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fon vomimmt, tinb so läßt sich mit Bestimmtheit erwarten, daß nach 8 Tagen, etwa am 17. d. M. die Vollberathung über die­sen für die Feststellung unserer Grundfreihriten so wichtigen Ge­genstand beginnen werde. Für Abschaffung des Adels haben sich alle Abtheilungen ausgesprochen; rücksichtlich der Emancipauons- frage ist das Resultat noch ganz außer aller Berechnung. Bei dieser Gelegenheit muß erwähnt werden, daß der Abg. Trojan für unbedingte Beibehaltung der Todesstrafe, der Abg. Hawliczek, die Blüthe der czechischen Demokratie, für Beibehaltung der Prü­gelstrafe gesprochen haben. Einem ganz unbestimmten Gerüchte zufolge wird der Kaiser künftige Woche von Olmütz hier ein- treffen.

Zwei Deputirte aus Böhmen haben Entwürfe von Gemeinde- ordnungen bearbeitet und diese sollen dem vom Minister vorge- legten Entwürfe entgegen gehalten werden; man will nämlich ge­gen die provisorische Einführung der vom Minister entworfenen Gemeindeordnung protestiren und eine Kammerberathung über Ge­meindeordnungen einleiten, bei welcher besondere Anträge, viel­leicht auch die mährische Gemeindeordnung zur Grundlage ge- nommen werden. Jedenfalls haben die verschiedenen Clubbs viel zu thun, denn man will die Autonomie der Gemeinden nicht zur Illusion machen lassen.

Die an und für sich sehr einfache und erklärliche Thatsache, daß aus die bekanntlich durch kaiserliche Prinzen bei verschiedenen Höfen erfolgte Notificirung von der Thronentsagung des alten und der Thronbesteigung des neuen Kaisers nun diese Höfe ihrer­seits Prinzen zur Gegenvisite schicken, hat natürlich unter dem Einflüsse dieser fabelhaften und mythenbildenden Zeit sofort zu allerlei centnerschweren Conjecturen Stoff geliefert. Prinz Karl von Preußen ist in Olmütz gewesen, kaum war er abgereist, so ist Prinz Albert von Sachsen angekommen; und demnächst wird auch ein russischer Großfürst eintreffen. Bon Olmütz sind die Herrschaften nach Prag, um auch dort ihren Spruch zu sagen und dann wieder heimzukehren. Was folgert dieGon st allg. Zeitung von Böhmen" hieraus?Die Hauptstadt Böhmens. sagt das genannte Blatt, welches das Gras wachsen hört, scheint in der nächsten Zukunft der Schauplatz, wenn auch nicht wichtiger Ereignisse, so doch jener Bewegungen zu werden, welche als Bor­bereitungen wichtiger Ereignisse zu gelten haben; es dürfte nicht unwahrscheinlich sein, daß (um einen in die Mode kommenden Ausdruck zu gebrauchen) dieOktroyirung" Europas (! ) in Prag ihren Centralisationspunkt fände, insofern von hier aus jene Strahlen ausgehen werden, durch welche das Volk ein Licht für seine nächste Zukunft erhalten soll. Die Nachricht, daß uns ein Fürsteneongretz bevor stehe, gewinnt mehr und mehr an Glauben, die Zimmer für die Ausnahme des Selbstherrschers aller Reußen (?) werden im Schlosse schon in Bereitschaft gesetzt. Die Zahl der fürstlichen Gäste, welche den Hradschin besuchen, hat sich wieder um eine hohe Person vermehrt, es ist der Prinz (Karl) von Preußen , der seit gestern Abend aus dem Prager Schlosse als Gast weilt , ein Besuch, den man mit vieler Wahrscheinlichkeit als den Vorläufer solgenreicher fürstlicher Zusammenkünfte be­zeichnet."

Das Coiistlt. Blatt aus Böhmen saßt die Sache schon weniger tiefsinnig auf:Gestern, sagt dasselbe, vergrub ich ein Geheimniß in meiner Brust, aber heute muß es heraus, sonst hört es viel­leicht aus, ein Geheimniß zu sein. Man soll hier bei Hofe mit Sicherheit nicht bloo den Ezaar von Rußland, sondern auch noch andere hohe Häupter erwarten zu einem Kongresse, in dem die deutschen Angelegenheiten (?) geordnet werden sollen. Die Wage eines neuen polnischen Gleichgewichtes soll in Olmütz bereitet werden. Mit so großer Gewißheit man allgemein davon spricht, so glaube ich doch nicht an die Ankunft des Ezaaren, wohl aber natürlich an die baldige Ankunft eines russischen Prinzen, so wie an die Ankunft von Prinzen aller Höfe, an die unsere Prinzen gereiset sind? Wird Paris Jemanden und wen wird es senden? Und Victoria von England?"

Olmütz, 11. Dec. (Dtsche. Z.) Es wird Ihnen vielleicht nicht uninteressant sein, zu erfahren, daß in Oesterreich die öffent­liche Meinung sehr günstig für die Kandidatur des Königs von Preußen als deutsches Reichsoberhaupt gestimmt ist. I'ver Halb­wegs Vernünftige sieht wohl ein, daß von allen deutschen Staa­

ten, was Intelligenz und Macht anbelangt, Preußen vor allen andern dazu berufen ist, an die Spitze des neudeutschen Reiche- zu treten. Selbst für Oesterreich hoffen wir dann, daß die An­ordnungen der Reichsgewalt mehr berücksichtigt werden. DaS deutsche Element in Oesterreich bedarf jetzt einer kräftigen, nach­haltigen äußern Stütze, und die, das fühlen alle deutschen Oe­sterreich, r, wird uns am sichersten durch eine kraftvolle deutsche Eentralgewalt.

Die serbische Deputation hat Olmütz verlassen, und ist nach Kremsier gegangen, unzufrieden und über Vernachlässigung klagend.

Prag, 12. Dec.Hätten wir einen Todten aufzuweisen, wir würden ihn besser nützen," sagte ein geistreiches Mitglied der Frankfurter Linken nach Lichnowskys Ermordung. Sie haben ihn gehabt und haben ihn allerdings nach Möglichkeit auszubeu- ten gewußt. Aber die österreichischen Militairherrscher verstehen es auch. Noch immer, noch jetzt, nachdem so viele Ereignisse, so mancher neue Tod zwischen heute und dem 6. Oktober liegt, dauern die militairischen Todtenfeste für den ermordeten Latour fort. In Prag war am 12. December die ganze Garnison hin- ausgezogen auf die Marienschanze. Abtheilungen jeder Waffen­gattung waren in der Kirche, wo in Gegenwart der gesummten Generalität das Todkenamt gehalten wurde.

In Folge MimsterialbefehlS ist an sämmtliche dem böh­mischen Lanbespräsidium untergeordnete Kreisämter die Weisung ergangen, solche Vereine, welche nicht daS Staatswohl fördernde, sondern der ereculiven und gesetzgebenden Gewalt feindliche Zwecke verfolgen, aufzulösen. In diese Kategorie werden ausdrücklich demokratische und Arbeiterclubs gezählt. Zugleich sind die Kreis- ämter angewiesen worden, eine genaue Specification der in ihrem Rayon befindlichen Vereine einzusenden. Ueber die Bestrebungen der Slowanska Lipa soll sich der Herr Gubernialpräsident in sehr anerkennender Weise ausgesprochen hat.

Berlin, 15. Dee. Vielen Glauben findet hier das Gerücht, Rußland beabsichtige mit Preußen einen Ländertausch in der Weise kinzugehen, daß die von Reichswegen abgegrenzten polenschen Be­zirke Posens an Rußland gegen Ueberlassung von Kurland ab­getreten würde.

Der bekannte socialistische Schriftsteller und Agitator W. Weitling, der seit dem Sommer hier lebt, beabsichtigt als Eandivat für die bevorstehenden Wahlen aufzutreten. AlS sein Programm wird er nächstens eine, etwa 4 Druckbogen fül­lende Schrift, unter dem Titel:Politische Social-Oeco- n o m i e, nebst Verstandesübungen zur V o r b e r e i t ii n g auf d ie nächsten Wahlen" veröffentlichen.

Im Gegensatz zu den Mittheilungen der Breslauer Zeitungen, daß sich der bekannte Wiener Agitator Dr. Schütte in der schlesischen Hauptstadt befinde, wird uns von sehr zuverlässigen Personen ver­sichert, derselbe fei vor einigen Tagen hier gewesen, habe jedoch nur eine Nacht hier verweilt und sei dann nach Amerika abgereist.

Gestern Abend ist es auch dem Dr. Eichler, auf den we­gen politischer Prozeßsachen eifrig gefahndet wird, gelungen, Ber­lin zu verlassen. Von den sämmtlichen Berliner Demagogen befindet sich gegenwärtig keiner mehr im Lichte der Oeffentlichkeit.

Berlin, 15. Dec. Die Anklage gegen die Deputirten, welche an den Steuerverweigerungs-Beschluß und an Schritten zu dessen Ausführung Theil genommen haben, ist, wie bestimmt ver­sichert werden kann, bereits ausgearbeitet. Die Einreichung der Anklage an die Justizbehörden dürfte vielleicht noch verschoben werden. Es kommt vorläufig nur darauf an, für alle Eventuali­täten gerüstet zu sein. Prinz Karl ist, von Olmütz kommend, hier wieder eingehoffen.

Berlin, 16. Dezember. Viel Aufsehen erregen die beiden von der deutschen Reform mitgetheilten Schreiben des Generals Wrangel wegen des wiederholten Verbots der Zeitungshalle. Cs ist in dem ersten dieser Schreiben von einem Gelöbniß die Rede, welches die Redaktion gegeben habe, nur noch Thatsachen auftrehmen zu wollen. Die Redaktion erscheint dadurch sowohl ihrer Partei, alS dem Publikum gegenüber, in hohem Grade compromittirt. Wir sind begierig, ihre Rechtfertigung zu vernehmen.

Das schon vor einigen Wochen mitgetheilte Gerücht, General v. Wangel habe den Maschinenbauern 10 Friedrichsd'or verehrt und sich selbst in ihren Verein ausnehmen lassen, beruhte aller-