Einzelbild herunterladen
 

Neue Hessische Zeitung.

.4» «<d»

Dienstag, den 19. December.

1848.

Die Neue Hessische Zeitung erscheint täglich, Sonntags mit einem Unterhaltungsblatte, und wird vor 12 Uhr Morgens auSgegeben. Der AbannementSpreiS beträgt 1 Thlr. 15 2gr. für das Quartal, wofür alle kurheffischen Postämter solche ohne Preiserhöhung liefern, Anzeigen jeder Art werden die Petitzeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet.

in 1 Sr

Politische Nachrichten Deutschland.

Frankfurt, 16. Dezember. Hier ist ein Abgeordneter auS Wolgast (in Neuvorpommern) angekommen, ein Slliiffs- baumeister, welcher Unterstützung nachsucht für den Plan seiner Landsleute, eine Dampfcorvette zu bauen. Sie soll mit sechs großen Bombenkanonen ausgerüstet werden, die sich nach allen Seiten drehen lassen; die Maschinen sollen in Berlin angefertigl werden, und allein 80,000 Thaler kosten. Die Kosten für die Corvette sind auf 150160,000 Thaler veranschlagt. Bei dem Wolgaster Vereine sind dazu 10,000 Tbaler an freiwilligen Bei- irägen zusammengebracht, auch haben sich die dortigen Kaufleute 'rboten, Hanf, Segelwerk und allen Schiffsbedarf ohne Provision u liefern. Es ist jetzt Auftrag gegeben, in den Ostseehäfen vier- ig Kanonenschaluppen für die teutsche Flotte zu erbauen. Aber vo bleiben die großen Kriegsschiffe? Die Oberpostamtszettung versichert, sie sollten jetzt, (tandem aliquando!) in England und n Deutschland erbaut werden, unter der Aufsicht eines amerika- chen Commodore. Im preußischen Kriegsministerium wird aber ersichert, die deutschen Kriegsschiffe würden ausschließlich in Deutschland erbaut werden. Wenn dem so ist, so würde die Er- auung der Flotte ihren nächsten Zweck vollständig verfehlen; enn die Sachverständigen versichern, daß bis zum Wiederbeginne er Schifffahrt es unmöglich sein werde, auf deutschen Werften tzt noch größere Kriegsschiffe zu erbauen und seefertig zu machen, üe Dänen werden also beim ersten offenen Fahrwasser , wo die Schifffahrt am lebhaftesten und wichtigsten ist, die Mündungen >n Weser, Elbe und Oder, alle deutschen Küsten wieder sperren innen. Man trifft hier in Frankfurt freilich Leute genug, welche ne bessere Zuversicht haben, und wenn die Rede auf diese An- stegenheit kommt, geheimnißvoU und triumphirend sagen: Dafür gesorgt! Es wird gebaut! Mehr als genug! Man darf nicht von reden! Dies flüstern sie so leise, als waren sie besorgt, an könnte ihre Worte in Kopenhagen hören. Da wir nicht iterrichtet sind, so sähen wir uns gerne genauer belehrt; denn ir können kaum glauben, daß hier ein Staatsgeheimniß obwalte, knn wirklich im Auslande für ein Paar Millionen Kriegsschiffe baut werden sollten, was wir von ganzem Herzen wünschen, so irden die Dänen wahrlich andere Quellen, haben das zu erfah-

1, als die deutschen Zeitungen. Und fast möchten wir sogar uihen, daß es der Friedensverhandlungen wegen sehr gut sein irde, wenn die Dänen etwas Gewisses über unsere bedeutenden Brüstungen in Erfahrung brächten. Man sollte ihnen amtliches Verzeichniß der Dreidecker und Dampffregatten schicken, welche für deutsche Rechnung aus dem Stapel stehen d bald die Nordsee, die auch sonst das deutsche Meer genannt ,rde, rein fegen werden. Wir möchten wetten, daß dann die t so übermüthigen Dänen den Dannebrog bald von halbem aste wehen ließen! Jetzt besorgen wir sehr, daß am 27. März ston und Havfruen wieder auf der Höhe von Swinemünde und lgoland herumkreuzen, und von der deutschen Orlogsflotte noch hts zu sehen ist, als höchstens Berichte und Rechnungen in der arinekommission. Kaum war der Waffenstillstand geschlossen, so ' trn die Dänen das Schifföbauholz aus den mecklenburgischen Pen in ganzen Ladungen ab. Das that das arme Dänemark, r hatten kein Geld. (Dtsche Ztg.)

?6. Frankfurt, 16. Dez. Wie sehr die Ansichten über definitive Gestaltung der Centralgewalt auch jetzt noch ausein- ergehen, mag darin seine Bestätigung finden, daß in dem lich mit Berücksichtigung der verschiedenen Stämme von der lnogesellschast gewählten Ausschüsse zur Vorberathung über

diese Frage, das erbliche Kaiserthum, der Wahlkaiser und das Triumvirat gleich starke Vertretung gefunden haben. Die Ueberzeugung von der unerläßlichen Nothwendigkeit einer starken, einheitlichen Erekutivgewalt, vor der feit den September - Ereig­nissen alle sonstigen Antipathieen und Rivalitäten auf eine Zeit lang verstummten, scheint jetzt von Vielen wieder aufgegeben ugh bunt durch einander wirbeln die verschiedensten Interessen und Wünsche.

Auf die Nachricht, daß Dänemark die Besatzung der Insel Alsen auf 8000 Mann zu erhöhen beabsichtigt, hat das Reichs- kriegsministerium, wie wir vernehmen, Befehl gegeben, daß eine entsprechende Anzahl Reichstruppen an der holsteinischen Gränze zusammengezogen werde, um für jeden Fall bereit zu sein.

Frankfurt, 14. Dezember. Der zum Zollkongreße öster­reichischer Seils anwesende Hr. Gähringer ist von Oesterreich ab­berufen werden.

Kremsier, 11. December. Der Reichstagsabgeordnete und Ministerialrath, Dr. Alois Fischer, ist zum Landesgouverneur der Provinz Ober-Oesterreich ernannt worden. Jedenfalls der Anfang einer wohlthätigen Reorganisirung der Provinz - Bureaukratie und der dem alten Systeme noch angehörigen Regierungsbehörden.

Merkwürdige Dinge werden von dem Bauer Kobycica, dem Reichstagsdeputirten der Bukowinesen, kund. Die kupferne Me­daille, welche die Deputaten während der Octobertage in Wien zu ihrer Legitimation sowie zur persönlichen Sicherheit bei sich trugen, hat Kobyliea seinen einsaitigen Committenten mit der Behauptung vorgezeigt, der Kaiser selbst habe sie ihm umgehängt und ihn damit zum Könige der Bukowina gemacht, auf daß er alle Beamten und Grundherren wegjage und sämmtlichen Grund­besitz unter die Bauern vertheile. Diese Aufgabe hat er dann mit Hülfe einer Leibgarde von 1000 Bauern, die ihn umgibt, ins Werk zu setzen versucht. Doch scheint sein Königreich nicht viel länger gedauert zu haben, als das deS Dr. Stockmann zu Thüringen denn in einem Privatschreiben an Präsidenten Smolka beklagt er sich, daß das Militair auf ihn fahnde und bit­tet, sich seiner anzunehmen.

Kremsier, 11. Dec. Die Befürchtung, die kaiserliche Regierung gehe mit der Auflösung der Reichsversammlung um, greift immer weiter um sich und hat im Reichstage selbst Glau­ben gefunden. Mit Beziehung hierauf soll der Finanzminister vor der Finanz-Commission erklärt haben, daß das Beispiel Preußens, selbst wenn die Regierung wollte, wegen der ganz be­sonderen Verhältnisse Oesterreichs, schon Klugheitshalber nicht imitirt werden könne, daß also eine solche Beforgniß ganz grund­los sei. Uebrigens scheint es sehr gewagt, über die politische Aufrichtigkeit oder gar über die Tendenzen des Ministeriums Stadion abzusprechen. In der allgemeinen Gährung, die der jetzige Entstehungsproceß des neuen Oesterreich erzeugt, werden nicht blos die buntesten Urtheile, sondern auch die widersprechend­sten Gerüchte über Thatsachen laut. Unrichtig wäre es vor Allem, das Benehmen des modernen Wallenstein, des Wiildischgrätz in Wien, dem Ministerium zur Last zu legen. Niemanden geschieht damit größerer Schaden und Verdruß, als den konstitutionellen Ministern selbst, welche aber doch aus nahe liegenden Gründen in diesen» Augenblicke dem Feldherrn gegenüber ohne Macht sind. Was die Opposition im Reichstag betrifft, so giebt es auch Leute, welche sie keineswegs der Besorgniß vor Reaction, sondern dem eitein Streben der Czechen zuschreiben, welche sich mit demokra­tischen Scheingefechten vor den Leuten sehen lassen möchten.

Die Berathung der Grundrechte ist in allen Sektionen zu Ende gediehen, die Pesultate derselben werden nun durch die Re­ferenten dem Constitutionsausschusse mitgetheilt, welcher die Revi-