilliers , Divisionsgeneral von Parts. Fould hat, wie es heißt, gedankt. Er will Handels­minister werden. In vielen Gemeinden werden Bittschriften um Auflösung der Nationalversammlung colportirt. La Libertè, das Journal des Prinzen, gibt schon zu verstehen, daß das neue Ka- binet die Nationalversammlung auflösen werde.

Girardin hat heute seinePresse" verkauft. Napoleon hat sie offenbar durch einen Dritten erstehen lassen. Mehrere Blätter, denen man wegen ihrer Verbindung mit Cavaignac freilich nicht trauen darf, zeigen an, daß Herr Girardin von Bonaparte mit einer geheimen Mission an den Kaiser von Rußland nach Peters­burg abgereist fei. Diese Mission bestehe in nichts Geringerem, als in der Contrabirung einer Anleihe und in der Werbung um die Hand einer Großfürstin für den neuen Präsidenten.

Italien.

Aus Genua wird unterm 11. December die Bildung einer provisorischen Regierung in Rom gemeldet. Das Volk von Rom verlangte am 7. die Proclamation der Republik unter dem Ge­schrei:Es lebe der Krieg."